by Olivier on 22/12/2017 | Konsum

Cannabis und Sport – ein ungleiches Paar?

In den USA macht das öffentliche Image von Cannabis gerade einen Wandel durch. Im Zuge der Legalisierung entstehen neue Angebote, die Gesundheit und Bewegung in den Fokus rücken. Kalifornien ist ein Schritt voraus. Mal wieder.


Die Hippie-Bewegung, das Computer-Zeitalter, die Elektromobilität ­– wer sich für neue Trends interessiert, kommt um Kalifornien nicht herum. Hier werden Ideen und Produkte geboren, vermarktet und in die Welt exportiert. Es überrascht daher wenig, dass Kalifornien auch bei der Legalisierung von Cannabis eine Vorreiterrolle übernahm.

Seit 1996 ist die Nutzung von Cannabis als Medizin erlaubt, seit dem vergangenen Jahr gilt dies auch für den Freizeitkonsum. Die gesetzliche Grundlage für die Legalisierung bildet Proposition 64, ein Dokument von mehr als 60 Seiten, das ohne juristische Kenntnisse kaum zu verstehen ist.

Amanda Reiman von der Drug Policy Alliance, welche Proposition 64 mitgestaltet hat, bringt im Gespräch mit TIME die wichtigsten Fakten auf den Punkt:

„Zuerst die schlechten Neuigkeiten, es gibt noch keine Cannabisläden für Erwachsene und ohne Patientenkarte können Sie nicht einfach in eine lizenzierte Apotheke spazieren und ein paar Brownies kaufen […] für Erwachsene im Alter von 21 Jahren ist es nun legal, Cannabis zu konsumieren, zu besitzen, zu teilen und zuhause anzubauen.“

Reiman fügt an, dass eigentliche Coffeeshops erst ab 2018 zu erwarten sind.

Tatsächlich hat sich auf den ersten Blick wenig verändert in Los Angeles und San Francisco. Wer in diesen Tagen am Strand in Venice unterwegs ist, dem präsentiert sich die übliche kalifornische Szenerie: Touristen grinsen in die Kamera, Mütter in schmalen Hosen schieben breite Kinderwägen vor sich hin und hier und da trifft sich eine Gruppe von jungen Menschen zum Sport.

Sie kombinieren Kugelhanteln mit Yoga und schaffen es dabei so perfekt auszusehen wie ihre Instagram-Accounts. Am Ende des Trainings machen Smoothies vom Farmers Market die Runde, ein paar der Jungs trinken Protein-Shakes. Doch da ist noch was. Was aus der Ferne wie ein kleines Tetra Pak mit Trinkhalm aussieht, entpuppt sich beim genaueren Hinsehen als Verdampfer.

Das Bild dieser gesundheitsbewussten, urbanen Jugend, die nach dem Sport Cannabis konsumiert, passt für Außenstehende ganz und gar nicht zusammen mit dem Bild des faulen Kiffers.

Cannifornication

Kalifornien ist gerade dabei mit den alten Klischees aufzuräumen. Zwischen den goldenen Stränden im Süden und den Redwoods im Norden entstehen neue Angebote, die Cannabis und Sport unter einen Hut bringen.

Galionsfigur dieser Bewegung ist Jim McAlpine, der mit seinem Henriquatre-Bart und Glatze an den Schauspieler Dwayne „the Rock“ Johnson erinnert.

McAlpine ist der Mann hinter den 420 Games, einer Reihe von Sportevents, die mittlerweile in sieben verschiedenen Bundesstaaten ausgetragen werden. Bei den 420 Games werden 4,2 Meilen (ca. 6,5 Kilometer) zurückgelegt. Dabei geht es nicht darum, sich auf der Strecke einen Joint anzuzünden. Der Konsum ist während dem Rennen ausdrücklich verboten.

Ziel ist es „die Stereotypen aufzubrechen, die während der Zeit der Cannabis-Prohibition entstanden sind“, so McAlpine im dopemagazine. Er will, dass Cannabis-Konsumenten in Zukunft nicht mehr alle über den gleichen Kamm geschoren und als „unmotivierte Kiffer“ abgestempelt werden.

#420strong! Thanks for coming out to the #420games ladies!!!!

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Ein weiteres Baby von ihm ist das Power Plant Fitness in San Francisco. Das erste „Cannabis-Fitnesscenter der Welt“ will „Menschen ausbilden und ihnen den gesündesten Weg zum Konsum von Cannabis beibringen“. Entsprechend ist der orale Konsum und das Verdampfen in speziellen Räumen erlaubt, während das Rauchen im gesamten Gebäude verboten bleibt.

McAlpine ist nicht nur Entrepreneur und Sportler, sondern auch selbst überzeugter Konsument. Eine Stunde vor dem Sport konsumiert er 50 bis 100 Milligramm THC in Form von Gummibärchen. Er sei dadurch motivierter und könne sich besser auf den Moment konzentrieren.

Dabei gesteht er im Interview mit dem denverite ein, dass Kiffen und Sport längst nicht für alle eine gute Kombination darstellen und bei gewissen Menschen auch negative Effekte hervorrufen können.

Was sagt die Wissenschaft uber kiffen und sport?

Über die Wirkungsweise von Cannabis im Sport ist wenig bekannt. Laut dem australischen Pharmakologen Michael C. Kennedy setzen sich nur 15 englischsprachige Studien mit dem Thema auseinander. Einer, der sich auskennt, ist Gregory Gerdeman. Seit 20 Jahren untersucht der Neurowissenschaftler, wie Cannabis auf das Gehirn wirkt. Er sagt, dass die Kombination aus Cannabis und Sport Sinn macht.

Der menschliche Körper produziert eine Reihe von chemischen Verbindungen, die als Endocannabinoide bezeichnet werden. Sie steuern die Art und Weise, wie wir Schmerzen und Stimmungen wahrnehmen und sorgen dafür, dass unser Körper im Gleichgewicht bleibt. Dieser Zustand der Homöostase kann durch Krankheiten wie Krebs oder anstrengende körperliche Aktivitäten gestört werden.

Interessanterweise könnten extern produzierte Cannabinoide den Körper darin unterstützen, das Gleichgewicht wieder herzustellen. Genau solche Stoffe gelangen in unseren Körper, wenn wir Cannabis konsumieren. Die bekanntesten sind THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol), wobei ersteres psychoaktiv wirkt und so dafür sorgt, dass wir uns „high“ fühlen.

Foto eines Mannes, der entlang einer leeren Straße in Richtung Horizont dem Sonnenuntergang entgegen läuft.

Cannabinoide beeinflussen unser Schmerzempfinden, unsere Reaktionen auf Stress und unseren Appetit. Diese Effekte können positiv oder negativ sein. Sie hängen von verschiedenen Faktoren ab wie der persönlichen Veranlagung, Dosis und Toleranz.

Nehmen wir mal an, dass bei einer Person die Effekte positiv sind und sie sich dadurch besser fühlt, weniger Schmerzen wahrnimmt und Schwellungen schneller abklingen: In dem Fall könnte man bei Cannabis durchaus von einem leistungsstärkenden Mittel im Sinne von Doping sprechen.

Dagegen spricht die Tatsache, dass der Konsum den Puls erhöht und so früher zu einem Erschöpfungszustand führen kann. Auch verlangsamte Reaktionszeiten und Koordinationsschwierigkeiten, die mit Cannabis assoziiert werden, sind beim Sport nicht hilfreich.

Ob Cannabis als Doping einzuordnen ist oder nicht, lässt sich nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten. Fakt ist, dass im Moment noch zu wenige Studien existieren. Dies ist eine direkte Folge der Prohibition, die auch dazu geführt hat, dass die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) Cannabis als Doping einstuft. Während THC verboten bleibt, will die WADA im kommenden Jahr CBD von der Liste der verbotenen Substanzen streichen.

Amerikanische Profiliegen – es tut sich was

Die Überraschung war groß, als sich David Stern im Oktober für die Nutzung von medizinischem Marihuana ausgesprochen hat. 30 Jahre lang hat er die beste Basketballliga der Welt, die NBA, mit eiserner Hand geführt.

Er war es, der sich zu Beginn seiner Karriere für strengere Drogentests stark gemacht hat, er war es auch, der den Spielern verboten hat, mit Freizeitkleidern, Baseballmützen und Schmuck auf der Bank zu sitzen. Wenn also dieser gleiche David Stern behauptet, dass Marihuana von der Doping-Liste gestrichen werden sollte, kann man nicht anders als von einem Paradigmenwechsel sprechen.

Schon länger munkelt man, dass viele Spieler der amerikanischen Profiliegen Cannabis konsumieren. Einer von ihnen ist Kyle Turley.

#merica 💪🏿💀🇺🇸 #happy4thyall 🇺🇸💥

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Fast zehn Jahre in der NFL (National Football League) haben ihre Spuren hinterlassen: Gehirnerschütterungen, Knieprobleme, Depressionen, chronische Kopfschmerzen. Probleme, die er mit einem Cocktail aus Schmerzmitteln (darunter Opioide), Muskelentspannern und Psychopharmaka bekämpft hat. Einmal fand ihn seine Frau, als er versuchte aus einem Fenster im dritten Stock zu springen.

Vor zwei Jahren wagte Turley ein Experiment: Er setzte alle Medikamente ab und begann, ausschließlich Cannabis zu konsumieren. Weil es ihm seitdem endlich besser geht, hat sich Turley zu einem glühenden Befürworter von Cannabis entwickelt.

Immer mehr zurückgetretene Profis machen ähnliche Erfahrungen wie Turley. Sie setzen auf die Natur statt auf Chemie. Unter dem Namen „Athletes for Care“ haben sich fast 30 von ihnen zusammengeschlossen.

Ziel ist es, die Gesundheit von Athleten zu fördern und sie möglichst gut für ein Leben nach der Profikarriere vorzubereiten. Ein wichtiger Teil des Programms ist die Nutzung von medizinischem Cannabis.

Auffällig ist, dass sich nach wie vor nur wenige aktive Sportler öffentlich für Cannabis aussprechen. Noch scheint die Angst vor einem Imageschaden und ausbleibenden Sponsoren zu groß.

Manchmal sind Sportler auch mit Cannabis-Sponsoren zufrieden, wie in diesem Cannabis News Network Video:

Fürs Laufen, Agent Orange. Fürs Leben, Durban Poison.

Über Werbegelder macht sich Tyler Hurst keine Gedanken. Zwei bis viermal pro Woche schlüpft der 38-Jährige in seine Vibram-Sportschuhe und legt los. Für ihn ist Laufen eine Form der Meditation. Wenn er nicht läuft, macht Hurst Yoga, trainiert auf dem Hometrainer oder dem Rad. Im Idealfall macht er 90 Minuten Sport. Pro Tag.

Hurst achtet auf seine Ernährung. Ihm geht es gut. Doch das war nicht immer so. Nach einer Rückenverletzung konnte er vor zwei Jahren nur noch unter Schmerzen trainieren. In dieser Zeit begann Hurst mit Cannabis zu experimentieren.

„Cannabis macht mich nicht schneller oder zu einem besseren Athleten, ich habe aber dadurch meine Schmerzen im Griff und erhole mich schneller“.

Hurst kombiniert verschiedene Konsummethoden wie Dabbing, Edibles und Vaporizer. In seinem Podcast Burning Bush berichtet er von den Erfahrungen, die er über die Jahre gemacht hat.

Hurst erzählt mir, dass er Cannabis-Sorten mit einem hohen Sativa-Anteil bevorzugt: „Fürs Laufen und Yoga, Agent Orange. Fürs Leben, Durban Poison“. Wenn während dem Lauf die Wirkung des Cannabis langsam abnimmt, beginnt das „natürliche“ High.

„Das Runner’s High und das Cannabis-High kommen vom gleichen Ort“, so Hurst weiter. Viele Läufer kennen das Glücksgefühl, von dem er spricht.

Dauerlaufen kann Menschen in einen rauschähnlichen Zustand versetzen. Laut Gregory Gerdeman ist dieses Runner’s High tatsächlich eng mit dem Endocannabinoid-System verknüpft.

Schon 30 Minuten Bewegung reichen aus, dass der Körper vermehrt Endorphine produziert und die Konzentration des Endocannabinoids „Anandamid“ im Blut ansteigt.

Anandamid, dessen Name vom Sanskrit-Wort „Ananda“ (Freude, Glückseligkeit, Glück) abstammt, ist chemisch gesehen ein enger Verwandter von THC. Etwas salopp ausgedrückt könnte man sagen, dass Anadamid die menschliche Form von THC ist.

Forscher gehen davon aus, dass die Glücksgefühle während dem Laufen evolutionäre Gründe haben. Was früher bei der Jagd half, treibt Menschen heute zum Marathon an.

Kommentar Abschnitt

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Axel Junker

Bei Cannabis und Sport muss ich unweigerlich an Schach denken, sofern nicht unter Zeitdruck- , Höhen- oder Breitenmessung gespielt wird.

25/12/2017

Mike Roth

Hallo zusammen

Ich denke, dass Cannabis und Sport in Kombination immer häufiger auftreten wird. Insbesondere Cannabidiol wirkt entspannend auf die Muskeln und lindert Entzündungen.

Liebe Grüsse

27/12/2017

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.
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