Cannabis in Usbekistan – Gesetze, Konsum und Geschichte

Die Cannabis-Gesetze in Usbekistan zählen zu den strengsten in Zentralasien. Selbst der Cannabiskonsum kann mit einer Freiheitsstrafe von drei Jahren bestraft werden. Das Land hat auch Probleme mit dem Drogenhandel, wegen der durchlässigen Grenze von Afghanistan nach Usbekistan. Die unterfinanzierte Drogenbekämpfung versucht, das Problem zu kontrollieren.

Cannabis-Gesetze in Usbekistan

Darf man in Usbekistan Cannabis besitzen und konsumieren?

Die Cannabis-Gesetze in Usbekistan zählen zu den strengsten in Zentralasien. Entsprechend des Strafgesetzbuches kann „jede Verwicklung in Cannabis-Konsum“ mit drei Jahren Strafarbeit oder einer Freiheitsstrafe von drei Jahren bestraft werden.

Wenn die entsprechende Person vorher bereits mit Drogen zu tun hatte oder Cannabis zusammen mit einer anderen Person konsumiert, wird diese Strafarbeit um sechs Monate oder die Freiheitsstrafe um drei bis fünf Jahre erhöht.

Wenn sich herausstellt, dass bei dem Täter eine Cannabisabhängigkeit vorliegt, kann es sein, dass er außerdem behandelt wird und eine Strafe über ihn verhängt wird.

Darf man in Usbekistan Cannabis verkaufen?

Das usbekische Recht unterscheidet zwischen Personen, die Cannabis konsumieren und Personen, die es besitzen und verkaufen möchten. Wenn die Behörden zu dem Schluss kommen, dass der Täter Cannabis verkaufen wollte (sei die Menge auch noch so gering), kann er zu einer sechsmonatigen Haftstrafe oder drei bis fünf Jahren Gefängnis verurteilt werden.

Bei größeren Mengen Cannabis wird die Haftstrafe auf fünf bis sieben Jahre erhöht. Hatte der Täter bereits vorher mit Drogen zu tun, handelt als Teil einer Gruppe oder verkauft Cannabis in einer Bildungseinrichtung, wird die Strafe erneut auf sieben bis zehn Jahre erhöht.

Bei größeren Mengen ist eine Freiheitsstrafe von 10 bis 20 Jahren vorgesehen.

Usbekistan ist außerdem ein „Drogentransitland“, durch das regelmäßig Drogen aus Afghanistan geschmuggelt werden. Daher sehen die Gesetze schwere Strafen für Drogenhandel vor. Wenn der Täter beim Schmuggel von Cannabis oder anderen Drogen erwischt wird, wird er zu fünf bis zehn Jahren Gefängnis verurteilt.

Darf man in Usbekistan Cannabis anbauen?

Der Anbau von Cannabis in Usbekistan ist gemäß dem Strafgesetzbuch des Landes verboten. Jeder, der dabei erwischt wird, kann mit einer Geldstrafe (25 bis 50 Mindestmonatslöhne), bis zu drei Jahren Strafarbeit oder einer Gefängnisstrafe von drei Jahren bestraft werden.

Was geschieht, wenn für den Täter, der Cannabis angebaut hat, Folgendes gilt?

  • Er hat bereits vorher eine Straftat im Zusammenhang mit Betäubungsmitteln/psychotropen Substanzen begangen
  • Es wurde festgestellt, dass er als Teil einer Gruppe agiert
  • Er baut Cannabis auf einem mittelgroßen Grundstück an

Dann wird die Strafe auf eine Geldstrafe von 50 bis 100 Mindestmonatslöhnen, eine Haftstrafe von bis zu sechs Monaten oder eine Freiheitsstrafe von drei bis fünf Jahren erhöht.

Wenn es sich bei der Person um einen „gefährlichen Rückfalltäter“ handelt, der innerhalb einer organisierten Bande agiert oder Cannabis auf einem großen Grundstück anbaut, wird die Strafe auf fünf bis zehn Jahre Gefängnis festgesetzt.

Das im Jahr 2000 eingeführte Gesetz über „Betäubungsmittel und psychotrope Substanzen“ besagt jedoch, dass Cannabispflanzen für „staatliche Unternehmen und wissenschaftliche Zwecke“ angebaut werden können, sofern die entsprechende Lizenz von den Behörden erteilt wird.

Ist CBD in Usbekistan legal?

Im usbekischen Gesetz wird nicht zwischen CBD und Cannabis unterschieden. Das bedeutet, dass es trotz des niedrigen THC-Gehaltes (und der Tatsache, dass es Konsumenten nicht „high“ machen kann) illegal ist, CBD in Usbekistan zu kaufen, verkaufen und konsumieren.

Darf man Cannabis-Samen nach Usbekistan senden?

Das Gesetz macht keinen Unterschied zwischen Cannabis-Samen und anderen Teilen der Pflanze. Somit ist deren Kauf, Verkauf oder Konsum illegal. Sie dürfen also auch nicht an das Land gesendet werden.

Medizinisches Cannabis in Usbekistan

Medizinisches Programm: Es gibt in Usbekistan kein medizinisches Cannabis-Programm.

Laut Gesetz darf Cannabis aber für medizinische Zwecke verwendet werden, wenn es entsprechend der vom Gesundheitsministerium erlassenen Vorschriften eingesetzt wird. Betäubungsmittel und psychotrope Substanzen können in Apotheken, Therapieeinrichtungen und Präventionseinrichtungen ausgegeben werden, sofern diese über die entsprechenden Lizenzen verfügen.

Reisende, die das Land bereisen und sich mit Cannabis-Produkten behandeln lassen, können ihre Medikamente auch weiterhin verwenden, sofern sie den staatlichen Vorschriften entsprechen. Wenn sie sich länger in Usbekistan aufhalten und mehr Cannabis-Medikamente benötigen, können sie auch im Land ein Rezept erhalten.

Industriehanf in Usbekistan

Bislang ist es illegal, industriellen Hanf in Usbekistan anzubauen. Das könnte sich jedoch bald ändern. Präsident Shavkat Mirziyoyev besuchte das ehemalige Werk „Kanop“ in der Region Taschkent, um sich dort über das Potenzial des Anbaus von industriellem Hanf zu informieren.

Während seines Besuchs erfuhr der Präsident von der Bereitschaft des Landes, Hanf anzubauen. Vor diesem Hintergrund kann es sein, dass sich die Gesetze des Landes ändern, sodass Usbekistan von diesem potenziell lukrativen Markt profitieren kann.

Gut zu wissen

Wenn Sie nach Usbekistan reisen (oder dort leben), könnten folgende Informationen interessant für Sie sein:

  • Der Drogenhandel ist ein großes Problem in Usbekistan. Die Grenze zu Afghanistan ist ca. 137 Kilometer lang, und Schmuggler können das Land auf vielen Wegen unbemerkt betreten – durch die Wüste oder die Berge.
  • In der Regel werden Drogen per LKW eingeschmuggelt, aber auch der Schmuggel per Schienenverkehr ist weit verbreitet. Einige Drogenhändler setzen sogar Packtiere wie Esel ein, um Drogen durch das Land zu transportieren. Dies gilt insbesondere für diejenigen, die den Weg durch die Berge wählen.
  • Obwohl es sich um ein Transitland handelt, sind die Drogenkriminalitätsraten in Usbekistan niedriger als in anderen Ländern der Region. Nach Angaben des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (Zentralasien) lag die Kriminalitätsrate in Usbekistan bei 31 pro 100.000 Menschen im Vergleich zum Durchschnitt der Region von 41 pro 100.000.

Die Geschichte von Cannabis

Viele Experten sind der Meinung, dass die Cannabis-Sorte Indica ihren Ursprung in Usbekistan und anderen Ländern Zentralasiens hat. Der russische Botaniker Nikolai Iwanowitsch Wawilow beschrieb dies in Origin and Geography of Cultivated Plants. Er gab zwar zu, dass es „sehr schwierig ist zu sagen, wo mit dem Hanfanbau begonnen wurde“, kam aber zu dem Schluss, dass Cannabis wahrscheinlich erstmals in Usbekistan, Tadschikistan, Afghanistan, Westindien und Pakistan angebaut wurde.

Es gibt keine archäologischen Funde, die beweisen, dass Cannabis im antiken Usbekistan verwendet wurde. Bei Ausgrabungen im nahegelegenen China wurden jedoch Cannabis-Reste freigelegt. Das deutet darauf hin, dass Cannabis seit mindestens 2.700 v. Chr. in der Region verwendet wurde. Auch die Nomadenvölker der Skythen lebten um 800 v. Chr. in der Gegend und für ihren Cannabiskosnum im Rahmen von Ritualen und für den Freizeitkonsum liegen zahlreiche Nachweise vor.

Usbekistan hat schon immer eine wichtige Rolle in Bezug auf den Handel gespielt. Die historische Stadt Samarkand war einst der Dreh- und Angelpunkt der berühmten Seidenstraße, die China um 200 v. Chr. mit dem Westen verband. Samarkand war später auch als zentraler Ort für Islamwissenschaften bekannt. Angesichts der Erkenntnisse von Experten über islamische Praktiken kann man davon ausgehen, dass Cannabis zu diesem Zeitpunkt in der Region weit verbreitet war.

Wie in dem Nachbarland Afghanistan wurde in Usbekistan bereits sehr lange Cannabis produziert. Um 1800 erklärten indische Konsumenten, dass das Cannabis aus Usbekistan das „qualitativ hochwertigste“ sei und es wurde im gesamten Land produziert. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hat sich die Cannabis-Produktion jedoch von Usbekistan nach China verlagert.

Akzeptanz von Cannabis

Wie in vielen Teilen Zentralasiens wird Cannabis in Usbekistan seit Jahrhunderten regelmäßig konsumiert. Die im Land als Anasha bezeichnete Droge wurde im Laufe der Zeit relativ gleichbleibend häufig konsumiert. In den städtischen Gebieten des Landes ist mittlerweile jedoch ein Anstieg zu verzeichnen.

Von den Behörden wird Cannabis nicht als sonderlich problematisch gesehen. Die Droge wird regelmäßig konsumiert und ist gesellschaftlich akzeptiert. Es handelt sich um die am häufigsten konsumierte illegale Substanz im Land. Etwa 4,2 % der erwachsenen Bevölkerung des Landes konsumiert Cannabis. Somit wird Cannabis weitaus häufiger verwendet, als Opium oder Heroin. Allerdings machen die Opiumkonsumenten den Großteil der Menschen aus, die aufgrund der Droge Probleme haben und sich behandeln lassen müssen.

Cannabis ist jedoch in der Öffentlichkeit verpönt. Als beispielsweise der usbekische Olympia-Silbermedaillengewinner Abdulla Tangriev disqualifiziert wurde, nachdem bei einer Blutprobe Spuren von Cannabis festgestellt wurden, reagierte die breite Öffentlichkeit negativ auf diese Nachricht.

Cannabisanbau in Usbekistan

Cannabis wächst in Usbekistan in der freien Natur und man sieht die Pflanze oft am Straßenrand oder auf Feldern. Sie wird auch von Landwirten angebaut. Im Vergleich zu den Nachbarländern Afghanistan oder Kasachstan wird jedoch in Usbekistan nur wenig angebaut.

Wie viel genau im Land angebaut wird, ist nicht bekannt. 2006 meldeten die Behörden jedoch 0,4 Hektar wild wachsendes Cannabis und 1,44 Hektar illegal angebautes Cannabis. Es ist davon auszugehen, dass diese Angaben zu niedrig sind, da die Drogenbekämpfung in Usbekistan nicht sehr effektiv ist.

Offenbar wird in Usbekistan tendenziell mehr Cannabis angebaut, allerdings nicht so viel, dass ein ernstzunehmender Exportmarkt entstehen könnte. Im Allgemeinen darf Cannabis nicht angebaut werden, bei Männern über 60 und Frauen über 55 wird jedoch eine Ausnahme gemacht.

Cannabis aus Usbekistan

Die Landrassengenetik aus Usbekistan stößt bei Experten auf großes Interesse. Viele Sorten aus dem Land sind sehr teuer, da sie sehr wirksam und gut für die Cannabis-Produktion sind.

Indica sp. Afghanica ist eine klassische, den Züchtern bekannte Indica-Sorte. Es handelt sich um eine relativ kleine, gedrungene Pflanze mit breiten Blättern, die viel Harz produziert. Außerdem weist sie eine Lilafärbung auf.

Die Indica sp. Afghanica unterscheidet sich im Erscheinungsbild von der Indica sp. Indica (die in Nordindien, Pakistan und Nepal wächst), die schmale Blätter hat und eine bessere Feuchtigkeitsresistenz aufweist.

Drogenhandel in Usbekistan

Usbekistan ist für die afghanischen Schmugglerbanden von strategischer Bedeutung. Es gibt verschiedene Routen, über die Cannabis (sowie Opium und Heroin) durch das Land geschmuggelt wird. Manchmal überqueren die Banden die Grenze zwischen Usbekistan und Afghanistan. Alternativ dazu kommen sie über die östliche Grenze (zu Kirgisistan und Tadschikistan).

Die Grenzen werden bekanntermaßen nicht engmaschig kontrolliert und es gab eine Zeit, in der die usbekische „Drogenmafia“ sogar gezielt einen Busservice für den Drogenschmuggel ins Land betrieben hat. Von Usbekistan aus begeben sich die Schmuggler nach Norden in Richtung Russland oder über das Kaspische Meer nach Europa.

Wie in den meisten Ländern der Region gelten auch in Usbekistan Opium und Heroin als größere Bedrohung, als Cannabis. Dementsprechend konzentrieren sich die meisten Drogenbekämpfungsmaßnahmen darauf, den Konsum dieser Drogen einzudämmen.

Wird Cannabis in Zukunft legalisiert?

Angesichts der Drogenprobleme Usbekistans ist es unwahrscheinlich, dass das Land in naher Zukunft einen fortschrittlicheren Ansatz im Hinblick auf seine Cannabis-Gesetze verfolgen wird. Auch von der Einführung eines medizinischen Cannabis-Programms hat die Regierung nichts verlauten lassen.

  • Disclaimer:
    Obwohl größte Sorgfalt bei der Gewährleistung der Richtigkeit dieses Artikels aufgewendet wurde, ist er weder als Rechtsberatung gedacht, noch sollte er als solche verstanden werden. Jede Situation wird von individuellen Faktoren beeinflusst und man sollte stets einen Experten oder Anwalt für eine Rechtsberatung konsultieren.

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    Sensi Seeds

    Das Sensi Seeds Redaktionsteam besteht aus Botanikern, medizinischen und juristischen Experten sowie renommierten Aktivisten wie Dr. Lester Grinspoon, Micha Knodt, Robert Connell Clarke, Maurice Veldman, Sebastian Marincolo, James Burton und Seshata.
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  • Maurice_Veldman

    Maurice Veldman

    Maurice Veldman ist Mitglied der Niederländischen Vereinigung der Strafrechtsanwälte und einer der bemerkenswertesten Cannabis-Anwälte der Niederlande. Mit 25 Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet unterstützt sein strafrechtliches und Verwaltungsrecht die Cannabisverkäufer und Hanferzeuger dabei, die Ungleichheiten zwischen Individuum und Staat zu beseitigen.
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