by Seshata on 19/01/2015 | Cannabis Aktuelles Konsum

Warum löst Cannabis Heißhunger aus?

Cannabis is dafür berüchtigt, dass es regelrechte Anfälle von Heißhunger auslöst. Eine Tatsache, die schon zur Binsenweisheit geworden ist und daher zum festen Bestandteil des "Stoner-Klischees" in den Massenmedien gehört - der rotäugige, träge (und für gewöhnlich männliche) Typ in den Zwanzigern, der den ganzen Tag mit Zocken verbringt und immer Chips in sich reinstopft. In diesem Artikel werden wir versuchen, dieses komplexe Phänomen zu erklären.


Cannabis is dafür berüchtigt, dass es regelrechte Anfälle von Heißhunger auslöst. Eine Tatsache, die schon zur Binsenweisheit geworden ist und daher zum festen Bestandteil des „Stoner-Klischees“ in den Massenmedien gehört – der rotäugige, träge (und für gewöhnlich männliche) Typ in den Zwanzigern, der den ganzen Tag mit Zocken verbringt und immer Chips in sich reinstopft. In diesem Artikel werden wir versuchen, dieses komplexe Phänomen zu erklären.

Wie das Gehirn Hungergefühle erzeugt

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Cannabis ist dafür berüchtigt, dass es Heißhungerattacken bei den Konsumenten auslöst (© metromani)

Hungergefühle sind die Reaktion auf ein kompliziertes System von Nervensignalen zwischen dem Magen-Darm-Trakt (MDT) und dem Gehirn. Die Vagusnerven des peripheren Nervensystems, das den Magen-Darm-Trakt umgibt, erkennen den Nährstoffgehalt im Magen und Darm und senden Signale ans Gehirn, wenn zu wenig Nährstoffe vorhanden sind. Die spezifische Gehirnregion, die für die Auslösung der Hungergefühle verantwortlich ist, bezeichnet man als lateralen Hypothalamus; oft wird er auch schlichtweg „Hungerzentrum“ genannt.

Die Vagusnerven selbst werden von einem Neuropeptid namens Ghrelin stimuliert, das im MDT-Trakt produziert wird, wenn der Magen leer ist. Ist Ghrelin anwesend, werden die Ghrelinrezeptoren der Vagusnerven stimuliert, die dann Signale an den lateralen Hypothalamus senden, und dieser erzeugt wiederum den appetitanregenden Hunger – ebenso wie verstärkte Ausscheidungen der Magensäure und Darmbewegungen in Erwartung der Nahrung.

Wie THC dem Körper Lust auf mehr Nahrung vortäuscht

Zwar hat man die Stoffwechselprozesse, die bei der Stimulierung der Hungergefühle durch den Cannabiskonsum ablaufen, noch nicht vollständig verstanden, aber es ist bekannt, dass ein Enzym, die im Hypothalamus produzierte AMP-aktivierte Proteinkinase (AMPK), hierbei eine entscheidende Rolle spielt. Dieses Enzym ist von ausschlaggebender Bedeutung für die Stoffwechselprozesse, die die Energie-Homöostase (das energetische Gleichgewicht) im Körper regulieren, und wird als Reaktion auf die durch Ghrelin ausgelöste Stimulierung der GHS-R1a-Rezeptoren der Vagusnerven produziert.

Diverse Studien haben gezeigt, dass THC tatsächlich die Aufgabe des Ghrelins übernehmen kann, indem es die GHS-R1a-Rezeptoren aktiviert und das Gehirn auf direktem Weg zur Produktion von AMPK und somit zu Hungergefühlen stimuliert. Cannabis kann also starke Hungergefühle hervorrufen, selbst wenn der Magen nicht leer ist. Zudem ergaben weitere Studien, dass die Cannabinoidrezeptoren ebenfalls an diesem Prozess beteiligt sind.

Eine Studie aus dem Jahr 2008 bewies, dass die CB1-Rezeptoren zur Regulierung der durch Ghrelin ausgelösten Anregung des Appetits beitragen. Und zwar in Mäusen, die genetisch so manipuliert wurden, dass ihnen CB1-Rezeptoren fehlten, führte Ghrelin nicht zu einem orexigenen (appetitanregenden) Effekt. Außerdem wurde die Wirkung von Ghrelin auf die AMPK-Konzentration im Hypothalamus sowohl in Mäusen ohne CB1-Rezeptoren als auch in genetisch unveränderten Mäusen gehemmt, wenn ihnen Rimonabant verabreicht wurde, ein inverser Agonist der CB1-Rezeptoren. Man fand auch heraus, dass die Anwesenheit von Ghrelin die Endocannabinoidkonzentration im Hypothalamus der genetisch unveränderten Mäuse erhöht; dieser Effekt wurde durch die Gabe von Rimonabant gehemmt.  Bei Mäusen ohne CB1-Rezeptoren wurde der Ghrelin-Effekt nicht beobachtet.

Ghrelin, Cannabinoide und die Stoffwechselfunktion

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Cannabis kann auch ein Absinken des Blutzuckerspiegels hervorrufen, was zu zeitweiliger Schwäche und Schwindel führen kann (© Mandajuice)

Eine interessante, jedoch kaum bekannte Auswirkung der Interaktion zwischen Cannabinoiden, Ghrelin und AMPK ist der Schutz vor ischämischen Herzkrankheiten.  Cannabinoide haben vielerlei Auswirkungen auf die Herzfunktion; bei einer sehr kleinen Personengruppe mit entsprechender Veranlagung kann die Einnahme exogener Cannabinoide sogar einen akuten Myokardinfarkt (Herzinfarkt) auslösen. Doch außerhalb dieser kleinen Gruppe scheinen erhöhte Cannabinoidkonzentrationen im Herzen sogar mehrere positive Effekte zu haben.

Sowohl Ghrelin als auch Cannabinoide erhöhen die Aktivität des AMPK im Herzen und im Hypothalamus; man nimmt an, dass das Ausmaß des Herzinfarkts (also der Bereich des abgestorbenen Gewebes) im Herzmuskel nach einem Infarkt durch die Wirkung der Cannabinoide auf die AMPK-Aktivität reduziert wird. Auf diese Weise wird die Schädigung des Herzens und des Kreislaufs bei Ischämien begrenzt, und zudem wird die Durchblutung allgemein positiv beeinflusst.

Ein weiterer interessanter Punkt: Ghrelin und die Cannabinoide erhöhen nicht nur die AMPK-Aktivität im Herzen, sondern sind offenbar auch in der Lage, dessen Aktivität in der Leber und im adipösen (Fett-) Gewebe zu hemmen, was die Expression der Glukose und des Insulins im Blut in mehrfacher Hinsicht beeinflusst. Es wird angenommen, dass dies eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung des Gewichts und Körperfetts von Cannabiskonsumenten spielt, denn etlichen Studien zufolge besitzen diese einen geringeren Taillenumfang als Nichtkonsumenten.

Selbst wenn Cannabiskonsumenten also der Versuchung von „Heißhungerattacken“ erliegen, können sie im Allgemeinen sicher sein, dass ihr Körper in erheblichem Maße gegen mögliche negative Auswirkungen geschützt ist, wenn sie sich mal zu viele ungesunde Lebensmittel gegönnt haben, denn Cannabis schützt ihr Herz und begrenzt zugleich die Ablagerung ihres Körperfetts.

Cannabis, Blutzucker und Hunger

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Man benötigt lediglich ein zuckerhaltiges Getränk oder einen Imbiss, um den Blutzuckerspiegel wieder zu normalisieren (© Chef Cooke)

Bekanntlich beeinflusst Cannabis außerdem den Blutzuckerspiegel; besonders dramatisch kann sich dieser Effekt bei unerfahrenen Konsumenten auswirken – mit der Folge, dass der Blutzuckerspiegel stark absinkt, was zu Schwäche, Übelkeit und sogar zu zeitweiliger Bewusstlosigkeit führen kann. Die Droge kann auch Hungergefühle enorm verstärken, da der Körper sowohl auf die appetitanregenden Effekte von Cannabis als auch auf die Auswirkungen des niedrigen Blutzuckerspiegels reagiert.

Wenn die Symptome eines niedrigen Blutzuckerspiegels sofort nach dem Cannabiskonsum auftreten, schafft ein zuckerhaltiges Getränk oder Imbiss schnelle und wirkungsvolle Abhilfe. Selbst der Verlust des Bewusstseins dauert zumeist nur wenige Sekunden, und sofern sich die Person nicht verletzt hat (zum Beispiel durch einen Sturz), wird sie keine langfristigen Schäden davontragen. In diesem Fall sollte man der betreffenden Person helfen, sich hinzusetzen, und ihr ein zuckerhaltiges Getränk bzw. Imbiss geben; dann sollte sie so lange sitzen bleiben, bis jegliches Schwindelgefühl oder Zittern aufgehört hat. Der Blutzuckerspiegel wird des Weiteren dadurch stabilisiert, wenn die Person innerhalb einer Stunde nach Auftreten der Symptome mit weiteren nahrhaften Lebensmitteln versorgt wird.

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