Was ist Drug-Checking?

Zwei wichtige Argumente im Streit um Cannabislegalisierung sind Konsumentenschutz und Qualitätskontrolle. Bei illegalen Drogen sind die Konsumenten dem Schwarzmarkt ausgeliefert. Wie hoch Qualität und Reinheit illegaler Drogen sind, ist nicht einschätzbar und reine Spekulation. Hier setzt Drug-Checking an. Lesen Sie weiter…


Zwei wichtige Argumente im Streit um Cannabislegalisierung sind Konsumentenschutz und Qualitätskontrolle. Für legale Drogen wie Medikamente gibt es Beipackzettel, für Bier das Reinheitsgebot, und Zigarettenschachteln enthalten Warnhinweise bzw. Angaben zum Teer-, Nikotin- und Kohlenmonoxid-Gehalt.

Bei illegalen Drogen, wie z.B. Cannabis,  sind die Konsumenten dem Schwarzmarkt und den Informationen der Dealer ausgeliefert, die oft nur den eigenen Gewinn und nicht unbedingt die Gesundheit der Konsumenten im Blick haben. Wie hoch Qualität und Reinheit der illegalen Drogen sind, ist nicht einschätzbar und reine Spekulation, was ein ernstes Gesundheitsrisiko darstellen kann. Hier setzt Drug-Checking an.

Drug-Checking-Programme wurden entwickelt, um die Gefahren für Konsumenten illegaler Drogen zu senken. Wie tut man das? Durch Substanzanalysen, Beratungen, gegebenenfalls Warnungen. Solche Programme gibt es in Österreich, der Schweiz und den Niederlanden. In Deutschland ist und bleibt Drug-Checking vorerst illegal. Auf die Frage nach dem Warum wird weiter unten im Artikel kurz eingegangen. Zuerst einmal folgt eine detaillierte Erläuterung des Drug-Checking.

Definition Drug-Checking

Drug-Checking Sensi Seeds blog (2)
Drug-Checking, Bildquelle: rtl.de

Beim Vorgang des Drug-Checking geht es darum, illegal erworbene Substanzen zu analysieren und die Konsumenten vor Vergiftungen (z.B. durch Streckmittel wie Blei, Haarspray und Brix in Cannabis), Überdosierungen und anderen unerwünschten Wirkungen zu schützen.

Drug-Checking eine sekundärpräventive Interventionsstrategie zur Sicherung der Gesundheit und der Forderung der Drogenmündigkeit. Durch die Untersuchung von Drogen und den daraus gewonnenen Ergebnissen kann vor möglichen verunreinigten, gesundheitsschädlichen und zu hoch dosierten Substanzen gewarnt werden. Nach dem Erhalt der Analyseergebnisse kann der Konsument selbst entscheiden, ob er die bestimmt Droge konsumieren möchte oder nicht.

Die Analyse der Inhaltsstoffe ermöglicht es,  gefährliche, unerwartete Stoffe, Streckmittel, hohe Dosierungen sowie neu auf dem Markt erscheinende Substanzen aufzudecken und gegebenenfalls Warnungen zu veröffentlichen. Wenn man gefährliche Stoffe gefunden hat, kann man das der Szene, den Konsumenten mitteilen. Drug-Checking ist somit Verbraucherschutz für Drogen.

Drug-Checking wird oft Pill-Testing genannt. Das liegt vor allem daran, dass die ersten Drug-Checking-Programme ihren Fokus auf der Analyse von Ecstasy-Pillen hatten.

Über die Analysen und deren Veröffentlichungen kann man einen Überblick über Konsumtrends und den Substanzmarkt erhalten und mit den Ergebnissen aufklären, beraten schützen.

Drug-Checking und Cannabis

Hairspray in cannabis Sensi Seeds blog
Mit Haarspray gestrecktes Cannabis. Bildquelle: The Cannabis College Amsterdam.

Nicht nur synthetische Drogen werden gestreckt, auch Cannabis, wie Sensi Seeds bereits 2013 in einem Zweiteiler berichtete. Die Auswirkungen können gesundheitsgefährdend oder sogar lebensbedrohend sein. Für diejenigen, die zum Thema Streckmittel in Cannabis noch einmal nachlesen möchten, stellen wir gern die Links zur Verfügung: Streckmittel in Cannabis, Teil I und Streckmittel in Cannabis, Teil II.

Drug-Checking in Deutschland

Wie bereits erwähnt, ist Drug-Checking in Deutschland illegal. Dennoch gibt es verschiedene Initiativen, die sich für die Analyse von Drogen stark machen. Zwei werden nachfolgend kurz vorgestellt.

ALICE Project Frankfurt

Alice Sensi Seeds blog
Ein Schwerpunkt von Alice ist es, Informationen zu Drogen zu geben, die weder verteufeln noch verharmlosen.

Alice macht sich für die Einführung des Drug-Checking in Deutschland stark, da der Verein davon überzeugt ist, dass ein wesentlicher Faktor der Gesundheitsgefährdung beim Drogenkonsum die Unwissenheit darüber ist, wie die Substanzen, die man konsumiert stofflich zusammengesetzt sind.

Der Verein setzt sich für die Analyse der Inhaltsstoffe von Drogen und die Veröffentlichung der Ergebnisse mit Einschätzungen ein.

Ziele von Alice liegen dabei in der Gesundheitssicherung und der Entwicklung eines Bewusstseins hinsichtlich der Wirkungen und Gefahren von Drogen.

Alice geht in Deutschland das ganze Jahr über auf Tour, um aufzuklären und zu informieren. Die Devise des Vereins mit eigenen Worten:

Alice verknüpft ‚Party and Politics‘ bzw. kritisches Engagement für soziale Veränderungen mit Vergnügen und kreativer Entfaltung. Einen Schwerpunkt bilden sachliche Infos zu Drogen. Es geht dabei auf Partys genauso wie in Schulen um die Entwicklung von Drogenmündigkeit und gegebenenfalls um eine Hilfe bei Problemen.“

Fixpunkt e.V. in Berlin

Fixpunkt Sensi Seeds blog
Ein Schwerpunkt von Fixpunkt ist Gesundheitsförderung bei Drogenkonsumenten.

Fixpunkt e.V. bietet akzeptierende, vorurteilsfreie Drogenhilfe und Gesundheitsförderung.

Seit 2011 geht Fixpunkt auf Partys, Festivals und in Clubs, um wertneutral über Drogen,  ihre Wirkungen und Risiken beim Feiern aufzuklären und zu beraten. Der Verein ist für Drug-Checking und die Testung von Drogen in mobilen Laboren vor Ort.

Die Geschäftsführerin des Berliner Drogenhilfe-Vereins Astrid Leicht geht davon aus, dass dies im Prinzip auch ohne gesetzliche Änderungen ginge, solange sich die Akteure vor Ort einig wären und die Polizei nicht gegen die Tester ermitteln würde. Die Polizei sei sowieso zum großen Teil nicht an den Konsumenten interessiert, sondern an den Händlern.

Was sagen die Parteien in Deutschland zu Drug-Checking?

SPD und CDU/CSU

SPD und CDU sind der Meinung, dass Drogentests nur mit Genehmigung des Bundesinstituts für Arzneimittel & Medizinprodukte (BfArM) zulässig seien. Die CDU warnt vor einer Scheinsicherheit und kritisiert Drug-Checking.

DIE LINKE

DIE LINKE setzt sich für Drug-Checking-Projekte ein, da Konsumenten von Ecstasy und Amphetaminen dadurch vor gefährlichen Verunreinigungen geschützt werden.

Frank Tempel, Drogenpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion, sieht Drug-Checking als moderne Gesundheitspolitik, weil damit die Schäden des Drogenkonsums verringert, d.h. Erkrankungen vermindert, Suchtanfälligkeit eingeschränkt und Nebenwirkungen des Drogenkonsums gesenkt werden können. Drug-Checking sei das dafür notwendige Mittel.

Bündnis 90/Die Grünen

Die Grünen fordern die Legalisierung des Drug-Checking, denn

Maßnahmen der Drogenhilfe wie die Substanzanalyse sind Instrumente der  Schadensminderung… Sie dienen der Abwendung vermeidbarer gesundheitlicher Schäden für die Konsumentinnen und Konsumenten.“

FDP

Die FDP lehnt Drug-Checking ab. Anita Klahn von der FDP Schleswig-Holstein bezeichnete Drug-Checking vor ein paar Jahren als Kapitulation der Präventionspolitik. Es hätte nichts mit Gesundheitsschutz zu tun. An dieser Haltung hat sich bisher nichts geändert.

In verschiedenen europäischen ist Drug-Checking bereits gebräuchlich, so z. B. in Österreich, den Niederlanden und der Schweiz. Hier betreiben staatliche bzw. halbstaatliche Stellen Drug-Checking.

Drug-Checking in Österreich

ChEckiT Sensi Seeds blog
Check your drugs – ChEckiT!

Das Wiener Projekt ChEckiT! – Kompetenzzentrum für Freizeitdrogen bietet bereits seit 1997 die chemische Analyse von Substanzproben mit Hilfe eines mobilen Labors an. Die Analyseergebnisse postet ChEckiT! während der Veranstaltungen auf Ergebniswänden und einige Tage später der eigenen Webseite. Das Analyseangebot ist anonym und kostenlos.

Drug-Checking in den Niederlanden

In den Niederlanden koordiniert das Trimbos Institut ein Drug Information & Monitoring System (DIMS), dessen Netz 16 Institutionen mit insgesamt 22 Test-Einrichtungen angehören. Das Trimbos Institut verbindet die Ergebnisse des Drug-Checking mit Monitoring-Studien, die mit Hilfe von Befragungen der Konsumenten zusammentragen werden. Außerdem unterhält man eine Webseite, die anonym als Meldestelle von und für Konsumenten genutzt werden kann.

Drug-Checking in der Schweiz

saferparty.ch Sensi Seeds blog
Mobiles Drug-Checking in Zürich.

Seit 2001 führt die Jugendberatung Streetwork im Auftrag der Drogendelegation der Stadt Zürich Drug-Checking durch. Ziel ist es, Konsumenten auf Risiken und Gefahren der verschiedenen Drogen hinzuweisen und sie anzuregen, selbstverantwortlich mit ihrer Gesundheit umzugehen. Das Onlineportal saferparty.ch informiert neutral über bewusstseinsverändernde Substanzen, Risiken des Drogenkonsums, bietet Beratungen an und postet aktuelle Warnungen zu Substanzen. Im Drogeninformationszentrum können Proben für Analysen abgegeben werden. Ungefähr 10 Mal im Jahr gibt es mobiles Drug-Checking.

Hans Gusto Sensi Seeds blog
Hans Guosto – Mathematiker, Musikwissenschaftler, Astrologe und Buchautor.

Um den Artikel abzuschließen, soll eine Zitat von Hans Cousto, Mathematiker, Musikwissenschaftler, Astrologe und Buchautor angeführt werden:

Drug-Checking ist eine Interventionsstrategie zur Erhaltung der Gesundheit, da die genaue Kenntnis von Dosierung und Wirkstoff-zusammensetzung einer Droge den potentiellen Gebrauchern derselben das objektiv bestehende Gefahrenpotential vergegenwärtigt und somit eine klare Grundlage für die subjektive Risikoabschätzung vor der eventuellen Einnahme schafft. Drug-Checking fördert somit den Lernprozess zu einem verträglichen Risikomanagement.“

Drug-Checking ja oder nein? Wir lesen gern Ihre Meinung zum Thema!

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.
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