by Stefanie on 24/06/2016 | Anbau

Ihre Meinung: Gammastrahlung zur Dekontamination von medizinischem Cannabis

Dekontamination Es ist keine Neuigkeit, dass Unternehmen, die medizinisches Cannabis in Staaten mit einem nationalen medizinischen Cannabisprogramm herstellen, hierbei auch Gammastrahlung einsetzen, so beispielsweise in den Niederlanden und in Kanada. Eine aktuelle Studie, die von Arno Hazekamp, dem Leiter Forschung und Bildung der Bedrocan International BV veröffentlicht wurde, hat die Diskussion darüber wieder angefacht, wobei dieses Verfahren weiter kontrovers gesehen wird.


Pharmazeutische Vorschriften fordern eine Behandlung von pflanzlichem Cannabis mit Gammastrahlen, damit die strengen Sicherheitsstandards eingehalten werden, die für eine (eventuelle) mikrobielle Kontamination der Pflanze gelten. Eine Studie unter dem Titel “Evaluierung der Effekte von Gammastrahlung zur Dekontamination von medizinischem Cannabis” hat vier verschiedene, von Bedrocan hergestellte Cannabissorten untersucht, und zwar vor und nach der Bestrahlung, und hat sie dabei auf Veränderungen ihrer Terpene, Cannabinoide und des Wassergehalts getestet.

Während bei  THCCBD und beim Wassergehalt des medizinischen Cannabis keine Änderungen festgestellt werden konnten, wies die Arbeit Schäden an einigen Terpenen nach. “Einige Terpene sind reduziert, aber es wurden keine neuen Stoffe gebildet. Das bedeutet, dass die Terpene sich in gewissem Umfang verflüchtigt haben, aber nicht zu neuen Stoffen abgebaut wurden. Die Gammastrahlung beschleunigt diese Verflüchtigung ein wenig, aber sie tötet oder zerstört Ihr Cannabis nicht”, meint Hazekamp.

Die Studie stellte außerdem fest, dass die Bestrahlung weiterhin die sicherste und effizienteste Technik ist, um zu gewährleisten, dass die Patienten ein sicheres Produkt erhalten, insbesondere solche mit angegriffenem Immunsystem. Das Original dieser Forschungsarbeit inklusive Diskussion und Ergebnissen ist hier verfügbar.

Ihre Meinung: Gammastrahlung zur Dekontamination von medizinischem Cannabis

Patientenorganisationen reagieren auf das Bestrahlungsverfahren

Patienten, Verbraucher und Aktivisten bleiben jedoch weiter skeptisch und äußern sich besorgt über die Bestrahlung.

Nach den Forschungsarbeiten einiger Patientenorganisationen wie der Canadians for Safe Access besteht eine der Nebenwirkungen der Gammastrahlung im Entstehen von Chemikalien eines neuen Typs, der in der Natur nicht vorkommt. Sind Fette diesem Verfahren ausgesetzt, können sich auch Krebs erregende Chemikalien entwickeln.

Derrick Bergman (bekannt von Encod und VOC) hat eine Arbeit veröffentlicht, die den eindeutigen Titel “Medizinisches Cannabis in den Niederlanden: Viele Patienten ziehen den Coffeeshop der Apotheke vor” trägt.  In dieser Arbeit schildert er, dass einige Patienten der Meinung sind, die Bestrahlung mit Gammastrahlen habe negative Auswirkungen auf die Qualität ihres medizinischen Cannabis, während Bedrocan sich darauf beruft, dass das Verfahren einer Forderung des Büros für medizinisches Cannabis entspricht.

Die niederländische Patientengruppe PGMC (Stichting Patiënten Groep Medicinale Cannabis Gebruikers) weist darauf hin, dass in der genannten Studie die Antwort auf eine sehr wichtige Frage fehlt: Was passiert eigentlich mit bestrahlten Produkten, wenn sie geraucht, verdampft oder gegessen werden?

In diesem Artikel haben wir einige der kontroversen Meinungen für Sie zusammengestellt. Gerne können Sie Ihre eigene Meinung zu diesem Thema mit uns und mit dem Sensi-Seeds-Publikum teilen.

Gammastrahlen zur Dekontamination von medizinischem Cannabis – einige kontroverse Aussagen

Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass die Bestrahlung mit Gammastrahlen nicht ohne guten Grund durchgeführt wird. Sie soll vermeiden, dass eventuell noch größere Schäden entstehen, wenn sich ein Patient mit schädlichen Mikroben infiziert. In meiner Arbeit werden einige Quellen zitiert, die davon berichten, dass dies tatsächlich vorgekommen ist. Hier werden also zwei „schlechte“ Alternativen miteinander abgewogen (das Infektions- gegen das Strahlungsrisiko) und die sensibelste gewählt. Wir hoffen alle, dass schon in naher Zukunft neue Sterilisationstechniken für Cannabis entwickelt werden.–  überlegt Hazekamp auf news.liftcannabis.ca [x]

…Die Gammastrahlung erzeugt nicht-natürliche Stoffe (ionisierende Strahlen führen zu vielfältigen chemischen Veränderungen) … – sagt Reverend Ryan auf leafscience.com [x]

Warum die Pflicht zur Bestrahlung mit Gammastrahlen? Und welchen Effekt hat das?  – sagt James Burton, Gründer des niederländischen Programms für medizinisches Cannabis [x]

Sie werden auch ständig von der Sonne bestrahlt. Wenn Sie dabei nicht braun werden, gibt es kein Problem. Wenn etwas bestrahlt wird, um Keime abzutöten, wird es dadurch NICHT radioaktiv – andernfalls wäre auch jeder, der nach draußen in die Sonne geht und dann wieder hereinkommt, ein Gesundheitsrisiko – ganz abgesehen von den ganzen Krebsfällen!  – Kommentar von D. J. Walters auf cbc.ca [x]

Ich glaube nicht, dass die Bestrahlung Kunden abschrecken wird. Es wird anfangs etwas Unmut und Aufregung geben, aber sie wird möglicherweise als Norm akzeptiert werden. Die meisten von uns verwenden doch beim Kochen auch getrocknete Gewürze, und die sind alle bestrahlt. Ich glaube nicht, dass das ein Thema wird, das zum Ende des Programms führt. Ich könnte es mir lustig vorstellen, einmal einen Blindtest zu diesem Thema zu veranstalten. – Kommentar von leaffan auf rollipup.org [x]

Hat die Bestrahlung von Cannabis mit Gammastrahlen einen Effekt auf seine Wirkstoffe? Nein, sie sterilisiert lediglich etwaige Samen.  – sagt Steve Harris auf quora.com [x]

STRAHLUNG????? Ich habe nie von einem Grower gehört, dass er diese Art Gift benutzt hat. Das ist ein weiterer Grund, seine Medizin NICHT von diesen Leuten zu beziehen. Sagen die eigentlich den Patienten, wenn etwas bestrahlt wurde? – Kommentar von Bmunro auf cbc.ca [x]

Gammastrahlung kann Schimmelsporen gar nicht beseitigen … das ist vielleicht das größte Missverständnis zu diesem unseligen und unsicheren Verfahren, das sich nun auch noch als ineffektiv erwiesen hat. Die Patienten in den Niederlanden leiden also nicht nur unter unwirksamem Cannabis, sondern zusätzlich an den Folgen der ineffektiven Bestrahlung auf ein minderwertiges Produkt, das dann auch noch in eine ungeeignete, unsterile Verpackung gesteckt wird. Das ist ein Verbrechen, geradezu Folter! – kommentiert Jackie Woerlee auf marijuanapatients.org [x]

Ich war noch nie ein Befürworter der Bestrahlung. – James Burton hat eine klare Meinung zu dem Thema

Was ist der Punkt, der für bestrahlte Medizin spricht, wenn das natürliche Produkt mit organischen Zusätzen besser für uns ist als das, was im Tabak steckt?? … – kommentiert pfk 182 auf rollipup.org [x]

Ich entwickele Gammastrahlen-Bestrahlungsgeräte, die bei biologischen Studien eingesetzt werden. Die aktuelle Marktentwicklung eines medizinischen Cannabis hat zu der Ansicht geführt, dass behandeltes Cannabis als Standard für ein landwirtschaftliches Produkt angesehen wird. Ich werde dazu nicht Stellung nehmen, weil ich kein Experte auf dem Gebiet bin. Allerdings kann ich mit Sicherheit sagen, dass die Bestrahlung von organischem Material dieses Produkt nicht radioaktiv macht. Das ist aber eine in der Bevölkerung verbreitete Meinung, die einfach nicht stimmt. Das Bestrahlen von organischem Material hat überhaupt nichts mit der Praxis zu tun, radioaktive Stoffe auf das Produkt zu geben. Das passiert dabei nicht. Aber das Verfahren nutzt die von einer radioaktiven Quelle freigesetzte Energie, um die Bakterien zu sterilisieren und zu töten. Die Bestrahlung ist mit einem unsichtbaren Licht vergleichbar, nur eben mit anderer Wellenlänge als das Licht, das man mit einer Taschenlampe erzeugt. Ihre Bedenken treffen den gleichen Punkt wie die Bedenken, die manche Leute gegen Essen haben, das mit einem Mikrowellengerät zubereitet wurde, von dem manche Leute ebenfalls glauben, dass die Mikrowellenstrahlung sie vergiftet. Denken Sie einmal an die Sonne: Wenn Sie zu lange draußen in der Sonne stehen, wird Ihre Haut verbrennen. Aber wenn Sie nach drinnen gehen und der UV-Strahlung der Sonne nicht mehr ausgesetzt sind, wird Ihre Haut nicht weiter verbrennen. Genau der gleiche Effekt. Die Alternative zur Verwendung von Gamma- oder Röntgenstrahlen wäre die Nutzung von UV-Strahlen, die die chemische Zusammensetzung von Gras ebenso verändert wie seine Wirkungen. Oder die chemische Sterilisierung. – kommentiert Robert auf marijuanapatients.org [x]

Die Firma Prairie Plant Systems verwendet als Sterilisationsverfahren Gammastrahlen, um zu gewährleisten, dass ihre Produkte frei von Bakterien und Schimmel sind. Und das bedeutet in der Tat, dass sie einer Strahlung ausgesetzt werden. Andererseits ist die Bestrahlung ein übliches und zugelassenes Verfahren für die Sterilisation, besonders in der Pharmazeutik und der landwirtschaftlichen Produktion, wo die Qualitätskontrollen sehr strikt reguliert sind. … Es stellt sicher, dass medizinisches Cannabis frei von Toxinen ist, was wichtig ist für Patienten, bei denen das Immunsystem nicht einwandfrei funktioniert. Die Bedrocan B.V., der einzige legale Hersteller von medizinischem Cannabis in den Niederlanden, bestrahlt ihr Produkt ebenfalls. – so ein Artikel auf leafscience.com [x]

Wow, die Gammastrahlen verändern also doch die Fette/Säuren/Terpene in Cannabis und machen sie zu karzinogenen Stoffen. Wirklich toll – sagt Drifter auf weedforum.eu [x]

Und das ist einer der Gründe, aus denen ich Cannabis lieber auf dem schwarzen Markt kaufe. Es hat eine bessere Qualität, ist preiswerter, wirkt zuverlässiger und ist nicht radioaktiv …  – kommentiert Steve auf marijuanapatients.org [x]

Gammastrahlen zur Dekontamination von medizinischem Cannabis – und jetzt Ihre Meinung!

Welchen der vorstehenden Kommentare stimmen Sie zu und welchen nicht? Was denken Sie über die Bestrahlung von medizinischem Cannabis zur Dekontamination? Sind Sie dafür oder dagegen? Teilen Sie uns Ihre Meinung zu diesen Themen mit! Dazu können Sie einfach die Kommentarfunktion zu diesem Post im Abschnitt unten verwenden.

Wir hoffen auf eine faire, respektvolle Debatte!

Kommentar Abschnitt

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Julian

Auf jeden Fall ein Thema ueber das man reden sollte.

24/06/2016

Sebastian

Die Sporen, die man auf den Blüten abtöten will, sind in der Luft omnipräsent.

Warum sollte der Gehalt an Sporen auf Cannabis größer sein als in der Luft?

Ist bin der Meinung die Bestrahlung sollte nur bei immunschwachen Patienten eine Option sein, keinesfalls eine Pflicht für alle.

29/06/2016

Sebastian

Wenn der Patient die Blüten zuhause auspackt und anfasst, sind diese doch schon wieder kontaminiert.

Eigenanbau ist für Patienten, die dazu in der Lage sind auch eine Möglichkeit zu verhindern, das andere Menschen ausser dem Patient selbst die Blüten kontaminieren.

Holistisch gesehen, wäre es bei oraler Einnahme wünschenswert, wenn die DNA des Cannabis und seines Mikrobioms noch intakt sind, um die vollständigen Informationen weiterzugeben.

03/07/2016

Sebastian

Der Mensch lebt in Co-Evolution mit dieser Pflanze und den uns ständig umgebenden Mikroben.
Eine sterile Umgebung ist lebensfeindlich und wird nur bei lebenserhaltenden Maßnahmen in Extremfällen angewand.
Dieser semi-industrielle Massenanbau scheint doch wohl der Grund zu sein, warum so viele verschiedene Menschen beim Trimmen, Portionieren und verkaufsfähigem Verpacken mit einer einzigen Blüte in Kontakt kommen, so daß diese so massiv mit menschlichen Pathogenen belastet sind, daß pauschal für alle bestrahlt weden muß.
Vielleicht ist auch ein Problem, das Cannabis nicht einem vollständigen Mikrobiom angebaut wird?
In den Dispensaries in den Staaten wird doch auch getestet, und bei Belastung abglehnt. Also muß es doch für viele Grower möglich sein sauberes Cannabis zu produzieren, welches keiner Bestrahlung bedarf, oder haben die nicht die Ansprüche an ihr Produkt, wie in den Niederlanden und Canada?

Wie wird denn in Israel bei Tikun Olam verfahren?

03/07/2016

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.
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