by Seshata on 01/04/2015 | Medizinisch

Top 4 Vorteile von Cannabis bei PTSD

Bei der Posttraumatischen Stressstörung (PTSD = Post-traumatic Stress Disorder) handelt es sich um eine psychische Erkrankung, die als Reaktion auf schweren oder langanhaltenden Stress auftritt, zum Beispiel bei Personen, die Kriege mitmachen oder von anderen misshandelt werden. Zahlreiche PTSD-Patienten behandeln sich selbst mit Cannabis, und mehrere Studien haben den potenziellen Nutzen der Pflanze belegt.


1. Wirkt angstlösend

Kriegserlebnisse können eine schwere traumatische Erfahrung darstellen und zu PTSD führen (© ussocom_ru)
Kriegserlebnisse können eine schwere traumatische Erfahrung darstellen und zu PTSD führen (© ussocom_ru)

PTSD wird als Angsterkrankung eingestuft und durch immer wiederkehrende Symptome charakterisiert, bei denen der Patient die ursprüngliche traumatische Erfahrung in Form von Albträumen, Rückblenden und bedrängenden Gedanken von Neuem erlebt; die Patienten sind sehr darum bemüht, die Erinnerungen an die traumatische Erfahrung zu vermeiden, und machen beträchtlich lange Phasen mit verstärkten Ängsten und emotionaler Erregung durch.

Zwar tritt nicht bei allen Personen mit schweren Traumata PTSD auf, aber dennoch ist die Krankheit weitverbreitet. Man schätzt, dass bis zu zwei Drittel der Weltbevölkerung zu irgendeinem Zeitpunkt ihres Lebens eine traumatische Erfahrung macht; allerdings gibt es zwischen den Völkern erhebliche Unterschiede bei der Verbreitung der PTSD zu Lebzeiten: In den USA sind es durchschnittlich rund 8 %, in Kambodscha und Algerien dagegen im Durchschnitt 28 % bzw. 37 %.

Zahlreiche Studien belegen, dass das Endocannabinoidsystem eine fundamentale Rolle bei der Regulierung von Ängsten und Sorgen spielt — man nimmt in der Tat an, dass Variationen des CNR1-Gens, das die Expression der Cannabinoidrezeptoren kodiert, eine Person mehr oder weniger anfällig für Angststörungen wie PTSD machen.

Eine Studie an Mäusen aus dem Jahr 2011 kam zu dem Schluss, dass eine übermäßige Expression der CB2-Rezeptoren ängstliche Verhaltensweisen reduzierte und zu einer Erhöhung der ?-Aminobuttersäure (GABA = Gamma-Aminobutyric Acid) im Hippocampus und Hypothalamus führte. Und eine im Jahr 2013 durchgeführte in vivo- Studie an Menschen fand heraus, dass PTSD-Patienten erhöhte Konzentrationen von CB1-Rezeptoren hatten, zusammen mit verminderten Konzentrationen des endogenen Agonisten Anandamid und einem verminderten Cortisolspiegel. Man stellte fest, dass 85 % der PTSD-Fälle korrekt klassifiziert werden konnten, wenn diese drei Faktoren anwesend waren.

2. Unterdrückung des Gedächtnisses und Angstreaktion

Offenbar hat das Signalsystem der Cannabinoide in Bezug auf die Angstreaktion wichtige, aber unterschiedliche Funktionen, die von der jeweils betroffenen Gehirnregion abhängen. So ergab eine Studie an Mäusen aus dem Jahr 2007, dass Mäuse ohne CB1-Rezeptoren (denen die CB1-Rezeptoren aufgrund genetischer Manipulation fehlten) einen Mangel an situationsbedingten Angstreaktionenaufwiesen; bei genetisch unveränderten Mäusen verstärkte der CB1-Rezeptoragonist WIN-55,212-2 die Angstreaktion, während sie durch den Antagonisten AM-251 reduziert wurde.

Bei PTSD wird die Angstreaktion unterbrochen, was zur Ausprägung anormaler Muster führt (© KatLevPhoto)
Bei PTSD wird die Angstreaktion unterbrochen, was zur Ausprägung anormaler Muster führt (© KatLevPhoto)

Die Forscher beobachteten, dass der Hippocampus an der situationsbedingten Angstreaktion beteiligt ist, während die ursprünglichere, durch Signalstoffe ausgelöste Angstreaktion mit der Amygdala zusammenhängt.  Frühere Studien haben gezeigt, dass die CB1-Rezeptoragonisten an der Eliminierung der durch Signalstoffe ausgelösten Angstreaktion, die mit der Amygdala zusammenhängt, beteiligt sind, indem sie unerträgliche Erinnerungen auslöschen, die normalerweise gleich nach dem Erlebnis der unerträglichen Reize gespeichert werden. Eine Studie an Ratten aus dem Jahr 2014 bestätigte diesen Befund, indem sie nachwies, dass die Schreckreaktion durch die Verabreichung des CB1-Rezeptoragonisten WIN-55,212-2 innerhalb von zwei Stunden nach dem unerträglichen Reiz abgeschwächt wurde, wenn das Tier den Erinnerungssituationen später erneut ausgesetzt wurde.

Die Gabe von THC und anderen Agonisten kann also positive oder negative Effekte haben, je nach der Gehirnregion und dem Auslöser der Angstreaktion -(situationsbedingt oder durch Signalstoffe hervorgerufen).   Am einfachsten kann der Unterschied zwischen einer durch Signalstoffe und einer durch Situationen ausgelösten Angstreaktion so beschrieben werden:  Die durch Signalstoffe ausgelöste Reaktion tritt auf, wenn der ursprüngliche unerträgliche Reiz wiederholt wird, während die situationsbedingte Reaktion dann auftritt, wenn die Person derselben oder einer ähnlichen Situation ausgesetzt wird, in der der unerträgliche Reiz ursprünglich stattfand.

Was dies für menschliche PTSD-Patienten genau bedeutet, ist jedoch ungeklärt (es sei denn, die Ergebnisse könnten sogar bei Menschen nachgewiesen werden), aber es könnte bedeuten, dass verschiedene Cannabinoide (oder verschiedene Cannabinoidanteile) in unterschiedlichen Stadien oder bei unterschiedlichen Aspekten des Genesungsprozesses nützlicher sind als andere.

3. Neuroprotektive Wirkung

PTSD hat diverse langfristige neurologische Auswirkungen, die der Angstreaktion des Patienten auf stressige Situationen nach einem oder mehreren ursprünglich unerträglichen Reizen zugrunde liegen. Bei der Mehrheit der Menschen werden Stresssituationen mithilfe einer komplexen Reihe neurochemischer Interaktionen verarbeitet und behalten, um die Gefahr einer künftigen Wiederholung auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Wenn dieser Prozess chronisch unterbrochen wird, können normale Reaktionen auf potenziell stressige Situationen irreparabel geschädigt werden, da sich anormale biologische Mechanismen ausprägen, was die Entwicklung von PTSD zur Folge hat.

Man hat immer wieder beobachtet, dass Frauen mit größerer Wahrscheinlichkeit Angststörungen nach dem Durchleben eines Traumas entwickeln als Männer, und es gibt Hinweise darauf, dass auch unterschiedliche neurologische Effekte auftreten.   Dasselbe Phänomen ist bei Tieren festgestellt worden: 2011 kam eine Studie an Ratten zu dem Schluss, dass unter normalen Bedingungen in weiblichen Tieren höhere Konzentrationen des CB1-Rezeptors im Cerebellum (Kleinhirn) und im Hirnstamm enthalten waren. Bei ihnen fanden sich höhere Konzentrationen der Phosphorylierung des CB1-Rezeptors (Inaktivierung des Rezeptors durch Zugabe einer Phosphatgruppe, die durch die Wirkung von Enzymen zustandekommt, die Proteinkinase genannt werden) und insgesamt niedrigere Konzentrationen der CB1-Rezeptoraktivität als Reaktion auf wiederholten Stress.

PTSD geht häufig mit Albträumen und Schlafstörungen einher (© atconc)
PTSD geht häufig mit Albträumen und Schlafstörungen einher (© atconc)

Dies lässt darauf schließen, dass der Gebrauch der CB1-Rezeptoragonisten bei Frauen zu größeren subjektiven Verbesserungen führt, was die Beobachtung der Autoren der Studie erklären könnte, dass weibliche Tiere THC bevorzugen — und es erklärt auch die stärkere Neigung von Frauen, von Cannabis abhängig zu werden und ein „heftiges Verlangen“ danach zu entwickeln. Die Cannabinoidagonisten sollten also eingehender erforscht werden, damit speziell für Frauen bestimmte Therapien zur Neuroprotektion bei PTSD-Fällen entwickelt werden können.

4. Behandlung von Albträumen

2009 erforschte eine klinische Studie die Auswirkungen des synthetischen Agonisten Nabilon auf 47 PTSD-Patienten, die unter behandlungsresistenten Albträumen litten. 72 % der Patienten, die Nabilon erhielten, erlebten entweder, dass „die Albträume aufhörten oder dass sich deren Intensität signifikant verminderte“.

Manche Patienten berichteten auch, dass sich die Schlafdauer und -qualität verbessert habe. Außerdem litten sie weniger unter Nachtschweiß und hatten im Wachzustand weniger Rückerinnerungen an das Trauma.  Vier Patienten beendeten ihre gewöhnliche Medikation sogar ganz, nachdem sie einige Monate lang Nabilon eingenommen hatten, da die Albträume nicht mehr zurückgekehrt waren oder nach dem Absetzen von Nabilon erträglich blieben. Bei anderen Patienten traten die Albträume nach dem Absetzen von Nabilon rasch wieder auf; 28 % der ursprünglichen Studienteilnehmer brachen das Programm ab, als sie „leichte bis moderate“ Nebenwirkungen verspürten.

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