Cannabis in Finnland – Gesetze, Konsum und Geschichte

Die finnischen Cannabis-Gesetze sind relativ streng, und selbst medizinisches Cannabis ist nicht gerade weit verbreitet. Allerdings wurden kleine Mengen für den persönlichen Gebrauch entkriminalisiert, und die Jugendabteilungen der politischen Parteien drängen darauf, Cannabis für den Freizeitgebrauch zu legalisieren. Im Jahr 2018 wurden auch diverse Anstrengungen unternommen, CBD-Produkte für den medizinischen Gebrauch zu entwickeln.

    • Hauptstadt
    • Helsinki
    • Einwohner
    • 5,580,000
    • CBD Produkte
    • Legal
    • Cannabis für Freizeitkonsum
    • Illegal
    • Medizinisches Cannabis
    • Legal

Cannabis-Gesetzgebung in Finnland

Darf man in Finnland Cannabis besitzen und konsumieren?

Gemäß dem finnischen Betäubungsmittelgesetz ist der Konsum oder Besitz von Drogen (einschließlich Cannabis) eine Straftat. Es sieht bei Zuwiderhandlung eine Geldstrafe oder eine Haftstrafe von bis zu sechs Monaten vor.

Wird die Menge an Cannabis als „unbedeutend“ angesehen, kann auf die Bestrafung verzichtet werden. Dies gilt auch, wenn der Täter sich für eine Therapie entscheidet (wie in der entsprechenden Verordnung des Ministeriums für Soziales und Gesundheit festgelegt). Wiederholungstäter sollten allerdings nicht damit rechnen, eine Strafverfolgung umgehen zu können.

Ein schwerwiegendes Drogendelikt kann zu einer Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren führen. Zu den „erschwerenden Umständen“ zählen:

  • Substanzen, die als gefährlich eingestuft werden
  • Große Mengen der Substanz
  • Signifikanter Profit
  • kriminelles Verhalten als Teil einer organisierten Struktur

Im Jahr 2017 entschied der finnische Oberste Gerichtshof, dass die Strafe für ein schweres Drogendelikt je nach der Rolle des Täters bei Ausführung der kriminellen Handlung reduziert werden kann.

Darf man in Finnland Cannabis verkaufen?

Finnland ist insofern ungewöhnlich, als das Gesetz nicht ausdrücklich zwischen dem Verkauf und dem Besitz von Cannabis unterscheidet. Daher gibt es kein eigenes Gesetz für Verkauf oder Handel.

Wenn der Täter dabei erwischt wird, eine beträchtliche Menge Cannabis zu verkaufen, wird die Strafe wahrscheinlich härter sein – bis zu zehn Jahre Gefängnis können warten. Für kleinere Mengen gibt es eine geringere Strafe, und bei Kleinstmengen erhält der Täter möglicherweise „nur“ eine Geldstrafe.

Cannabis ist in Finnland nicht durchgängig verfügbar, da die meisten Importe aus Dänemark über internationale Drogenschmuggelrouten kommen. Eigenanbau ist zwar nicht gerade verbreitet, doch der Grower-Anteil an der einheimischen Bevölkerung scheint zu wachsen.

Darf man in Finnland Cannabis anbauen?

Das finnische Betäubungsmittelgesetz besagt, dass der Anbau von Cannabis illegal ist. Das bedeutet, dass es unter keinen Umständen erlaubt ist, daheim anzubauen. Dennoch entscheiden sich einige Finnen dafür, dieses Risiko einzugehen.

Die wissenschaftliche Journal „European Addiction Research“ stellte fest, dass finnische Grower den Indoor-Anbau bevorzugen, was angesichts des kalten Klimas nicht weiter überraschend ist. Typischerweise kultivieren sie die Pflanzen für ihren persönlichen Bedarf. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit, dass Finnen Cannabis für medizinische Zwecke anbauen, doppelt so hoch wie bei ihren Nachbarn aus Dänemark.

Während der Eigenanbau illegal ist, ist die kommerzielle Produktion unter Auflagen (mit spezieller Genehmigung) legal. Viele finnische Unternehmen bauen auf heimischen Boden Hanf und medizinisches Cannabis an. 

Ist CBD in Finnland legal?

CBD ist in Finnland legal, solange eine gewisse THC-Grenze (das für das „High“ verantwortliche Cannabinoid) nicht überschritten wird. Es muss dann nicht mehr als psychoaktives Medikament gekennzeichnet werden. Entsprechende CBD-basierte Produkte können problemlos in Reformhäusern und im Internet erworben werden.

Dürfen Cannabissamen nach Finnland geliefert werden?

Es ist legal, Cannabissamen nach Finnland zu schicken, und sie können ohne Angst vor Strafverfolgung bestellt werden. Da der Anbau jedoch illegal ist, dürfen sie nicht zum Anbau verwendet werden.

Medizinisches Cannabis in Finnland

Im Jahr 2008 verabschiedete die finnische Regierung ein Gesetz, das die Verwendung von medizinischem Cannabis erlaubt. Dabei handelte es sich insbesondere um unverarbeitete Cannabisblüten der Firma Bedrocan aus den Niederlanden. Ein Jahrzehnt später ist der Zugang zu medizinischem Cannabis noch immer begrenzt. Nach heutigem Stand ist für MS-Patienten nur Sativex auf Rezept erhältlich.

CBD darf auch bei anderen Krankheiten verschrieben werden, aber dies wird von Fall zu Fall von der finnischen Arzneimittelbehörde (FIMEA) entschieden. Obwohl medizinisches Cannabis erhältlich ist, ist es schwierig, ein Rezept zu bekommen. Rezepte können nur von Neurologen (oder von Ärzten, die in einer neurologischen Klinik arbeiten) ausgestellt werden und gelten als „letzte Möglichkeit“, wenn andere Medikamente keine Wirkung gezeigt haben.

Medizinisches Cannabis genießt in Finnland generell einen eher zweifelhaften Ruf. Ein etwa 60-jähriger Patient berichtete: „Ich fragte meinen Arzt nach medizinischem Marihuana und er fiel fast vom Stuhl. Es war, als hätte ich eine Art riesiges Tabu gebrochen. Es war ein ziemlich junger Arzt, also habe ich den Eindruck, dass das Thema an der medizinischen Fakultät hier nicht ausreichend behandelt wird.“

Außerdem sind medizinische Cannabisprodukte teuer. Drei Sprühflaschen des Cannabis-Medikaments Sativex mit jeweils nur zehn Millilitern Inhalt kosten 650 Euro. Der Heimanbau ist da natürlich wesentlich billiger, was erklären mag, warum immer mehr Menschen in Finnland das Risiko eingehen, sich in die Illegalität zu stürzen.

Obwohl das medizinische Cannabisprogramm des Landes also nur langsam anläuft, steigt letztendlich die Zahl der Kranken, die eine Behandlung mit Cannabis erhalten.

Industriehanf in Finland

Trotz des kalten nordeuropäischen Klimas hat Finnland eine lange Tradition im Hanfanbau. Im 20. Jahrhundert jedoch war die Hanfindustrie im Niedergang begriffen. Flachs und Baumwolle (beide weniger arbeitsintensiv) wurden von den Bauern bevorzugt, und die zunehmend negative Wahrnehmung ließ den Hanfanbau dann nahezu komplett verschwinden.

Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern hat Finnland nie ein spezifisches Prohibitionsgesetz erlassen, das die Hanfproduktion verbietet. Dies hat dazu geführt, dass der Anbau vor allem in ländlichen Gebieten nie ganz verschwunden ist. In den 1990er-Jahren kam es zu einer Belebung der Branche, und seitdem ist Hanf wieder ein wichtiger Bestandteil der finnischen Wirtschaft geworden.

Cannabis und die politischen Parteien

Die meisten der relevanten politischen Parteien Finnlands, die National Coalition Party, die Sozialdemokratische Partei, die Schwedische Volkspartei und die Christdemokraten, wollen keine Legalisierung von Cannabis, obwohl viele die Verwendung für medizinische Zwecke unterstützen.

Die Jugendflügel der Parteien haben jedoch eine ganz andere Sichtweise. Suvi Makelainen, Vorsitzende der Zentrumspartei-Jugend, kommentiert: „Es ist natürlich einfach, nicht über die Drogenpolitik zu sprechen. Es ist leicht zu sagen: ,Ich will nicht, dass Marihuana legalisiert wird.‘ Aber es ist schwieriger, eine umfassende Diskussion darüber zu führen.“

Alle Jugendorganisationen der großen Parteien haben sich getroffen, um über die Entkriminalisierung von Cannabis für den persönlichen Gebrauch zu diskutieren. Der Vorsitzende der National Coalition Party, Henrik Vuornos, sagt: „Weltweit ist Cannabiskonsum bei den Jugendlichen beliebter als bei den Älteren – und ich denke, jüngere Menschen sind weltweit stärker vernetzt. Die Leute schauen sich Websites an und lesen Zeitschriften, sie informieren sich über die Politik der USA, wo fast die Hälfte aller Bundesstaaten Cannabis legalisiert hat.“

Gut zu wissen

Wenn man nach Finnland reist (oder dort wohnt), ist es sinnvoll, Folgendes zu wissen:

Die Geschichte von Cannabis in Finnland

Niemand weiß genau, wann Cannabis zum ersten Mal nach Finnland kam. Alte Pollenkörner deuten darauf hin, dass dort seit 4000 v. Chr. Pflanzen der Familie der Cannabaceae wachsen, aber das könnten auch wilde Hopfenpflanzen und nicht Cannabis gewesen sein. Ja, es ist wahr – Bier und Cannabis sind verwandt!

Archäologische Ausgrabungen zeigten, dass Hanf ab etwa 800 n. Chr. angebaut wurde. Es wird angenommen, dass die Wikinger ihn auf Ahvenanmaa, einer Insel zwischen Finnland und Schweden, kultivierten. Weitere Ausgrabungen deuten darauf hin, dass der Cannabisanbau in dieser Zeit bis etwa 1.500 n. Chr. weit verbreitet war. 

Historische Steueraufzeichnungen belegen, dass es bereits im 15. und 16. Jahrhundert eine kleine Hanfindustrie im Land gab. Einige Experten glauben, dass das zu diesem Zeitpunkt angebaute Cannabis aus Russland (über die Grenzregion Karelien) eingeführt wurde. Es ist jedoch auch durchaus möglich, dass einige Sorten aus Mitteleuropa stammten.

Im 18. und 19. Jahrhundert war Hanf die Haupterntepflanze Finnlands. Die Produktion übertraf den nächstgelegenen Konkurrenten Flachs deutlich. Aber die „goldene Ära“ des Hanfanbaus sollte nicht von Dauer sein. Im 20. Jahrhundert begann der Abstieg der Hanfindustrie. Die wachsende Negativpropaganda über Cannabis führte dazu, dass es praktisch vom Erdboden getilgt wurde, obwohl es einige ländliche Gemeinden weiterhin anbauten.   

Was ist Finola?

Finola ist der Handelsname für eine winterharte Hanfsorte, die in Finnland wächst. Sie wurde 1995 entwickelt und 2003 in die Liste der subventionierten Kulturen der EU aufgenommen. Heute ist sie weltweit bekannt für ihre Frostbeständigkeit und Widerstandsfähigkeit in nördlichen Breitengraden.

Es war keine ganz reibungslose Reise für Finola. EU-Vertreter protestierten zunächst gegen die Aufnahme in die Liste der subventionierten Kulturen. Im Jahr 2006 wurden bei Tests höhere THC-Werte als zulässig festgestellt (über 0,2 Prozent). Es wurde von der EU-Liste gestrichen, aber 2013 nach andauernden Protestkampagnen von finnischen Hanfbauern und Aktivisten wieder freigegeben.

Hamppusampo – progressive Praktiken oder Gesetzesverstoß?

Hamppusampo ist ein finnisches Cannabisunternehmen. Im Jahr 2018 begann es mit der Entwicklung einer nicht psychoaktiven Cannabissorte. Dahinter stand die Absicht, ein CBD-Produkt zu entwickeln, das man in Finnland und im Ausland verkaufen kann. Man arbeitete mit mehreren Kleinbauern entlang der Küste zusammen. Hamppusampo erhielt auch eine Genehmigung von der finnischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Evira) für den Import von Saatgut für Forschung und Produktentwicklung.

Überraschenderweise gab Evira kurz darauf aber bekannt, dass die Hanfpflanzen von Hamppusampo illegal seien. Infolgedessen war das Hanf-Unternehmen gezwungen, den Verkauf wieder einzustellen. Die Firma hatte darauf gesetzt, dass Evira die Blüte als Lebensmittel betrachten würde; Evira erklärte jedoch, dass man „Hanfblüten nicht legalisiert und […] niemandem eine Marktzulassung erteilt“ habe.

Wie stehen die Chancen auf eine Legalisierung?

Angesichts der gegebenen Schwierigkeiten, medizinische Cannabisprodukte auf Rezept zu erhalten, erscheint es unwahrscheinlich, dass die finnische Regierung ihre Cannabis-Gesetze in naher Zukunft ändern wird. Die Jugendflügel der etablierten Parteien vertreten jedoch eine andere Meinung und spiegeln damit die Meinungsunterschiede zwischen den jüngeren und älteren Einwohnern wieder.

Kurz gesagt, die Gesetze könnten sich ändern, sobald ein Generationswechsel in der Politik stattgefunden hat.

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    Obwohl größte Sorgfalt bei der Gewährleistung der Richtigkeit dieses Artikels aufgewendet wurde, ist er weder als Rechtsberatung gedacht, noch sollte er als solche verstanden werden. Jede Situation wird von individuellen Faktoren beeinflusst und man sollte stets einen Experten oder Anwalt für eine Rechtsberatung konsultieren.

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Autor und Gutachter

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    Sensi Seeds

    Das Sensi Seeds Redaktionsteam besteht aus Botanikern, medizinischen und juristischen Experten sowie renommierten Aktivisten wie Dr. Lester Grinspoon, Micha Knodt, Robert Connell Clarke, Maurice Veldman, Sebastian Marincolo, James Burton und Seshata.
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  • Maurice_Veldman

    Maurice Veldman

    Maurice Veldman ist Mitglied der Niederländischen Vereinigung der Strafrechtsanwälte und einer der bemerkenswertesten Cannabis-Anwälte der Niederlande. Mit 25 Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet unterstützt sein strafrechtliches und Verwaltungsrecht die Cannabisverkäufer und Hanferzeuger dabei, die Ungleichheiten zwischen Individuum und Staat zu beseitigen.
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