by Sylent Jay on 15/01/2014 | Cannabis Aktuelles

2014 – Cannabis in Frankreich: eine Übersicht

In Bezug auf medizinischen Cannabis wurde jetzt offiziell bekanntgegeben, dass Sativex, ein von Cannabis abgeleitetes Medikament, das bereits in vielen Ländern erhältlich ist, am 8. Januar 2014 die bekam, um auf dem französischen Markt eingeführt zu werden. Damit wurde endlich die wichtigste der zahlreichen behördlichen Hürden überwunden, die der Markteinführung dieses Produkts lange Zeit im Wege standen.


Die Legalisierung von Cannabis ist in Frankreich offenbar wenig populär. Obwohl die aktive französische Cannabisszene zahlreiche lokale, nationale und globale Unternehmen umfasst – die im übrigen Europa wohlbekannt sind -, wird diesen in der traditionellen Presse kaum Beachtung geschenkt.

Im November 2013 ergab eine Meinungsumfrage des CSA-Instituts (Conseil, Sondage et Analyse – Beratung, Umfrage und Analyse), dass 63 % der Franzosen gegen die Entkriminalisierung von Cannabis waren, während sich erwartungsgemäß 51 % der Bevölkerungsgruppe „unter 35 Jahren“ dafür aussprachen. Das sind doch recht enttäuschende Zahlen, weil sie dem berühmten Klischee des „Lebens wie Gott in Frankreich“ zu widersprechen scheinen – der typische Franzose soll ja ein gutes Gläschen Wein und eine Zigarette sehr zu schätzen wissen.

2015 wird Sativex auf den Markt kommen

1In Bezug auf medizinischen Cannabis wurde jetzt offiziell bekanntgegeben, dass Sativex, ein von Cannabis abgeleitetes Medikament, das bereits in vielen Ländern erhältlich ist, am 8. Januar 2014 die bekam, um auf dem französischen Markt eingeführt zu werden. Damit wurde endlich die wichtigste der zahlreichen behördlichen Hürden überwunden, die der Markteinführung dieses Produkts lange Zeit im Wege standen. Das Admirall-Labor übernimmt die Kosten für die Markteinführung. Es muss nun entscheiden, ab wann das Produkt auf Rezept erhältlich sein wird. In Übereinstimmung mit der Politik in anderen Ländern, in denen das Mundspray verkauft wird, soll es nur Multiple-Sklerose-Patienten verschrieben werden, und zwar ausschließlich von Fachärzten. Aber zum Leidwesen der Patienten, die seit Langem auf das Medikament warten, wird es wahrscheinlich erst ab 2015 erhältlich sein.

Politisches Durcheinander

Dennoch ist die Einführung von Sativex eine tolle Neuigkeit, sowohl für Multiple-Sklerose-Patienten als auch für die französische Cannabisgemeinschaft. Die Genehmigung des Medikaments ist eine direkte Folge der Legalisierung von Cannabisderivaten, die im Juni 2013 ohne großes Aufhebens stattgefunden hat. Nur wenige Regierungsmitglieder haben sich zu dieser einschneidenden Veränderung in den französischen Gesetzen für weiche Drogen geäußert; das war jedoch nicht immer so.

Denn die Vertreter verschiedener Parteien – zumeist Liberale oder grüne Parteien – haben sich in allgemeinen Erklärungen schon seit Jahrzehnten für eine generelle Notwendigkeit zur Legalisierung von Cannabis ausgesprochen. Hierfür wurden zahllose Argumente angeführt, vor allem im Hinblick auf die internationale Tragweite des Problems. So gab man zum Beispiel zu bedenken, dass die Aufhebung des Verbots der weichen Drogen zum Verschwinden des Schwarzmarktes beitragen würde, der für die Wirtschaft, Gesellschaft und die Volksgesundheit dramatische Folgen habe.
Es gab in Frankreich also viele liberale Politiker, die sowohl die Regierung als auch die öffentliche Meinung zu beeinflussen versuchten, um auf Tatsachen hinzuweisen, die das Image von Cannabis in Frankreich verändern könnten. Doch mit Ausnahme von Noël Mamère (früher Mitglied der “Grünen”), der dieses Thema zu einem seiner Programmpunkte für die Präsidentschaftswahlen 2002 gemacht hatte, haben nur wenige Politiker die ihnen gebührende Aufmerksamkeit erhalten.

Ein breites Echo in den Medien fanden lediglich die Legalisierungsbefürworter unter den Ministern oder Politikern, die als populär genug eingeschätzt wurden.  Danach wurden sie allerdings von ihren Parteien und in manchen Fällen sogar von der höchsten Regierungsebene zurückgepfiffen.
Ende 2012 haben sowohl die Wohnungsbauministerin Cécile Duflot als auch der Bildungsminister Vincent Peillon in Erklärungen “dringend gebeten”, Cannabis per Gesetz zu entkriminalisieren – nach vielen anderen Ministern, die das Thema bereits zur Sprache gebracht und die Gelegenheit genutzt hatten, ihre Standpunkte erneut zu bekräftigen. Doch die Freude war von kurzer Dauer, da die Betroffenen schon am nächsten Tag wegen ihrer jeweiligen Äußerungen vom Premierminister zur Rechenschaft gezogen wurden. Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault sagte, es könne “keine Rede davon sein, dass Cannabis per Gesetz entkriminalisiert wird”, und er fügte gleich hinzu, dass “es daher keinen Grund für Diskussionen gibt“. Die Erklärung, dass das Thema offiziell “beendet” und in die Sphäre der politischen Tabus in Frankreich verbannt sei, ist ein beispielloser Euphemismus.

Der Bürgermeister der Stadt Sevran, Stéphane Gatignon, hat sich für verschiedene Dinge ausgesprochen, die die Vororte grundlegend beeinflussen können, unter anderen für die Legalisierung von Cannabis. Er hofft, damit die Probleme des lokalen Drogenhandels zu beheben.
Der Bürgermeister der Stadt Sevran, Stéphane Gatignon, hat sich für verschiedene Dinge ausgesprochen, die die Vororte grundlegend beeinflussen können, unter anderen für die Legalisierung von Cannabis. Er hofft, damit die Probleme des lokalen Drogenhandels zu beheben.

Seither hat es den Anschein, als ob – in Befolgung der Anweisungen Ayraults, die “Minister sollten sich auf die ihnen zugewiesene Aufgabe konzentrieren” – lediglich die Hinterbänkler des Parlaments noch den Mut haben, die heikle Angelegenheit anzuschneiden.

Was will das Volk?

Obwohl der Generationskonflikt über die heilsamen und negativen Wirkungen von Cannabis noch nicht ausgestanden ist, wie die oben genannte Umfrage des CSA-Instituts offenbar ergeben hat, ist es sowohl für die Wirtschaft als auch für die Bürger schwierig, sich nicht von der Cannabis-Lokomotive und deren Heilmittelwaggons mitreißen zu lassen.

Die “Espace Eco-Chanvre”, im Dezember 2013 eingeweiht, wurde komplett aus Hanfbeton gebaut und empfängt alle Akteure der Hanfindustrie.
Die “Espace Eco-Chanvre”, im Dezember 2013 eingeweiht, wurde komplett aus Hanfbeton gebaut und empfängt alle Akteure der Hanfindustrie.

Viele Branchen in Frankreich sind nämlich sehr an den „neuen“ Perspektiven interessiert, die der Hanf vor allem der Bau-, Textil- und Lebensmittelindustrie sowie der Landwirtschaft bietet. Im November 2013 hat Sensi Seeds über eine Initiative berichtet, die von einigen lokalen Behörden ausging und sich über mehrere Regionen erstreckte. Die Initiative sah vor, auf einem bestimmten Areal Hanf zu züchten. Vergleichbare Projekte gab es bereits in zahlreichen anderen Regionen, und daraus entwickelten sich weitere Projekte. So entstand 2013 in Frankreich eine Hanfanbaufläche von insgesamt 12.000 Hektar, verglichen mit einer Gesamtfläche von 15.000 Hektar in ganz Europa (Quelle: Fédération Nationale des Producteurs de Chanvre – nationaler Hanfzüchterverband).
In Bezug auf Vereinigungen und gemeinnützige Organisationen wurden in dem oben genannten Artikel auch kulturelle Initiativen in der Bretagne erwähnt, die sowohl für einheimische als auch für ausländische Besucher bestimmt waren. Nun geht es um die Weiterbildung der professionellen französischen Hanfzüchter zur Optimierung der „Hanfkette“ in Frankreich, sodass diese Kette der wachsenden Nachfrage nach Materialien auf Hanfbasis gerecht werden kann. Im Jahr 2013 wurden daher viele Informationsplattformen für Züchter der “Hanfkette” gegründet, insbesondere l’Espace Eco-Chanvre in der Bretagne und 3CA in der Champagne-Ardenne.

Die nach wie vor bestehende Kluft zwischen Hanf und Cannabis ist schnell vergessen, wenn es um Aspekte der Ernährung geht oder – in noch stärkerem Maße – um Kosmetik. Die Legalisierung von Cannabis ist ein großes Thema; eines der Stichwörter, die in den vergangenen Jahren am häufigsten in die Suchmaschinen (wie Google, Yahoo, etc.) eingegeben wurden. Ein toller Erfolg, zu dem auch Frankreich beigetragen hat.
Internetbenutzer oder Marketingprofis, die für das Produktsortiment auf Hanfbasis werben wollen, scheuen sich denn auch nicht mehr, die früher unter dem Deckmantel der erzieherisch motivierten Zurückhaltung gefürchteten Begriffe „Cannabis“ und „Marihuana“ zu verwenden. Eine scheinbar unwichtige Veränderung, die für die französische Gesellschaft jedoch sehr bedeutsam ist. Es ist noch gar nicht lange her, da war die folgende zögernde Formulierung „Aber Hanf dagegen? … Nein?” (“Mais en fait, le chanvre?…Non?”) die einzige Möglichkeit, den Gesprächspartner auf politisch korrekte Weise um eine klarere Antwort zu bitten.

Der Gebrauch von “politisch korrekten Formulierungen“ mag ja eine vielversprechende Zukunft haben, aber der aufmerksame Beobachter kann nicht umhin zu bemerken, dass der Satz “Der Fortschritt lässt sich nicht aufhalten” ebenfalls eine rosige Zukunft zu haben scheint, ungeachtet aller Verbote der Machthaber. Somit hat die französische Cannabisgemeinschaft einen ersten wichtigen Erfolg errungen. Früher oder später wird sie wahrscheinlich doch erleben, dass der Cannabiskonsum per Gesetz entkriminalisiert oder legalisiert wird, einfach deshalb, weil sich der gesunde Menschenverstand und auch der medizinische Fortschritt auf Dauer nicht aufhalten lassen.

Wie gewöhnlich wird Sensi Seeds die Entwicklung von Cannabis in Frankreich auch weiterhin im Auge behalten. Das Unternehmen stellt erfreut fest, dass langsam, aber sicher Bewegung in die Sache kommt.

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.
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