Deutschland zwei Jahre nach der Legalisierung: Was hat sich verändert?

Die Cannabis-Legalisierung in Deutschland hat in verschiedenen Bereichen positive Veränderungen angestoßen. Der Schwarzmarkt ist deutlich geschrumpft, und die Justiz wurde durch einen starken Rückgang cannabisbezogener Strafverfahren entlastet. Einer ersten Evaluation zufolge ist der Cannabis-Konsum unter Jugendlichen trotz der Legalisierung zurückgegangen.

Eine erste Evaluation der Auswirkungen der Legalisierung zeigt positive Ergebnisse. Dennoch plant die CDU, Online-Rezepte und den Versandhandel zu verbieten.

Deutschland zwei Jahre nach der Legalisierung: Was hat sich verändert?

Zwei Jahre nach der Cannabis-Legalisierung in Deutschland lässt sich sagen: Der Untergang des Abendlandes ist ausgeblieben. Legales Cannabis hat nicht „die Hälfte Deutschlands zu Süchtigen gemacht“, der Staat ist kein „Drogentourismus-Land“ geworden, und von einem „brutalen Bandenkrieg“ ist nichts zu spüren. Genau das hatte die CDU vor der Wahl 2024 prophezeit und angekündigt, die Legalisierung rückgängig zu machen, käme sie an die Regierung.

Eine erste Evaluation der Auswirkungen der Legalisierung zeigt positive Ergebnisse

Dazu kam es nicht. Zwar gewann die CDU die Wahl, scheiterte aber mit dem Versuch, Cannabis erneut unter Strafe zu stellen. Die SPD, die das Gesetz zuvor gemeinsam mit den Grünen durchgesetzt hatte, machte nicht mit. Die neue Koalition einigte sich stattdessen darauf, die gesellschaftlichen Auswirkungen der Legalisierung in den kommenden Jahren mehrfach von einer unabhängigen Expertenkommission prüfen zu lassen. Ergebnis dann: Gesetz kippen oder anpassen.

Im vergangenen September kam der erste Zwischenbericht. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sahen keinen dringenden Handlungsbedarf beim Konsumcannabisgesetz (KCanG) – und gingen sogar noch weiter: Für belastbare Aussagen sei es zwar noch zu früh, aber die Signale seien positiv. In bestimmten Bereichen habe das Gesetz Gutes bewirkt, in anderen zumindest keinen Schaden angerichtet.

Kein nennenswerter Anstieg des Cannabis-Konsums

Das wohl wichtigste vorläufige Ergebnis: Der Cannabis-Konsum ist nicht nennenswert oder gar massiv gestiegen. Im Gegenteil: Ein seit 2019 laufender Trend zu weniger Cannabis-Konsum unter Jugendlichen hat sich fortgesetzt. Laut einer Studie des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit (BIÖG) ist der Anteil der Jugendlichen, die in den vergangenen zwölf Monaten Cannabis konsumiert haben, von 6,7 % im Jahr 2023 auf 6,1 % im Jahr 2025 gesunken.

Bei Erwachsenen ist der Konsum zwar leicht gestiegen, aber dieser Trend läuft bereits seit 2011. Die Legalisierung hat ihn nicht befeuert.

Dazu kommt: 2024 gab es mindestens 100.000 weniger Cannabis-bezogene Straftaten als im Jahr zuvor. Für die Justiz eine echte Erleichterung. Und der Schwarzmarkt? Laut Bericht kaufen nur noch vergleichsweise wenige Konsumenten bei illegalen Händlern.

Der Schwarzmarkt verliert rasant an Bedeutung

Nach Befragungen von 11.000 Personen, die bereits vor der Legalisierung Cannabis konsumiert hatten, kommt Suchtforscher Bernd Werse zu einem klaren Schluss: „Der Schwarzmarkt verliert rasant an Bedeutung.“ Nur noch 20 % der Befragten kaufen dort ein. 49 % bauen ihr Cannabis selbst an, 30 % decken ihren Bedarf über Apotheken, und gerade mal 2 % sind Mitglied in einem Cannabis Club.

Die Clubs decken bislang rund 0,1 % des gesamten Bedarfs an legalem Freizeit-Cannabis. Um den Gesamtbedarf in Deutschland zu decken, bräuchte es viele Tausende davon. Tatsächlich existieren aber nur etwa 300, denn die Genehmigungsverfahren sind kompliziert und langwierig. Es gibt auch Behörden, die sich querstellen. Bayern ist ein gutes Beispiel: Dort wurde der einzige Cannabis Club gezwungen, seinen Betrieb wegen Bauvorschriften einzustellen, denen er nicht entsprechen konnte.

Der Bericht sieht keinen Grund, die Besitz-Obergrenzen zu senken

Auch die erlaubten Besitzmengen, von Legalisierungsgegnern oft als viel zu hoch kritisiert, bekommen im Kommissionsbericht grünes Licht. Einen Grund, die Grenzen zu senken, sieht die Kommission derzeit nicht. Verstöße gegen das 50-Gramm-Limit in den eigenen vier Wänden hat die Polizei kaum registriert oder verfolgt. Für die 25-Gramm-Grenze außerhalb der Wohnung gilt dasselbe.

Auch die Befürchtung, die Legalisierung könnte die Verkehrssicherheit gefährden, hat sich nicht bewahrheitet. Die Zahl der Unfälle mit Fahrern unter Cannabis-Einfluss ist nicht nennenswert gestiegen.

Die CDU will Online-Rezepte und den Versandhandel verbieten

Die Kommission wird 2026 einen weiteren Bericht vorlegen, der Abschlussbericht folgt 2028. Da der erste Zwischenbericht der CDU keine Argumente für eine Verschärfung oder Abschaffung des KCanG geliefert hat, sucht die Partei jetzt andere Wege, um den Umlauf psychoaktiver Cannabis-Produkte einzudämmen.

Im Oktober 2025 legte CDU-Gesundheitsministerin Nina Warken einen Gesetzentwurf zur Änderung des Medizinal-Cannabisgesetzes (MedCanG) vor. Kernpunkt: Medizinisches Cannabis soll künftig nur noch nach einem persönlichen Arztgespräch verschrieben werden dürfen. Schluss mit schnellen Online-Rezepten ohne direkte Konsultation, Schluss mit dem florierenden Versandhandel. Beides hatte das MedCanG möglich gemacht. Warken spricht von Missbrauch.

Ihr Vorwurf: Ein Großteil der Online-Käufe von medizinischem Cannabis sei medizinisch nicht indiziert und diene schlicht dem Freizeitkonsum. Das mag für einige zutreffen (die Grenze zwischen medizinischem und Freizeitkonsum ist oft schwammig). Trotzdem wäre es falsch, ja sogar gefährlich, diese legale Bezugsmöglichkeit abzuschaffen. Für viele Menschen ist sie der sicherste und unkomplizierteste Weg, an sauberes Cannabis in Medizinalqualität zu kommen.

Das Ende der Online-Rezepte würde den Schwarzmarkt wiederbeleben

Da es viel zu wenige Cannabis Clubs gibt und Eigenanbau nicht für jeden infrage kommt, würde das Ende der Online-Rezepte eine große Versorgungslücke reißen. Der Schwarzmarkt würde davon profitieren und damit käme wieder mehr verunreinigtes, gestrecktes oder minderwertiges Cannabis in Umlauf. Vielleicht auch eine Einladung zu härteren Drogen. Kurz: ein Gesundheitsrisiko. Und es wäre eine bittere Ironie, wenn ausgerechnet die Gesundheitsministerin das nicht kümmerte.

Die meisten Freizeitkonsumenten wollen nicht extra zum Arzt, um sich Cannabis verschreiben zu lassen. Hinzu kommt: Trotz der Legalisierung gibt es nach wie vor zu wenige Ärzte, die Cannabis überhaupt verschreiben. Auf dem Land gilt das erst recht. Apotheken, die medizinisches Cannabis verkaufen, sind dort rar. Ein Verbot würde diese Menschen also besonders hart treffen.

In Deutschland wird auf dem Land traditionell eher zum Bier gegriffen als zum Joint, aber seit der Legalisierung dürfte auch dort die Zahl der Cannabis-Konsumenten leicht gestiegen sein. Besonders betroffen von einem Versandverbot wären auch Menschen, die schwer krank oder ans Haus gebunden sind. Obendrauf drohen bei einem Verbot Arbeitsplatzverluste, weniger Steuereinnahmen und ein deutlicher Anstieg der Preise für medizinisches Cannabis.

Wie stehen die Chancen, dass das MedCanG verschärft wird?

Im Dezember wurde der Gesetzentwurf der Ministerin erstmals im Bundestag debattiert. Eine zweite und dritte Lesung sollen im Frühjahr 2026 folgen – bei der dritten und letzten Lesung wird abgestimmt. Findet der Entwurf eine Mehrheit im Bundestag, muss er anschließend noch den Bundesrat passieren. Aber wie stehen die Chancen, dass das MedCanG tatsächlich so drastisch verschärft wird?

Die Hoffnungen der deutschen Cannabis-Industrie ruhen auf dem Koalitionspartner SPD. Sozialdemokratische Gesundheitspolitiker und mehrere Abgeordnete haben bereits angekündigt, dem Entwurf in seiner jetzigen Form nicht zuzustimmen. Sie lehnen die Präsenzpflicht beim Arzt ab und plädieren stattdessen dafür, dass Patienten ein medizinisches Cannabis-Rezept auch per Videosprechstunde erhalten können.

Ihr Argument: Telemedizinische Versorgung und der Versandhandel seien unverzichtbar – gerade für Leute auf dem Land, die auf medizinisches Cannabis angewiesen sind. Es spricht einiges dafür, dass es am Ende auf eine abgeschwächte Reform des MedCanG hinausläuft, zumal Grüne und Linke, die beide im Bundestag und Bundesrat vertreten sind, den strikten CDU-Plan vehement ablehnen. Applaus bekam die CDU bislang nur von einer einzigen anderen Partei: der AfD.

Die Regierung blockiert Pilotprojekte für lizenzierte Cannabis-Läden

Um eine flächendeckende Versorgung sicherzustellen, hatte die frühere SPD-geführte Regierung geplant, lizenzierte Läden für den Freizeitkonsum einzuführen. Das scheiterte allerdings, da das Konzept (noch nicht) mit EU-Recht vereinbar war. Plan B: Pilotprojekte in einigen Großstädten. Frankfurt am Main, Köln und Hannover zum Beispiel.

Daraus wird unter der CDU nichts. Die zuständige Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) hat alle 60 bisher eingereichten Anträge auf wissenschaftlich begleitete Pilotprojekte abgelehnt. Die Ironie dabei: In der Schweiz laufen solche Projekte seit 2023 – in Zürich, Bern, Basel und Lausanne. Einem Land, wohlgemerkt, das Cannabis gar nicht legalisiert hat.

Weitere positive Entwicklungen durch die Legalisierung

Auch auf dem Arbeitsmarkt zeigt die Legalisierung Wirkung. Laut einer Studie des Düsseldorf Institute for Competition Economics (DICE) könnten im legalen Cannabis-Markt rund 27.000 neue Stellen entstehen, vor allem im Einzelhandel, Anbau, Vertrieb, in der Logistik, im Marketing und in der Beratung. Mehrere Tausend davon sind wohl bereits Realität.

Die Zahl 27.000 ist übrigens bemerkenswert. Sie entspricht fast genau der Zahl der Beschäftigten in deutschen Brauereien, wo 2022 rund 27.900 Menschen arbeiteten. Zum Vergleich: Im deutschen Weinbau sind es etwa 17.000 Vollzeitstellen, in der Tabakindustrie 7.500.

Nicht nur die Online-Plattformen für medizinisches Cannabis boomen. Auch Grow-Shops melden Umsatzsteigerungen um das Fünf- bis Sechsfache, in vielen Städten haben neue Läden eröffnet. Und die deutschen Cannabis-Messen in Berlin, Dortmund, Hamburg, Düsseldorf und Ilsede verzeichneten nach der Legalisierung Besucherzahlen, die alle Erwartungen übertrafen.

Gute Zeiten für den Cannabis-Samenhandel

Selbstverständlich haben auch niederländische und spanische Cannabis-Samenbanken von der deutschen Legalisierung profitiert. In den Monaten nach Inkrafttreten des KCanG sahen sich viele Unternehmen plötzlich mit Lieferengpässen konfrontiert. Beliebte Sorten waren schnell ausverkauft, die Produktion musste hochgefahren werden.

Sensi Seeds wurde von der hohen Nachfrage überrollt, hat die Situation aber so gut wie möglich gemeistert und freute sich natürlich über viele neue Kunden.

Der Markt für medizinisches Cannabis boomt

Der jährliche Bedarf an Freizeitcannabis in Deutschland wird auf bis zu 800 Tonnen geschätzt. Experten gehen davon aus, dass etwa 12 bis 14 % davon über Online-Rezepte und den Versandhandel mit medizinischem Cannabis gedeckt werden – Tendenz steigend. Die Importzahlen erzählen ihre eigene Geschichte: 32 Tonnen medizinisches Cannabis im Jahr 2023, 192 Tonnen im Jahr 2025. Das lässt sich kaum mit einem Anstieg bei den Kassenrezepten erklären. Es sind die privaten Online-Rezepte, die den Markt antreiben.

Passend dazu hat sich die Zahl der auf Cannabis spezialisierten Apotheken von 50 im April 2024 auf 250 ein Jahr später verfünffacht. Bis zu 150 davon sind im Online-Versandhandel aktiv. In einigen Großstädten liefern manche Anbieter sogar am selben Tag. Per Kurier ist das Cannabis dann in 60 bis 90 Minuten zu Hause, manchmal schneller.

Die wichtigsten Lieferländer auf dem deutschen Markt sind Kanada und einige europäische Länder wie Portugal. Die kanadischen Großanbieter Aurora und Tilray haben auch Lizenzen für den medizinischen Anbau in Deutschland, und dank der Legalisierung ist das Produktionsvolumen nicht mehr gedeckelt. Der Anteil von inländischem medizinischem Cannabis wird also deutlich steigen. Deutsche Produzenten wie Demecan werden ihren Teil dazu beitragen.

Das starke Importwachstum hat allerdings auch zu einem Überangebot geführt, was die Preise unter Druck setzt. Seit der Legalisierung sind die Durchschnittspreise um 10 % gesunken. Im Juni 2025 lag der Durchschnittspreis bei 8,77 € pro Gramm, mit weiter sinkender Tendenz. Die Preisspanne liegt zurzeit zwischen 3,99 und 12,50 € pro Gramm.

Die soziale Stigmatisierung von Cannabis hat abgenommen

Seit der Legalisierung hat sich das Ansehen von Cannabis in der deutschen Gesellschaft spürbar verändert. Ich habe das selbst erlebt. Wer früher erzählte, er arbeite journalistisch mit Cannabis, erntete alles Mögliche: ungläubiges Staunen, Skepsis, Ablehnung, spöttisches Lachen. Je nach Gesprächspartner.

Das ist heute anders. Cannabis ist aus der schmuddeligen Ecke herausgeholt worden, und das merkt man. Das Thema ist greifbarer, transparenter, gesellschaftlich akzeptierter. Mehr Menschen verstehen inzwischen, dass man in dieser Branche genauso professionell und seriös arbeiten kann wie anderswo.

Ganz neu ist das allerdings nicht. Cannabis-Konsumenten und alle, die beruflich mit Cannabis zu tun hatten, kannten das Stigma. Aber es hatte schon vor der Legalisierung begonnen zu bröckeln. Die Medien wurden sachlicher, manche sogar richtig positiv. Berichte über die medizinischen Möglichkeiten von Cannabis haben da viel bewegt. Die Legalisierung hat den Rest erledigt.

Die deutsche Medienberichterstattung über Cannabis wird positiver

Ultrakonservative Medien wie die Bild-Zeitung versuchen zwar weiterhin, mit oft tendenziöser Berichterstattung gegen Cannabis Stimmung zu machen. Aber sie sind in der Minderheit. Die klare Mehrheit der Print-, Online- und TV-Medien berichtet inzwischen sachlich, manche sogar wohlwollend.

Besonders auf Social Media wie Facebook, Instagram oder YouTube findet man jede Menge positive Cannabis-Inhalte, erstellt von cannabisfreundlichen Nutzern und Influencern. Kein Wunder, denn diese Plattformen sind vor allem bei jüngeren Menschen beliebt. Und weil dank der Legalisierung niemand mehr etwas verbergen muss, zeigen Menschen ganz offen ihre Begeisterung für Cannabis – sei es durch Berichte über den eigenen Eigenanbau oder durch Schwärmen über ihre Lieblingssorten.

Medizinische Cannabis-Anbieter sind ebenfalls stark auf Instagram präsent und schalten dort bezahlte Werbung für ihre Dienste. Das ist eigentlich verboten, sowohl laut KCanG als auch laut den eigenen Richtlinien der Plattformen. Aber weder die Behörden noch die Plattformbetreiber scheinen sich sonderlich darum zu scheren.

Trotz allem: Die öffentliche Meinung in Deutschland ist gespalten

Bei allen positiven Entwicklungen bleibt die deutsche Bevölkerung in ihrer Haltung zur Legalisierung gespalten. Eine ein Jahr später veröffentlichte YouGov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur ergab: 38 % befürworteten die Legalisierung, 38 % lehnten sie ab. Weitere 11 % sprachen sich für eine vollständige Deregulierung aus, 13 % enthielten sich. Immerhin zeigen diese Zahlen, dass eine Mehrheit der Deutschen die Legalisierung befürwortet, jetzt wo sie Realität ist. Das ist eine gute Nachricht.

Uns interessiert Ihre Meinung zum KCanG! Halten Sie das neue Gesetz für einen Fortschritt? Was hat sich für Sie persönlich verändert? Erzählen Sie es uns in den Kommentaren.

  • Disclaimer:
    Obwohl größte Sorgfalt bei der Gewährleistung der Richtigkeit dieses Artikels aufgewendet wurde, ist er weder als Rechtsberatung gedacht, noch sollte er als solche verstanden werden. Jede Situation wird von individuellen Faktoren beeinflusst und man sollte stets einen Experten oder Anwalt für eine Rechtsberatung konsultieren.

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