Wie viele Menschen sind an Cannabis gestorben?

Die Schätzungen von Todesfällen durch Cannabis variieren stark, von der unsinnigen Behauptung von 30.000 pro Jahr, die in einem weitgehend unterirdischen Leitartikel im British Medical Journal im Jahr 2003 veröffentlicht wurde, bis hin zu null. Hier werden wir die Behauptungen von Medien und Wissenschaft analysieren.

Die Volksmeinung lautet, dass Cannabis in der gesamten Geschichte der menschlichen Zivilisation keinen einzigen Tod verursacht hat, aber das ist vielleicht nicht der Wahrheit letzter Schluss. Letztendlich hängt die Einschätzung davon ab, wie weit man in der Kausalkette zurückgehen will. Obwohl bisher niemand an einer THC-Überdosis gestorben ist, argumentieren einige Wissenschaftler, dass Cannabiskonsum die Selbstmordrate im Zusammenhang mit Depressionen erhöhen kann. Zieht man so etwas in Betracht, wird der cannabisbedingte Tod zu einem ziemlich kontroversen Thema.

„Cannabis tötet 30.000 pro Jahr“

Eines der berüchtigsten Beispiele für Anti-Cannabis-Propaganda ist die Behauptung der britischen Boulevardzeitung Daily Mail, dass „Cannabis 30.000 Menschen pro Jahr tötet“, in Anlehnung an den bereits erwähnten redaktionellen Artikel, der im BMJ veröffentlicht wurde.

Während die meisten Mainstream-Zeitungen ziemlich sensationslüstern darüber berichteten, so wiederholten sie aber zumindest genau das, was die Wissenschaftler hinter der Schlagzeile tatsächlich sagten, nämlich dass Cannabis pro Jahr 30.000 Menschen „töten könne“.

Doch die Löcher in der Argumentation sind offenkundig, wenn man etwas genauer hinschaut. In dem Schreiben wurde die langfristige Gefahr des regelmäßigen Cannabisrauchens mit der des Zigarettenrauchens gleichgesetzt. Basierend auf dieser Annahme schätzte der Autor, dass es zu einer ähnlich hohen Zahl von Todesfällen kommen müsse.

Ein einfacher Blick auf Dutzende von bestehenden Studien zeigt, dass die Gefahren von Cannabis in keiner Weise mit Tabak vergleichbar sind. Tatsächlich deutet eine Studie aus dem Jahr 2012 darauf hin, dass langjährige Cannabisraucher im Vergleich zu Tabakrauchern und sogar Nichtrauchern eine leicht verbesserte Lungenfunktion aufweisen können.

Die THC-Überdosis ist unerreichbar

Immer wieder hat sich gezeigt, dass Cannabis kein Todesrisiko durch Überdosierung birgt. Im Gegensatz zu Heroin, Alkohol, Kokain und vielen anderen Drogen (und auch vielen verschreibungspflichtigen Medikamenten!) wird die Einnahme von zu viel Cannabis einen Menschen nicht töten. Es ist nicht möglich, eine mittlere tödliche Dosis von THC für den Menschen zu bestimmen, da es keine registrierten Todesfälle gibt.

Dosen von über 3g/kg THC, die oral verabreicht wurden, reichten nicht mal aus, um die meisten Hunde und Affen zu töten, wie eine Studie aus den 1970er-Jahren belegte. Obwohl einige Tiere schon ab 1g/kg starben, waren diese Fälle in der Minderheit. Ihre Zahl reichte nicht aus, um die Grundlage für eine mittlere letale Dosis oder LD50 zu schaffen – die mindestens 50 Prozent einer bestimmten Population tötet.

Zur besseren Einschätzung: die meisten heute in den USA erhältlichen Cannabisprodukte kommen auf etwa 15 bis 50 mg THC pro Portion, wobei einige besonders starke Produkte bis zu 200 mg enthalten.

Ein 60 kg schwerer Erwachsener müsste 180 g reines THC essen, um eine Dosis von 3.000 mg/kg zu erreichen, und es wäre äußerst unwahrscheinlich, dass die Einnahme zum Tod führt (obwohl dies beim Menschen nicht umfassend getestet wurde). Eine andere Schätzung besagt, dass etwa 680 kg Cannabis von einem Menschen innerhalb von vierzehn Minuten geraucht werden müssten, um eine tödliche Wirkung zu erzielen.

Könnte intravenöse verabreichtes THC töten?

Obwohl es nicht möglich war, eine LD50 für oral verabreichtes THC bei Hunden und Affen zu bestimmen, lieferte intravenös verabreichtes THC zumindest unterschiedliche Ergebnisse. Die Injektion einer THC-Dosis von 92mg/kg überlebten alle Affen und erholten sich innerhalb von vier Tagen von allen negativen Auswirkungen. Fast alle Affen, denen 128mg/kg THC injiziiert wurde, starben innerhalb von dreißig Minuten. Nur einer überlebte länger, doch nach etwa drei Stunden war auch er tot.

Es ist möglich, auch Menschen THC intravenös zu verabreichen, obwohl diese Konsumform sowohl unter Freizeitkonsumenten als auch im medizinischen Gebrauch keine Rolle spielt. In mehreren Ländern laufen Studien, die die Wirksamkeit der intrakranealen THC-Verabreichung beurteilen  sollen, aber selbst wenn injizierbares THC allgemein leichter verfügbar würde, würde es wahrscheinlich immer noch nur einen kleinen Teil des gesamten Cannabiskonsums ausmachen.

Abgesehen davon: überträgt man die Ergebnisse der Affen-Studie auf den Menschen, hieße das, dass ein 60 kg schweres Individuum 768 g reines THC zu sich nehmen müsste, um eine tödliche Dosis zu erlangen. Es ist aber zu erwarten, dass ein Mensch eine höhere Dosis benötigt, als ein Affe.

Tödliche Dosis anderer gängiger Rauschmittel

Alkohol, Kokain und Heroin können nach einer übermäßigen Dosis tödlich sein, was für Cannabis offensichtlich nicht gilt. Es gibt Fälle, wenn auch selten, in denen bereits ein Schluck Alkohol ausgereicht hat, um eine tödliche Vergiftung zu verursachen. Die tödliche Dosis von Alkohol beträgt etwa fünf bis acht Gramm pro Kilogramm; ein Blutalkoholgehalt von 0,4 Prozent oder mehr gilt für etwa 50 Prozent der Menschen als tödlich.

Bereits 50 mg Kokain (das leicht in einer schmalen Line geschnupft werden kann) können bei empfindlichen Personen zu einer tödlichen Überdosis führen, wobei die tödliche Dosis für einen durchschnittlichen, unerfahrenen Erwachsenen auf 1,2 g geschätzt wird. Die tödliche Dosis von Heroin wird für unerfahrene Personen ohne Toleranzschwelle auf 200 bis 500 mg geschätzt, Gewohnheitsnutzer können bis zu 1,8 g ohne Nebenwirkungen vertragen.

Plötzlicher unerklärlicher Tod wird auf Cannabis-Toxizität zurückgeführt

Trotz der scheinbaren Unmöglichkeit, eine toxische Dosis durch Rauchen oder oralen Konsum zu erreichen, gibt es gegenteilige Behauptungen. Im Jahr 2004 berichteten britische Medien ausführlich, dass ein 36-jähriger walisischer Mann namens Lee Maisey an den Folgen des Cannabiskonsums gestorben sei. Maisey starb plötzlich am 23. August 2003 und soll etwa elf Jahre lang durchschnittlich sechs Joints pro Tag konsumiert haben.

Der für die Durchführung der Autopsie zuständige Gerichtsmediziner, Michael Howells, verfasste eine Beurteilung , da Maisey zum Zeitpunkt des Todes an einer illegalen Aktivität teilgenommen hatte. Diese Schlussfolgerung wurde durch toxikologische Berichte erzielt, die darauf hindeuteten, dass Maisey signifikante Mengen an Cannabis konsumiert hatte.

Ein Dozent für Suchterkrankungen an der University of Hull, Dr. Philip Guy, schloss sich dem Geschrei an und erklärte, dass der Tod wahrscheinlicher sei, wenn die Konsumenten Cannabis oral zu sich nähmen anstatt es zu rauchen; Dr. John Henry, Professor für Toxikologie am Imperial College, verstieg sich sogar zu dieser Äußerung: „So etwas habe ich noch nie gesehen. Der Fall entkräftet das Argument, dass Cannabis niemanden töten kann“.

Die Gegenargumentation

Das Gesundheitsministerium der Schweiz bat Dr. Rudolf Brenneisen, Professor an der Abteilung für klinische Forschung der Universität Bern, die Ergebnisse der Autopsie zu überprüfen. Dr. Brenneisen stellte fest, dass die toxikologischen Daten nicht eindeutig seien und dass das Urteil damit ungültig sei.

Die toxikologische Analyse, die vom britischen Labor Forensic Alliance durchgeführt wurde, kam zu dem Schluss, dass Lee Maiseys Blut 130 ng/ml THC-COOH, einen Metaboliten von THC, enthielt. THC selbst konnte aufgrund technischer Schwierigkeiten nicht nachgewiesen werden. Dieser Gehalt an THC-COOH im Blut gilt noch als moderat, und häufige Nutzer weisen oft einen THC-COOH-Wert von 500ng/ml und sogar höher auf.

Ist Cannabis für depressionsbedingte Selbstmorde verantwortlich?

Einige halten Cannabis für die Ursache mehrerer Todesfälle auf indirektem Wege. Im Jahr 2007 beging der 31-jährige James Taylor Selbstmord durch Erhängen. Er war ein langjähriger Cannabiskonsument, der mehrere Jahre nach Beginn des regelmäßigen Konsums Depressionen entwickelt hatte, und Cannabis wurde für seinen Tod verantwortlich gemacht.

Der 17-jährige Guy Summers hatte Berichten zufolge bereits sechs Monate lang Cannabis geraucht, als sich sein Verhalten unwiderruflich änderte – von kontaktfreudig und gesellig zu zurückgezogen und paranoid. Sein Arzt diagnostizierte eine Cannabispsychose, woraufhin der Konsum sofort eingestellt wurde. Ein Jahr später beging Guy Selbstmord.

Eine schnelle Internetrecherche wird Dutzende ähnlicher Artikel zu Tage fördern, die Selbstmord auf Cannabiskonsum zurückführen. Die Fehler in der Argumentation sind jedoch offensichtlich. Der Cannabiskonsum trägt höchstens zu diesen zweifellos tragischen Todesfällen bei. Der Zusammenhang zwischen Cannabis und psychischen Erkrankungen ist noch nicht als kausal erwiesen, und es ist nicht nachweisbar, inwieweit Cannabis die Entscheidung dieser Personen, Selbstmord zu begehen, beeinflusst hat.

Cannabis wird zu oft für Selbstmorde verantwortlich gemacht

Cannabis nimmt offenbar eine einzigartige Position in der Wahrnehmung von Öffentlichkeit und Medien ein. Wenn ein alkoholkranker und depressiver Mensch Suizid begeht, wird Alkohol nicht als verantwortlicher Faktor genannt, es sei denn, eine Alkoholvergiftung ist die eigentliche Todesursache. Das Gleiche gilt für andere illegale (und häufig missbrauchte verschreibungspflichtige) Mittel.

Zu behaupten, dass Cannabis, vor allen anderen Drogen, die Fähigkeit hat, schwere psychische Erkrankungen mit Selbstmordfolge zu verursachen, ist falsch und eine grobe Vereinfachung der hochkomplexen Faktoren, die für solche Krankheiten verantwortlich sind.

Es wurde nie nachgewiesen, dass Cannabis dazu führt, dass ansonsten gesunde Menschen „verrückt“ werden. Es gibt Hinweise darauf, dass der Cannabiskonsum die Manifestation von unerkannt schlummerden Krankheitszuständen bei dementsprechend veranlagten Personen begünstigen kann, aber es wurde noch nie ein direkter kausaler Zusammenhang in einem wissenschaftlichen Kontext hergestellt. Vielmehr wurden nur Korrelationen festgestellt.

Selbstmordgedanken und Cannabiskonsum

Mehrere Studien haben einen Zusammenhang zwischen Selbstmordgedanken und Cannabiskonsum nahegelegt. Eine 2004 bei JAMA Psychology eingereichte Zwillingsstudie kam zu dem Schluss, dass Zwillinge, die Cannabis konsumieren, 2,5 bis 2,9 mal häufiger Selbstmordgedanken haben und dass diejenigen, die mit dem Cannabiskonsum vor dem Alter von 17 Jahren beginnen, häufiger Selbstmordversuche unternehmen.

Eine schwedische Längsschnittstudie über einen Zeitraum von 33 Jahren, die 2009 veröffentlicht wurde, kam jedoch zu dem Schluss, dass Cannabiskonsum wahrscheinlich keinen starken Einfluss auf das Risiko eines Selbstmords haben wird, weder direkt noch als Folge von psychischen Gesundheitsproblemen, die durch den Konsum bedingt sind.

Sicherlich bleibt unser Verständnis von schweren psychischen Erkrankungen etwas rudimentär, und als solches erscheint es äußerst trivial und einfach, die Schuld für Selbstmord allein auf Cannabis zu schieben.

Wenn Drogencocktails involviert sind, warum wird nur Cannabis hervorgehoben?

Ralph Hamilton, ein Engländer, der Suizid durch einen bewusst herbeigeführten Autounfall beging, hatte Cannabis im Blut und galt als regelmäßiger Konsument. Die Vorstellung, dass Cannabis ihn so wahnsinnig gemacht habe, dass er in einem fast „komatösen“ Zustand erschien, scheint jedoch nicht ganz überzeugend.

Eine schnelle Suche nach weiteren Informationen ergibt schnell die möglicherweise entscheidende Tatsache – übergangen vom ursprünglichen Daily-Telegraph-Artikel –, dass der Mann zum Zeitpunkt des Todes tatsächlich auf einem „Cocktail“ aus Ecstasy, Alkohol und Cannabis war und dass die Ecstasy-Blutwerte im Bericht des Gerichtsmediziners als „signifikant“ angesehen wurden.

Ein weiterer Artikel aus dem Telegraph folgt einem sehr ähnlichen Muster: 2008 starb der 17-jährige Hadrian Gardner ganz plötzlich, nachdem er den Arbeitsplatz verlassen hatte, um sich mit seinem Vater zu treffen. Die Obduktion zeigte „keine Anzeichen von kürzlichem Drogenkonsum“. Die Autopsieexpertin Dr. Sally Hales kam jedoch zu dem Schluss, dass Gardner an einer Entzündung des Herzens gestorben war, die am besten durch „eine Konsumhistorie von Cannabis, Amphetaminen und Kokain“ erklärt werden kann.

Cannabis & Myokardinfarkt

Cannabis wurde in verschiedenen Studien mit dem Myokardinfarkt, allgemein als Herzinfarkt bezeichnet, in Verbindung gebracht. In einer in „Circulation“ (Journal of the American Heart Association) veröffentlichten Studie kamen die Autoren zu dem Schluss, dass das Risiko eines Herzinfarkts in den 60 Minuten nach dem Konsum von Cannabis um das 4,8-fache erhöht ist.

Die siebenjährige Studie dokumentierte 3.882 Myokardinfarkt-Überlebende, von denen 124 im Jahr vor Beginn der Symptome Cannabis geraucht hatten. Obwohl die Cannabisraucher im Durchschnitt jünger waren als Nichtraucher, waren sie eher fettleibig und rauchten Zigaretten – zwei wichtige Faktoren, die zum kardiovaskulären Gesundheitszustand beitragen.

Eine weitere Studie ergab, dass Überlebende von akuten MI, die Cannabis rauchten, eine erhöhte  Sterblichkeitsrate über einen Zeitraum von achtzehn Jahren aufwiesen, aber diese Beobachtung wurde als statistisch unbedeutend angesehen. Diese Studien zeigen nicht, dass Cannabis eine direkte Ursache für einen Herzinfarkt bei ansonsten gesunden Menschen ist, sondern dass Menschen in Hochrisikogruppen in seltenen Fällen Herzinfarkte durch Cannabiskonsum erleben könnten.

Cannabis und Verkehrstote

Es gibt Hinweise darauf, dass Cannabiskonsum Autofahrer in gewissem Maße beeinträchtigen kann, obwohl die Forschung keineswegs abschließend ist.

Es gibt auch Gegenargumente, die darauf hindeuten, dass der Beginn einer Cannabis-Legalisierung zu einem allgemeinen Rückgang des fahrzeugbedingten Todes führt. Mit zunehmender Verbreitung von Cannabis nimmt der Alkoholkonsum ab, insbesondere in der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen. Verkehrsunfälle sind in den USA die häufigste Todesursache für diese Bevölkerungsgruppe.

Eine Studie, die 2011 in Denver, Colorado, durchgeführt wurde, kam zu dem Schluss, dass seit der Umsetzung der medizinischen Legalisierung in verschiedenen US-Bundesstaaten die Zahl der Verkehrstoten um durchschnittlich neun Prozent und der Absatz von Bier, dem beliebtesten alkoholischen Getränk für Menschen im Alter von 20 bis 29 Jahren, um fünf Prozent gesunken ist.

Erhöht Cannabis das Risiko, am Steuer zu sterben?

Aber hat ein Cannabis konsumierender Fahrer ein erhöhtes Todesrisiko gegenüber einem nicht Cannabis konsumierenden Fahrer? Die Beurteilung steht noch aus

Eine niederländische Studie aus dem Jahr 2001 ergab, dass der Konsum von Alkohol und Benzodiazepinen zwar das Risiko eines Verkehrstraumas erhöht, der Konsum von Cannabis jedoch nicht. Eine australische Studie ergab, dass Alkoholkonsum die Schuld des Fahrers erhöht, Cannabiskonsum aber nicht. Diese Studie ergab auch, dass Cannabis konsumierende Fahrer im Vergleich zu drogenfreien Fahrern für weniger Unfälle verantwortlich sind (obwohl der Unterschied statistisch nicht signifikant war).

Wie auch immer: in verschiedenen Studien wurden widersprüchliche Ergebnisse veröffentlicht. Insbesondere eine Studie nimmt die Frage ins Visier, ob cannabiskonsumierende Fahrer weniger häufig schuld an Verkehrsunfällen sind als Alkohol konsumierende oder gänzlich drogenfreie Fahrer. Der Autor erklärt, dass, wenn THC selbst gemessen wird und nicht seine inaktiven Metaboliten, die Fahrer drei- bis siebenmal häufiger für Verkehrsunfälle verantwortlich sind. In mehreren anderen Studien wurde der THC-Metabolit getestet, aber dies ist keine Indikation.

Wiederholte offizielle Weigerung, die Sicherheit von Cannabis anzuerkennen

Erst im August 2013 behauptete das National Institute on Drug Abuse (NIDA), dass Cannabis nicht weniger giftig sei als Alkohol. Politifact, eine bekannte Organisation zur Überprüfung von Fakten, die zu diesem Zeitpunkt die Gültigkeit einer früheren Behauptung des Marijuana Policy Project (MPP) feststellte, wonach Cannabis weniger schädlich sei als Alkohol, wurde per E-Mail aufgefordert, dieses Statement zu bewerten.

In der E-Mail heißt es, dass „die Behauptung, dass Marihuana weniger giftig ist als Alkohol, nicht belegt werden kann, da beide Stoffe ihre eigenen einzigartigen Risiken und Konsequenzen für das Individuum haben“. Auf der Grundlage der umfangreichen Beweise, die darauf hindeuten, dass Alkohol tatsächlich schädlicher ist als Cannabis, bewertete Politifact die Behauptung der MPP jedoch letztendlich als „größtenteils wahr“.

Todesursache: Cannabis-Geruch?

Einige US-Bürgerrechtler argumentieren, dass die einzigen Todesfälle im Zusammenhang mit Cannabis eine direkte Folge von Polizeiinterventionen gewesen seien. Der Tod von Philando Castile machte in den USA Schlagzeilen, als die Polizei den Mann vor seiner fünfjährigen Tochter in seinem Auto erschoss, nachdem sie Cannabis in Kastiliens Auto gerochen hatte. Der Polizist rechtfertigte sein Handeln, indem er den Toten als verantwortungslosen Vater bezeichnete.

Leider sind solche Vorfälle nicht selten. Es gibt viele andere Menschen, die wegen Umgangs mit Cannabis durch die Hände von Polizisten zu Tode gekommen sind. Im Februar 2017 wurde Chad Robertson von hinten angeschossen, weil er sich einer routinemäßigen Körperdurchsuchung widersetzt hatte. Im Juli 2012 wurde Chavis Carter tot auf dem Rücksitz eines Polizeiwagens gefunden, nachdem er wegen des Besitzes einer kleinen Menge Cannabis verhaftet worden war. Die Polizei behauptete, er habe sich mit einer versteckten Waffe erschossen, obwohl er die ganze Zeit auf dem Rücksitz gefesselt war.

Dann gibt es all jene, die wegen Cannabiskriminalität lebenslange Freiheitsstrafen im Gefängnis verbüßen. Letztendlich werden die meisten von ihnen während ihrer Haftstrafe sterben. Es ist wohl einfacher, die Todesfälle im Zusammenhang mit Cannabis zu zählen, die durch die Strafverfolgung und nicht durch Cannabiskonsum selbst verursacht wurden. Dies ist oft übersehen, wenn über Todesfälle im Zusammenhang mit Cannabis gesprochen wird.

Cannabis ist deutlich weniger riskant als andere Mittel

Ein starker Alkoholkonsum erhöht nachweislich das Todesrisiko durch direkte (Alkoholvergiftung) und indirekte Mittel (Zirrhose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall) signifikant. Studien deuten auch darauf hin, dass die allgemeine Lebenserwartung bei Trinkern mit starkem Alkoholkonsum deutlich reduziert ist.

Kokain und Heroin können auch direkt durch Überdosierung zum Tode führen. Der langfristige Konsum von Kokain kann auch kardiovaskuläre und respiratorische Erkrankungen, Anfälle, intrakranielle Blutungen und Schlaganfälle verursachen. Darüber hinaus ist der illegale, unsichere Kokain- und Heroinkonsum mit verschiedenen anderen Gesundheitsrisiken verbunden, die oft mit der Verwendung von nicht sterilen Kosumgeräten verbunden sind.

Allein auf diese Weise sind die oben genannten Substanzen bereits weitaus tödlicher als Cannabis. Die Medien haben alles versucht, um Fälle aufzuspüren, die Cannabis in ein schlechtes Licht rücken könnten, egal wie indirekt der Zusammenhang. Würden die drei oben genannten Substanzen auf die gleiche Weise untersucht, wäre die Zahl der Todesfälle, die lose mit ihnen in Verbindung gebracht werden könnten, erstaunlich groß – weitaus größer als Cannabis-Fälle.

Wie tödlich ist Cannabis?

Es ist unwahrscheinlich, dass Cannabiskonsum das Todesrisiko, sei es auch auf indirektem Wege, signifikant erhöht. Beim Fahren unter Alkoholeinfluss kann je nach Grad der Beeinträchtigung das Unfallrisiko erhöht sein – aber diese Idee ist umstritten. Wenn der Cannabisksonument für einen zugrunde liegendes psychiatrisches Krankheitsbild anfällig ist, können Selbstmordgedanken ausgelöst werden, es konnte aber nicht nachgewiesen werden, dass Cannabiskonsum die Rate der abgeschlossenen Selbstmorde signifikant erhöht.

Es scheint also, dass die Seite der Logik bestätigt wurde. Cannabis ist nicht direkt für Todesfälle verantwortlich, und obwohl es in einigen Fällen ein Faktor ist, ist es nie der einzige, der bestimmende Faktor. Es könnte in Zukunft neue Hinweise auf die Letalität von Cannabis geben, da der Konsum immer verbreiteter wird und Langzeitstudien regelmäßige Konsumenten bis ins hohe Alter begleiten. Es ist jedoch höchst unwahrscheinlich, dass das Risiko irgendwo in den Regionen von Alkohol, Tabak oder den verschiedenen anderen beliebten Drogen liegt.

Wenn wir eine natürlich abstinente Spezies wären, könnte man vielleicht das Argument aufrechterhalten, dass jedes Mittel, mit dem ein Todesrisiko einhergeht, egal wie gering, verboten werden sollte. Aber, abstinent, das sind wir nicht – es wird geschätzt, dass etwa 30 Prozent der Weltbevölkerung konsumieren Tabak und bis zu 50 Prozent konsumieren regelmäßig Alkohol. Deshalb scheint die Versorgung der Bevölkerung mit möglichst sicheren Rauschmitteln der einzige Weg zu sein.

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Comments

7 Kommentare zu „Wie viele Menschen sind an Cannabis gestorben?“

  1. Sind denn diese nutzlosen Tierverusche überhaupt nötig?
    Die sollen die armen Viecher in Ruhe lassen und wie Albert Hoffmann damals nen Selbstversuch starten!
    Desweiteren haben wir doch ausreichend bewiesen, dass man am Kiffen bzw
    normalem Hanfkonsum, egal in welcher Form nicht stirbt!?
    Wir sind ja nicht die erste Dope rauchende Generation!

    Bin auf Teil II gespannt!

    Greetz Miez

  2. Heute wurde ja ein Bericht veröffentlicht, in dem behauptet wird, dass 2 Männer durch den Konsum von Cannabis Herzkreislauferkrankungen zugezogen haben, sie zum Tod führten.
    Ich Bitte um Stellungnahme, da man durch die ganze Propaganda nicht mehr weiß, was wissenschaftlich wirklich belegbar ist. Bzw wie die Wahrscheinlichkeit für regelmäßige Konsumenten steht tatsächlich zu streben.
    Vielen Dank!

  3. Das ist eine Lüge um die flut von Legalisierungen auf der Welt zu stoppen von der Uni Klinik Düsseldorf! Die Mitarbeiter dort haben selber Kinder die Kiffen und sind dagegen und lügen!!! Kiffen kann nur in Wechselwirkung mit anderen drogen zum Herzversagen führen!!! Außer jemand ignoriert das er beim ersten mal kiffen erbricht, ihm es heiss wird, er schweiss ausbrüche bekommt, atemnot und er nicht über was weiss ich wie lange an die frische luft geht und ununterbrochen obwohl es ihm schlecht geht Hardcore weiterkifft und es gleichzeitig nicht verträgt und vielleicht noch ne Pollen Allergie hat! unter diesen umständen könnte es wahr sein. was ich nicht glaube, sonst wäre wie es in Deutschland vorgeschrieben ist der Krankenwagen nicht in 2- 5 Minuten da gewesen sondern hätte auch noch die ganze Nacht gebraucht!!!
    Chris

  4. Es ist schockierend zu lesen wie dumm sich Menschen wegen einer Kultur-, Heil-, und Genusspflanze verhalten. Totalitäre Massnahmen waren schon immer falsch. Schade, dass wir den Staaten gegenüber die zu uns aufschauen in der Cannabisfrage ein so schlechtes Beispiel liefern.

  5. Eule Michael

    Es ist eine Unglaublichkeit mit welchen Rechten in manchen Ländern wahllos Menschen getötet werden ohne Respekt und folgen.
    Ein Rechtsstaat war Amerika noch Nie,trotzdem nehmen europäische Länder einige Sitten ohne Überlegung an und werden somit ein Teil der Macht,die uns alles aufzwingen will.
    Zurück zur Natur und nicht so viel Zeit mit unnützer Technik verbringen !
    Medien berichten fast nur negatives,Technik ist oft nur zeitraubend und alles nur aus neugier ? Nein Danke !!!

  6. Ich finde es echt unglaublich das in einem Land wo man praktisch als Kind bereits eine Waffe in die Hand nehmen darf und damit schießen kann es so schlimm findet das jemand Cannabis konsumiert und es besitzt das mann ihn dafür erschießt oder im besten Fall lebenslang ins Gefängnis bringt obwohl Cannabis nichts weiter ist als das gesündeste Medikament der Welt das egal wieviel mann

  7. Johnny Christ

    Mein Mitgefühl Alljenen,
    welche aufgrund einer der wunderbarsten Heilpflanzen überhaupt, ihr Leben verloren,
    einfach so… für Nichts…❗️
    Jeder einzelne Joint, jeder Zug ist auch für euch…

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    Dr. Sanjai Sinha ist Mitglied der akademischen Fakultät des Weill Cornell Medicine Colleges in New York. Er verbringt seine Zeit damit, Patienten zu begleiten, Bewohner und Medizinstudenten zu unterrichten und im Gesundheitswesen zu forschen. Er genießt die Ausbildung von Patienten und die Ausübung evidenzbasierter Medizin. Sein starkes Interesse an medizinischer Überprüfung kommt von diesen Leidenschaften.
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