Wie viele Tote gehen auf das Konto von Cannabis? Teil I

posted by on January 3rd 2014


Die Schätzungen der Anzahl der Todesfälle, die auf Cannabis zurückzuführen sind, klaffen weit auseinander; sie reichen von der absurden Zahl 30.000 pro Jahr, wie 2003 in einem größtenteils entlarvten Brief ans British Medical Journal behauptet wurde, bis hin zu null Todesfällen. Hier werden wir die Behauptungen der Medien und die dahinter stehenden wissenschaftlichen Beweise – beziehungsweise deren Fehlen – näher untersuchen.

“Cannabis tötet 30.000 Menschen pro Jahr”

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Die Behauptung, dass Cannabis 30.000 Menschen pro Jahr töten könne, beruhte auf der Annahme, Cannabisrauchen sei genauso schädlich wie Tabakrauchen (Andrew Magill)

Eines der berüchtigsten Beispiele einer Anticannabis-Propaganda ist die Schlagzeile “Cannabis tötet 30.000 Menschen pro Jahr” der britischen Boulevardzeitung Daily Mail, die sich auf den oben erwähnten Brief an das BMJ bezieht.

Auch die meisten anderen Massenblätter ergingen sich in sensationslüsternen Berichten über den ominösen Brief, doch zumindest zitierten sie die Aussage des Wissenschaftlers, auf den sich der Briefschreiber berufen hatte, im Allgemeinen korrekt. Tatsächlich hatte er nämlich gesagt, dass Cannabis 30.000 Menschen pro Jahr töten “könnte”.

Sobald man jedoch ein wenig tiefer gräbt, springen einem die Mängel in der Argumentation des besagten Briefes sofort ins Auge: Darin wurden die langfristigen Risiken des regelmäßigen Cannabisrauchens mit denen des Zigarettenrauchens gleichgesetzt; aufgrund dieser Annahme schätzte der Verfasser, dass das Rauchen von Cannabis auch für eine vergleichbare Zahl von Todesfällen verantwortlich sei.

Dabei gibt es Dutzende von Studien, denen man schon bei flüchtigem Durchsehen entnehmen kann, dass die Gefahren des Tabaks in keinster Weise mit denen von Cannabis vergleichbar sind; neuere Studien legen sogar nahe, dass sich die Lungenfunktion bei Langzeit-Cannabisrauchern im Vergleich zu Tabakrauchern und selbst zu Nichtrauchern leicht verbessert.

Es ist fast unmöglich, die toxische Dosis THC zu erreichen

Es ist unzählige Male bewiesen worden, dass eine Überdosis Cannabis nicht zum Tod führen kann. Im Gegensatz zu Heroin, Alkohol, Kokain und vielen anderen illegalen Drogen (und auch zu einer Menge von rezeptpflichtigen Medikamenten!) stirbt also definitiv kein Mensch an einem zu hohen Cannabiskonsum. Die Forschung konnte keinen Mittelwert einer tödlichen THC-Dosis für Menschen feststellen, da in der Literatur über keine Todesfälle berichtet wird.

Dosen von über 3 g/kg THC, die Hunden und Affen in einer Studie aus den 1970er-Jahren oral verabreicht wurden, erwiesen sich zumeist als nicht ausreichend, um die Tiere zu töten. Zwar führte bei einigen Tieren sogar die geringe Dosis von 1 g/kg zum Tod, diese Fälle waren jedoch in der Minderheit und somit waren sie als Basis für eine mittlere tödliche Dosis oder LD50 unzureichend – diese muss mindestens 50 % einer Population töten.

Zum Vergleich: Die meisten der heute in den USA als “medizinische Lebensmittel” erhältlichen Cannabisprodukte enthalten zwischen 15 und 50 mg pro Portion, manche hochwirksame Produkte können allerdings auch bis zu 200 mg enthalten.

Ein 60 kg schwerer Erwachsener müsste 180 g reines THC essen, um eine Dosis von 3.000 mg/kg zu erreichen, und selbst dann wäre es extrem unwahrscheinlich, dass er sterben würde (auch wenn diese Annahme nicht ausreichend durch Studien an Menschen belegt ist). Einer anderen Schätzung zufolge müsste ein Mensch innerhalb von vierzehn Minuten rund 680 kg Cannabis rauchen, um eine tödliche Wirkung hervorzurufen.

Könnte intravenös verabreichtes THC töten?

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Ein 60 kg schwerer Erwachsener müsste 180 g reines THC essen, um eine Dosis von 3.000 mg/kg zu erreichen, und es wäre extrem unwahrscheinlich, dass er daran sterben würde (Prensa 420)

Zwar war es nicht möglich, einen LD50 für oral an Hunde und Affen verabreichtes THC zu ermitteln, aber man kam zu ganz anderen Ergebnissen, als man THC intravenös verabreichte. So wurde Affen 92 mg/kg THC injiziert, wobei alle Tiere überlebten und sich innerhalb von vier Tagen von sämtlichen schädlichen Nebenwirkungen erholten; doch als den Affen 128 mg/kg THC injiziert wurde, starben alle Affen außer einem innerhalb von dreißig Minuten, und der letzte erlag der Dosis innerhalb von drei Stunden.

Man kann zwar Menschen THC intravenös verabreichen, aber diese Methode ist beim Konsum von Cannabis als Genussmittel unbekannt, und sie wird auch bei keinem laufenden medizinischen Cannabisbehandlungsprogramm angewendet. Mehrere Länder führen Experimente zur Untersuchung der Effekte von intravenösem THC durch, aber selbst wenn die Techniken verbessert würden und THC in Spritzen für viele Menschen zugänglich wäre, würden sie wahrscheinlich nach wie vor nur einen Bruchteil des gesamten Cannabiskonsums ausmachen.

Außerdem müsste sich eine 60 kg schwere Person 7,68 g reines THC spritzen, um eine tödliche Dosis zu erzielen, wenn THC bei Menschen in ähnlichen Dosen wie im oben geschilderten Fall bei Affen zum Tod führen würde. Und da die Sterblichkeitsrate von THC bei jedem stammesgeschichtlichen Fortschritt sinkt (zum Beispiel beträgt der LD50 für Ratten nur 40 mg/kg), wäre die für Menschen erforderliche tödliche Dosis voraussichtlich höher als für Affen.

Die tödliche Dosis anderer gängiger Rauschmittel

Während sowohl Alkohol als auch Kokain und Heroin schon nach einer exzessiven Dosis tödlich sein können, ist das bei Cannabis offenkundig unmöglich. In seltenen Fällen kann es bereits bei Personen, die eine ausreichende Menge Alkohol in nur einem Schluck konsumieren, zu einer tödlichen Vergiftung kommen. Die tödliche Dosis Alkohol liegt bei 5-8 g/kg; es wird angenommen, dass ein Alkoholgehalt im Blut von 0,4 % oder mehr für rund 50 % der Menschen tödlich endet.

Und nur 30 mg Kokain (eine solche Menge kann leicht in einer einzigen kurzen Reihe eingesogen werden) können für empfindliche Personen eine tödliche Überdosis darstellen, auch wenn die tödliche Dosis für einen durchschnittlichen Erwachsenen mit geringer Toleranzgrenze schätzungsweise 1,2 g beträgt. Die tödliche Dosis für Heroin wird auf 200-500 mg für Konsumenten mit geringer Toleranz geschätzt, gewohnheitsmäßige Konsumenten können allerdings bis zu 1,8 g vertragen, ohne schädliche Nebenwirkungen zu verspüren.

Ein plötzlicher unerklärlicher Tod, der der Toxizität von Cannabis zugeschrieben wird

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Intravenöses THC hat sich in extrem hohen Dosen bei Ratten, Hunden und Affen als tödlich erwiesen, jedoch niemals bei Menschen (Loki)

Trotz der offensichtlichen Unmöglichkeit, durch Rauchen oder mündlichen Konsum von Cannabis eine toxische Dosis zu sich zu nehmen, wird manchmal das genaue Gegenteil behauptet. So berichteten zahlreiche britische Medien im Jahr 2004, ein 36-jähriger Mann aus Wales namens Lee Maisey sei durch den Konsum von Cannabis gestorben. Maisey verstarb unerwartet am 23. August 2003; er soll seit rund elf Jahren durchschnittlich sechs Joints täglich geraucht haben.

Wie der für die Durchführung der Autopsie verantwortliche Rechtsmediziner Michael Howells aus Pembrokeshire schrieb, sei der Tod durch einen Unfall verursacht worden, da Maisey zum Zeitpunkt des Todes an einer illegalen Aktivität teilgenommen habe. Zu dieser Schlussfolgerung kam er aufgrund von toxikologischen Berichten, die anzeigten, dass Maisey bedeutende Mengen Cannabis im Blut hatte.

Daraufhin wurde das Land von einer Welle der Hysterie überschwemmt, sodass sich ein Dozent für Suchtforschung an der Universität Hull, Dr. Philip Guy, zu der Behauptung hinreißen ließ, “dass der Tod wahrscheinlicher sei”, wenn die Konsumenten Cannabis nicht rauchten, sondern einnahmen. Und Dr. John Henry, ein Professor für Toxikologie am Imperial College, meinte sogar: “So etwas habe ich noch nie erlebt. Es wirft das Argument über den Haufen, dass Cannabis keinen Menschen töten könne.”

Die Widerlegung

Doch der Bundesgesundheitsminister der Schweiz bat Dr. Rudolf Brenneisen, einen Professor des Fachbereichs Klinische Forschung an der Universität Bern, die Ergebnisse der Autopsie zu überprüfen. Dr. Brenneisen stellte fest, dass die toxikologischen Daten nicht beweiskräftig sind, und erklärte das Ergebnis für unzulässig.

Die vom Labor Forensic Alliance (Forensische Allianz) Großbritanniens durchgeführte toxikologische Analyse kam zu dem Schluss, dass Lee Maiseys Blut 130 ng/ml THC-COOH enthielt, ein Stoffwechselprodukt von THC. Das THC selbst wurde aufgrund von technischen Problemen nicht entdeckt. Diese THC-COOH-Blutkonzentration gilt als mäßig; bei starken Cannabiskonsumenten findet man oft Blutkonzentrationen von 500 ng/ml THC-COOH oder mehr.

Seshata ist freiberufliche Cannabis-Autorin, zur Zeit wohnhaft in Amsterdam, Niederlande.
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3 Comments

  1. Miez
    Posted 03/01/2014 at 18:34 | Permalink

    Sind denn diese nutzlosen Tierverusche überhaupt nötig?
    Die sollen die armen Viecher in Ruhe lassen und wie Albert Hoffmann damals nen Selbstversuch starten!
    Desweiteren haben wir doch ausreichend bewiesen, dass man am Kiffen bzw
    normalem Hanfkonsum, egal in welcher Form nicht stirbt!?
    Wir sind ja nicht die erste Dope rauchende Generation!

    Bin auf Teil II gespannt!

    Greetz Miez

  2. Chris
    Posted 25/02/2014 at 17:34 | Permalink

    Heute wurde ja ein Bericht veröffentlicht, in dem behauptet wird, dass 2 Männer durch den Konsum von Cannabis Herzkreislauferkrankungen zugezogen haben, sie zum Tod führten.
    Ich Bitte um Stellungnahme, da man durch die ganze Propaganda nicht mehr weiß, was wissenschaftlich wirklich belegbar ist. Bzw wie die Wahrscheinlichkeit für regelmäßige Konsumenten steht tatsächlich zu streben.
    Vielen Dank!

  3. Fidel
    Posted 24/03/2014 at 18:48 | Permalink

    Das ist eine Lüge um die flut von Legalisierungen auf der Welt zu stoppen von der Uni Klinik Düsseldorf! Die Mitarbeiter dort haben selber Kinder die Kiffen und sind dagegen und lügen!!! Kiffen kann nur in Wechselwirkung mit anderen drogen zum Herzversagen führen!!! Außer jemand ignoriert das er beim ersten mal kiffen erbricht, ihm es heiss wird, er schweiss ausbrüche bekommt, atemnot und er nicht über was weiss ich wie lange an die frische luft geht und ununterbrochen obwohl es ihm schlecht geht Hardcore weiterkifft und es gleichzeitig nicht verträgt und vielleicht noch ne Pollen Allergie hat! unter diesen umständen könnte es wahr sein. was ich nicht glaube, sonst wäre wie es in Deutschland vorgeschrieben ist der Krankenwagen nicht in 2- 5 Minuten da gewesen sondern hätte auch noch die ganze Nacht gebraucht!!!
    Chris

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