12 Comicfiguren & Cannabis: von Popeye zu den Superhelden

Comics unterhalten uns seit Jahrhunderten. Von Popeye bis Superman bilden diese Geschichten ein Abbild der Gesellschaft. Wer einen genaueren Blick auf ihre magischen Kräfte wirft, entdeckt möglicherweise einige bekannte Substanzen. Könnte Popeyes Spinat etwa ein Ersatz für Cannabis sein? Oder Supermans Kryptonit ein subtiler Hinweis auf Methamphetamine?

Seit ihrer Entstehung Ende des 19. Jahrhunderts haben sich Comics kontinuierlich weiterentwickelt. Entstanden um 1890 in den USA, ging ihnen in Europa eine lange erzählerische und ikonographische Tradition sowie beachtliche Entwicklungen in der Illustration voraus. Diese hybride Mischung aus Text und Bild erhielt ihren Namen, weil Comics und Comicstrips ursprünglich komisch sein sollten.

Die Welt der Comics wurde im Lauf der Jahre immer vielfältiger: grafische Comics, Kindergeschichten, Gesellschaftskritik. Später kamen neue Formen dazu wie die Animation, die Underground-Comics der 60er-Jahre und schließlich Comics mit Superhelden in der Hauptrolle.

Seit der ersten Veröffentlichung in den USA wurden Comics zu einem Ausdrucksmittel für soziale Klassen, Generationen und Rassen. Comics waren ein Vehikel für Ideologien, was sie für viele Kritiker der herrschenden Klasse zu einem gefundenen Fressen machte.

Sie galten als Quelle der Destabilisierung, der Störung und sogar als anti-patriotisch. Comics waren erschwinglich – für die Jugend und unterprivilegierte Teile der Gesellschaft. Es dauerte nicht lange, bis Comics zu einem Objekt der Verfolgung und zu einer Form des soziopolitischen Widerstands wurden.

Die Comic-Kunst ist komplexer, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Das wird an ihrer Geschichte und Entwicklung deutlich. Was als einfacher Sonntags-Comic begann, wurde zu einem künstlerischen und erzählerischen Ausdrucksmittel, aufgespannt zwischen allen möglichen Genres und unendlich vielen Themen.

Nichts entging dem Blick ihrer Schöpfer, die authentische Chronisten der sozialen und politischen Zeit waren, in der sie lebten: Humor, Drama, Religion, Gewalt, Sex, Politik und natürlich … Drogen.

Comics und Drogen

Gemeint sind hier sowohl legale Substanzen wie Alkohol und Tabak als auch illegale wie z. B. psychoaktives Cannabis, psychotrope Substanzen, Opiate und später auch Designer- und synthetische Drogen wie Metamphetamin. 

All diese Substanzen tauchen in der Comic-Geschichte offen oder verdeckt auf. In vielen Geschichten sind sie ganz selbstverständlich mit den Figuren verwoben und spiegeln die historische, soziale und kulturelle Situation zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wider. Politiker, Lobbyisten und andere Interessengruppen haben Comics immer wieder missbraucht, um den Drogenkonsum zu bekämpfen und in der Gesellschaft negativ darzustellen.

Das Hash Marihuana & Hemp Museum in Barcelona hat verschiedene Comicfiguren ausgestellt. Die Ausstellung „Puff Puff Pass!“ feiert die Cannabis-Geschichte in Comics und beleuchtet einige der bekanntesten Comic-Zeichner und die „rauchigen“ Abenteuer ihrer Cartoons.

Wenn wir die bekanntesten Figuren der Comic-Geschichte analysieren, entsteht eine Chronik des politischen und sozialen Zeitgeistes unserer Vergangenheit. Ebenso lassen sich die Umrisse der fortschreitenden Prohibition erkennen, die in den USA das Angebot, die Nachfrage und den Konsum von Drogen einzuschränken oder auszurotten versuchte.

1. Popeye der Seemann

1929 erschien Popeye zum ersten Mal als Star eines Comicstrips. Er wurde von Elzie Crisler Segar erschaffen, erschien in verschiedenen Formaten und wurde von vielen Autoren und Künstlern weiter gezeichnet.

Seit seiner Geburt zählt Popeye der Seemann zu den bekanntesten und beliebtesten Figuren der Welt. Bezeichnenderweise war der ursprüngliche Comic weitaus komplexer als die kurzen Zeichentrickfilme und steckte voller erwachsenem Humor.

Wir alle wissen, dass Spinat Popeye übermenschliche Kräfte verleiht. Könnte dies eine Metapher für ein anderes magisches Kraut sein? Es gibt Indizien, die zusammengezählt ein überzeugendes Argument dafür ergeben. Viele Leser sind überzeugt, dass Popeyes Kraftspinat eine Metapher für die wunderbaren Kräfte von Cannabis ist.

Laut Dana Larsen, einer kanadischen Aktivistin für die Legalisierung, war das Wort „Spinat“ in den 20er- und 30er-Jahren Straßenslang für Cannabis. Clubs, in denen Menschen Cannabis rauchten, spielten „The Spinach Song“, aufgenommen von der populären Jazzband „Julia Lee and Her Boyfriends“.  Viele glaubten, dass in dem Lied Spinat als offensichtliche Metapher für Cannabis verwendet wurde.

Popeye und sein Spinat

Bei der Analyse eines Strips aus dem Jahr 1954, in dem Popeye seinen Neffen von seinem Vorfahren Herkules erzählt und in der Szene, wo er weißen Knoblauch und Spinat isst, kommt Larsen zum folgenden Urteil: Beide Lebensmittel sind Metaphern und zwar für Kokain und Marihuana. Interessanterweise verzichtet Popeye zugunsten von Spinat auf weißen Knoblauch.

In einer Reihe von Comicstrips aus den 60ern saugt Popeye Spinat durch seine Pfeife. Obwohl es wahrscheinlicher ist, dass Popeye durch das Kokablatt seine übermenschliche Kraft erhält, pflegt Popeye die Angewohnheit, zu spucken.  

Die Cannabis-Propaganda warnte vor den Gefahren des Cannabis-Konsums und behauptete, dass der Konsum übermenschliche Kräfte verleiht. Presseberichte aus der berühmten Reefer-Madness-Ära verkündeten, dass Cannabis-Konsumenten außergewöhnliche Kräfte erlangen, die sie fast immun gegen Kugeln macht. Es erscheint daher naheliegend, dass in dieser Zeit Popeyes Stärke durch Spinat mit Marihuana assoziiert wurde.

Schließlich hat Popeye einen Hund namens „Birdseed“. Die Autoren, die den Hund in dieser Zeit – der Hippiezeit schlechthin – benannt haben, müssen gewusst haben, dass Cannabis-Samen vor ihrem Verbot zur Fütterung von Vögeln verwendet wurden.

Seemänner und Cannabis

Als Seemann könnte man von Popeye erwarten, dass er über exotische Kräuter von weit entfernten Orten Bescheid weiß. Seeleute spielten in den USA und auf der ganzen Welt eine wichtige Rolle bei der Einführung von Marihuana in die Kultur, weil sie Cannabis von ihren Reisen mitbrachten. Natürlich dürfen wir auch nicht vergessen, dass Hanf jahrhundertelang zur Herstellung von Segeln für Boote, Seilen, Landkarten, Logbüchern, Bibeln sowie als Farbe und Lampenöl verwendet wurde.

Es gibt viele Interpretationen des Popeye-Comics; einige davon sind weit von dem entfernt, was die Autoren beabsichtigten. Sie verdeutlichen jedoch Popeyes ikonischen Status in der Cannabis-Gemeinschaft.

Superhelden und Bösewichte

Mitte der 30er-Jahre entstanden kleine Firmen wie All Star Comics, Action Comics und Detective Comics. Die Qualität der Comic-Geschichten wurde besser, und die Autoren und Cartoonisten entwickelten einen charakteristischen Stil, der heutzutage als „amerikanisch“ bezeichnet wird. So entstanden Geschichten über Wissenschaftler, Detektive und attraktive Charaktere mit überragenden Fähigkeiten, die sich daran machten, den Planeten oder ihre Gemeinde vor drohenden großen Katastrophen zu retten.

Das Format des Comics mit Abenteuergeschichten wurde in den 30er- und 40er-Jahren berühmt und gilt seit den 60er-Jahren als beliebtestes Comic-Format in den Staaten. Diese Comics erzählen die Geschichten und Heldentaten von Superhelden, Charakteren mit außergewöhnlichen oder übermenschlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Auch die Universen, in denen sie leben, kommen dabei nicht zu kurz.

Mit der Ankunft von Superman im Jahr 1938 begann der Trend von verkleideten Superhelden mit außergewöhnlichen Kräften und einer doppelten Persönlichkeit. Es war die Geburtsstunde einer goldenen Ära für Comic-Superhelden, die mit dem Wall Street Crash und der Großen Depression zusammenfiel. Der soziokulturelle und politische Kontext, in dem diese Figuren auftreten, ist tief mit ihrer persönlichen Geschichte und dem Ursprung ihrer Superkräfte oder dem ihrer Antagonisten verwoben.

Die neuen „Medikamente“

Das 19. Jahrhundert markierte die Geburtsstunde der „New Drugs“, darunter Morphin (1806), Kokain (1860), Heroin (1883) und Barbiturate (1903). Zu dieser Zeit war der Konsum kleiner Mengen solcher Substanzen (einschließlich Cannabis) legal und ziemlich verbreitet. Viele wurden täglich eingenommen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich das Bild in den USA gekehrt. Eine moralische Welle sozialer und gesetzlicher Reformen überschwemmte das Land. Das Resultat: ein weltweiter Kreuzzug zur Ausrottung von Drogen. Die Prohibition von Drogen begann 1906, als der amerikanische Gesetzgeber ein erstes Gesetz, den „Pure Food and Drug Act“, verabschiedete, um den Verkauf von Kokain, das zunehmend missbraucht wurde, zu kontrollieren. Wenig später trat 1909 der „Opium Exclusion Act“ in Kraft, gefolgt vom „Harrison Narcotics Tax Act“ im Jahr 1914.

Diese Gesetzesänderungen führten zu einem enormen Preisanstieg bei all den oben erwähnten Substanzen, was dem illegalen Handel in die Hände spielte. In den 30er-Jahren startete die Firma DuPont eine PR-Kampagne gegen Hanf. In seinem Buch „The Emperor Wears No Clothes“ behauptet Jack Herer, dass das einzige Ziel der Kampagne darin bestand, die Kultur und den Anbau von Hanf zu verunglimpfen und zu verbieten. Offenbar sollte damit die Verwendung von Nylon in der Textilindustrie gefördert werden. Die Kampagne gipfelte 1931 im „Marijuana Tax Act“, der Cannabis-Konsumenten kriminalisierte.

2. Superman

Werfen wir nun einen Blick auf den Superhelden schlechthin: Superman, der 1938 seinen ersten Auftritt hatte. Er stammt aus der Feder des amerikanischen Schriftstellers Jerry Siegel und des kanadischen Künstlers Joe Shuster. Superman ist eine fiktive Figur, angelehnt an die Helden der traditionellen Mythologie. Er will die Krankheiten der Gesellschaft heilen, bekämpft die Tyrannei und setzt sich für soziale Gerechtigkeit ein.

Superman, der Mann aus Stahl, bezieht seine Superkräfte von seinem Geburtsort, dem Planeten Krypton. Trotz seiner Superkräfte hat Superman eine Achillesferse: Er ist anfällig für grünes Kryptonit (1943), eine Art mineralischer Abfall von Krypton, der von den gleichen Kräften, die den Planeten zerstörten, in radioaktives Material umgewandelt wurde.

Die Strahlung des Kryptonits zerschlägt Supermans Kräfte und lässt ihn erstarren, was zu starken Schmerzen und Übelkeit führt. Bei längerer Einwirkung kann sogar der Tod eintreten.

Blei blockiert die Strahlung und ist die einzige Materie auf der Erde, die Superman vor Kryptonit beschützt. Es ist die einzige bekannte Substanz, die Superman mit seinem Röntgenblick nicht durchschauen kann. Obwohl grünes Kryptonit die häufigste Form ist, haben die Drehbuchautoren im Laufe der Jahre viele Sorten eingeführt: rot, gold, blau, schwarz und weiß, jede mit ihrer eigenen spezifischen Wirkung.

Kryptonit und Metamphetamine

Zwischen Kryptonit und Methamphetamin lassen sich eindeutige Parallelen ziehen. Ein häufig verwendetes, wenn auch illegales Verfahren zur Herstellung dieser Droge verwendet Bleiacetat als chemischen Reaktionspartner. Verunreinigungen mit Blei sind eine häufige Folge, die in dem Zusammenhang auftreten kann. Bei Süchtigen, die Metamphetamin injizieren, kann es zu schweren Bleivergiftungen kommen.

In den 30er-Jahren war der Konsum von Aminen weit verbreitet. Dabei handelt es sich um Stimulanzien des Nervensystems, die viel aktiver und billiger sind als Kokain. Amphetamin, Dextroamphetamin und Methamphetamin sind nur einige wenige Amine, die in jeder Apotheke erhältlich waren. Sie wurden als Mittel gegen verstopfte Nasen, Reisekrankheit, Fettleibigkeit, Depressionen und Überdosierungen von Hypnotika verkauft.

Die euphorisierende Wirkung der Amine machte sie zum vermeintlich besten Mittel gegen Depressionen. Tausende von Soldaten begannen, Amphetamine in großen Mengen zu konsumieren. Amphetamine zügelten mehrere Tage lang den Appetit, stoppten die Übelkeit und sorgten dafür, dass die Soldaten nicht müde wurden.

Diese Substanzen bestehen aus kleinen Kristallstücken und obwohl sie normalerweise weiß sind, können sie auch andere Farbtöne haben. Sie werden als „Ice“ (Eis) bezeichnet. Der Missbrauch dieser Substanzen kann zu einer fortschreitenden und ernsthaften Verschlechterung des Gesundheitszustands führen. Dazu gehört, dass die dopaminproduzierenden Gehirnzellen geschädigt werden und sich die Menge des produzierten Dopamins verringert.

3. Mandra, der Zauberer

Bei dieser Comicfigur ist die Verbindung zu Drogen viel deutlicher. Mandra, der Zauberer (Originaltitel: Mandrake the Magician) ist eine Comicserie, die 1934 von Lee Falk und Phil Davis geschaffen wurde.

Mandra ist ein Illusionist mit einer schnellen und effektiven Hypnosetechnik. Er kämpft gegen Kriminelle und Gangster und tut so, als wären seine Arme Schlangen oder Feuerbolzen. Der englische Originalname „Mandrake“ ist der Name einer Pflanze, die auch als Mandragora bzw. Alraune bekannt ist und zur Gattung der Nachtschattengewächse gehört.

Seit jeher werden die Wurzeln der Pflanze für magische Rituale verwendet. Die Alraune ist sehr giftig und sowohl Mandragora autumnalis als auch officinarum können die Haut durchdringen. Beim Umgang mit diesen Pflanzen besteht die Gefahr von Schwindel, Herzrasen und Atembeschwerden.

Die Pflanze hat in vielen Legenden eine Rolle gespielt. Heutzutage wird sie als Droge verwendet, wenn sie ausgehärtet ist allerdings auch als Küchengewürz. Die Alraune enthält Alkaloide wie Atropin und Scopolamin und wurde früher als Narkosemittel verwendet.

Nicht-synthetische Drogen wie die Alraune und synthetische Drogen spielen also nicht nur in Superman eine Rolle.

4. Batman

1939 war die Geburtsstunde eines neuen Superhelden, der von Bob Kane und Bill Finger erschaffen wurde. Sein Name: Batman. Bei dieser Figur handelt es sich um den menschenfreundlichen Millionär Bruce Wayne, der über unglaubliche Fähigkeiten als Detektiv verfügt und sich als Fledermaus verkleidet, um seine Identität zu verbergen.

Das auffälligste Merkmal von Batman liegt darin, dass er keinerlei Superkräfte besitzt. Er nutzt seine Intelligenz, um Waffen und Werkzeuge zu erschaffen, die ihm bei der Verbrechensbekämpfung helfen.

5. Joker

Einige Jahre später erscheint sein erster Erzfeind und Antagonist: der Joker. Der von Jerry Robinson geschaffene Joker ist ein intelligenter Psychopath, krankhaft verdreht und sadistisch. Der Joker verwendet viele verschiedene giftige Substanzen, um seine Opfer zu erledigen und sie lachend zu töten.

Er setzt eine eigene Joker-Giftmischung ein, die einen anaphylaktischen Schock verursacht und seinen Opfern ein groteskes Lächeln aufs Gesicht zaubert.

Die giftigen Gase, die der Joker verwendet, könnten im übertragenen Sinne für den Einsatz von Drogen als chemische Waffen stehen. Der Joker ist einer der einflussreichsten Bösewichte in der Geschichte der Comics und sowohl für Helden als auch Bösewichte eine Bedrohung. Er ist einer der unheimlichsten und gefährlichsten Antagonisten im gesamten Universum der DC Comics.

Beginn des Zweiten Weltkriegs

Auch die in den 30er-Jahren geborenen Superhelden wurden während des Zweiten Weltkriegs in den Militärdienst einberufen. Als Instrument der politischen Propaganda dienten sie dazu, die Bevölkerung in Zeiten des Konflikts zu motivieren. 

Die beiden bedeutendsten Comic-Unternehmen der USA, DC Comics und Marvel Comics, mussten ihre Themen und Geschichten neu ausrichten. Die Superhelden kämpften fortan nicht mehr gegen Mafiabosse, sondern gegen Nazis und Japaner.

6. Captain America

Schon bevor die USA in den Konflikt eintrat, bekennte sich Captain America als echter Patriot gegen die Nazis. Dies wurde schon in der allersten Ausgabe deutlich, in der Captain America Adolf Hitler verprügelt. Die von Jack Kirby und Joe Simon für Marvel Comics geschaffene Figur erscheint 1941, wenige Monate nach Kriegsbeginn.

Captain America heißt eigentlich Steve Rogers. Er möchte der Armee beitreten, wird aufgrund seiner schwachen Konstitution aber abgelehnt. Seine letzte Chance, in die Streitkräfte einzutreten, besteht darin, sich als Freiwilliger für ein Regierungsprojekt zur Verfügung zu stellen. Darin verwandelt er sich in einen Supersoldaten mit überdurchschnittlicher Kraft und Intelligenz.

Die Substanz, die ihn in einen Supersoldaten verwandelt, ist ein mysteriöses Serum, das oral und intravenös verabreicht wird. Später wird das Serum mit „Vita-Rays“ kombiniert, die ihm den perfekten Athleten-Körperbau verleihen. Es lassen sich Parallelen zu Steroiden und Anabolika ziehen – synthetische Substanzen, die das Wachstum der Skelettmuskulatur und den Anabolismus anregen.

Diese Substanzen wurden gegen Ende der 30er-Jahre entwickelt und obwohl sie weder betäubend noch psychotrop sind, werden sie oftmals missbraucht – sei es aus ästhetischen Gründen, zu Erholungszwecken oder für den Wettkampf.

7. Vogelscheuche

Die Vogelscheuche (Originaltitel: The Scarecrow) ist ein Superschurke, der im Herbst 1941 zum ersten Mal auftaucht und aus der Feder von Bob Kane und Bill Finger stammt. Sein Alter Ego ist Dr. Jonathan Crane, ein Psychologieprofessor mit guten Kenntnissen in Biochemie. Er wird zum Verbrecher, nachdem er wegen einem psychologischen Experiment entlassen wurde. Darin schoss er in einer Klasse voller Studenten Kugeln in die Luft, um einer seiner Theorien zu demonstrieren.

Er nutzt eine Reihe von Drogen und psychologischen Taktiken, um die Ängste und Phobien seiner Feinde auszunutzen. Mit seiner Vogelscheuchen-Verkleidung will er seine Gegner verängstigen. Die Vogelscheuche reiht sich nahtlos in die Galerie der Batman-Schurken ein.

Er hat keine Superkräfte. Stattdessen verabreicht er seinen Opfern ein Gift, genauer genommen ein Psychotropikum, wodurch seine Opfer ihre größten Ängste visualisieren. Sie sind machtlos gegen seine Angriffe.

Psychopharmaka sind chemische Substanzen, die mentale Prozesse beeinflussen. Sie wirken auf das zentrale Nervensystem und können vom Bewusstsein über das Verhalten bis hin zur Wahrnehmung alles verändern.

Die Einführung von synthetischen Halluzinogenen begann 1943, als Albert Hofmann mit der Einnahme von LSD (Lysergsäurediethylamid) experimentierte. 1938 hat er die Substanz bei der Untersuchung von Mutterkorn selbst synthetisiert und daraufhin seine psychologische Wirkung beschrieben.

Fünfzehn Jahre später, 1958, isolierte Hofmann Psilocybin und Psilocin, die beiden psychoaktiven Inhaltsstoffe des „Zauberpilzes“ Psilocybe Mexicana. 1948 begann der Boom der Psychopharmakologie, der bis heute anhält. Sie ging mit einer Veränderung in der Behandlung von psychisch Kranken einher.

In den 50er-Jahren war der Konsum von Drogen auf Randgruppen der Gesellschaft beschränkt. In den Staaten wurden Drogen typischerweise mit Menschen in Ghettos und Jazzmusikern assoziiert. Mit anderen Worten: Drogen waren etwas für die Ausgestoßenen der Gesellschaft.

In den 60er-Jahren änderte sich die Situation: Drogen erreichten weitere Teile der Gesellschaft. Menschen versuchten, höhere Bewusstseinszustände oder eine erweiterte Wahrnehmung der Realität zu erreichen.

Die Entdeckung neuer Drogen trug zu deren Verbreitung bei. Der Forscher R. Gordon Wasson und sein Fotograf Allan Richardson waren die ersten Ausländer, die in Mexiko halluzinogene Pilze einnahmen. Später ebnete Carlos Castaneda mit seinen anthropologischen Untersuchungen den Weg zu den Entheogenen.

8. Spiderman

Stan Lee gab zu, als Teil seines kreativen Prozesses regelmäßig Cannabis zu konsumieren. 1962 erschuf er, gemeinsam mit Steve Ditko, eine der innovativsten Figuren der Comic-Geschichte. Als Spiderman in den 60er-Jahren zum ersten Mal erschien, waren junge Figuren in Comics immer in die „Kumpelrolle“ des Helden verbannt worden. Stan Lee brach mit dieser Tradition.

Viele Leser konnten sich sofort mit Peter Parker, einem intelligenten Teenager und Spidermans Alter Ego, identifizieren, da er schüchtern ist und sich nur schwer an andere Jugendliche in seinem Alter anpassen kann. Seine Spinnenkräfte erhält Peter Parker durch den Biss einer radioaktiven Spinne, die dem Medikament „OZ“ ausgesetzt war, einem Steroid, das injiziert und durch die Haut absorbiert wird.

Keine andere Comic-Reihe war 1971 bei jungen Menschen so populär wie Spiderman. Deshalb machte der Präsident des US-Ministeriums für Gesundheit, Bildung und Soziales Stan Lee ein Angebot: Er wollte einen Spiderman-Comic veröffentlichen, der vor Drogen warnt. Stan Lee akzeptierte und veröffentlichte eine Trilogie, in der Drogen auftauchten und Harry Osborn, Peter Parkers bester Freund, als LSD-Süchtiger inszeniert wurde.

9. Hulk

1962 erschien Hulk (Originaltitel: The Hulk) zum ersten Mal. Es handelt sich um eine weitere von Lee und Kirby geschaffene Figur. Der Wissenschaftler Robert Bruce Banner hat von seinem Vater Mutanten-Gene geerbt, die die Grundlage für die angeborenen Eigenschaften von Hulk bilden.

Jahre später, als Bruce eine seiner neuesten Erfindungen, die Gamma-Bombe, ausprobiert, kommt es zu einer Explosion. Er wird voll der Strahlung ausgesetzt. Durch die tödliche Einwirkung der Gammastrahlen in Verbindung mit der Aktivierung der Mutanten-Gene bzw. Nanomeds, kann sich Bruce in Hulk verwandeln.

Die Geschichte des unglaublichen Hulk ist direkt inspiriert von „The Strange Case of Dr Jekyll and Mr Hyde“ (1886). Sie erforscht die Dichotomie zwischen Dr. Banners hochentwickeltem Intellekt und dem einfachen und emotionalen Verstand des Hulk. Wie in Robert Louis Stevensons Roman existieren das Gute und das Böse in ein und derselben Person. Die Idee für den Roman kam Stevenson nach einem Albtraum, den er unter dem Einfluss von Kokain hatte. Er schrieb den gesamten Roman in sechs Tagen.

In den ersten Geschichten findet die Verwandlung nur bei Mondschein statt. Im weiteren Verlauf der Serie taucht Hulk hauptsächlich durch Wut, Aufregung und Angst auf – Zustände, die möglicherweise durch Drogenmissbrauch verursacht werden.

Hulk ist ein Monster mit übermenschlichen Kräften. Er wird immer wieder von der Armee verfolgt und angegriffen. Seine Transformation ist gefährlich, genau wie der Missbrauch von Drogen und die damit verbundene Verfolgung durch die Strafverfolgungsbehörden. Es lassen sich Parallelen erkennen zum Kreuzzug gegen Drogen.

10. Daredevil

Daredevil, der Mann ohne Furcht, ist einer der beliebtesten Charaktere von Marvel. Er wurde 1964 von Stan Lee und Bill Everett erschaffen. Nachdem er in jungen Jahren bei einem Unfall sein Augenlicht verloren hat, entwickeln sich Daredevils vier verbleibende Sinne durch Strahlung auf ein übermenschliches Niveau.

Trotz seiner Blindheit benutzt er eine Art Radar, ähnlich dem von Fledermäusen, die als Echoortung bezeichnet wird. Er hat ein überragendes Gehör mit dem er anhand von Schwankungen des Herzschlags erkennen kann, ob Menschen die Wahrheit sagen oder lügen. Sein Tastsinn ist ausgeprägt und er ist übermenschlich stark. Sobald er Tastsinn und Echoortung kombiniert, verwandelt sich seine Keule in eine schreckliche Waffe.

All diese Eigenschaften erinnern an die Erfahrung des Konsums von psychedelischen Substanzen. Die Erforschung psychedelischer Substanzen begann 1897, als es dem deutschen Chemiker Arthur Heffter gelang, Meskalin zu isolieren, ein Psychotropikum und psychoaktive Substanz des Peyote. Meskalin verändert die mentalen Prozesse des Gehirns und die Wahrnehmung des Geistes. Psychedelische Substanzen können dabei helfen, das ungenutzte Potenzial des menschlichen Geistes zu erschließen und zu entwickeln.

Besonders populär waren psychedelische Substanzen in den 60er- und Anfang der 70er-Jahre. Drogen wie LSD waren ein zentraler Bestandteil der Hippie-Subkultur in Westeuropa und den Vereinigten Staaten.

11. X-Men

Die X-Men sind ein Team von Superhelden aus dem Marvel-Universum, das wiederum von Lee und Kirby geschaffen wurde, und zwar im Jahr 1964. Es geht um einen behinderten Charakter, Charles Xavier, der an den Rollstuhl gefesselt ist, aber über einen extrem starken Geist verfügt. Er ist ein Mutant mit außergewöhnlichen telepathischen Fähigkeiten. Bei einem Mutanten handelt es sich um einen Organismus (meist ein Mensch), der ein genetisches Merkmal namens „Gen-X“ besitzt. Dadurch entwickelt der Mutant auf natürliche Weise übermenschliche Kräfte und Fähigkeiten.

Charles Xavier gründet eine Schule für begabte Jugendliche, die als Deckmantel dient, um ihre Identitäten geheim zu halten. Die Gesellschaft betrachtet sie mit Angst und Hass und antwortet mit Gewalt. Diese Charaktere repräsentieren die diskriminierten Minderheiten in den Vereinigten Staaten. Wer genauer hinsieht, könnte in Xaviers „Traum“ eine Anspielung auf die berühmte Rede von Martin Luther King „I Have a Dream“ erkennen.

In den X-Men-Geschichten geht es nicht um das Auftauchen bestimmter Substanzen. Vielmehr geht es um die Rolle von harten Drogen (wie z. B. Opiate) in den gegenkulturellen Bewegungen der Zeit. Harte Drogen wurden damals viel weniger konsumiert als weiche Drogen.

12. Black Panther

In dieser Zeit wurde die schwarze Gemeinschaft mit dem Konsum und Handel von Heroin in Verbindung gebracht. Im Jahr 1967 beschuldigten Mitglieder der Black Panther Party in Detroit mehrere Heroinhändler, die Droge an Mitglieder ihrer Organisation zu verkaufen. Die Black Panther Party kämpfte gegen den Drogenhandel in den Armenvierteln. Sie glaubten, dass Heroin die Bevölkerung auf sozialer Ebene mehr demoralisierte als die Armut selbst.

Einige Händler, die Drogen an die schwarze Bevölkerung verkauften, waren verdeckte FBI-Agenten. Diese Agenten beteiligten sich an einer strategischen Operation gegen die Black Panther, bei der es um die Entpolitisierung der sozialen Bewegung der afroamerikanischen Bevölkerung ging.

Im Jahr 1966 erscheint Black Panther: ein Marvel-Superheld, der von Stan Lee und Jack Kirby erschaffen wurde und zum ersten Mal auf den Seiten der Ausgabe 52 der Fantastischen Vier (Originaltitel: The Fantastic Four) auftauchte. Es handelt sich um den ersten schwarzen Superhelden der Comic-Geschichte. Der Charakter wurde allerdings vor der Black Panther Party geschaffen, die im Oktober desselben Jahres gegründet wurde. Im Laufe der Zeit sind neue schwarze Comicfiguren ins Rampenlicht getreten.

Heute

Wir schreiben das Jahr 2021, haben mehrere Jahrzehnte und viele Comicfiguren übersprungen. Leider geht der Krieg gegen Drogen weiter. Die Schlacht ist längst verloren und erfordert neue Lösungsansätze.

Der Gebrauch von Substanzen lässt sich mit Gewalt nicht stoppen. Die Natur und Geschichte des menschlichen Verhaltens und die therapeutischen Grundlagen der medizinischen Wissenschaft müssen in die Diskussion einfließen.

Die Comic-Industrie kämpft im 21. Jahrhundert weiterhin um den Status, den sie verdient. Sie tut dies mit der Unterstützung ihrer treuen Fans, die zahlreicher sind, als manche denken. Wer glaubt, dass Comics nur Bücher mit Bildern sind, irrt gewaltig. Wir hoffen, dass dieser Artikel dazu beigetragen hat, das Bewusstsein für die Bedeutung der Comics zu schärfen.

Haben wir irgendwelche Comicfiguren vergessen? Wer hätte unbedingt erwähnt werden müssen? Lassen Sie es uns unten in den Kommentaren wissen!   

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