by Seshata on 26/01/2015 | Medizinisch

Die 4 wichtigsten Vorteile von Cannabis bei Glaukomen

Die Fähigkeit von Cannabis zur Verbesserung der Symptome bei Glaukomen wurde in mehreren Studien nachgewiesen; Unklarheiten bestehen aber noch mit Bezug auf seine Effektivität und Konsistenz innerhalb von Patientengruppen. Dennoch nutzen viele Patienten medizinisches Cannabis bei einem Glaukom und berichten über subjektive Verbesserungen bezüglich diverser Symptome.


Reduziert den Augeninnendruck

Ein erhöhter Augeninnendruck (okuläre Hypertonie) ist bei der Mehrheit der Glaukomfälle der entscheidende Risikofaktor, auch wenn dieser in bestimmten Gruppen bei fast 50 % der Personen fehlt, die an einem Offenwinkelglaukom (OAG) leiden, also an der häufigsten Erscheinungsform dieser Erkrankung, die etwa 90 % aller Fälle ausmacht. Der Augeninnendruck hängt von der Produktion wässriger Flüssigkeit im Auge in Kombination mit der Menge ab, in der diese wässrige Flüssigkeit in das Trabekulargewebe abgeleitet wird, ein schwammartiges Gewebe unterhalb der Hornhaut. Ein ständig erhöhter Augeninnendruck kann zu fortschreitenden Schäden am Sehnerv und den retinalen Ganglienzellen führen, die die lichtsensitiven Photorezeptoren enthalten. Handelt es sich um gravierende Schäden, kann dies bis zur vollständigen Erblindung führen.

Die 4 wichtigsten Vorteile von Cannabis bei Glaukomen

Während seiner Jahrzehntelangen Tätigkeit an der Universität der Westindischen Inseln führte der angesehene Pharmakologe Professor Manley West wegweisende Forschungsarbeiten mit Cannabis als potentielles Behandlungsmittel bei Glaukomen durch, gemeinsam mit dem bekannten Augenarzt Dr. Albert Lockhart. Eines der Ergebnisse ihrer Arbeiten, die 1964 begannen und die traditionelle Nutzung von Cannabis in einer jamaikanischen Community erforschten, waren die von ihnen auf Cannabis-Basis hergestellten Augentropfen, für die sie 1987 eine Zulassung zum Markt in Jamaika unter dem Namen “Canasol” erhielten. Professor West ist 2012 leider verstorben und wird von der Community für medizinisches Cannabis in Jamaika und darüber hinaus schmerzlich vermisst.

Für Canasol wurde nachgewiesen, dass es zur Reduzierung des Augeninnendrucks wirksam ist; ferner wurde gezeigt, dass es die Wirksamkeit anderer weit verbreiteter Glaukom-Arzneimittel wie Timolol um ein Mehrfaches verstärkt. Jüngst wurde von dem gleichen Forscherteam ein neues, verbessertes Arzneimittel entwickelt; dieses Mittel ist unter dem Namen Cantimol bekannt und enthält Canasol und Timolol; es hat aber noch keine Marktzulassung. Canasol enthält keine psychoaktiven Cannabinoide und wurde auch vielfach von Ärzten in den USA und in Kanada verschrieben, und offenbar wurde das Mittel auch von Patienten in Großbritannien und Australien angewandt, obwohl es dort keine Marktzulassung und keinen legalen Vorgänger hat, an den es anknüpfen kann.

Miotische Eigenschaft

Eine gemeinsame Erscheinung, die bei Glaukom-Patienten auftritt, ist die Mydriase, bei der sich die Pupille erweitert. Man geht in der Tat davon aus, dass eine extreme Mydriase die charakteristische Aufwölbung der Iris bei einem Anfall des Engwinkel-Glaukoms verursachen kann, denn um die Pupille zu erweitern, muss sich das entsprechende Muskelgewebe in der Iris (als dilator pupillae bezeichnet) zusammenziehen. Wenn sich das Muskelgewebe zusammenzieht, wölbt es sich auf, und in extremen Fällen kann dieses sich aufwölbende Gewebe in die vordere Augenkammer expandieren (den mit  Flüssigkeit gefüllten Raum zwischen der Iris und der Hornhaut) und gegen die Hornhaut drücken, was das Ablaufen der wässrigen Flüssigkeit über die vordere Augenkammer in das trabekulare Netzgewebe vollständig blockiert.

Das Gegenteil einer Mydriase ist die Miosis (nicht zu verwechseln mit der als Meiose bekannten Form der Zellteilung). Miotisch wirkende Medikamente sind bei der Glaukombehandlung sehr nützlich, und zwar nicht nur beim Engwinkelglaukom, da die Verengung der Pupille einen verbesserten Abfluss von wässriger Flüssigkeit in das trabekulare Netzgewebe ermöglicht. Für Cannabis wurde belegt, dass es in verschiedenen Situationen miotische Eigenschaften hat, auch bei dem bemerkenswerten Fall einer offenbar akuten Cannabisvergiftung bei einem 20 Monate alten Kind.

Gegen Schmerzen

Die 4 wichtigsten Vorteile von Cannabis bei Glaukomen

Während die Mehrheit der Glaukomfälle schmerzfrei verlaufen, ist eine seltenere Form der Krankheit, das sog. Engwinkelglaukom, durch einen starken, stechenden Schmerz im Augapfel und einen rapiden Verlust des Sehvermögens gekennzeichnet, der auch von Dauer sein kann, wenn er nicht ärztlich behandelt wird. Das Engwinkelglaukom unterscheidet sich von der häufiger vorkommenden Form der Krankheit dadurch, dass es akute statt chronische (und normalerweise schmerzfreie) Symptome aufweist. Ein akuter Engwinkelglaukom-Anfall ist als medizinischer Notfall anzusehen, der die Folge einer vollständigen Blockade des trabekularen Netzgewebes ist (nicht nur einer immer weiter reduzierten Fähigkeit zur Ableitung von wässriger Flüssigkeit, wie beim Offenwinkelglaukom), die durch eine unerwartete Vorwölbung der Iris ausgelöst wird.

Auch wenn es nicht als Schmerzmittel speziell für Glaukomfälle getestet ist, kann das breite Wirkungsspektrum von Cannabis als Schmerzmittel, Stimmungsaufheller und Muskelrelaxans für Personen, die an einem akuten Engwinkelglaukom-Anfall leiden, eine subjektive Verbesserung ihrer Situation bewirken.

Entzündungshemmende Eigenschaften

Die Ergebnisse der jüngsten Forschungen haben einige medizinische Fachleute zu der Vermutung geführt, dass eine ständig vorhandene, leichte Entzündung im trabekularen Netzgewebe eine wichtige Rolle bei der fortschreitenden, chronischen Form des Glaukoms (des Offenwinkelglaukoms) spielen könnte. Denn eine weitere Erscheinungsform des Glaukoms wird oft bei Patienten festgestellt, die an einer Uveitis (Entzündung der Uvea, also des Bereichs des Auges, der die Iris und die Ziliarkörper enthält) leiden, und die als entzündliches Glaukom bekannt ist, da nachgewiesen ist, dass sie durch eine Entzündung des trabekularen Netzgewebes verursacht wird. In den meisten Aspekten ähnelt das entzündliche Glaukom dem Offenwinkelglaukom, sein Auftreten wird aber als zweites Symptom einer Uveitis charakterisiert.

Für Cannabis ist immer wieder nachgewiesen worden, dass es bei Entzündungen in ganz verschiedenen Situationen nützlich und effektiv ist; es sind allerdings noch keine Studien speziell zu der Fähigkeit von Cannabis durchgeführt worden, mit einem Glaukom verbundene Entzündungen zu reduzieren. Da sich das Wissen um die Funktion, die Entzündungen beim Fortschreiten der Erkrankung spielen, sicher noch vergrößern wird, könnte in diesem Zusammenhang auch der Nachweis erbracht werden, dass Cannabis für Glaukom-Patienten wegen seiner entzündungshemmenden Eigenschaften eine Linderung bewirkt.

Gegen Übelkeit und Erbrechen

Die 4 wichtigsten Vorteile von Cannabis bei Glaukomen
Diese Tabelle zeigt den normalen Abfluss von wässriger Flüssigkeit aus dem Auge (© National Eye Institute)

Ein Engwinkelglaukom-Anfall ist oft von sekundären Symptomen begleitet, beispielsweise von Übelkeit und Erbrechen, wobei man annimmt, dass dies das Ergebnis eines Phänomens darstellt, das man als okuloemetischen Reflex bezeichnet. Diverse Studien haben in der Vergangenheit gezeigt, dass eine Verbindung zwischen einem augenchirurgischen Eingriff und postoperativem Erbrechen besteht (insbesondere bei Operationen gegen das Schielen, die bei 41 % der Patienten Erbrechen verursachen), was die Existenz des okuloemetischen Reflexes bestätigt.

Es wird angenommen, dass eine schädliche (schmerzhafte oder unerwünschte) Stimulation der Orbitalnerven, die das Auge umgeben, Signale zum postremischen Bereich der Medulla oblongata sendet, also in den Bereich des Gehirns, den man oft einfach als den für Erbrechen verantwortlichen Bereich bezeichnet. Das Gehirn leitet diese Signale über den Vagusnerv (der ein elementarer Teil des parasympathischen Nervensystems ist, das die Herz- und Verdauungsfunktionen steuert) an den Magen-Darm-Trakt weiter, der dann das Erbrechen bewirkt, indem er retroperistaltische Bewegungen auslöst (eine Vor- und Rückwärtsbewegung des Inhalts des Magen-Darm-Traktes).

Es ist nicht bekannt, welche Funktion das Endocannabinoidsystem bei der Steuerung des Brechreflexes genau hat, aber es ist belegt, dass Cannabinoidrezeptor-Agonisten wie THC Übelkeit und Erbrechen unmittelbar unterdrücken, indem sie den CB1-Rezeptor agonisieren, während die Antagonisten der CB-Rezeptoren sich neutral verhalten und inverse Agonisten sogar Übelkeit verursachen.

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