Cannabis in Slowenien – Gesetze, Konsum und Geschichte

Cannabis ist in Slowenien illegal. Wird man jedoch mit Cannabis für den Eigenbedarf erwischt, ist das Gesetz nachsichtig. Jedoch geht es mit Leuten, die es verkaufen oder verbreiten wollen, wesentlich härter ins Gericht. Es gibt noch kein medizinisches Programm, aber es wird mit der Regulierung der CBD-Industrie geliebäugelt. Einige Medikamente auf Cannabisbasis können auf Rezept erworben werden und auch CBD- und Hanföle sind legal.

    • Hauptstadt
    • Ljubljana
    • Einwohner
    • 2,082,000
    • CBD Produkte
    • Legal
    • Cannabis für Freizeitkonsum
    • Entkriminalisiert
    • Medizinisches Cannabis
    • Legal

Cannabis-Gesetze in Slowenien

Darf man in Slowenien Cannabis besitzen und konsumieren?

In Slowenien ist es illegal, Cannabis zu besitzen. Der persönliche Konsum von Cannabis wurde jedoch entkriminalisiert. Das Gesetz definiert den „Eigenbedarf“ als eine geringe Menge für den privaten Konsum oder eine geringe Menge für diejenigen, die sie für eine medizinische Behandlung benötigen oder sie im Rahmen eines Gesundheits-/Sozialprogramms besitzen.

Nach dem Gesetz wird der Besitz von Cannabis als Bagatelldelikt angesehen. Das bedeutet, dass Verstöße keine Freiheitsstrafe nach sich ziehen, aber möglicherweise eine geringfügige Geldstrafe (zwischen 42 und 209 Euro). Wenn die Person zustimmt, an einem Sucht- oder einem anderen vom Gesundheitsministerium genehmigtem Programm teilzunehmen, kann die Strafe nachsichtiger ausfallen.

Darf Cannabis in Slowenien verkauft werden?

Das slowenische Strafgesetzbuch von 2008 unterteilt den Verkauf und die Verteilung von Cannabis in zwei Straftaten:

  • Die Herstellung von und der Handel mit illegalen Drogen. Dazu gehören der Verkauf von Cannabis, der Kauf mit Verkaufsabsicht und der Cannabisanbau.
  • Förderung des Konsums illegaler Drogen. Dazu gehört auch, anderen Menschen Cannabis zum Konsum anzubieten.

Wer dabei erwischt wird, Cannabis zu Verkaufszwecken zu produzieren oder an andere zu verkaufen, kann zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren verurteilt werden. Diese kann bei erschwerenden Umständen auf drei bis 15 Jahre verlängert werden, beispielsweise wenn besonders schutzwürdige Personen involviert sind oder der Handel/Anbau an besonders schutzwürdigen Orten stattfindet.

Wer anderen Cannabis zum Konsum anbietet, kann mit einer Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und acht Jahren rechnen. Wenn schutzbedürftige Personen involviert sind (beispielsweise Minderjährige) oder wenn der Täter seine Position missbraucht, kann die Strafe auf eine Zeit zwischen einem Jahr und zwölf Jahren verlängert werden.

Darf Cannabis in Slowenien angebaut werden?

Nach dem EU-Beitritt Sloweniens im Jahr 2004 verabschiedete das Land seine Regeln für die Hanfproduktion und erlaubte den Anbau. Seitdem ist es in Slowenien legal, Cannabis ohne Lizenz anzubauen, sofern es weniger als 0,2 Prozent THC (die für das „High“ verantwortliche Substanz) enthält und die Cannabispflanzen nicht auf einer Fläche von mehr als 0,1 Hektar angebaut werden.

Wenn ein Landwirt Cannabis mit niedrigem THC-Gehalt auf Flächen von mehr als 0,1 Hektar anbauen möchte, muss er eine Lizenz der Regierung einholen. Der Anbau von Cannabis mit hohem THC-Gehalt ist illegal.

Der Anbau einer Cannabispflanze im eigenen Zuhause ist in Slowenien legal, sofern sie maximal 0,2 Prozent THC enthält.

Ist CBD in Slowenien legal?

CBD– und Hanföle sind in Slowenien legal. Sie sind auch leicht erhältlich und werden oft zur Linderung von Symptomen im Zusammenhang mit verschiedenen Gesundheitszuständen angewandt. Wie auch beim Cannabisanbau dürfen die CBD- oder Hanföle nicht mehr als 0,2 Prozent THC enthalten.

Dürfen Cannabis-Samen nach Slowenien geschickt werden?

Obwohl der Anbau von Cannabis mit hohem THC-Gehalt illegal ist, ist der Erwerb von Saatgut, das Pflanzen mit hohem THC-Gehalt hervorbringt, tatsächlich legal. Jede Art von Saatgut kann legal gekauft und auch aus einem anderen Land nach Slowenien verschickt werden. In den Augen des Gesetzes ist nur die Intention, die man mit den Samen verfolgt, von Bedeutung.

Medizinisches Cannabis in Slowenien

Medizinisches Cannabis ist in Slowenien derzeit nicht legal, aber die Regierung hat den Einsatz bestimmter Cannabinoidpräparate erlaubt, um genau zu sein den von Sativex und Marinol. Ebenso ist es legal, CBD-Öl mit niedrigem THC-Gehalt zu kaufen und es für medizinische Zwecke zu verwenden.

Derzeit können Patienten von ihrem Arzt Rezepte für Medikamente auf Cannabisbasis erhalten. In den meisten Fällen geschieht dies im Rahmen einer Palliativtherapie. Rund 160 Patienten sind in einem Programm, das die Behandlung mit Dronabinol (Marinol) erlaubt. Es wird allerdings geschätzt, dass sich rund 30.000 Menschen im Land selbst mit CBD-Öl und ähnlichen Produkten behandeln.

Der Rechtsstatus von medizinischem Cannabis kann sich bald ändern. In der Vergangenheit wurden verschiedene Vorschläge zur Entkriminalisierung für den medizinischen Gebrauch unterbreitet und 2013 hat die slowenische Regierung Cannabinoide als illegale Drogen der Klasse II zurückgestuft. Dies bedeutet, dass Cannabinoide für medizinische Zwecke verwendet werden dürfen, nicht aber Cannabisblüten. Im Jahr 2018 haben Abgeordnete einen Gesetzentwurf zur Legalisierung von Cannabis für alle Zwecke vorgelegt, der jedoch nicht angenommen wurde.

Industriehanf in Slowenien

Der Anbau von Industriehanf ist in Slowenien seit dem EU-Beitritt 2004 legal. Wenn es auf weniger als 0,1 Hektar Land kultiviert wird, benötigt man nicht einmal eine staatliche Genehmigung.

Dennoch haben die slowenischen Hanfproduzenten mit dem Anbau der Pflanzen zu kämpfen. Der Ernteprozess erwies sich als problematisch, da sich die zähen Fasern um die Maschinenteile wickeln können. Auch wachsen die Pflanzen oft ungleichmäßig – so werden einige sehr hoch, was wiederum Probleme mit Verunreinigungen und Ernteausfällen verursachen kann.

Auch wurden die meisten der angebauten Sorten aus anderen Ländern importiert. Einige sind dabei für das slowenische Klima geeignet, andere jedoch nicht. In dieser frühen Phase der Hanfproduktion ist Trial-and-Error unweigerlich ein Teil des Prozesses.

Einige Cannabis-Landwirte sind jedoch recht erfolgreich. Das Landgut Trnulja ist da ein gutes Beispiel. Es verkauft Lebensmittel auf Hanfbasis und serviert im dazugehörigen Restaurant Gerichte mit Hanf.

Sloweniens politische Parteien und Cannabis

Die derzeit regierende Partei (die Partei des modernen Zentrums) hat eine liberale Haltung gegenüber Cannabis. Sie überlegt derzeit auch, es für medizinische Zwecke zu legalisieren. Andere Parteien haben sich ihrer Haltung angeschlossen, so auch die Sozialdemokraten, die ebenfalls eine Legalisierung forderten.

Gut zu wissen

Wenn man nach Slowenien reist (oder dort wohnt), ist es sinnvoll, Folgendes zu wissen:

  • Cannabis ist die am häufigsten konsumierte Droge in Slowenien. Marihuana ist die am häufigsten von der Polizei beschlagnahmte Droge.
  • 10,3 Prozent der „jungen Erwachsenen“ (zwischen 15 und 34 Jahren) konsumieren Cannabis. Es wird von Männern häufiger konsumiert als von Frauen.
  • Der Zugang zu verschriebenem medizinischem Cannabis ist derzeit eingeschränkt. Es ist nicht in Apotheken erhältlich und viele Patienten beziehen ihre Medikamente aus Österreich.

Öffentliche Meinung zu Cannabis

Im Allgemeinen ist die Einstellung Sloweniens gegenüber Cannabis liberal. In der Vergangenheit haben sich mehrere Personen und Organisationen für die Legalisierung von Cannabis für den medizinischen Einsatz und freizeitlichen Konsum eingesetzt. Es wird als eine Droge für junge Menschen angesehen, 15 Prozent der Konsumenten sind zwischen 15 und 24 Jahre alt. Im Gegensatz dazu sind nur 0,2 Prozent der Konsumenten in Slowenien 55 bis 64 Jahre alt.

Trotz der Popularität von Cannabis gehört Slowenien nicht zu den am meisten konsumierenden Canna-Nationen der Welt. Tatsächlich ist Slowenien laut eines aktuellen Berichts nicht einmal unter den Top 30.

Sloweniens Cannabis Social Clubs

In vielen Teilen der Welt, in denen der Cannabiskonsum entkriminalisiert wurde, wurden auch Cannabis Social Clubs gegründet. Slowenien hat derzeit sechs Clubs, bald soll es noch vier weitere geben, so Jaka Bitenc, Gründer des ersten Cannabisclubs des Landes, Slovenski Konopljin Socialni Klub (SkSk).

Diese Social Clubs sind in der Regel gemeinnützige Vereine und bedienen nur ihre Mitglieder. Der Schwerpunkt liegt auf einer transparenten Arbeitsweise und der Bereitstellung von Produkten, die qualitativ hochwertiger sind als ihre Gegenstücke vom Schwarzmarkt, der unreguliert ist und oft kriminellen Organisationen in die Tasche wirtschaftet.

Cannabis Social Clubs sind oft umstritten. Einige argumentieren, dass sie nicht innerhalb des Gesetzes operieren und geschlossen werden sollten. Aber technisch gesehen ist dies in Slowenien nicht der Fall, solange das angebaute Cannabis gleichmäßig für den Eigenbedarf genutzt wird.

Kampagne für Veränderung

Jaka Bitenc ist seit einigen Jahren Aktivist. Er gründete den SkSk als Folge seiner Diabetes, als er zur Linderung seiner Symptome eine Cannabisbehandlung ausprobieren wollte. Mittlerweile hat der SkSk über 1.000 Mitglieder, die alle als medizinische Cannabispatienten registriert sind.

2014 erklärte er in einem Interview: „Ziel des Vereins ist es, sowohl den Cannabispatienten zu helfen, denen die offizielle Medizin nicht helfen kann, als auch die Gesetze dahingehend zu verändern, dass sie hier in Slowenien die Selbstversorgung mit Cannabis ermöglichen.“

Angesichts der Tatsache, dass viele der Abgeordneten des Landes Cannabis befürworten, scheint es wahrscheinlich, dass das Gesetz bald geändert wird, insbesondere im Hinblick auf die medizinische Nutzung.

Wie ist slowenisches Cannabis?

Die Potenz des slowenischen Cannabis variiert je nach Sorte (und Anbauqualität) stark. Offizielle Untersuchungen zeigen, dass Marihuana zwischen 3,5 und 38,6 Prozent THC enthält, was unglaublich stark ist. Ebenso liegt der THC-Gehalt von Harz (oder Haschisch) im Bereich zwischen 0,2 und 38,6 Prozent.

Wird Cannabis zukünftig legalisiert?

Angesichts der gegenwärtigen Grundhaltung von Politikern, Öffentlichkeit und Medizinern ist es wahrscheinlich, dass Cannabis in Zukunft vollständig für den medizinischen Gebrauch legalisiert wird.

Das Internationale Institut für Cannabinoide (ICANNA) gibt an, dass die Mehrheit der Ärzte in Slowenien Cannabis als „Heilpflanze“ betrachtet, und äußert sich wie folgt dazu: „Länder, die Cannabis für den medizinischen Gebrauch legalisiert und reguliert haben, haben einen Rückgang der Verschreibungen von Medikamenten zur Behandlung von Schmerzen, Angst, Übelkeit, Psychosen, Anfällen, Schlaflosigkeit und Depressionen sowie eine Verringerung der Todesfälle durch Opioid-Überdosen um über 25 Prozent bestätigt.“

Es ist allerdings nicht so leicht vorherzusagen, ob Cannabis für den freizeitlichen Konsum legalisiert wird. Die slowenischen Gesetze sind in Bezug auf den privaten Konsum bereits nachsichtig und die Regierung könnte eine vollständige Legalisierung nicht als notwendig erachten. 85 Prozent der Drogendelikte im Land sind jedoch cannabisbezogen und die meisten dieser Fälle betreffen den privaten Konsum und Eigenbedarf – was dem ohnehin schon überlasteten Strafrechtssystem des Landes noch mehr zusetzt.

Als eines der liberaleren Länder Europas könnte Slowenien eines der ersten sein, das den freizeitlichen Konsum vollständig legalisiert, insbesondere wenn es eine Regulierung der Branche seitens der Regierung mit sich bringt.

  • Disclaimer:
    Obwohl größte Sorgfalt bei der Gewährleistung der Richtigkeit dieses Artikels aufgewendet wurde, ist er weder als Rechtsberatung gedacht, noch sollte er als solche verstanden werden. Jede Situation wird von individuellen Faktoren beeinflusst und man sollte stets einen Experten oder Anwalt für eine Rechtsberatung konsultieren.

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Autor und Gutachter

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    Sensi Seeds

    Das Sensi Seeds Redaktionsteam besteht aus Botanikern, medizinischen und juristischen Experten sowie renommierten Aktivisten wie Dr. Lester Grinspoon, Micha Knodt, Robert Connell Clarke, Maurice Veldman, Sebastian Marincolo, James Burton und Seshata.
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  • Maurice_Veldman

    Maurice Veldman

    Maurice Veldman ist Mitglied der Niederländischen Vereinigung der Strafrechtsanwälte und einer der bemerkenswertesten Cannabis-Anwälte der Niederlande. Mit 25 Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet unterstützt sein strafrechtliches und Verwaltungsrecht die Cannabisverkäufer und Hanferzeuger dabei, die Ungleichheiten zwischen Individuum und Staat zu beseitigen.
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