Cannabis und Yoga: die perfekte Mischung?

Cannabis-, Ganja- oder 420-Yoga ist die subtile Kunst, Cannabis und Yoga miteinander zu vermischen. Diese moderne Art der Yogapraxis beinhaltet das Verdampfen oder Essen einer kleinen Menge Cannabis, bevor man mit den Posen beginnt. Nach Ansicht von New-Age-Yoga-Pionieren hilft Cannabis, die Konzentration zu erhöhen und Körperbewusstein zu verbessern.

Es gibt viele verschiedene Arten von Yoga – und alle haben das gleiche gemeinsame Ziel: eine Verbesserung des körperlichen, geistigen und emotionalen Zustands. Und natürlich dürfen wir an dieser Stelle auch nicht die Erhebung von Subjekt- und Objektrealität in den klassischen mystischen Zustand der Ganzheitlichkeit nicht vergessen.

Yoga bedeutet Vereinigung und traditionell wird Yoga durch Atmung, Meditation und bestimmte Posen erreicht. Diese Techniken sind so konzipiert, ein Konzentrationsniveau zu erreichen, das stark genug ist, um eine spirituelle Vereinigung hervorzurufen. Überall auf der Welt haben die Menschen begonnen, Cannabis zu verwenden, um das nötige Maß an Konzentration schneller zu erreichen.

Cannabis und Yoga: damals und heute

Der Gebrauch von Cannabis während des Yogas ist eine New-Age-Praxis. Obwohl es in alten religiösen Texten aus Indien Hinweise auf Cannabiskonsum gibt, ist es wahrscheinlich, dass beide Aktivitäten getrennt gehalten wurden. Je nach Auslegung verbietet die moderne Praxis des Hinduismus und des Yogas den Drogenkonsum während der Meditation. Jedoch beziehen sich die Veden ausdrücklich auf ein berauschendes Mittel namens Soma, das alle Yogis einnehmen sollten. Drogen sind in der Yogatradition also nicht gänzlich fremd, aber in Indien erlauben Yogis normalerweise nicht, dass ein Kursteilnehmer sich berauscht.

In der ayurvedischen Philosophie gibt es zwei Varianten des Cannabiskonsums, einmal als Nektar, einmal als Gift. Falsch verwendet, nimmt Cannabis tamasische Qualitäten an, was bedeutet, dass es Schmerzen oder Emotionen verbirgt. In der ayurvedischen Literatur wird es manchmal als Nektar beschrieben (vielleicht ein Hinweis auf medizinische Nutzung). Im Rahmen des Freizeitkonsums kann es als sogenannter „Dimmer“ niemals eine spirituelle Offenbarung hervorrufen.

Yoga und Marihuana zusammen…. das ist, als würde man Salz auf sein Essen geben. Einfach eine kleine Verbesserung“, sagt Tanya Pillay, Schauspielerin, Autorin und Hypnotiseurin aus Toronto.

Ganja-Yoga ist eine eher neue Entwicklung und vor allem in den cannabisfreundlichen Bundesstaaten der USA wie Kalifornien, Washington und Colorado sowie in Kanada, wo es schon seit Jahren ein Trend ist, verbreitet.

Oft wird gelehrt, dass die Kombination von Cannabis und Yoga weit zurückreicht. Denn die indische Gottheit Shiva wird oft mit einem Chillum dargestellt, der indischen Pfeife zum Rauchen von Cannabis. Obwohl Cannabis eine reiche Geschichte im Hinduismus und bei den Veden hat, gibt es nicht viele Hinweise darauf, dass Cannabis während der Yogapraxis verwendet wurde. Es scheint, also ob Ganja-Yoga eine moderne Entdeckung ist.

Was bedeutet Ganja-Yoga genau?

„Cannabisierte“ Yoga-Klassen sind Entspannungs-Treffen. Normalerweise vaporisieren Lehrer und Teilnehmer, da dies als der sauberste und gesündeste Weg gilt, Ganja zu konsumieren. Es ist auch möglich, es vorher als Speise einzunehmen, aber per Verdampfer fällt die Dosierung leichter und natürlich auch das Teilen unter den Kursteilnehmern.

Im Allgemeinen versammeln sich die Teilnehmer zuerst, um gemeinsam Cannabis zu konsumieren, erst danach nehmen sie ihre Meditations- und Yoga-Posen ein. Wenn der Lehrer wirklich gut ist, wird er die Cannabissorte genau auf den Kurs abstimmen. Einige Yoga-Kurse beispielsweise sind dynamischer, während andere eher erholungsfokussiert sind, wie etwa Yin-Yoga.

Normalerweise beinhaltet Ganja-Yoga nur kleine Dosen Cannabis, die gegenüber einem gewöhnlichem Konsumverhalten abfallen. So werden beispielsweise sehr kleine Mengen verdampft oder nur eine sehr geringe Menge an Tinktur verbraucht. Denn ein schwerer Rausch ist wahrscheinlich nicht sehr förderlich für die Konzentration – oder die Yoga-Posen!

Eliza Maroney, aka The Cannabis Yogi, spricht in einem Forbes-Artikel über ihre Cannabis-Yoga-Kurse. In ihren Klassen haben die Schüler die Möglichkeit, zwischen einer Vielzahl von verschiedenen Produkten zu wählen. Sie betreiben Mikrodosierung, bis der gewünschte Wirkungsgrad erreicht ist, danach werden sie durch eine 45-minütige Vinyasa-Yin-Praxis geführt.

Cannabis, Meditation und Konzentration

Cannabis wird nicht allgemein als Mittel zur Steigerung der Konzentration angesehen, oder zumindest wird es in der Regel nicht zur Erzielung von Konzentrationsteigerungen eingesetzt. Aber das liegt wahrscheinlich daran, dass das Objekt der Konzentration während eines Cannabis-Highs etwas Unbekanntes oder nicht so Offensichtliches ist, wie zum Beispiel eine Emotion. Professor Arthur C. Hastings beschreibt es in seinem Artikel „Effects of Marijuana on Consciousness“ perfekt:

Der Prozess der Aufmerksamkeit wird eindeutig durch Marihuana beeinflusst. Der offensichtlichste Effekt besteht darin, die Anzahl der verschiedenen Inhalte im Fokus der Aufmerksamkeit zu begrenzen. Die Person unter Marihuanaeinfluss nimmt normalerweise weniger Aufmerksamkeitsobjekte wahr, so etwa physische Objekte, Handlungen, soziale Elemente, Emotionen usw. Wir haben diesen Effekt bereits bemerkt: eine Person, die high ist, kann unter Ausschluss der umgebenden Umwelt von einem Objekt, einem Ereignis oder einem Prozess vollkommen absorbiert werden. Ein Zug der Fantasie kann die ganze Aufmerksamkeit einer Person in Anspruch nehmen. Dies ist eine psychologische Analogie zum Tunnelblick, bei der der Inhalt des Tunnels erweitert wird.

Das ist interessant, denn wir assoziieren diese Art von Verhalten in der Regel nicht mit „Konzentration“ oder „Aufmerksamkeit“. Vielmehr wird diese Art von Verhalten meist als Unachtsamkeit oder Konzentrationsschwäche bezeichnet. In der Praxis der Meditation jedoch dient eine solche Faszination, über die man z. B. in einem einzelnen Gedanken, einer einzelnen Idee oder Emotion komplett versinkt, dem Zweck der richtigen Konzentration.

Tatsächlich ist diese ungeteilte Aufmerksamkeit für einen Gedanken, eine Emotion, eine Fantasie oder ein Gefühl genau das, was die spirituelle „Einheit“ voraussetzt. Zumindest wird es so von Zen-Meistern gelehrt, wobei die Konzentration auf einen einzigen Gedanken im Grunde die Definition von Meditation ist.

Aus diesem Grund teilen Zen-Meister und wahre Yogis ihre Aufmerksamkeit normalerweise nicht zwischen mehreren Reizen auf. Vielmehr werden sie auf Kosten aller anderen Reize vollständig in einer einzigen „Aufgabe“ absorbiert. Eine Möglichkeit also, in der Unmittelbarkeit des Moments zu verweilen, etwas, von dem ja auch Cannabiskonsumenten oft berichten. Es verhält sich in etwa so, wie es diese alte Zen-Geschichte besagt:

Als ein Schüler seinen Lehrer fragte: „Meister, was ist Erleuchtung?“, antwortete der Meister: „Bei Hunger essen. Bei Müdigkeit schlafen.“

Im Kontext der modernen Gesellschaft ist dies äußerst schwierig zu erreichen. Die moderne Welt erfordert ständige Aufmerksamkeit in Form von Medien, Jobs, Familie und Smartphones. Genau deshalb suchen die Menschen den meditativen Zustand oder das „Hier und Jetzt“. Und deshalb ist diese Konzentration in der Praxis der Meditation oder des Yoga anwendbar und relevant.

Das (Missbrauchs-)Potential von Cannabis und Yoga

Dee Vee Marie war eine der ersten westlichen Yogalehrerinnen, die Cannabis in die Yogapraxis einführte. Sie ist die Besitzerin von „Follow The Bliss“ in Toronto und befürwortet den Einsatz von Psychedelika, um mystische Erfahrungen zu machen. Sie glaubt, dass psychedelische Substanzen im Mittelpunkt aller mystischen Traditionen stehen. Sie propagiert Cannabis, Pilze und Kräuter als Werkzeuge, um den „Gott im Inneren“ zu erwecken.

Cannabis ist die älteste Kulturpflanze der Menschheit, daher ist es nicht verwunderlich, dass sie eng mit dem spirituellen Erwachen verbunden ist“, Lu vom House of Yoga in Toronto.

Aber Lu sagt auch, dass sie persönlich nicht glaubt, dass Ganja-Yoga ein weltweiter Trend werden wird, aufgrund der sozialen Angst, die öffentlicher Cannabiskonsum bei vielen auslöst. Sie hofft auf jeden Fall, dass es zu einer „stärkeren Akzeptanz der Verwendung heiliger Pflanzenheilmittel als spirituelles Werkzeug“ kommen wird.

Obwohl es bei richtiger Anwendung viel Potenzial für die Kombination aus Cannabis und Yoga gibt, sollen auch gewisse Risiken nicht unerwähnt bleiben. Das offensichtlichste Risiko beim Cannabiskonsum während des Yoga ist die Gefahr von Verletzungen. Es ist eine Sache, während eines Cannabis-Highs zu sitzen und zu meditieren, aber eine andere, den Körper zu dehnen und zu verdrehen. Einige mögen dagegen argumentieren, dass Cannabis einer Person helfen kann, ihren Körper besser wahrzunehmen und somit Überdehnung oder Überanstrengung gerade zu vermeiden. Für andere mag das vielleicht Quatsch sein.

Auf jeden Fall hat Cannabis großes Potenzial, die Konzentration in einem Moment zu verbessern, der speziell der Meditation gewidmet ist. Auf diese Weise könnte Cannabis der fehlende Bestandteil einer Yogastunde werden, auf den so viele Menschen gewartet haben.

Sensi Seeds wird weiterhin die Augen offenhalten, schreiben und aufklären…

Haben Sie jemals Cannabis während der Yogastunde konsumiert? Wir würden uns freuen, von Ihren Erfahrungen in den Kommentaren zu hören!

  • Disclaimer:
    Die Gesetze und Vorschriften zur Verwendung von Cannabis sind von Land zu Land unterschiedlich. Sensi Seeds rät Ihnen daher dringend, Ihre lokalen Gesetze und Vorschriften zu befolgen. Handeln Sie nicht im Widerspruch zum Gesetz.

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