Cannabis in Österreich – Gesetze, Konsum und Geschichte

Österreich hat komplizierte Cannabis-Gesetze. Der Verkauf und die Verbreitung werden zwar hart bestraft, der private Konsum wurde aber entkriminalisiert und man darf eine begrenzte Anzahl Cannabispflanzen anbauen. Unter der jetzigen rechten Regierung könnte sich dies jedoch ändern. Medizinisches Cannabis ist verfügbar, aber es ist extrem schwer zu bekommen.

    • Hauptstadt
    • Wien (Vienna)
    • Einwohner
    • 8,782,000
    • CBD Produkte
    • not clear
    • Cannabis für Freizeitkonsum
    • Entkriminalisiert
    • Medizinisches Cannabis
    • Legal since 2008

Cannabis-Gesetze in Österreich

Darf man in Österreich Cannabis besitzen und konsumieren?

Die österreichischen Cannabis-Gesetze werden durch das Suchtmittelgesetz geregelt, das 1998 nach dem EU-Beitritt des Landes verabschiedet wurde.

Seit 2016 wird der Konsum von Cannabis nicht mehr als Straftatbestand eingestuft, was ihn praktisch entkriminalisiert. Der Besitz von Drogen kann jedoch mit bis zu sechs Monaten Haft oder einem Bußgeld geahndet werden, sofern sich die gefundene Cannabismenge unter dem Grenzwert befindet. Dieser Grenzwert wurde per Verordnung des Gesundheitsministeriums festgelegt und liegt derzeit bei 20 Gramm THC (reine Substanz) oder 40 Gramm THCA. Als Höchststrafe für den Besitz von Mengen, die den Eigenbedarf überschreiten, wird eine einjährige Freiheitsstrafe verhängt.

Es gibt auch eine Reihe von Alternativen wie beispielsweise Bewährungsstrafen oder Suchtbehandlungen. Dies wurde 2015 dahingehend vereinfacht, dass die Polizei Cannabiskonsumenten direkt zu den Gesundheitsbehörden schicken kann, anstatt sie strafrechtlich zu verfolgen.

Im Fall erschwerender Umstände (zum Beispiel wenn Täter eine größere Menge besitzen und angenommen wird, dass sie zum Verkauf bestimmt sind, oder wenn Minderjährige involviert sind), wird die Haftstrafe auf maximal drei Jahre verlängert.

Der Ansatz des Landes besteht darin, zwischen Kriminellen, die mit Drogen handeln, und denjenigen, die Drogen konsumieren und möglicherweise Gesundheits- oder Suchtprobleme haben, zu unterscheiden. Für Cannabis und Magic Mushrooms gelten zudem besondere Bestimmungen.

Darf Cannabis in Österreich verkauft werden?

Das Gesetz betrachtet den Verkauf und die Verbreitung von Cannabis als schwere Straftaten. Wird man beim Handel mit großen Mengen (definiert als das 15-fache des Grenzwerts) erwischt, kann man folgendermaßen belangt werden:

  • Eine zwei- bis dreijährige Freiheitsstrafe für den Besitz
  • Fünf Jahre Haft für den Import 
  • Eine ein- bis zehnjährige oder zehn- bis zwanzigjährige/lebenslängliche Haftstrafe, je nachdem, ob man Teil einer Gang und/oder vorbestraft ist, große Mengen Cannabis verkauft hat und so weiter

Als große oder „ernstzunehmende“ Mengen gilt alles, was 20 Gramm THC übersteigt.

Darf Cannabis in Österreich angebaut werden?

2008 wurde das Betäubungsmittelgesetz geändert, um es besser an die EU-Gesetzgebung anzupassen. Das geänderte Gesetz erlaubt den Anbau von Cannabis, um „Wirkstoffe“ zur Herstellung von Arzneimitteln zu gewinnen.

Das neue Gesetz gibt Einzelpersonen auch das Recht, Cannabispflanzen zu Hause anzubauen, vorausgesetzt, sie werden nicht zu dem Zweck angebaut, THC zu produzieren. Die Pflanzen dürfen demnach weniger als 0,3 Prozent THC enthalten. In der Praxis heißt das, dass Menschen die Pflanzen bis zur Blütezeit anbauen können, da der THC-Gehalt vor diesem Zeitpunkt wahrscheinlich unter dem Grenzwert liegt.

Toni Straka vom Hanf-Institut erklärte: „Wir haben eine seltsame Rechtslage. Der Konsum eines Joints ist verboten, aber der Verkauf von Hanfpflanzen als Raumluftverbesserer oder Zierpflanzen ist erlaubt.“ Er schätzte, dass jeden Monat rund 300.000 Setzlinge im Land verkauft werden.

Cannabis wird in Österreich dank dieses Gesetzes vielerorts angebaut. Einige Großbauern konnten vor Gericht erfolgreich damit argumentieren, dass ihre Pflanzen die Blütephase noch nicht eingeleitet hätten, und haben es somit geschafft, eine Haftstrafe zu vermeiden. Tatsächlich definiert das Gesetz das Entstehen von Blüten- und Fruchtständen nicht als Beweis für die Absicht zur Suchtmittelgewinnung oder zum Verkauf von Drogen.

Laut der Hemp Embassy Vienna hatte das Bundesministerium für Inneres 2015 folgendes erklärt: „Erst das Ernten von nicht zur gewerblichen Nutzung zugelassenen Pflanzen mit ausgebildeten Blüten- und Fruchtständen, stellt Suchtmittelgewinnung im Sinne der Suchtmittelgesetzgebung dar.“

Dies könnte sich jedoch bald ändern. Ende 2017 gab die neu gewählte Österreichische Volkspartei bekannt, dass sie den Verkauf von „Hanfpflanzen und Hanfsamen“ verbieten wolle. Dies würde nicht nur diejenigen betreffen, die es für den Eigenbedarf anbauen, sonder auch Landwirte und Growshop-Betreiber.

Ist CBD in Österreich legal?

In Österreich ist die Gesetzgebung in Bezug auf CBD sehr undeutlich. Bis 2018 war CBD in Österreich zum Kauf und Verkauf zugelassen, sofern der THC-Gehalt unter 0,3 Prozent lag. Die gegenwärtige Regierung hat dies jedoch kürzlich revidiert – gerade als die meisten anderen europäischen Länder es vollständig legalisiert hatten. Der Konsum von CBD in Form von Edibles ist seitdem verboten, aber es darf noch als „Aromatherapie-Produkt“ verkauft werden.

2018 nahm die Konditorei Aida beispielsweise CBD-haltige Kuchen in ihr Sortiment auf. Dies wurde dem Betrieb nun jedoch untersagt, da die Regierung festgelegt hatte, dass es nun verboten ist, CBD als Zutat in Lebensmitteln oder Kosmetikartikeln zu verwenden.

Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels wurde der Bundeskanzler Sebastian Kurz per Misstrauensvotum seines Amtes enthoben. Seitdem hält Brigitte Bierlein die Position des Kanzleramts inne. Sensi Seeds wird diesen Artikel aktualisieren, sobald neue Informationen verfügbar sind.

Dürfen Cannabissamen nach Österreich geschickt werden?

Im Moment können Cannabissamen in Österreich legal erworben und verkauft werden. Sie dürfen auch per Post versendet werden.

Medizinisches Cannabis in Österreich

2008 wurde in Österreich ein Gesetz verabschiedet, das den Anbau von Cannabis zu medizinischen und Forschungszwecken erlaubt. Das Gesetz besagt, dass das gesamte Cannabis unter der Kontrolle des Gesundheitsministeriums angebaut werden muss und dass es weiterhin illegal ist, Cannabis zu medizinischen Zwecken zu Hause anzubauen.

Das Land erlaubt die Bereitstellung von Dronabinol, Sativex und Nabilone an Patienten, die ein Rezept eines zugelassenen Arztes vorlegen können. Dronabinol ist das am häufigsten verschriebene Medikament, da es billiger ist als die beiden anderen, auch wenn es nach wie vor kostspielig ist. Die Krankenversicherung übernimmt in der Regel die Kosten für Cannabisprodukte, wenn die Patienten an Multipler Sklerose, AIDS, Krebs oder Erkrankungen des Nervensystems leidet.

Einige Experten sind jedoch der Meinung, dass das aktuelle medizinische Cannabisprogramm für die österreichischen Patienten nicht ausreicht. Peter Kolba, seines Zeichens Bürgerrechtssprecher der grünen Partei JETZT – Liste Pilz, sagte vor Kurzem:

„Die derzeitigen Möglichkeiten sind nicht ausreichend […] Man muss einen Arzt finden, der mit medizinischem Cannabis vertraut ist […] Dann muss der Arzt bereit sein, ein Rezept für ein Betäubungsmittel auszustellen. Die Kosten für Dronabinol sind teilweise unzumutbar […] Die Krankenkassen übernehmen diese Kosten nur sehr zögerlich und auch nur dann, wenn klinische Studien vorliegen.“

Industriehanf in Österreich

Die industrielle Hanfproduktion wurde 1995 wieder aufgenommen, nachdem sie 37 Jahre lang praktisch nicht existent war. Der Hanf kann im Land legal angebaut werden, sofern er nicht mehr als 0,3 Prozent THC enthält.

Die Hanfindustrie gedeiht in vielen Teilen des Landes. In Hanfthal werden beispielsweise rund 70 Hektar Hanf angebaut und es gibt ein Museum mit Informationszentrum, das die 900-jährige Hanfbautradition der Region thematisiert.

Österreich produziert nicht nur Hanf für Textilien, Baustoffe und Ölsaaten, sondern trägt auch zur Hanftechnologie bei. Zwei Beispiele dafür sind:

Die Politik und Cannabis

Bis 2019 war die österreichische Regierung eine Koalition unter der Leitung von Bundeskanzler Sebastian Kurz. Beide Parteien in der Koalition (die Österreichische Volkspartei und die Freiheitliche Partei Österreichs) sind bekannt für ihre rechten Ansichten. Bisher haben sie CBD in Lebensmitteln verboten und ihre Absicht erklärt, auch Cannabispflanzen und -samen zu verbieten. Dies hätte nicht nur für private Konsumenten erhebliche Folgen, sondern auch für Landwirte und Growshops im ganzen Land.

Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels wurde Sebastian Kurz jedoch von seinem Amt entbunden und Brigitte Bierlein wurde zur provisorischen Kanzlerin ernannt. Damit ist die Zukunft der Cannabis-Cesetze des Landes ungewiss.

Eines ist sicher – nicht alle teilen die Ansichten des ehemaligen Bundeskanzlers. Die Sozialdemokratische Partei hat sich in der Vergangenheit für die Entkriminalisierung von Cannabis ausgesprochen und sogar eine Kampagne zur vollständigen Legalisierung angeführt. Die Grünen befürworten die Legalisierung ebenfalls und setzen sich für ein streng kontrolliertes Einzelhandelssystem ein, das den Menschen ermöglichen soll, geringe Mengen Cannabis legal zu erwerben.

Gut zu wissen

Wenn man nach Österreich reist (oder dort wohnt), ist es sinnvoll, Folgendes zu wissen:

Cannabis-Klone in Österreich

Nach geltendem Recht kann Cannabis in Österreich angebaut werden, sofern dies nicht zur Gewinnung von Suchtmitteln geschieht. Das bedeutet, dass es Growern freisteht, Pflanzen in Massen anzubauen, solange sie nicht aus dem Grund angebaut werden, THC aus ihnen zu gewinnen. Das Gesetz schränkt den THC-Gehalt der Pflanzen jedoch nicht ein, sodass sowohl THC-reiche als auch CBD-reiche Pflanzen legal angebaut werden dürfen.

Nach diesem Urteil werden allein in Wien jährlich über 250.000 Stecklinge verkauft. Damit hat sich das Land was Cannabis-Klone betrifft zu einem der Marktführer in Europa entwickelt. Die Stecklinge ziehen sowohl nationale als auch internationale Käufer an. So ist beispielsweise der Verkauf von Cannabissamen in Deutschland und der Schweiz verboten, sodass die Menschen nach Österreich reisen, um Saatgut und Stecklinge zu kaufen.

Es gibt einige Regionen des Landes, in denen das Cannabis-Klon-Geschäft nicht ganz toleriert wird. In Tirol und Salzburg zum Beispiel gehen die Behörden gelegentlich gegen die Besitzer von Stecklingsgeschäften vor. Normalerweise handelt es sich dabei nur große Grow-Operationen mit offensichtlich illegalen kommerziellen Absichten, bei denen die Leute, die an dem Projekt beteiligt waren, mit Haftstrafen geahndet werden.

Dies könnte sich jedoch bald ändern. Die österreichische Ex-Koalitionsregierung (unter der Führung von Sebastian Kurz) kündigte an, dass sie das Gesetz ändern und den Anbau von Cannabispflanzen verbieten werde. Dies hätte weitreichende Auswirkungen auf die gesamte Branche. Mit Bierlein als Kanzlerin die Zukunft jedoch momentan ungewiss.

Öffentliche Meinung zu Cannabis

Was Cannabis betrifft, so gehen die Meinungen in Österreich auseinander. Einerseits geht aus einer kürzlich durchgeführten Umfrage hervor, dass 78 Prozent der Menschen die Legalisierung von medizinischem Cannabis befürworten (obwohl 64 Prozent gegen eine Legalisierung des freizeitlichen Konsums sind). Die jährliche Hanfmesse Cultiva legt auch nahe, dass das Potenzial der Pflanze von vielen Menschen im ganzen Land anerkannt wird. 

Die ehemalige Koalitionsregierung des Landes vertrat jedoch die andere vorherrschende Meinung – dass die Cannabis-Gesetze verschärft werden müssen. Ungeachtet der Ablehnung seitens der Regierung bleibt Cannabis in Österreich eine beliebte Droge, insbesondere bei jüngeren Erwachsenen.

Cannabis-Events in Österreich

Österreich ist Veranstaltungsort einiger der größten Cannabis-Events des ganzen Jahres.

  • Wiener Hanfmesse. Die Wiener Hanfmesse im Herzen Wiens ist eine bemerkenswerte Messe, die einige der innovativsten und aufregendsten Produkte der Cannabisindustrie präsentiert. Sie findet in der Regel im April eines jeden Jahres statt.
  • Cultiva Hanfmesse. Die Cultiva Hanfmesse ist eine dreitägige Veranstaltung in Wien, die sich mit der Rolle von Cannabis in der medizinischen Praxis beschäftigt. Es gibt auch eine Ausstellung mit Live-Musik und der Möglichkeit, Cannabis-bezogene Produkte zu kaufen.
  • Hemp Festival. Das Hemp Festival zeigt Cannabisprodukte und ist auch ein Live-Musik-Event. Wie die anderen beiden Ausstellungen findet es im April in Wien statt.

Wird Cannabis zukünftig legalisiert?

Unter der derzeitigen Regierung erscheint eine Legalisierung unglaublich unwahrscheinlich. Tatsächlich deuten die Anzeichen darauf hin, dass einige der fortschrittlichen Gesetze des Landes in Zukunft möglicherweise dahingehend geändert werden, dass man Cannabissamen weder einpflanzen, noch verkaufen oder verbreiten darf.

  • Disclaimer:
    Obwohl größte Sorgfalt bei der Gewährleistung der Richtigkeit dieses Artikels aufgewendet wurde, ist er weder als Rechtsberatung gedacht, noch sollte er als solche verstanden werden. Jede Situation wird von individuellen Faktoren beeinflusst und man sollte stets einen Experten oder Anwalt für eine Rechtsberatung konsultieren.

Comments

1 Kommentar zu „Cannabis in Österreich – Gesetze, Konsum und Geschichte“

  1. Hans-Joachim Schmidt

    Hallo ,
    es ist eine Schande , das man in diesem modernen digitalen Europa immer noch unterschiedliche Gesetzes Vorgaben hat. Man kann es nur als willkürliches politischen Handeln bezeichnen. Ohne den Aktivisten Dr. Franz-Josef Grotenhermen, der vor mehr als 25 Jahren sich bis heute z.B. auch für medizinisches Cannabis eingesetzt und stark gemacht hat, wäre auch nicht einmal ein CBD-Produkt sei es aus Holland, Österreich, Dänemark zu beziehen.
    Mit freundlichem Grüßen
    H.-J. S

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    Das Sensi Seeds Redaktionsteam besteht aus Botanikern, medizinischen und juristischen Experten sowie renommierten Aktivisten wie Dr. Lester Grinspoon, Micha Knodt, Robert Connell Clarke, Maurice Veldman, Sebastian Marincolo, James Burton und Seshata.
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    Maurice Veldman

    Maurice Veldman ist Mitglied der Niederländischen Vereinigung der Strafrechtsanwälte und einer der bemerkenswertesten Cannabis-Anwälte der Niederlande. Mit 25 Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet unterstützt sein strafrechtliches und Verwaltungsrecht die Cannabisverkäufer und Hanferzeuger dabei, die Ungleichheiten zwischen Individuum und Staat zu beseitigen.
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