Cannabis in Tschechien – Gesetze, Konsum und Geschichte

Seit ihrer Gründung im Jahr 1993 hat die Tschechische Republik eine liberale Haltung gegenüber Cannabis eingenommen. Sowohl der Konsum als auch der Besitz wurden entkriminalisiert. Zudem gibt es seit 2013 ein medizinisches Cannabisprogramm, auch wenn die Verfügbarkeit im ganzen Land nach wie vor knapp ist. Privatpersonen ist es gestattet, Cannabispflanzen für den Eigenbedarf anzubauen.

Cannabis-Gesetze in Tschechien

Darf man in Tschechien Cannabis besitzen und konsumieren?

Im Jahr 2010 verfolgte die Tschechische Republik einen revolutionären Ansatz bei der Drogengesetzgebung und entkriminalisierte den Besitz und den Konsum von Drogen.

Das tschechische Strafgesetzbuch besagt folglich, dass der Cannabiskonsum keine Straftat darstellt. Der Besitz geringer Mengen für den Eigenbedarf wurde entkriminalisiert, kann aber weiterhin mit einer Geldstrafe von bis zu 15.000 CZK (etwa 600 Euro) geahndet werden.

Das Gesetz unterscheidet zwischen Cannabis und anderen Drogen. Zunächst hieß es, dass eine Person, die eine Cannabismenge besitzt, die „größer als gering“ ist, zu einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr verurteilt werden kann. Dies war aber zu vage und die Menge für den Eigenbedarf wurde schließlich 2010 festgelegt: bis zu fünf Gramm Haschisch, bis zu 15 Gramm Marihuana und der Anbau von bis zu fünf Cannabispflanzen sind seitdem gestattet. 

Der Besitz anderer Drogen führt zu einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder, wenn man eine „signifikante“ Menge an Drogen bei sich führt, bis zu acht Jahren.

Auch bei der Verhängung von Freiheitsstrafen ist Tschechien recht zurückhaltend. Es gibt eine Reihe von Alternativen, die die Gerichte verhängen können, wie zum Beispiel eine Bewährungsstrafe mit Therapie, Sozialstunden oder eine Strafaussetzung. Wird bei Tätern eine Drogensucht festgestellt, können diese zur Zwangsbehandlung in Gewahrsam genommen werden. Dies ist auch bei jugendlichen Straftätern eine Option.

Darf Cannabis in Tschechien verkauft werden?

Das Gesetz nimmt eine strengere Haltung bei der Verbreitung oder dem Verkauf von Cannabis ein. Die Strafen reichen von einem bis fünf oder zehn bis 18 Jahren Haft, je nach Art des Verbrechens. Wenn die betroffene Person beispielsweise kurz nach ihrer letzten Straftat erneut erwischt wird, dann wird das Urteil wahrscheinlich härter ausfallen.

Darf Cannabis in Tschechien angebaut werden?

Nach tschechischem Recht darf man daheim bis zu fünf Pflanzen für den Eigenbedarf growen. Diese dürfen nicht zur Verbreitung oder zum Verkauf an Dritte angebaut werden und das geerntete Cannabis darf nicht in der Öffentlichkeit konsumiert werden.

Der Cannabisanbau ist im ganzen Land recht weit verbreitet. Die meisten kleinen Grower laufen in Tschechien kaum Gefahr, strafrechtlich verfolgt zu werden, sofern keine erschwerenden Umstände hinzukommen. Allerdings stoßen die Behörden zunehmend auf Probleme mit größeren Grow-Anlagen, die sich oft in der Nähe der deutschen Grenze befinden. Das dort angebaute Cannabis ist in der Regel von schlechter Qualität und weist einen hohen Anteil an Düngerrückständen oder Schimmel auf.

Um gegen dieses Problem vorzugehen, versuchte die tschechische Regierung, den Verkauf von Grow-Equipment zu unterbinden. 2013 fanden mehrere Razzien in Geschäften statt. Um ihr Vorgehen zu rechtfertigen, beriefen sich die Behörden auf Paragraph 287 des Strafgesetzbuches (mit dem Titel „Verbreitung der Drogensucht“).

Ist CBD in Tschechien legal?

Alle CBD-Produkte, die maximal 0,3 Prozent THC (die für das „High“ verantwortliche Substanz) enthalten, sind in der Tschechischen Republik legal. Es ist also legal, CBD-Öl zu kaufen, zu verkaufen und zu konsumieren. Daher sind CBD-Produkte landesweit frei erhältlich.

Dürfen Cannabissamen nach Tschechien geschickt werden?

Das tschechische Recht erlaubt den Anbau einer begrenzten Anzahl von Cannabispflanzen im Haushalt. Daher ist es legal, Cannabissamen zu kaufen und zu verkaufen – und sie dürfen per Post ins Land geschickt werden.

Medizinisches Cannabis in Tschechien

Die Tschechische Republik führte 2013 ein medizinisches Cannabisprogramm ein. Es funktioniert jedoch noch nicht ganz einwandfrei und es sind nur wenige Produkte auf Rezept erhältlich. Seit der Einführung gab es Versorgungsengpässe und auch Probleme mit dem heimischen Anbau für den medizinischen Markt.

Ursprünglich erhielt die Firma Ekoplast Slustovice als einzige eine Lizenz und war so der alleinige Versorger der Tschechischen Republik. Später entschieden sich die Behörden jedoch, die Vereinbarung zu annullieren, was 2017 zu einem Versorgungsengpass führte. Später im selben Jahr bewarb sich Ekoplast Slustovice erneut und gewann die Lizenz ein zweites Mal. Das Unternehmen kündigte an, 40 Kilogramm medizinisches Cannabis innerhalb von vier Jahren liefern zu können. Die erste Lieferung erfolgte im Sommer 2018.

Als Reaktion auf den Engpass erklärte Premierminister Andrej Babis, dass die Verfügbarkeit von medizinischem Cannabis bis 2018 steigen müsse. Er fügte hinzu, dass die Legalisierung des Eigenanbaus für Patienten die einzige praktikable Alternative sei, wenn die Bereitstellung medizinischer Cannabisprodukte nicht gewährleistet werden könne.

Das medizinische Cannabisprogramm der Tschechischen Republik wurde von einigen abgelehnt. Der Cannabis-Aktivist und Leiter der gemeinnützigen Organisation „Marijuana is Medicine“, Dusan Dvorak, bezeichnet die Pläne der Regierung als „rechtliche, pharmazeutische und wirtschaftliche Korruption“, wie er kürzlich in einem Interview mit dem Wall Street Journal sagte.

Alena Gajduskova, erste stellvertretende Vorsitzende des Senats, ist ebenfalls gegen den Gesetzesentwurf. Sie kommentiert gegenüber dem Wall Street Journal: „Seit Langem unterstütze ich den medizinischen Einsatz von Cannabis, aber ich muss sagen, dass ich sehr enttäuscht bin […] Die Wirksamkeit dieser Medikamente ist erwiesen. Sie sind sehr effizient, sollten aber kein Luxusgut sein. Das ist völlig inakzeptabel.“

Derzeit werden die Kosten für Cannabis nicht von der tschechischen Krankenversicherung übernommen. Es kann nur mit einem speziellen elektronischen Rezept erworben werden und steht nur Patienten mit bestimmten Krankheiten zur Verfügung., darunter Parkinson, bestimmte Nebenwirkungen im Zusammenhang mit Krebs- und AIDS-Behandlungen sowie Multiple Sklerose.

Weitere Kriterien sind:

  • Patienten haben chronische, nicht enden wollende Schmerzen (besonders in Verbindung mit Krebs, degenerativen Motoneuron-Erkrankungen, Kollagenosen, Neuralgie oder immunpathologischen Erkrankungen).
  • Patienten leiden unter Krämpfen und den damit verbundenen Schmerzen, die durch Rückenmarksschäden oder Multiple Sklerose verursacht werden.
  • Bei Patienten treten Übelkeit, Erbrechen oder Appetitlosigkeit in Zusammenhang mit Krebs- oder HIV-Behandlungen auf.
  • Patienten haben das Tourette-Syndrom.
  • Patienten weisen Dermatosen und Schleimhautläsionen auf.

Es gibt Pläne, um Patienten den Zugang zu medizinischem Cannabis in Zukunft zu erleichtern.

Industriehanf in Tschechien

Wie auch in vielen anderen Ländern wächst Hanf auch in Tschechien bereits seit Jahrhunderten. Die US-Kampagne zum Verbot von Hanf führte jedoch dazu, dass der Anbau in den 1930er-Jahren zum Erliegen kam.

Heutzutage hat die Tschechische Republik zwar wieder eine Hanfindustrie, aber sie ist relativ klein. Nach einem Beschluss von 1999, der das bioenergetische und technologische Potenzial der Pflanze anerkannte, wurden wieder Plantagen angelegt.

Landwirte hatten zu Beginn des 21. Jahrhunderts jedoch Schwierigkeiten, Hanf anzubauen. Nahmen Hanfplantagen 2006 noch 1.700 Hektar Land ein, sank diese Zahl bis 2010 auf 200 Hektar.

Trotzdem bauen Landwirte die Pflanze noch immer an. Jährliche Festivals wie das Cannafest sind gut besucht und zeigen, wie wichtig die Pflanze für die tschechische Kultur ist.

Politische Parteien und Cannabis

Die meisten politischen Parteien der Tschechischen Republik vertreten eine liberale Haltung, wenn es um Cannabis geht. Besonders die tschechische Sozialdemokratische Partei (Česká strana sociálně demokratická, ČSSD) sprach sich für eine Entkriminalisierung aus, da sie den Schutz der bürgerlichen Freiheiten unterstützt. Einige Mitglieder der Partei teilen diese Ansicht jedoch nicht und haben sich gegen den derzeitigen nachsichtigen Ansatz ausgesprochen.

In direkter Opposition steht die Christliche und Demokratische Union – Tschechoslowakische Volkspartei (Křesťanská a demokratická unie – Československá strana lidová, KDU-ČSL). Sie ist die wohl drogenfeindlichste Partei des Landes und vertritt konservativen Ansichten. Sie äußert häufig ihre Ablehnung gegenüber Cannabis und anderen Drogen und unterstützt den Einsatz von Strafmaßnahmen zur Bekämpfung des Drogenkonsums.

Ebenso tendiert die Demokratische Bürgerpartei (Občanská demokratická strana, ODS) zu einer „Anti-Drogen“-Politik. Sie unterstützt aber eher Strategien zur Schadensminimierung als die KDU-CSL.

Gut zu wissen

Wenn man nach Tschechien reist (oder dort wohnt), ist es sinnvoll, Folgendes zu wissen:

Die Geschichte von Cannabis in Tschechien

Es gibt viele Belege dafür, dass Cannabis bereits vor Jahrhunderten in der Tschechischen Republik (früher Böhmen) verwendet wurde. Diese Beweise liegen hauptsächlich in Form von Pollenkörnern vor. Diese Pollenkörner (und die Zeit, auf die sie zurückgehen) deuten darauf hin, dass die Menschen in Tschechien Hanf kultivierten. Die Funde besagen allerdings, dass die Hanfproduktion ungefähr 200 vor Christus nahezu vollständig eingestellt wurde – was darauf hindeutet, dass Roggen als Kulturpflanze immer beliebter wurde.

Es ist schwer zu sagen, wofür der Hanf zu dieser Zeit benutzt wurde – aber es ist durchaus anzunehmen, dass er in Textilien eingewebt, als Lebensmittel oder zur Herstellung von Öl verwendet wurde.

Weitere Belege deuten darauf hin, dass Hanf irgendwann im neunten oder zehnten Jahrhundert ein Comeback erlebte. Eine mittelalterliche Festung in Libice nad Cidlinou barg Cannabisreste, ebenso wie eine weitere Stätte in Zatec.

Das Comeback dauerte nur etwa ein Jahrhundert an, danach fand eine Intensivierung der Getreideproduktion statt. Illustrationen aus dem 16. Jahrhundert deuten jedoch darauf hin, dass Cannabis in Böhmen als pflanzliches Heilmittel geschätzt wurde und zur Behandlung von Furunkeln, Sinusitis, Ohrenschmerzen und Fieber eingesetzt wurde.

Cannabis in der Folklore

Cannabis spielt eine wichtige Rolle in der tschechischen und slawischen Folklore.

Zum Beispiel galt die slawische Göttin Mokos als „heilige Frau“ und Beschützerin der Frauen. Als sie Mokos Opfergaben darbrachten, warfen Frauen traditionell Hanfsamen ins Wasser, um ihren Schutz zu wahren.

Dem Ausführen bestimmter Tätigkeiten (Weben, Stricken oder Mahlen von Getreide) an wichtigen Feiertagen wurde außerdem nachgesagt, es würde Unglück bringen. Das böhmische Volk glaubte, dass dies eine schlechte Hanf- oder Flachsernte mit sich zöge.

Es gibt auch Beweise für modernere Cannabis-Folklore. Nebraska-Czechs (eine 1963 gegründete Organisation, die die in den 1860er-Jahren in großer Zahl nach Amerika ausgewanderte tschechische Bevölkerung vertritt) verwendet immer noch Hanf, um ihre farbenfrohen Kostüme für traditionelle Feste herzustellen.

Wird die liberale Haltung auch künftig beibehalten?

Die Tschechische Republik gilt seit Langem als eine der liberalsten Nationen in der EU, wenn es um die Drogenpolitik geht. In den letzten Jahren wurde diese Drogenpolitik jedoch häufig attackiert.

Die deutschen Behörden forderten immer wieder einen härteren Ansatz, da Deutschland an Tschechien grenzt. Anstatt gegen einzelne illegale Grow-Operationen vorzugehen, bestrafte die tschechische Regierung stattdessen die Growshops.

Im Jahr 2013 wurde eine mehrwöchige, bundesweite Kampagne gegen Growshops gestartet. 50 Growshops wurden durchsucht, wobei mehrere Growshop-Inhaber der Anstiftung zur Toxikomanie beschuldigt wurden.

Jakub Frydrych, ein leitender Drogenfahnder, gab folgende Erklärung gegenüber Radio Prag ab: „Jede einzelne Komponente in den Shops ist zwar legales Gut. Was aber das Gesetz regelt, ist der Umgang damit – also der Anbau und das Züchten von Marihuana. Und jeglicher Umgang mit dieser Droge, egal in welcher Phase von Produktion oder Verbreitung, verstößt gegen das Recht.“

Einige kritisierten die Kampagne und behaupteten, dass die Regierung versuchte, die tschechische Bevölkerung zu zwingen, über das staatliche Programm medizinisches Cannabis zu beziehen, anstatt ihr eigenes anzubauen. Wäre dies wahr, würde es der Regierung finanziell zugute kommen.

Wird Cannabis zukünftig legalisiert?

Trotz der strafrechtlichen Verfolgung der Growshops bleibt das tschechische Recht eines der liberalsten auf dem Kontinent. Der Druck der deutschen Regierung könnte die tschechische Regierung jedoch daran hindern, Cannabis für den privaten Konsum vollständig zu legalisieren.

Angesichts der Äußerung des Premierministers Andrej Babis bezüglich der Gewährleistung eines leichten Zugangs zu medizinischem Cannabis (oder der Möglichkeit, dass Patienten ihr eigenes Cannabis legal anbauen können) ist es sehr wahrscheinlich, dass sich zumindest das medizinische Cannabisprogramm in Kürze verbessern wird – und für die Menschen im ganzen Land zu einer praktikablen Option wird.

  • Disclaimer:
    Obwohl größte Sorgfalt bei der Gewährleistung der Richtigkeit dieses Artikels aufgewendet wurde, ist er weder als Rechtsberatung gedacht, noch sollte er als solche verstanden werden. Jede Situation wird von individuellen Faktoren beeinflusst und man sollte stets einen Experten oder Anwalt für eine Rechtsberatung konsultieren.

Comments

2 Kommentare zu „Cannabis in Tschechien – Gesetze, Konsum und Geschichte“

  1. M. Schreinemakers

    Kann ich bei Ihnen Cannabis als Gras kaufen?
    Bin wegenstarker Wirbelsäulenschmerzen opioidpflichtig. Nehme pro Tag 64mg Hydromorphon.
    Möchte mal Cannabis-Gras probieren, eventuell danach selbst züchten.
    Habe auf dem Gebiet Cannabis kiffen bislang keine Erfahrung.

    Bitte höflich um Ihr Angebot.

    Matthias Schreinemakers – Deutschland

    1. Stefanie - Sensi Seeds

      Hallo Matthias,
      vielen Dank für Ihre Kontaktaufnahme. Sensi Seeds ist eine Hanfsamenbank. In Bezug auf Ihr Anliegen können und dürfen wir keine Auskunft geben.
      Was ich Ihnen aber empfehlen kann, ist die Lektüre dieser Artikel:

      https://sensiseeds.com/de/blog/cbd-der-medizin-wo-kann-es-eingesetzt-werden/
      https://sensiseeds.com/de/blog/cannabinoide-der-medizin-ein-uberblick-fur-arzte-und-fachpersonal/
      https://sensiseeds.com/de/blog/die-situation-fur-medizinisches-cannabis-europa-ein-vollstandiger-uberblick/

      Hoffe, meine Antwort hilft ein wenig weiter.

      Freundlichst,
      Stefanie

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Author and Expert

  • Profile-image

    Sensi Seeds

    Das Sensi Seeds Redaktionsteam besteht aus Botanikern, medizinischen und juristischen Experten sowie renommierten Aktivisten wie Dr. Lester Grinspoon, Micha Knodt, Robert Connell Clarke, Maurice Veldman, Sebastian Marincolo, James Burton und Seshata.
    Weiterlesen
  • Maurice_Veldman

    Maurice Veldman

    Maurice Veldman ist Mitglied der Niederländischen Vereinigung der Strafrechtsanwälte und einer der bemerkenswertesten Cannabis-Anwälte der Niederlande. Mit 25 Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet unterstützt sein strafrechtliches und Verwaltungsrecht die Cannabisverkäufer und Hanferzeuger dabei, die Ungleichheiten zwischen Individuum und Staat zu beseitigen.
    Weiterlesen
Scroll to Top