by Seshata on 13/01/2015 | Medizinisch

Die drei wichtigsten Vorteile von Cannabis bei Epilepsie

Epilepsie Epilepsie bezeichnet ein Krankheitsbild, das von wiederkehrenden Anfällen gekennzeichnet ist, die konvulsiver oder nicht-konvulsiver Art sein können. Cannabis und Cannabis-basierte Therapien haben nachweislich vorteilhafte Wirkungen bei mehreren Arten der Epilepsie, was auf mehrere biologische Mechanismen zurückzuführen ist.


Etwa 60 % aller epileptischen Anfälle sind konvulsiv, was bedeutet, dass sie durch schnelle, unbeabsichtigte Kontraktionen der Muskeln gekennzeichnet sind, die dazu führen können, dass am gesamten Körper ein unkontrollierbares Schütteln oder Zucken auftritt.

Der häufigste Typ ist dabei der tonisch-klonische Anfall, bei dem auf eine kurze Phase der Immobilität unkontrollierbare Zuckungen folgen. Sowohl konvulsive als auch nicht-konvulsive epileptische Anfälle werden durch eine übermäßige Aktivität der Neuronen im Gehirn ausgelöst; bei schweren und längeren Anfällen können auch Schäden am Hirngewebe auftreten, insbesondere bei jüngeren Kindern, bei denen sich das Gehirn noch in der Entwicklung befindet.

Das Dravet-Syndrom ist eine Form der in der Kindheit auftretenden Epilepsie, die zu einer neurologischen Störung führen kann.

Eine Illustration, die einen Mann zeigt, der auf dem Boden liegt und von einem epileptischen Anfall geschüttelt wird. Bewegungslinien symbolisieren die Erschütterungen von Kopf, Armen und Beinen. Er hat Schaum vor dem Mund.

1. Antikonvulsive Vorteile von Cannabis für Epilepsie

Die antikonvulsiven Eigenschaften von Cannabis sind der Menschheit seit Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden bekannt. So wurden Cannabinoide schon im Jahr 1947 von Forschern auf ihre antikonvulsiven Eigenschaften getestet. Eine frühe Studie, die 1974 an der Universität Sydney durchgeführt wurde, hat gezeigt, dass  delta-9-THC, das in hohen Dosen verabreicht wird, einen antikonvulsiven Effekt bei Mäusen  bewirkt, bei denen solche Anfälle durch chemische und elektrische Schocks ausgelöst wurden. Dabei stellte man fest, dass CBD diesen Effekt von delta-9-THC verstärkt, obwohl die Forscher nicht nachweisen konnten, dass CBD alleine den Effekt ebenfalls auslöst.

In der Folgezeit ist in mehreren Studien nachgewiesen worden, dass CBD selbst in der Tat bemerkenswerte antikonvulsive Eigenschaften besitzt, aber auch den Effekt von delta-9-THC um das Mehrfache verstärkt. Eine Studie aus dem Jahr 2001 zeigte, dass delta-9-THC und das synthetische delta-9-THC-analoge WIN 55,212-2 ihre Wirkung durch eine Agonisierung der CB1-Rezeptoren erzeugen; CBD muss seine Wirkung dagegen auf hiervon abweichenden Wegen erzeugen, da es die CB1-Rezeptoren nicht agonisiert, sondern im Gegenteil als schwacher Antagonist wirkt. Wegen seiner Wirkung auf die CB1-Rezeptoren des Zentralnervensystems kann delta-9-THC in seltenen Fällen tatsächlich Muskelkrämpfe auslösen, während diese Nebenwirkung bei CBD wegen seines eigenständigen Wirkungsmechanismus nicht auftritt.

Man hat den genauen Mechanismus, der von CBD genutzt wird, um Konvulsionen zu hemmen, zwar immer noch nicht herausgefunden, aber es hat sich als hocheffektives Mittel zur Behandlung diverser Formen der Epilepsie erwiesen, u. a. des Dravet-Syndroms bei jungen Kindern, wobei es wegen seiner fehlenden psychotropen Wirkungen als potentielle Behandlungsmethode rasch Befürworter gefunden hat.

2. Neuroprotektive Wirkung

Die schematische Darstellung eines Gehirns, in dem die verschiedenen Regionen farblich abgesetzt sind. Der Okzipitallappen ganz links ist gelb. Der Parietallappen, links vom rötlichen Frontallappen, ist orangefarben. Daneben befindet sich der grün hinterlegte Temporallappen. Darunter liegt das lila hinterlegte Kleinhirn und angrenzend daran das bräunlich dargestellte Stammhirn.

Mit fortschreitender Erforschung des endocannabinoiden Systems wird klar, dass es eine wichtige Rolle bei der Steuerung der Länge und Häufigkeit von Anfällen spielt; manche Forscher glauben sogar, dass Epilepsie als Folge eines inhärenten Ungleichgewichts des endocannabinoiden Systems auftreten könnte (ein in der Theorie als klinisch-endocannabinoide Mangelerscheinung bezeichneter Zustand), das seinerseits auf Verletzungen des Gehirns, Infektionen oder eine genetische Veranlagung zurückzuführen sein könnte.

2008 wurde in der Nature eine Studie veröffentlicht, die darauf hinwies, dass bei Patienten, die an Temporallappenepilepsie leiden, offenbar ein dysfunktionales endocannabinoides System vorliegt. Wie der Name andeutet, betrifft die Temporallappenepilepsie den Schläfen-(Temporal-)lappen des Gehirns und führt typischerweise zu nicht-konvulsiven Anfällen, die zu einem gewissen Maß sensorischer Störungen führen (visueller, akustischer, geruchs- oder sogar geschmacksbezogener Art), allerdings kann es in schweren Fällen auch zu tonisch-klonischen Anfällen kommen.

Der übliche Auslöser konvulsiver und nicht-konvulsiver Anfälle ist eine übermäßige Erregung von Neuronen des Gehirns, wobei die betroffene Hirnregion je nach Art der vorliegenden Epilepsie eine andere ist. Bei gesunden Patienten wird angenommen, dass die endogenen Cannabinoide Anandamide und 2-AG eine fundamentale Rolle für die Steuerung des Levels der neuronalen Erregung spielen und so die Chance reduzieren, dass ein Anfall ausgelöst wird. Bei Patienten, die ein dysfunktionales endocannabinoides System haben, können Cannabis und Cannabis-basierte Therapien tatsächlich die Ursache der Epilepsie bekämpfen und für einen neuroprotektiven Schutz sorgen, der die Schwere und Häufigkeit der Symptome reduziert.

3. Status epilepticus

In extrem schweren Fällen der Epilepsie kann ein Zustand eintreten, der als Status epilepticus bezeichnet wird. Der Status epilepticus kann bei konvulsiven oder nicht-konvulsiven Anfällen auftreten, die entweder mehr als fünf Minuten andauern, oder bei einer Häufigkeit von mehr als einem Anfall in fünf Minuten, ohne dass zwischendurch das volle Bewusstsein wiedererlangt wird.

Wenn der Patient bei Vorliegen eines Status epilepticus nicht sofort mit Medikamenten behandelt wird, kann der länger andauernde Verlust der normalen Gehirnfunktionen zu einem Hirnschaden oder sogar zum Tod führen. Ist für eine angemessene medizinische Behandlung gesorgt, überleben Epilepsie-Patienten einen Status epilepticus-Vorfall normalerweise ohne größere Komplikationen.

Der Status epilepticus wird typischerweise mit Benzodiazepinen oder Barbituraten behandelt; beide Medikamententypen sind für ihre oft gravierenden Nebenwirkungen allgemein bekannt und durch die Bank alles andere als effektiv.

Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass Cannabinoide, insbesondere CB1-Rezeptor-Agonisten wie Anandamide, delta-9-THC und sein synthetisches Analogon WIN 55,212-2 für einen besseren Schutz gegen einen Status epilepticus sorgen können. In einer Studie, die 2006 im Journal of Pharmacology veröffentlicht wurde, bewies WIN 55,212-2 seine Fähigkeit, die gesamten Anfallaktivitäten vollständig zu unterdrücken, auch die verlängerten Anfälle, die als Status epilepticus bezeichnet werden.

Die Studie wies weiterhin darauf hin, dass WIN 55,212-2 bei der Unterdrückung des Status epilepticus eine signifikant bessere Wirkung als Phenytoin und Phenobarbital zeigt.

Die Verpackung des Arzneimittels Phenobarbital. Die Dosierung, 100 mg, befindet sich in einer lila Box unter dem Produktnamen. Eine Warnung lautet „May be habit formatting”. Des Weiteren wird die Dosierung beschrieben. Das Arzneimittel wird von West-Ward Pharmaceuticals Corp hergestellt. Rechts sieht man einen Barcode. Eine lange rote Umrisslinie mit gerundeten Ecken umschließt das Verpackungsdesign.

Mit dieser und einigen vergleichbaren Studien, die während des letzten Jahrzehnts durchgeführt wurden, konnte gut nachgewiesen werden, dass die Agonisten der CB1-Rezeptoren eine fundamentale Bedeutung für die Beendigung von Anfällen und die Vermeidung eines Status epilepticus haben, und dass bei Epilepsie-Patienten ein Ungleichgewicht des endocannabinoiden Systems die Häufigkeit und Schwere der Anfälle erhöht. Ein 2007 erschienenes Paper wies darauf hin, dass dann, wenn epileptischen Neuronen CB1-Rezeptor-Antagonisten zugeführt werden, eine andauernde epileptische Aktivität ausgelöst wird, wie man sie bei Patienten mit Status epilepticus beobachtet. Werden danach CB1-Rezeptor-Agonisten zugeführt, hören die exzessiven Aktivitäten auf. Wurden umgekehrt solchen Neuronen CB1-Rezeptor-Antagonisten zugeführt,  die nicht epileptisch sind, treten die exzessiven, dem Status epilepticus vergleichbaren Aktivitäten nicht auf.

Somit ist klar, dass sowohl delta-9-THC als auch CBD eine wichtige Rolle für die Steuerung von Anfällen bei Epilepsie spielen. Die jeweiligen Wirkungsmechanismen sind jedoch noch nicht vollständig erforscht, insbesondere im Fall von CBD, das seine Wirkung auf Wegen ausübt, die von den wichtigsten Cannabinoidrezeptoren unabhängig sind. CBD-Produkte haben in letzter Zeit an Popularität zugenommen. Forschungsergebnisse belegen deren therapeutischen Nutzen.

Kommentar Abschnitt

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Ute Diehl

Leider selber seit etlichen Jahren unter Epilepsie (Absencen). Der Konsum von Cannabis schwächt diese zusehend ab - habe ich THC konsumiert, bin ich mehr oder weniger anfallfrei. Es wäre wirklich begrüßenswert, wenn für diese Krankheit eine Freigabe erfolgen würde.

MfG
U. Diehl

10/04/2016

Theo

Rauche seit 4 Jahren Cannabis gegen Episode
Vorher phenytoin
Habe ich ausgeschlichen, ohne Anfälle
Bin jetzt seit über 5 Jahren anfallsfrei und nehme seit ca 2 Jahren keine antiepileptika. Seither geht es mir auch viel besser - kein Schwindel mehr gute Laborwete etc.
? Natürlich
☠ ?

29/11/2016

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.
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