by Martín Barriuso on 23/03/2017 | Konsum

BHO und die Minimierung von Risiken

BHO Cannabisextrakte, vor allem mit Gas hergestellte Extrakte wie BHO, bringen eine Reihe von Gesundheits- als auch Sicherheitsrisiken mit sich. Das Verlangen nach einer Risikominimierung auf diesem Gebiet zwingt uns zum Nachzudenken über zulässige Extraktionstechniken und über die Wirkung auf die Gesundheit der Konsumenten, sodass eine spezifische Regulierung für diese Extrakte entwickelt werden kann.


Cannabisextrakte werden immer populärer. Aber sowohl ihre Wirkungen als auch ihr Herstellungsprozess weisen Besonderheiten auf, die sie vom Konsum der eigentlichen Pflanze unterscheiden: Unfallgefahr, Verunreinigungen, das Risiko einer Überdosis etc.. Zur Minimierung von Risiken erscheint es als notwendig, über diese Themen nachzudenken, um eine Regulierung vorzuschlagen, die die Sicherheit und Gesundheitsverträglichkeit dieser Extrakte gewährleisten kann. Dieser Artikel enthält einige Vorschläge dazu.

BHO und die Minimierung von Risiken

In den letzten Jahren haben Cannabisextrakte einen regelrechten Boom erfahren. Über das traditionelle Haschisch, Cannabis-Öl oder alkoholische Tinkturen hinaus haben sich die Möglichkeiten geradezu unglaublich erweitert. Der Star unter den neuen Methoden ist wohl die Extraktion mit Gas (vor allem mit Butan-, aber auch mit Propangas). So treffen wir auf nahezu jedem Cannabis-Event, das wir besuchen, einen Workshop zur Herstellung von BHO (Butane Hash Oil oder Butane Honey Oil, d. h. Haschischöl aus einer Extraktion mittels Butangas). Und wenn wir zu einem Cannabis-Cup gehen, finden wir jedesmal mehr Extrakte vor, unter denen das BHO allein schon wegen seiner Menge hervorsticht.

Dieser Boom an Extrakten im Allgemeinen und an Gasextrakten im Besonderen stellt uns aus Sicht der Risiko- und Schadensminimierung vor eine Reihe von Herausforderungen, sowohl bei der Art und Weise der Herstellung als auch bei den Wirkungen des Konsums, vor allem, wenn dieser regelmäßig erfolgt. Daher sehen wir die Notwendigkeit, nicht nur einige Vorsichtsmaßnahmen von den Nutzern zu verlangen, sondern auch die Produktion und den Vertrieb dieser Extrakte zu regulieren, damit durch die festgesetzten Einschränkungen und Kontrollen größere Schäden vermieden werden.

Das Spiel mit dem Feuer

Eines der größten Risiken von BHO besteht in möglichen Unfällen bei seiner Herstellung. Der Einsatz von N-Butangas stellt eindeutig ein Explosionsrisiko dar. Wird die Extraktion in einem geschlossenen Raum ohne Luftzufuhr durchgeführt, kann jeder Funke eine Katastrophe auslösen. In Spanien gab es bereits derartige Vorfälle, wie etwa beim Grow-Shop Cañaman in Madrid, wo 2013 eine Gasexplosion mehrere Menschen schwer verletzte. Obwohl die Verantwortlichen des Shops stets beteuert haben, dass sie gerade dabei waren, Feuerzeuge aufzufüllen, glaubt fast jeder, dass sie angesichts der Ausmaße der Verpuffung wahrscheinlich dabei waren, eine BHO-Extraktion durchzuführen.

Zur Vermeidung solcher Unfälle werden in verschiedenen Zeitschriften und Websites eine Reihe von Tipps gegeben, die man in den folgenden wichtigsten Punkte zusammenfassen kann:

  • Den Vorgang keinesfalls in geschlossenen Räumen durchführen, sondern immer im Freien.
  • Während des Vorgangs nicht rauchen und keine Flamme entzünden.
  • Einen Ventilator mit Rotorblättern aus Plastik verwenden, um die während der Verdampfung des Gases erzeugten Dämpfe zu beseitigen. Zum Absaugen der Gase niemals einen Staubsauger verwenden, da dessen Stromverbindung Funken auslösen kann.
  • Einen Feuerlöscher in der Nähe haben sowie eine Decke, um mögliche Flammen zu ersticken.
  • Keine synthetische Kleidung tragen. Stattdessen besser Leinen oder Baumwolle, da synthetische Gewebe kleine Funken erzeugen können.

Ein weiterer nützlicher Tipp, obgleich er nichts mit dem Explosionsrisiko zu tun hat, ist die Benutzung von Sicherheitshandschuhen, da durch das Gas, das durch den bei der Extraktion verwendeten Schlauch geführt wird, dieser gefrieren und Kälteverbrennungen an den Händen verursachen kann.

Das andere wesentliche Risiko im Zusammenhang mit dem Extraktionsvorgang ist die Möglichkeit, dass Reste von Butangas im Extrakt verbleiben können, was für den Konsumenten ein Vergiftungsrisiko darstellt. Um dies zu vermeiden, muss der Extrakt bis zur Beseitigung aller eventuellen Butan-Reste belüftet werden, was einiges an Sachkenntnis erfordert. Klar ist, dass Extraktionen mit Butangas nicht von jedem durchgeführt werden dürfen, zumindest wenn wir ein Minimum an Sicherheit wollen.

Sind Extrakte das „Cannabis-Crack“?

Es gibt einen zweiten Risikoaspekt im Zusammenhang mit Cannabisextrakten, den wir nicht außer Acht lassen dürfen: Ihre Wirkung auf den Organismus. Diesen Aspekt müssen wir nicht nur bei BHO berücksichtigen, sondern für alle Extrakte mit hohen THC-Anteilen. Im Fall von CBD ist es jedoch anders, da CBD nicht nur keine psychoaktiven, sondern sogar entgegengesetzte Eigenschaften wie THC besitzt.

Jeder Extrakt, der ein Konzentrat der psychoaktiven Wirkstoffe enthält, führt logischerweise zu einer stärkeren Potenz der Substanz und in der Folge auch zu einer stärkeren Wirkung, die zudem in vielen Fällen anders ausfällt. Es ist offensichtlich, dass es viel einfacher ist, sich mit einem destillierten alkoholischen Getränk zu betrinken, wie mit Tequila oder Gin als z.B. mit Bier oder Apfelwein, und dass eine Überdosis dabei wahrscheinlicher ist. Auch ist klar, dass der Kater nicht derselbe ist.

Bei Extrakten mit hohen THC-Konzentrationen gibt es neben der Stärke der Wirkung auch noch einen zweiten Faktor, und das ist ihre Dauer. Um das zu verdeutlichen, kann man einen Vergleich zwischen Kokablättern und Kokain ziehen. Wenn wir Kokablätter zu uns nehmen, nehmen wir das darin enthaltene Kokain graduell auf, so dass die Wirkung nach und nach eintritt und langsam wieder abklingt, was auch daran liegt, dass wir weitere in der Pflanze vorkommende Substanzen aufnehmen, nicht nur das Kokain. Wenn wir Kokain als Extrakt konsumieren, vor allem als Basispaste oder Crack, tritt die Wirkung viel schneller ein und klingt auch schneller wieder ab. Das Hochgefühl und das abrupte Ende provozieren nicht selten einen Rebound-Effekt, sodass Kokain-Konsumenten, vor allem Crack-Raucher, den Konsum öfter wiederholen. Dadurch verabreichen sie ihrem Körper mehr Kokain in viel kürzerer Zeit und vergrößern so das Suchtrisiko, und sie riskieren Überdosen und Nebenwirkungen.

Auch wenn dieses Beispiel nicht vollständig übertragbar ist, so geschieht bei Cannabis doch etwas Vergleichbares. Es ist nicht dasselbe, Cannabis mit einem THC-Anteil von 10 bis 15% zu rauchen oder einen Extrakt mit 95% THC. Aus eigener Erfahrung und nach den zahlreichen Berichten, die ich in den letzten Jahren gehört habe, verursacht der regelmäßige Konsum von hochkonzentrierten Cannabisextrakten eine deutliche Zunahme der im gleichen Zeitraum konsumierten Gesamtmenge an THC und außerdem ein zwanghafteres Konsummuster. Durch den Konsum von BHO und anderen fast reinen Extrakten ist die Wirkung schneller und von kürzerer Dauer. Dem Körper können durch den Konsum von Extrakten so hohe Cannabismengen zugeführt werden, wie es auf anderen Wegen physisch unmöglich wäre. Ich kenne Personen, die bis zu 30 Gramm BHO an einem Wochenende konsumiert haben. Das entspricht mehreren hundert Gramm Cannabis, also eine ungeheure Menge.

Und was passiert, wenn solche THC-Mengen konsumiert werden? Die Wirkung intensiviert sich bis hin zum Auftreten schwerer Probleme. Ich selbst habe erfahrene Cannabis-Konsumenten gesehen, die über Jahrzehnte keine größeren Probleme mit ihrem Konsum hatten, aber nach mehreren Wochen intensivem BHO-Konsum einen psychotischen Schub erlitten. Ich verfüge über keine Statistik, und ich glaube nicht, dass bis jetzt eine seriöse Studie zu diesem Thema durchgeführt wurde, aber es ist klar, dass Extrakte eine Änderung markieren, nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ, hinsichtlich ihrer Wirkung und der damit verbundenen Risiken. Vielleicht ist es übertrieben, von „Cannabis-Crack“ zu sprechen, aber wir können nicht einfach wegsehen und so tun, als wäre nichts gewesen. Man muss die Nutzer warnen, vor allem die unerfahrenen: Cannabis und BHO sind nicht dasselbe, genau wie Bier und reiner Alkohol nicht dasselbe sind.

Daher bedarf es für BHO einer speziellen Regulierung.

Wie könnte in einem Szenario einer Legalisierung von Cannabis die angemessene gesetzliche Regulierung aussehen, um die mit der Produktion und dem Konsum von BHO und anderen Cannabisextrakten verbundenen Risiken zu minimieren?

Zunächst lassen die Risiken im Zusammenhang mit dem Herstellungsprozess (Unfälle aufgrund von falscher Handhabung des Gases und toxische Verunreinigungen des Extrakts) es empfehlenswert erscheinen, die Herstellung und die Vermarktung von Extrakten nur Personen mit einer besonderen Lizenz vorzubehalten. Als Voraussetzung für die Erteilung dieser Lizenz sollte man über Anlagen mit ausreichenden Sicherheitsgarantien sowie über speziell ausgebildetes Personal verfügen. Um Risiken zu minimieren, ist es in Ordnung, Tipps an Personen weiterzugeben, die sich dafür entschieden haben, ihre Extrakte selbst herzustellen. Aber die Konsequenzen aus der Nichtbeachtung dieser Empfehlungen sind zu schwerwiegend, als dass man dies der freien Initiative jedes Betroffenen überlassen darf. Auch die Sicherheit und Gesundheit Dritter wird gefährdet, sodass es empfehlenswert erscheint, dass die Behörden die Einhaltung der erforderlichen Mindeststandards überwachen sollten.

Eine weitere vernünftige Einschränkung wäre die Festlegung einer Höchstgrenze für den THC-Gehalt. Wie bei Alkohol, der in geringer Menge in gegorenen Getränken enthalten sein, aber auch bis zu praktisch hundertprozentiger Reinheit destilliert werden kann, können auch die Hauptwirkstoffe von Cannabis bis ins Extreme konzentriert und raffiniert werden. Und wie bei Alkohol scheint es vernünftig, dass eine Höchstgrenze festgelegt wird, um Risiken wie eine Überdosis, Nebenwirkungen oder eine Abhängigkeit zu reduzieren.

Bei Alkohol haben sich viele Staaten darauf verständigt, den Alkoholgehalt eines Getränks auf 40% zu beschränken. Zwar wird dieser Wert in einigen Fällen auch überschritten. Aber natürlich ist derzeit der Verkauf von fast reinem Alkohol nicht zugelassen, wenn keine Gällstoffe hinzugefügt werden, die seinen Verzehr unmöglich machen. Oder es werden eben sehr hohe Steuern darauf erhoben, um die Leute davon abzuschrecken, diesen Alkohol zu trinken. Angesichts dessen, dass bei Cannabis die Erhöhung des THC-Gehalts ebenfalls die Risiken steigen lässt, sollte eine Regulierung von Cannabis eine spezielle Höchstgrenze für den THC-Gehalt von Konzentraten vorgeben.

Wo sollte diese Höchstgrenze angesetzt werden? Die bei Alkohol festgesetzten 40% sind für Cannabis wohl etwas knapp bemessen, da derzeit bereits Cannabisextrakte mit deutlich höheren Konzentrationen zum Normalfall geworden sind. Allerdings ist offensichtlich, dass Konzentrationen um die 80 bis 90% auch nicht zugelassen werden sollten, weil die Risiken dabei deutlich zunehmen. Daher ist vielleicht eine Grenze von 60% ausreichend und angemessen, auch wenn dies noch weiter diskutiert werden muss.

Es scheint mir sogar unverzichtbar, dass im Herzen der Cannabis-Bewegung und unter den Cannabis-Experten eine Debatte in Gang kommt, um diese Themen zu erörtern. Cannabisextrakte sind dabei, sich überall zu verbreiten. Und es ist wahrscheinlich nötig, jetzt Maßnahmen zu ergreifen, damit uns die Angelegenheit nicht aus den Händen gleitet. Ich hoffe, dass dieser Artikel einen Beitrag zu dieser notwendigen Debatte leisten kann.

Kommentar Abschnitt

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Joh

Sehr, sehr interessanter Artikel Martín!!! Danke dafür

04/08/2017

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.
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