Die sechs wichtigsten Vorteile von Cannabis bei Migräne

Chronische Migräne ist eine schmerzhafte und sehr hinderliche Krankheit, von der weltweit bis zu 5 % der Bevölkerung betroffen sind. Der biologische Mechanismus, der Migräne auslöst, ist zwar noch nicht vollständig erforscht, aber es ist bekannt, dass er jedenfalls etwas mit der Serotonin-Signalübermittlung zu tun hat. Cannabis, das ebenfalls das Serotoninsystem beeinflusst, kann die Symptome von Migräne nachweislich reduzieren.


Chronische Migräne ist eine schmerzhafte und sehr hinderliche Krankheit, von der weltweit bis zu 5 % der Bevölkerung betroffen sind. Der biologische Mechanismus, der Migräne auslöst, ist zwar noch nicht vollständig erforscht, aber es ist bekannt, dass er jedenfalls etwas mit der Serotonin-Signalübermittlung zu tun hat. Cannabis, das ebenfalls das Serotoninsystem beeinflusst, kann die Symptome von Migräne nachweislich reduzieren.

Wirkt gegen Schmerzen

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Migräne ist eine schmerzhafte Krankheit, die mit Cannabis behandelt werden kann (© r.nial.bradshaw)

Der am meisten ins Auge fallende Nutzen von Cannabis für Migränepatienten ist die Fähigkeit, Schmerzen zu lindern. Denn die Schmerzen können bei Migräne stark sein und führen bei manchen Patienten bis zur Bewegungsunfähigkeit. Man nimmt an, dass körpereigene endogene Cannabinoide wie das Anandamid die Schmerzen bei Migräne reduzieren, indem sie das Eindringen der Schmerzsignale ins Gehirn über die CB1-Rezeptoren steuern.

Eine 2013 in The Journal of Neuroscience veröffentlichte Studie zeigte, dass Patienten mit chronischer Migräne einen Schmerz erfahren, der auf einer Erregung der trigeminovaskulären nozizeptiven Bahnen (also der Bahnen der schmerzempfindlichen trigeminovaskulären Nerven des Kraniums) beruht. Cannabinoide sind dafür bekannt, dass sie Schmerzreaktionen der trigeminovaskulären Nerven verhindern, was eines der Mittel sein könnte, durch die Cannabis in der Lage ist, Migräneschmerzen zu reduzieren.

Wie die Kranialnerven werden auch die CB1-Rezeptoren in den das Stammhirn umgebenden Neuronen durch Endocannabinoide antagonisiert und verhindern so die Übertragung der Schmerzsignale aus dem Stammhirn in andere Teile des Gehirns, sodass Cannabis letztlich einen doppelten Nutzen für Personen hat, die an Migräne leiden.

Wirkt als Serotonin-Hemmer

Seit einiger Zeit ist auch bekannt, dass es eine Beziehung zwischen dem Serotonin-Signalübermittlungssystem und dem Auftreten von Migräne gibt. Denn unmittelbar vor einem Migräneanfall steigt der Serotoninspiegel dramatisch an und sinkt dann nach dem Anfall auf Werte unterhalb des normalen Wertes ab.

1985 wurde eine Studie veröffentlicht, die sich mit den Auswirkungen von ??-THC und CBD auf die Serotoninfreisetzung aus Blutplättchen befasste, die mit Plasma inkubiert worden waren, das Patienten entnommen worden war, als sie gerade einen Migräneanfall hatten. Die Studie gelangte zu dem Schluss, dass ??-THC in verschiedenen Konzentrationen einen statistisch signifikanten hemmenden Effekt auf die Serotoninfreisetzung aus den Blutplättchen hatte.

Umgekehrt zeigte ein Plasma, das von Patienten während migränefreier Zeiten gewonnen wurde, keinen hemmenden Effekt auf die Serotoninfreisetzung, trotz Verabreichung von ??-THC in den gleichen Konzentrationen. Außerdem zeigte auch CBD keinen signifikanten hemmenden Effekt, weder auf Blutplasma aus den anfallfreien Zeiten noch auf solches, das zum Zeitpunkt eines Migräneanfalls entnommen wurde.

Diese Studie sowie mehrere seitdem durchgeführte ähnliche Studien zeigen, dass das in Cannabis enthaltene ??-THC die Freisetzung von Serotonin während eines Migräneanfalls hemmt, nicht aber während migränefreier Zeiten, während CBD in beiden Fällen nur einen kaum wahrnehmbaren Effekt hat.

Wirkt adstringierend

Man nimmt an, dass die Schmerzen bei Migräne teilweise durch einen komplexen Prozess der Erweiterung und Verengung von Blutgefäßen im Kopf verursacht werden. Fließt Blut durch einen weiten Abschnitt eines Blutgefäßes und trifft dann auf einen verengten Abschnitt, dann verursacht der Druck des Blutes, das versucht, durch das plötzlich verengte Gefäß zu strömen, Wellen eines intensiven Schmerzes. Allgemein wird angenommen, dass die Freisetzung von Serotonin die größeren Venen und Arterien veranlasst, sich zusammenzuziehen, während kleinere periphere Venen sich erweitern.

Unmittelbar vor einem Migräneanfall sind visuelle Störungen sehr häufig (© Tudedude)
Unmittelbar vor einem Migräneanfall sind visuelle Störungen sehr häufig (© Tudedude)

Dank dieses Effekts werden adstringierende Medikamente (solche, die die Blutgefäße verengen) häufig für die Behandlung und Prophylaxe von Migräne eingesetzt, da sich die Wahrscheinlichkeit von Migräneschmerzen senken lässt, wenn der Erweiterungseffekt nicht eintritt. Cannabis hat bekanntermaßen eine adstringierende Wirkung und es wird angenommen, dass seine Wirksamkeit bei der Linderung von Migräneschmerzen teils auch darauf zurückzuführen ist.

Präventive Anwendung

In der Zeit unmittelbar vor einem Migräneanfall steigt die Freisetzung von Serotonin. Dieser Vorgang wird von dem Betroffenen nicht unbedingt bemerkt, aber es gibt einige durchaus wahrnehmbare Indizien, deren Auftreten dem Patienten signalisieren kann, dass ein Anfall direkt bevorsteht, wie die Wahrnehmung einer Aura oder andere visuelle Störungen. Cannabis kann daher nicht nur die Symptome bei Patienten lindern, die gerade unter einem Migräneanfall leiden, sondern wenn es unmittelbar bei Auftreten der ersten Symptome eingenommen wird, kann es das Eintreten des Migräneanfalls sogar ganz verhindern.

Wie vorstehend bereits erwähnt, stehen Ungleichgewichte des Serotoninspiegels in einem Zusammenhang mit Migräneanfällen, und es wurde mehrfach gezeigt, dass es eine Beziehung zwischen dem Endocannabinoid- und dem Serotonin-Signalübermittlungssystem gibt, sodass die Anwendung von Cannabinoiden zu einer Verringerung des Serotoninspiegels führen kann. Wenn die Serotoninfreisetzung unmittelbar vor einem Migräneanfall steigt, kann die Verabreichung von Cannabinoiden zu diesem Zeitpunkt den anormalen Anstieg des Serotoninspiegels hemmen und auf diese Weise die Folgeprozesse vermeiden, die einen Migräneanfall auslösen.

Wirkt gegen Tremor

Patienten, die an chronischer Migräne leiden, haben auch das Risiko, eine verbreitete Bewegungsstörung zu entwickeln, die als essentieller Tremor (ET) bekannt ist. Als ET bezeichnet man ein unkontrollierbares Zittern, das typischerweise an Händen und Armen, gelegentlich auch am Kopf oder an den Stimmbändern auftritt und das sich oft noch verschlimmert, wenn man versucht, den betroffenen Körperteil zu benutzen, beispielsweise zum Schreiben oder Sprechen.

Es gibt zwar keine Studien, die sich speziell mit der Beziehung zwischen einem Migräne-induzierten essentiellen Tremor und der Anwendung von Cannabis befassen, aber einige Erfahrungsberichte von Migränepatienten, die nach der Anwendung von Cannabis jedenfalls subjektiv eine Linderung ihrer Tremorsymptome erfahren haben. Es gibt auch ausreichend Forschungsergebnisse über die Fähigkeit von Cannabis, Tremorsymptome bei verschiedenen anderen Krankheiten zu lindern, von denen einige (wie Parkinson) einen Tremor durch ähnliche biologische Mechanismen erzeugen, wie sie auch bei Migräne aktiv sind.

Das aus den Blutplättchen freigesetzte Serotonin verursacht den Migräneschmerz (© Euthman)
Das aus den Blutplättchen freigesetzte Serotonin verursacht den Migräneschmerz (© Euthman)

Auch bei diesen Krankheiten scheint das Serotoninübermittlungssystem im zentralen Nervensystem eine fundamentale Rolle für die Manifestation der Tremorsymptome zu spielen, bei Parkinson und damit verwandten Krankheiten ebenso wie bei chronischer Migräne. Insbesondere scheint ein niedriger Serotoninspiegel oft mit einem Tremor einherzugehen. Wie oben dargestellt, kann Cannabis die Serotoninfreisetzung aus Blutplättchen in Fällen der Migräne hemmen. Andere Studien haben aber auch ergeben, dass Cannabis eine Synthese von Serotonin induzieren kann, sodass es eine Funktion bei der Anhebung des Serotoninspiegels auf ein normales Maß bei den Personen übernehmen könnte, die unter einem zu geringen Serotoninspiegel leiden.

Wirkt gegen Übelkeit

Übelkeit ist eine verbreitete Nebenwirkung bei Migräne, und auch sie könnte mit dem abgesenkten Serotoninspiegel unmittelbar nach einem Migräneanfall zu tun haben. Für Cannabis ist nachgewiesen, dass es bei verschiedenen schweren Krankheiten als effektives Mittel gegen Übelkeit wirkt; ebenso reduziert es die Übelkeit, die als Nebenwirkung einer Chemotherapie auftritt.

Auch wenn es keine spezifischen Studien zu den Möglichkeiten von  Cannabis in Bezug auf die Eindämmung von Migräne-induzierter Übelkeit gibt, gibt es zahlreiche Erfahrungsberichte von Patienten, die sich selbst mit Cannabis behandelt und so eine subjektive Besserung erfahren haben. Es gibt noch einige andere Krankheiten, bei denen ein Übermaß an Serotonin zu Übelkeit führen kann, die mit Hilfe von Cannabis bekämpft werden kann. Ein Beispiel sind Krebspatienten, die eine Chemotherapie machen und unter Übelkeit wegen eines zu hohen Serotoninspiegels leiden, der zu Reizungen des Magen-Darm-Trakts führt.

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Christoph Walczuch

Top Beitrag! Respekt :)

Ich bin selber mein Leben lang schon Migränepatient, die Migräne habe ich von meinem Dad geerbt wenn das möglich ist, ansonsten reiner Zufall.

Auch mir hilft Cannabis extrem bei meinen Migräneanfällen. Aber etwas anders, es wirkt bei mir komplett vorbeugend. Das heißt, wenn ich mal einen Joint am Tag rauche dann kriege ich für weitere 2-3 Tage zu 100% keine Migräne. Auf lange Sicht kann ich sagen, dass ich keine Migräne kriege wenn ich regelmäßig Cannabis konsumiere, bei mir reicht es schon nur jedes Wochenende FR/SA zu rauchen um meinen Migräneanfällen zu entkommen.

Ich muss sagen die "Kopfschmerzen" die ich durch die Migräne kriege konnte Cannabis zuvor noch nicht beseitigen oder angenehm machen. Im Gegenteil, diese waren dann immer von mir als schlimmer wahrgenommen worden, aus einem Pochen wurde eine Pochsalve quasi. Wenn ich Cannabis konsumiere "nachdem" ich die Migräne bekommen habe wirkt es sich total negativ darauf aus, tu ich es aber wenn ich erste Anzeichen für eine Migräne bemerke (quasi vor der Migräne), dann lindern sich die Symptone allmählich und es dauert keine 20Minuten bis die unangenehme Abfolge der Symptome unterbrochen wird, was dannach folgt ist die Entspanntheit und der Genuß des Zustandes ;)

Rauche ich mir keinen Joint wenn ich erste Anzeichen der Migräne bemerke, so muss ich mich mit diesen befassen und mit deren Folgen zurechtkommen. Das sieht dann ungefähr-(stark abweichend, mal so mal so)- so aus:

...bei mir ist es dann immer die gleiche Abfolge: Die rechte Augenbraue wird taub und kribbelt unangenehm, danach verschwindet dieses Gefühl aber hinterlässt einen leichten Schmerz über dem Auge (fühlt sich dann an als ob man ein Stein dort abbekommen hätte), danach werden beide Hände abwechselnd taub, auch mit dem Kribbelgefühl verbunden, selten folgt danach dass mein Zahnfleisch taub wird und kribbelt, das ist das unangenehmste Gefühl was ich jemals erleben durfte, wirklich. Nachdem nun nichts mehr taub wird nehme ich ein unangenehmes Gefühl "im" Auge wahr, kurz darauf wird alles allmählich verschwommener und verschwommener fast schon verflossen, in dieser "Phase" sehe ich nur noch auf dem linken Auge und kann kaum lesen, ein normaler Satz kostet mich bis zu 10m Zeit und vorallem Anstrengung ihn richtig zu entziffern, da egal wo ich hingucke, der Rechte Teil des Wortes/Textes/Bildes undeutlich ist. Wenn das nach 1-4std. vergangen ist, kommen die Kopfschmerzen, diese empfinde ich als "Pochen" und je öfter ich dieses Pochen empfinden muss desto unangenehmer wird es. Wenn ich diese letzte schmerzhafteste Etappe überstanden habe, gehe ich schlafen, muss dazu noch sagen dass ich einen Epilepsieanfall jedes Mal bekomme wenn ich mich schlafen lege "während" eines Migräneanfalls, ich muss die komplette Migräne überstehen und darf nicht schwächeln und ans schlafen denken :(. Wegen dieser Art der Epilepsie war ich mal 3 Wochen im Krankenhaus zur freiwilligen Untersuchungen, aber diese ergaben für mich nichts genaueres oder informatives. Jedenfalls, wenn ich dann am nächsten Tag irgendwann aufstehe dann werde ich mit starken Kopfschmerzen wach die ich als "Stechen" empfinde, je ruckartiger ich meinen Kopf bewege, desto schlimmer ist dieser Schmerz. Ganz besonders schlimm ist es wenn ich Husten oder Niesen muss, da breche ich Teils zusammen für wenige Sekunden vom Schmerz. Diese Stechschmerzen bleiben dann diesen ganzen Tag, allerdings werden sie von Stunde zu Stunde angenehmer und je mehr Flüssigkeit ich zu mir nehme desto schneller gehen diese auch weg. Wenn meine Hände kribbeln kann ich keinen Stift in der Hand festhalten, wenn meine Zunge taub ist nimmt man an ich wäre im Vollsuff wenn ich versuche zu sprechen. Generell mache ich einen höhst abwesenden und realitätsfremden Eindruck wenn ich eine Migräne habe. Bekannte sagen es wäre höchst grusselig mir in die Augen zu schauen wenn ich meine Migräne habe, wieso habe ich bisher noch nicht erfahren.

Ich hoffe dir bringt dieser Beitrag von mir etwas, vllt. habe ich etwas erwähnt wovon du noch nichts gehört hast :)

mfg Chris

15/03/2015

Stefanie

Danke für deinen Beitrag, Chris und dafür, dass du dir die Zeit genommen hast, alles genau zu schildern. Vielleicht hilft das anderen Migräne-Patienten. Wäre doch nur zu wünschen.

16/03/2015

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.
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