Cannabis in Norwegen – Gesetze, Konsum und Geschichte

Traditionell vertritt Norwegen eine strikte Haltung zu Cannabis. Konsum, Kauf und Anbau werden mit Gefängnisstrafen geahndet. 2016 führte das Land ein medizinisches Cannabisprogramm ein. 2017 gab man bekannt, dass der Cannabiskonsum in Zukunft entkriminalisiert würde. Dies kann eventuell zur Wiederaufnahme der Hanfindustrie und eventuell auch mehr führen.

    • Hauptstadt
    • Oslo
    • Einwohner
    • 5,450,000
    • CBD Produkte
    • Legal
    • Cannabis für Freizeitkonsum
    • Illegal
    • Medizinisches Cannabis
    • Legal seit 2016

Die Cannabisgesetzgebung Norwegens

Darf man in Norwegen Cannabis besitzen und konsumieren?

Bei Redaktionsschluss war Konsum oder Besitz von Cannabis in Norwegen noch immer illegal, obwohl es so aussieht, als ob sich dieses Gesetz bald ändern wird.

Wenn man aktuell mit kleinen Cannabismengen ertappt wird15 Gramm oder weniger), kann man als Einzelperson ein Bußgeld oder auch eine Gefängnisstrafe bis zu sechs Monaten erhalten. Im Dezember 2017 stimmte die Mehrheit des norwegischen Parlaments jedoch dafür, den Konsum von Drogen (einschließlich Cannabis) zu entkriminalisieren. Dieser Antrag wurde von Konservativen, Liberalen, der Arbeiterpartei und der sozialistischen Linkspartei unterstützt.

Angesichts der bisherigen Einstellung von Norwegen kam diese Entscheidung als Überraschung. Obwohl Norwegens Vorgehensweise nicht ganz so strikt wie der „Null Toleranz“-Ansatz in Schweden ist, kamen dort trotzdem traditionell die härtesten Drogengesetze in Europa zur Anwendung.

Premierminister Bent Hoie gab zu, dass Drogenbesitz-Bußgelder „negativ und unsinnig”, seien, und dass diese für seine Landsleute eher schädlich als von Vorteil wären. Er sagte ebenfalls, dass man sich auf die Behandlung und nicht auf die Bestrafung konzentrieren sollte.

2013 drängten die Grünen nur wenige Tage nach der Verabschiedung eines Gesetzentwurfs zur Legalisierung von Cannabis in Uruguay bereits auf staatlich kontrollierten Cannabisanbau und -verkauf. Obwohl sie damals erfolglos blieben, haben sie anscheinend doch die Entkriminalisierung in Gang gesetzt.

Darf man in Norwegen Cannabis verkaufen?

Verkauf oder Lieferung von Cannabis ist laut Strafgesetz in Norwegen illegal.

Laut Norwegens Strafgesetz werden Täter zu einer Gefängnisstrafe von „nicht mehr als zwei Jahren“ verurteilt, falls man sie bei Herstellung, Import, Export, Erwerb, Lagerung, Versand oder Lieferung von Suchtstoffen ertappt.

Sollte die Straftat jedoch als „schwere Suchtmittel-Straftat“ angesehen werden, wird die Gefängnisstrafe auf bis zu 10 Jahre verlängert. „Schwere“ Straftaten werden wie folgt beurteilt:

  • Nach der jeweiligen Drogenmenge
  • Nach der jeweiligen Drogenart
  • Nach der Art der Straftat

Falls ein Straftäter mit „sehr erheblichen“ Mengen ertappt wird, liegt die Höhe der Gefängnisstrafe bei drei bis 15 Jahren. Unter „besonders schweren Umständen“ wird die Gefängnisstrafe auf bis zu 21 Jahre erhöht.

Trotz der Tatsache, dass Gefängnisstrafen für Dealer hoch ausfallen, sind Cannabisharz (Haschisch) und Cannabiskraut immer noch die am häufigsten sichergestellten illegalen Drogen in diesem Land.

In Norwegen sind auch große Drogenhändler tätig. 2018 stellten die Behörden 700 Kilogramm Cannabis sicher und nahmen neun Personen fest. Polizeichef Ketil Haukaas kommentierte dazu: „Die Drogen kommen aus dem Ausland, und professionelle, organisierte Verbrecher folgen den Drogen nach Norwegen.“

Darf man in Norwegen Cannabis anbauen?

In Norwegen ist der Anbau von Cannabis illegal. Die „Herstellung“ (also der Anbau) von Cannabis wird als mit einer Freiheitsstrafe zu ahndende Straftat angesehen. Nachdem Cannabis einmal zum persönlichen Konsum entkriminalisiert ist, kann das eventuell auch die Gesetze zum Anbau beeinflussen – bei Redaktionsschluss hat die norwegische Regierung jedoch noch nichts bestätigt.

Trotz der harten Gefängnisstrafen selbst für den Anbau im kleinen Umfang gibt es in diesem Land trotzdem Menschen, die das Risiko auf sich nehmen und trotzdem Cannabis anbauen. Das importierte Haschisch, das Norwegens illegalen Cannabismarkt dominiert, ist oft von schlechter Qualität, was dazu führt, dass lokale Züchter Cannabis im Inland anbauen, um so ein überlegenes Produkt herzustellen.

Eine aktuelle Studie hat ergeben, dass viele Cannabiszüchter aufgrund der organisatorischen Herausforderungen und fehlender botanischer Spezialkenntnisse vor einem Anbau in großem Umfang zurückschrecken. Sveinung Sandberg, Mitverfasser dieser Studie, kommentiert: „Der Anbau von Marihuana ist ein komplizierter Vorgang, und man kann die Pflanzen schnell falsch bewässern oder andere Fehler machen, die sämtliche Pflanzen ruinieren würden.“

Ist CBD in Norwegen legal?

In Norwegen ist CBD legal. Das Land gehört nicht zur EU und hat als solches seine eigenen Vorschriften für CBD-Produkte verabschiedet. Man darf CBD konsumieren, kaufen und verkaufen, wobei es jedoch kein THC (die für das „High“ verantwortliche Substanz) enthalten darf. Darin unterscheidet man sich von den Gesetzen der EU, die bestimmen, dass CBD-Produkte bis zu 0,2 % THC enthalten dürfen.

Darf man Cannabissamen nach Norwegen schicken?

In Norwegen ist Kauf oder Verkauf aller Cannabis-Pflanzenteile illegal. Somit ist es auch illegal, Samen per Post nach Norwegen zu schicken. Das ändert sich eventuell mit der bevorstehenden Entkriminalisierung von Cannabis, aber aktuell hat die Regierung noch keine Informationen zum legalen Status der Pflanzensamen herausgegeben.

Medizinisches Cannabis in Norwegen

Medizinisches Cannabis wurde im Jahre 2016 in Norwegen legalisiert, und für Patienten mit einem Rezept sind sowohl Sativex als auch Bedrocan erhältlich. Das Land verfügt über keine offizielle Liste der Erkrankungen, die mit Cannabis behandelt werden können, und Ärzte müssen so nach ihrem eigenen Ermessen handeln. Normalerweise wird es zur Behandlung von MS- und Krebspatienten eingesetzt.

Um ein Rezept für eine Behandlung mit medizinischem Cannabis auszustellen, muss der Arzt nachweisen können, dass alle anderen Formen der Behandlung nicht angeschlagen haben. Kurz gesagt kann Cannabis nur als letztes Mittel eingesetzt werden. Der Arzt muss ebenfalls als Facharzt in einem Krankenhaus tätig sein und für die Verschreibung von Cannabisprodukten mit einem höheren THC-Gehalt als 1 % eine Genehmigung einholen.

Reformgruppen wie NORMAL haben Norwegens medizinisches Cannabisprogramm auf dieses Thema aufmerksam gemacht, wobei man darauf hingewiesen hat, dass es zu schwierig ist, Zugang zu dieser Behandlung zu bekommen, und dass viele Ärzte nicht viel darüber wissen. In einigen Fällen waren Ärzte Patienten gegenüber, die sich nach medizinischem Cannabis erkundigt haben, sogar ablehnend eingestellt.

Die Regierung unternimmt jedoch Schritte, um dieses Problem anzugehen. So haben das norwegische Gesundheitsministerium und die norwegische Arzneimittelagentur zum Beispiel ein Programm eingeführt, das Krankenhausärzte in der Behandlung mit Cannabis schult.

Industrielles Hanf in Norwegen

Die industrielle Produktion von Hanf ist in Norwegen illegal, sodass es in Norwegen keinen Hanfmarkt gibt. Das war nicht immer so. In der Tat haben norwegische Farmer bereits seit Jahrhunderten Hanf angebaut, bis es 1964 endgültig verboten wurde.

In Zukunft wird sich das vielleicht ändern; vor allem, weil gelegentlicher Cannabiskonsum bald entkriminalisiert wird. Bisher hat Norwegens Regierung jedoch noch nicht ausdrücklich bestätigt, dass sie die Hanfgesetze ändern wird.

Gut zu wissen

Wenn Sie nach Norwegen reisen (oder gegenwärtig dort leben), könnten folgende Informationen interessant für Sie sein:

  • Laut Zahlen für 2018 haben 8,6 % aller jungen Leute in Norwegen (im Alter von 16 bis 34 Jahren) im vorigen Jahr Cannabis konsumiert.
  • Cannabis ist die meistkonsumierte Droge in diesem Land.
  • Trotz der Tatsache, dass die Gesetze hier strikt sind, gehen viele Leute noch immer das Risiko ein und konsumieren Cannabis, sogar an öffentlichen Orten. Eine aktuelle Studie zum Drogenkonsum bei Festivalbesuchern in Norwegen stellte fest, dass 12 % in den letzten 30 Tagen illegale Drogen genommen hatten. Bei 11 % fiel ein Drogentest positiv aus – bei 6 % für Cannabis.

Die Geschichte von Cannabis

Archäologische Funde lassen annehmen, dass Cannabis bereits seit Jahrhunderten in Norwegen konsumiert und angebaut wurde. Funde im Süden des Landes zeigen, dass die Wikinger diese Pflanze anbauten, und zwar zu einem Zeitpunkt zwischen 650 und 800 unserer Zeitrechnung.

Während man nicht viel darüber weiß, wozu sie Cannabis verwendet haben, spekulieren Fachleute jedoch, dass die Samen vielleicht für medizinische Zwecke genutzt wurden, da ein Beutel mit Samen bei einem Skelett einer älteren Frau gefunden wurde, die Anzeichen dafür zeigte, dass sie unter verschiedenen Krankheiten litt. Außerdem haben die seefahrenden Wikinger Hanf auch zur Herstellung von Seilen und Segeln genutzt.

Bei einer weiteren archäologischen Ausgrabung bei Oseberg wurden die Skelette von zwei Wikingerinnen gefunden, die mit Cannabissamen und einem kleinen Hanffetzen begraben wurden. Nach Meinung von Anne Stine Ingstad, einer angesehenen Archäologin, liegt es nahe, dass es sich bei einer der Frauen um eine Priesterin der nordischen Gottheit Freya gehandelt hat, und dass die Samen eventuell als Rauschmittel bei religiösen Ritualen dienten.

Die Entwicklung von Handelsrouten im neunten Jahrhundert bedeutete, dass Cannabis wahrscheinlich über Länder wie Russland oder Zentraleuropa in Norwegen eine weitere Verbreitung fand.

Bis zum Mittelalter war die Nutzung von Hanf in Norwegen, wie auch in so vielen anderen Ländern Europas, dann weit verbreitet. Es hatte viele praktische Funktionen und wurde für Netze, Angelschnüre, Stoffe und Seile genutzt. Während dieser Zeit nutzten die meisten Bauern des Landes mindestens eines ihrer Felder für den Hanfanbau.

Hanf war bis zu Anfang des 20. Jahrhunderts auch weiterhin eine wichtige Pflanze in Norwegen. Durch die Einführung anderer Fasern ging die Industrie dann zurück, und bis 1950 gab es keinerlei Aufzeichnungen über den Anbau von Hanf überhaupt mehr. Die Regierung verbot 1964 gemäß der neuen Drogengesetze den Hanfanbau.

Soziale Akzeptanz von Cannabis

Norwegen ist sehr für sein kompromissloses Vorgehen gegen Cannabis bekannt; und als solches ist es so etwas wie tabu in diesem Land. In der Tat konsumieren viele Leute Cannabis regelmäßig (vor allem jüngere Menschen), und es gibt wachsende Unterstützung für eine Legalisierung.

Die Entscheidung der Regierung, den persönlichen Konsum von Cannabis zu entkriminalisieren, stellt eine weitere Verlagerung der öffentlichen Meinung dar. In der Vergangenheit wäre dies unvorstellbar gewesen.

Wird Cannabis in Zukunft legalisiert?

Während Norwegens Cannabisgesetze noch immer hart bleiben, lässt sich aus dem Übergang zur Entkriminalisierung von Cannabis auf ein Einknicken dieser Haltung schließen. Premierminister Bent Hoie gab öffentlich an, dass das Gesetz sich mehr auf die Behandlung und weniger auf die Bestrafung konzentrieren müsse.

Außerdem sollte man sich auch unbedingt daran erinnern, dass es zwar schwer ist, in Norwegen an medizinisches Cannabis zu kommen, es aber nichtsdestotrotz legal ist. Dies weist auch auf eine Änderung in der Einstellung der Regierung hin, und darüber hinaus eventuell auf eine zukünftig fortschrittlichere Haltung gegenüber den gesetzlichen Cannabis-Bestimmungen.

  • Disclaimer:
    Obwohl größte Sorgfalt bei der Gewährleistung der Richtigkeit dieses Artikels aufgewendet wurde, ist er weder als Rechtsberatung gedacht, noch sollte er als solche verstanden werden. Jede Situation wird von individuellen Faktoren beeinflusst und man sollte stets einen Experten oder Anwalt für eine Rechtsberatung konsultieren.

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    Sensi Seeds

    Das Sensi Seeds Redaktionsteam besteht aus Botanikern, medizinischen und juristischen Experten sowie renommierten Aktivisten wie Dr. Lester Grinspoon, Micha Knodt, Robert Connell Clarke, Maurice Veldman, Sebastian Marincolo, James Burton und Seshata.
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  • Maurice_Veldman

    Maurice Veldman

    Maurice Veldman ist Mitglied der Niederländischen Vereinigung der Strafrechtsanwälte und einer der bemerkenswertesten Cannabis-Anwälte der Niederlande. Mit 25 Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet unterstützt sein strafrechtliches und Verwaltungsrecht die Cannabisverkäufer und Hanferzeuger dabei, die Ungleichheiten zwischen Individuum und Staat zu beseitigen.
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