by Seshata on 19/10/2012 | Cannabis Aktuelles

Wie Cannabidiol das Wachstum und die Metastasierung von Brustkrebs verhindern kann

Sobald aggressive Brustkrebsarten in das umgebende Gewebe eindringen und Metastasen zu bilden beginnen, werden das Überleben und die Rehabilitation der erkrankten Frau immer unwahrscheinlicher. Bis heute hat die Forschung noch kaum verstanden, wie die komplexen genetischen Prozesse während der letzten Stadien der Krankheit ablaufen, und so gibt es derzeit nur wenige Behandlungsmöglichkeiten.


Die Entwicklung vom gesunden zum karzinösen Brustgewebe

Sobald aggressive Brustkrebsarten in das umgebende Gewebe eindringen und Metastasen zu bilden beginnen, werden das Überleben und die Rehabilitation der erkrankten Frau immer unwahrscheinlicher. Bis heute hat die Forschung noch kaum verstanden, wie die komplexen genetischen Prozesse während der letzten Stadien der Krankheit ablaufen, und so gibt es derzeit nur wenige Behandlungsmöglichkeiten.

Ein effektives und sicheres Heilmittel für Brustkrebs wird dringend benötigt, da sich diese Krankheit so rasant ausbreitet wie kaum eine andere Krebsart; somit ist es ungeheuer ermutigend, dass sich mit Cannabidiol (CBD) ein potenzieller Kandidat abzeichnet. In den vergangenen Jahren wurden diverse Studien veröffentlicht, die die Effektivität von CBD bei der Hemmung des Tumorwachstums oder der Tumorentstehung belegten, auch wenn noch intensive Forschungsarbeit erforderlich ist, bevor die hieran beteiligten molekularen Mechanismen eindeutig definiert werden können. Dennoch ist bereits bewiesen worden, dass CBD über eine ganz erhebliche Fähigkeit verfügt, das Hemmprotein Id-1 zu regulieren, das für die Verhinderung einer vorzeitigen Zelldifferenzierung in gesunden Körpern verantwortlich ist.

Der rezeptor-unabhängige Effekt von Cannabidiol

Seit einigen Jahren ist bekannt, dass die Verbreitung von CB1 – und CB2 -Rezeptoren in primär von Brustkrebs befallenen Geweben anormal hoch ist. Doch nun konnte nachgewiesen werden, dass der Mechanismus, mit dem Cannabidiol wahrscheinlich Neoplasien verhindert (ungehemmtes Wachstum anormaler Zellen), unabhängig von den Aktionen dieser Rezeptoren ist, ungeachtet deren Anzahl.

Tatsächlich bewirkt Cannabidiol die Verminderung der Expression des Id-1-Proteins, das das Metastasen-Potenzial des Brustkrebses steuert, auf direktem Weg. Somit ist CBD bis heute der einzige unter den bekannten (nicht-toxischen) körperfremden Wirkstoffen, der diesen Verminderungseffekt besitzt. Schon vor dieser Entdeckung wurde die Herunterregulierung von Id-1 unter Einbeziehung einer „Antisense“ -Gentherapie erforscht, aber es zeigte sich, dass diese Methode an lebenden Menschen undurchführbar war. Diese Therapie beinhaltet die wirksame „Ausschaltung“ des ID1-Gens (das das Id-1-Protein kodiert), indem sie maßgeschneiderte Nukleinsäurestränge herstellt, die sich mit dem Botenstoff RNA (als Sense bezeichnet) des Gens verbinden. Sogar in Vitrowaren die Resultate bislang nicht signifikant. Es stellte sich jedoch heraus, dass das CBD-Molekül als ein natürliches „Antisense“ agiert – eine Offenbarung, die in den Kreisen der onkologischen Forschung für helle Aufregung sorgte.

Id (Hemmstoff der DNA-Bindung) -Proteine sind entscheidende  Regulatoren der Stammzellkernteilung, und eine Überexpression dieser Proteine im primären Tumorbereich geht nachweislich mit einer zunehmenden Wucherung von mutierten Zellen einher. Insbesondere Id-1 ist seit über einem Jahrzehnt dafür bekannt, dass es bei Brustkrebs-Neoplasien aktiv ist: Es interagiert mit der zellulären DNA, um sie an der Verbindung mit DNA-bindenden Proteinen zu hindern. Diese haben die Fähigkeit, die für normale Zelldifferenzierungen benötigte DNA-Struktur zu reparieren, zu vervielfältigen und zu modifizieren. Die Überexpression von Id-1 steht auch im Verdacht, die Fähigkeit der gesunden Epithelzellen der Brust zu beeinträchtigen, sich mithilfe normaler Prozesse der Zellreparatur und -Regeneration in verschiedene äußerst wichtige Tochterzellen zu differenzieren, und sie könnte außerdem anormale Wucherungen sowie das Eindringen ins umliegende Gewebe verursachen, selbst in nicht-karzinöse Zellen.

Die Studien der letzten Jahre demonstrieren übereinstimmend die Wirkung von Cannabidiol auf Brustkrebs

In einer Studie von 2006 wurden verschiedene menschliche Brustkrebszellen (inklusive der aggressivsten bekannten Zell-Linie MDA-MB231) in Vitro mit fünf natürlichen phytocannabinoiden Komponenten behandelt – Cannabidiol, Cannabigerol, Cannabichromen, Cannabidiolsäure und THC-Säure. Cannabidiol erwies sich hier als der effektivste Hemmstoff neoplastischer Zellwucherungen und war sogar in einer sehr geringen molekularen Konzentration wirksam. Darüber hinaus wurden menschliche Brustkrebszellen in Mäuse injiziert, um in Vivo das Wachstum xenografter (aus artenfremdem Gewebe transplantierte) Tumoren anzuregen; dabei war CBD am effektivsten bei der Hemmung des Tumorwachstums, wenn es über eine intraperitoneale Injektion verabreicht wurde. Bei normaler Expression von Id-1 hatte es einen unbedeutenden Effekt auf gesunde Zellen, wie sich außerdem zeigte. Doch CBD ist nicht nur als antineoplastischer Wirkstoff einflussreich – auch als Zytotoxin greift es verschiedene Typen von Tumorzellen direkt an und zerstört sie, wenn es in Vitro verabreicht wird. Diese Resultate können jedoch in Vivo abweichen, da die Wirkung von CBD durch die Rezeptoren moduliert wird. Weitere Forschungen sind erforderlich, um die exakte Natur der komplexen Wechselwirkung zwischen CBD und dem programmierten Zelltod (PCD) zu ermitteln.

Wie Cannabidiol Brustkrebszellen abtöten kann

Brustkrebszellen in VitroWie eine Studie aus dem Jahr 2011 des Weiteren demonstrierte, entdeckte man bei der Erforschung von Cannabidiol, dass es durch eine Interaktion mit dem Protein Beclin-1 tatsächlich die Apoptose (totale Selbstzerstörung) verschiedener Krebszell-Linien verursachte, statt nur die Zellkernteilung zu hemmen. Man weiß auch, dass Beclin-1 eine Schlüsselrolle bei der Autophagie oder zellulären Selbsterniedrigung nicht-lebenswichtiger Komponenten spielt, die zum PCD führen kann. Es wurde bewiesen, dass CBD sowohl die Autophagie als auch die Apoptose in den menschlichen Gliomzellen (Gehirn- oder Rückenmarkstumor-) hervorrufen kann, ebenso wie bei Leukämie und anderen Krebsarten.

Die Entdeckung dieses komplexen Einflusses auf die speziellen Prozesse des Zelltodes (der beiden für Brustkrebs relevanten PCD-Zelltypen) ist von erheblicher Bedeutung. Früher glaubte man, dass die Aktion der Cannabinoide von den CB1- und CB2 -Rezeptoren sowie von den Vanilloid-Rezeptoren abhängig sei (die auf Hitze und den Säuregehalt reagieren, die durch organische Komponenten wie Capsaicin, die aktive Komponente in Chilis, erzeugt werden). Während die Interaktion zwischen den Vanilloid- und Endocannabinoid-Rezeptoren und Cannabidiol zu einer  Verminderung der Zellwucherung führt, hat CBD eine vergleichsweise geringe Ähnlichkeit mit solchen Rezeptoren – auch wenn man heute glaubt, dass selbst bei relativ niedrigen molekularen Konzentrationen wichtige Interaktionen stattfinden. Dennoch hat sich die Erforschung von CBD wegen der vermuteten geringen Affinität hauptsächlich auf die offenbar signifikanteren Effekte konzentriert, die von der rezeptor-unabhängigen Aktion herrühren.

Cannabidiol beeinflusst die Apoptose, indem es mit den in der Krebszelle gefundenen Schlüsselproteinen interagiert und so die äußere mitochondriale Membran dazu bringt, ihr elektrisches Potenzial zu verringern. Zugleich unterbricht Cannabidiol das Eindringen ins Zellinnere bestimmter Moleküle, die für den Stoffwechsel lebenswichtig sind – indem es im Prinzip die Zellwand zerstört und die Zelle somit aushungern lässt. Dies führt zu einem drastischen Verlust von Zellenergie und aktiviert den Selbstzerstörungsprozess der Apoptose, ein natürlicher Vorgang in Zellen, denen die Energie entzogen wird. CBD beeinflusst diesen Prozess eindeutig in Brustkrebszellen, dagegen ist sein Einfluss auf das umliegende gesunde Gewebe sehr gering, was es zu einem besonders lohnenswerten Kandidaten für eine eingehendere Erforschung macht. Zwar sind diese Ergebnisse noch nicht durch Untersuchungen im menschlichen Körper bestätigt worden, doch die bis jetzt erzielten positiven Befunde bieten hinreichend Rechtfertigung für weitere Forschungen sowie für die Aussicht auf ein Heilmittel für eine der verheerendsten Krankheiten der Menschheit.

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.