Cannabis in Ecuador – Gesetze, Konsum und Geschichte

Vor 2013 waren die Cannabisgesetze in Ecuador sehr streng, es wurde kaum zwischen gelegentlichen Konsumenten und großen Drogenhändlern unterschieden. Die Folge waren stark überfüllte Gefängnisse. Nach Protesten von Menschenrechtlern wurde das Gesetz geändert. Eigenkonsum von Cannabis (bis zu 10 g) wurde legalisiert, beschränkter Anbau zu Hause zugelassen.

    • Hauptstadt
    • Quito
    • Einwohner
    • 17,336,000
    • CBD Produkte
    • Illegal
    • Cannabis für Freizeitkonsum
    • Entkriminalisiert
    • Medizinisches Cannabis
    • Illegal

Cannabisgesetze in Ecuador

Darf man in Ecuador Cannabis besitzen und konsumieren?

Bis vor Kurzem war es in Ecuador illegal, selbst kleine Mengen von Cannabis zu konsumieren oder zu besitzen. Das Land wurde weithin für seine strenge Drogengesetzgebung (eine der schärfsten in Südamerika) verurteilt, die zur Folge hatte, dass Menschen ins Gefängnis kamen, die mit geringen Mengen von Cannabis für den Eigenverbrauch festgenommen worden waren.

Das Transnational Institute (TNI) hat darauf hingewiesen, dass jemand, der mit wenigen Gramm Cannabis festgenommen wurde, mit bis zu zwölf Jahren Gefängnis bestraft werden konnte. Der Erfolg der ecuadorianischen Drogengesetze wurde daran gemessen, wie viele Menschen sich hinter Gittern befanden – und wenig überraschend hatte das überfüllte Gefängnisse zur Folge. Zu bestimmten Zeiten waren 50 % der Gefängnisinsassen des Landes wegen Drogendelikten inhaftiert.

Das TNI hat zudem aufgezeigt, dass die alten Gesetze teilweise verfassungswidrig waren – insofern als Personen, denen Drogendelikte vorgeworfen wurden, als schuldig betrachtet wurden, noch bevor sie die Möglichkeit hatten, vor Gericht zu erscheinen.

Im Jahr 2013 änderte die Regierung Ecuadors diese strengen Gesetze. Jetzt werden Personen, die nicht mehr als 10 Gramm Cannabis mit sich führen, nicht mehr strafrechtlich belangt. Justizminister Diego Garcia betonte, dass „das Gesetz den Konsum erlaubt und ihn nicht als kriminell betrachtet. Anbau, Handel und Verkauf kleiner oder großer Mengen [von Drogen] allerdings bleiben illegal.“ Er erklärte zudem, dass „wir entsprechend der Verfassung (Artikel 364) Drogenkonsum nicht kriminalisieren. Wir betrachten ihn als Gesundheitsproblem, nicht als Verbrechen.“

Darf man in Ecuador Cannabis verkaufen?

Verkauf und Bereitstellung von Cannabis sind in Ecuador illegal. Verstöße können mit langen Gefängnisstrafen geahndet werden.

Das Gesetz 108 (es wurde 1991 verabschiedet) sah eine Gefängnisstrafe von mindestens 10 Jahren für Drogendealer und -händler vor. Es erlaubte dem Gericht zudem, Straftäter wegen mehrerer Verbrechen gleichzeitig zu verurteilen, was zu einer erheblich längeren Haftstrafe führen konnte. Zum Beispiel konnte jemand angeklagt werden, Cannabis transportiert und zugleich gehandelt zu haben, wodurch sich seine Freiheitsstrafe auf bis zu 25 Jahre belaufen konnte. Zum Vergleich: Die Höchststrafe für Mord beträgt nur 16 Jahre!

Sandra Edwards, die eine Studie des TNI/WOLA über Drogengesetze in Ecuador erstellt hat, nennt folgendes Beispiel für das System in der Praxis: „In Ecuador kann eine nicht vorbestrafte, alleinerziehende und analphabetische Mutter, die ein paar Gramm Drogen schmuggelt, um ihre Kinder zu versorgen, zu einer längeren Gefängnisstrafe verurteilt werden als ein Mörder. Das ist nicht nur unfair, sondern auch ineffektiv.“

Analia Silva, eine alleinerziehende afro-ecuadorianische Mutter von zwei Kindern, wurde verhaftet, weil sie Drogen verkauft hatte. Sie berichtete: „Als sie mich verurteilten… verurteilten sie nicht nur die Person, die das Verbrechen begangen hat, sondern auch deren Familie… Ihnen [den Behörden] ist nicht klar, dass sie zwar das Verbrechen loswerden wollen, dabei aber diejenigen sind, die es fördern. Denn wenn sie [die Kinder] allein gelassen werden… was sollen sie machen? Sie gehen los und stehlen… meine Tochter würde sich prostituieren, mein Sohn würde… Drogen handeln, Drogen verkaufen.“

Trotz langer Haftstrafen nimmt der Drogenhandel in Ecuador zu. Während das Land früher einmal als eines der sichereren südamerikanischen Länder galt, steigt die Anzahl der Drogenbeschlagnahmen jetzt von Jahr zu Jahr. Heute gilt das Land als wichtiger „Transitweg“ für den Drogenschmuggel in die USA und nach Europa.

Darf man Cannabis in Ecuador anbauen?

Der Anbau von Cannabis für den Eigenkonsum ist jetzt legalisiert worden. Das bedeutet, dass jemand, der eine begrenzte Anzahl von Pflanzen zu Hause heranzieht, nicht mehr strafrechtlich verfolgt wird. Auch der Anbau von Cannabis für wissenschaftliche oder Forschungszwecke ist legal. Dies setzt allerdings eine Genehmigung durch das Technische Sekretariat für Drogen (SETED) Ecuadors voraus.

In Ecuador wird nicht viel einheimischer Anbau betrieben, besonders im Vergleich zu anderen südamerikanischen Ländern. Es ist eher ein „Transitland“, durch das Drogen geschleust und dann in andere Gegenden verbracht werden.

Ist CBD in Ecuador legal?

Konsum, Kauf und Verkauf von CBD sind derzeit in Ecuador illegal. 2019 hat im ecuadorianischen Kongress jedoch eine Debatte über die Legalisierung von CBD-Öl für medizinische Zwecke begonnen, vorausgesetzt, es enthält nicht mehr als 1 % THC (die Substanz, die für das „High“ verantwortlich ist).

Sollte die Gesetzesänderung verabschiedet werden, wäre CBD nur in Apotheken erhältlich. Auch müssten Ursprung und Sorte des verwendeten Cannabis deklariert werden.

Dazu Veronica Espinosa, die Gesundheitsministerin Ecuadors: „Cannabis kann eine medizinische Alternative sein und wir sollten es unseren Patienten nicht vorenthalten.“

Darf man Cannabissamen nach Ecuador senden?

Zwar hat die Regierung Ecuadors den Anbau von Cannabis in begrenztem Umfang legalisiert, nicht aber dessen Aufzucht. Daher sind Konsum, Verkauf und Kauf von Cannabissamen formal immer noch illegal und sie dürfen nicht per Post verschickt werden.

Medizinisches Cannabis in Ecuador

Medizinisches Cannabis ist derzeit in Ecuador illegal; das könnte sich aber bald ändern. Ende 2018 hat ein wichtiger Gesetzgebungsausschuss weitreichende Reformen im Gesundheitswesen gebilligt, die zu Anbau, Herstellung und Konsum von medizinischem Cannabis im Land führen könnten.

Sollte das Gesetz verabschiedet werden, hätte Präsident Lenin Moreno die Möglichkeit, sein Veto einzulegen – entweder für das gesamte Gesetz oder Teile davon.

Juan Pablo Bahamonde, der Direkter des UBG (das auf Regulierungen im Gesundheitswesen spezialisiert ist) führte aus: „Obwohl es noch Unsicherheiten gibt, ist der Erfolg sehr wahrscheinlich. Denn die regierungsnahen Abgeordneten verfügen im Parlament über die Mehrheit.“

Sollten die Gesetze verabschiedet werden, würde in Ecuador ein Patientenregister eingerichtet und Cannabisprodukte über Apotheken vertrieben werden. Der THC-Gehalt des Cannabis würde auf 1 % beschränkt werden.

Industriehanf in Ecuador

Obwohl viele Regionen des Landes aufgrund des idealen Klimas und idealer Bodenbeschaffenheit gut für den Hanfanbau geeignet sind, ist er in Ecuador illegal. Zwar hat die Regierung bisher nicht erkennen lassen, dass dieses Gesetz in absehbarer Zukunft geändert werden soll. Sie könnte jedoch von südamerikanischen Ländern wie Uruguay beeinflusst werden, die das Gewinnpotenzial von Hanf bereits nutzen.

Gut zu wissen

Wenn Sie nach Ecuador reisen (oder gegenwärtig dort leben), könnten folgende Informationen interessant für Sie sein:

Die Geschichte von Cannabis

Vermutlich gelangte Cannabis erstmalig im 16. Jahrhundert, in Form von Hanf, nach Südamerika. Die Pflanze wurde von den Spaniern nach Chile gebracht und zur Herstellung von Leinen und Takelage für Schiffe genutzt. Nicht benötigter Hanf wurde durch das nördlich gelegene Peru weitergeschickt, von wo aus es letztlich Ecuador erreichte.

Im 19. Jahrhundert kam Cannabis auch mit afrikanischen Sklaven auf den Kontinent. Die Portugiesen brachten die Sklaven nach Brasilien und missbilligten deren Freizeitkonsum von Cannabis scharf. Etwa zur gleichen Zeit brachten die Briten indische Kontraktarbeiter nach Südamerika. Auch sie konsumierten die Pflanze in ihrer Freizeit.

Man geht davon, dass der Name „Marijuana“ (der in Ecuador und auf dem gesamten Kontinent am häufigsten verwendete Begriff) aus Mexiko stammt. Die Mexikaner sagten ursprünglich „Marihuana“. Im frühen 20. Jahrhundert breitete sich das Verbot von Cannabis von den USA kommend Richtung Südamerika aus und in vielen Ländern wurden Verbote erlassen.

Die Verfolgung von Cannabiskonsumenten in Ecuador ist ein neueres Phänomen. Zwar wurden die Drogengesetze in den 1980er Jahren immer weiter verschärft. Doch wurden Drogenkonsumenten nicht zu Gefängnisstrafen verurteilt. Vielmehr wurde ihnen auferlegt, sich nötigenfalls medizinisch untersuchen und behandeln zu lassen.

In Folge des 1991 verabschiedeten Gesetzes 108 schwenkte Ecuador auf einen wesentlich härteren Umgang mit Cannabiskonsumenten um. Fortan wurden Personen, die mit geringen Mengen der Droge erwischt wurden, mit ähnlichen Strafen belegt wie Drogenhändler großen Stils.

2013 wurde dieses Gesetz geändert und Cannabis für den persönlichen Konsum legalisiert.

Soziale Akzeptanz von Cannabis

Cannabis wird in Ecuador konsumiert; doch ist der Konsum nicht so weit verbreitet wie in anderen südamerikanischen Ländern. Untersuchungen des UNODC lassen darauf schließen, dass der Anteil an Abhängigen in Ecuador ungewöhnlich hoch ist – bis zu 50 % aller Cannabiskonsumenten seien auf die Substanz angewiesen. Im Vergleich dazu werden lediglich etwas mehr als 20 % der Cannabiskonsumenten in Argentinien als abhängig eingestuft.

Zwar wird die Pflanze mit einem gewissen Argwohn betrachtet, doch es gibt auch viel Unterstützung. Beispielsweise gibt es in Ecuador etliche Organisationen, die sich für Cannabis einsetzen, und seit 2011 finden regelmäßig Demonstrationen statt, auf denen sinnvollere Bestimmungen in den Cannabisgesetzen gefordert werden.

Wird Cannabis in Zukunft legalisiert?

Die Regierung Ecuadors hat kürzlich bedeutende Schritte in Richtung fortschrittlicherer Cannabisgesetze unternommen. Das vorherige System, das von Menschenrechtsgruppen weltweit mit Kopfschütteln quittiert worden war, ist überarbeitet worden. Die Legalisierung des Cannabiskonsums führt hoffentlich dazu, dass die Gefängnisse weniger überfüllt sein werden.

Wahrscheinlich wird auch medizinisches Cannabis in Ecuador legalisiert. Einige Experten erwarten dies eher in den nächsten Monaten als in einigen Jahren. Die Entscheidung liegt letztlich beim Präsidenten, aber derzeit deutet alles darauf hin, dass das Gesetz verabschiedet wird. Es bleibt abzuwarten, ob die Regierung Ecuadors sich auch dazu entschließt, Industriehanf zu legalisieren und das wirtschaftliche Potenzial zu nutzen, das die Pflanze bietet.

  • Disclaimer:
    Obwohl größte Sorgfalt bei der Gewährleistung der Richtigkeit dieses Artikels aufgewendet wurde, ist er weder als Rechtsberatung gedacht, noch sollte er als solche verstanden werden. Jede Situation wird von individuellen Faktoren beeinflusst und man sollte stets einen Experten oder Anwalt für eine Rechtsberatung konsultieren.

Comments

1 Kommentar zu „Cannabis in Ecuador – Gesetze, Konsum und Geschichte“

  1. Steuerzahlender Bürger

    Es ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung aber durch den Widerspruch
    „Anbau, Handel und Verkauf von großen oder kleinen Mengen [Drogen] bleiben allerdings illegal“

    Ist der Steuerzahlende Bürger gezwungen sich vom Schwarzmarkt quasi seine Drogen zu kaufen und ist immernoch gezwungen „Kriminell“ zu werden, auch wenn er das gekaufte dannach legal besitzen darf.

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    Sensi Seeds

    Das Sensi Seeds Redaktionsteam besteht aus Botanikern, medizinischen und juristischen Experten sowie renommierten Aktivisten wie Dr. Lester Grinspoon, Micha Knodt, Robert Connell Clarke, Maurice Veldman, Sebastian Marincolo, James Burton und Seshata.
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  • Maurice_Veldman

    Maurice Veldman

    Maurice Veldman ist Mitglied der Niederländischen Vereinigung der Strafrechtsanwälte und einer der bemerkenswertesten Cannabis-Anwälte der Niederlande. Mit 25 Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet unterstützt sein strafrechtliches und Verwaltungsrecht die Cannabisverkäufer und Hanferzeuger dabei, die Ungleichheiten zwischen Individuum und Staat zu beseitigen.
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