Cannabis-Spaliere und Pflanzenstützen: Indoor- und Outdoor-Guide

Die Römer wussten schon, was sie taten, als sie Spaliere für den Wein- und Traubenanbau einsetzten. Heute können auch Sie die Vorteile von Cannabis-Spalieren nutzen, um größere, gesündere Pflanzen mit höheren Erträgen zu ziehen.

Spaliere gehören zu den ältesten Techniken im Gartenbau. Schon die Römer setzten sie ein, um die Erträge ihrer Felder zu steigern. Noch heute sind Spaliere aus dem Anbau vieler Pflanzen nicht wegzudenken: Tomaten, Erbsen, Bohnen oder Kürbisgewächse. Und selbstverständlich kann das Spalieren auch beim Cannabis-Anbau viel bringen.

Erfahren Sie in diesem Artikel alles über Cannabis-Spaliere – von den Grundlagen bis zum richtigen Aufstellen von Spalieren oder Netzen, drinnen wie draußen.

Außerdem werfen wir einen Blick auf vertikale und horizontale Spaliere beim SCROG-Anbau, zeigen die wichtigsten Vorteile und klären, warum Pflanzenstützen im Cannabis-Anbau so wichtig sind.

Was ist ein Cannabis-Spalier?

Ein Cannabis-Spalier ist eine Konstruktion, die Cannabis-Pflanzen stützt und ihr Wachstum lenkt. Vielleicht haben Sie im Garten selbst schon mal Spaliere aus Netzen, Gittern oder Metall gesehen. Genau das sind die gängigsten Formen. Aber auch Schnur, PVC-Rohre oder Holz funktionieren.

Und wozu das Ganze? Cannabis-Spaliere erfüllen zwei Aufgaben, die erstaunlich viel Einfluss auf Qualität und Ertrag einer Ernte haben können. In der Wachstumsphase formen Spaliere das Blätterdach, geben Struktur. In der Blütephase fangen sie die Last schwerer Buds ab, damit die Zweige nicht einknicken.

Horizontal vs. vertikal: Cannabis-Spaliere im Vergleich

Horizontale Cannabis-Spaliere verlaufen parallel zum Boden. Typisch für kleine Indoor-Räume oder Grow-Zelte. Zusammen mit Topping und LST entsteht so ein System, das das Wachstum im Zaum hält und optimal an den Platz anpasst. Und ein Bonus horizontaler Spaliere: Die natürliche Apikaldominanz von Cannabis verliert an Einfluss, das Licht erreicht alle Blühstellen der Pflanze viel besser.

Vertikale Cannabis-Spaliere sehen anders aus – eher wie die Varianten, die man im Gemüsegarten kennt. Man kann sie aus fast allem bauen, am häufigsten sind jedoch Netze (vor allem indoor). Sie verlaufen am Hauptstamm entlang, verändern das Höhenwachstum kaum. Aber: In der Blütephase leisten sie ganze Arbeit. Vertikale Spaliere stützen schwere Zweige und öffnen dichte Pflanzen sanft auf.

Auch wenn das im Cannabis-Anbau eher selten ist: Spaliere lassen sich durchaus an einer Wand anbringen. Mit einem Mix aus Beschneiden und Trainingstechniken können Grower ihre Pflanzen dazu bringen, entlang des Spaliers zu wachsen. Und so ein großes, vertikales Blätterdach zu schaffen.

Keine Standardmethode, aber durchaus eine kreative Art, Platz zu nutzen (z. B. an großen vertikalen Flächen wie Terrassenwänden, die viel Sonnenlicht abbekommen). Ein zusätzlicher Vorteil: Wärmespeicherung. Wände nehmen tagsüber Hitze auf und geben sie nachts wieder ab. Außerdem wirken sie als Windschutz und halten böige Luft von den Pflanzen fern. Ein Plus, gerade in kälteren Klimazonen.

Was unterscheidet Cannabis-Spaliere von SCROG?

Auf den ersten Blick sehen beide Methoden ähnlich aus. Fast identisch, könnte man meinen. Aber: Es gibt Unterschiede.

  • Spaliere: Sie geben den Pflanzen vor allem Halt. Ja, man kann mit ihnen auch das Wachstum steuern, doch im Vergleich zu SCROG ist das Ganze weniger aufwendig. Es ist keine klassische Trainingsmethode. Die Hauptaufgabe? Ein Spalier soll das Blätterdach öffnen und Stabilität schaffen, besonders in der Blütephase.
  • SCROG: Nutzt ebenfalls ein horizontales Spalier oder Cannabis-Netz. Dazu kommen aber konsequent Low-Stress-Training (LST) und Topping. SCROG-Grower toppen oder fimmen ihre Pflanzen mehrmals, um viele Colas zu erzeugen. Gleichzeitig biegen sie die Zweige mithilfe von LST so, dass sie entlang des Netzes (oder Spaliers) wachsen. Ziel ist ein gleichmäßiges Blätterdach, das den Raum maximal ausfüllt und jedes bisschen Licht optimal nutzt.

Die Vorteile von Spalieren: Warum Cannabis stützen?

Die Vorteile von Cannabis-Spalieren ähneln denen anderer Pflanzen. Dazu gehören:

1. Bessere Lichtverteilung

Wenn das Blätterdach geöffnet wird, erreicht das Licht mehr Blühstellen, was das Wachstum größerer Buds fördert.

2. Verbesserte Luftzirkulation

Gute Belüftung ist beim Cannabis-Anbau das A und O. So können Temperatur und Feuchtigkeit gesteuert werden. Die Folge schlechter Luftzirkulation? Schädlinge und Krankheiten.

3. Einfacher Zugriff

Wenn die Pflanze geöffnet und gestützt wird, haben Sie leichteren Zugang zum Blätterdach. Beschneiden, entlauben, nachschauen: Das alles geht dann einfacher.

4. Stabilität

Pflanzen stecken viel Energie ins bloße Aufrechtstehen, besonders bei Wind. Ein Spalier entlastet. Sie haben mehr Kraft fürs Wachstum und können harzige Buds produzieren. Und je näher die Blüte rückt, desto wichtiger wird diese Stütze.

Cannabis-Spaliere: So nutzen Sie die Methode im Anbau

Lust, diese uralte Gartentechnik auch beim Cannabis einzusetzen? Dann aufgepasst: Wir zeigen, wie Sie vertikale und horizontale Spaliere, SCROG und Spaliernetze richtig einsetzen und das Wachstum Ihrer Pflanzen aufs nächste Level bringen.

Wie Sie vertikale Spaliere und Stützpfähle beim Cannabis-Anbau einsetzen

Vertikale Cannabis-Spaliere und Stützpfähle sieht man vor allem draußen. Doch auch im Grow-Zelt oder Grow-Room funktionieren sie. So geht’s Schritt für Schritt:

  1. Lassen Sie Ihre Cannabis-Samen wie gewohnt keimen und dann geht’s in die Sämlingsphase. Sobald sie kräftig genug sind, setzen Sie sie direkt in ihre endgültigen Töpfe. Späteres Umtopfen? Keine Chance, dafür müsste das komplette Spalier abgebaut werden.
  2. Nach dem Umtopfen der Sämlinge kommt ein Tomatenkäfig in die Mitte des Topfes. Er dient als innere Stütze und hilft dabei, das Wachstum in den ersten Wachstumswochen zu leiten.
  3. In der späten Wachstums- oder frühen Blütephase bauen Sie das Spalier oder die Stützpfähle auf. Wichtig:
    • Wählen Sie wetterfeste Materialien, die etwas aushalten. Holz, Metall oder PVC zum Beispiel.
    • Stellen Sie vier kräftige Pfähle im Quadrat um den Topf auf, mit etwa 30 cm Abstand zur Mitte.
    • Bringen Sie Metallgitter an, um zwei horizontale Spaliere zu schaffen: eines direkt über dem Tomatenkäfig, ein zweites etwa 45 cm darüber.
    • Vervollständigen Sie die Konstruktion, indem Sie die vier offenen Seiten rund um die Pflanzen mit Metallgitter oder einem Netz aus Kunststoff oder Seil abdecken. Das Ganze sollte wie ein Käfig aussehen.
    • Achtung: Ihr Spalier sollte höher sein als die Pflanzen, die Sie anbauen. Wie groß die Sorte etwa wird, erfahren Sie auf der Website Ihrer Cannabis-Samenbank. Möglicherweise müssen Sie auch rechtzeitig Topping oder Fimming anwenden, damit die Pflanze nicht zu groß wird.
  4. Während die Pflanzen wachsen, führen Sie die Triebe durch die horizontalen und vertikalen Streben des Spaliers. Mit Pflanzenband, Schnur oder kleinen Kabelbinder können Sie die Triebe problemlos festmachen. Setzen Sie LST, Topping oder Fimming ein, um neues Wachstum anzuregen und zu steuern. Hin und wieder etwas beschneiden oder entlauben und schon kommt mehr Lichts ins Innere, die Luft zirkuliert besser, alles bleibt im Gleichgewicht.

Wie Sie horizontale Spaliere beim Cannabis-Anbau einsetzen

Horizontale Spaliere gehören beim Cannabis-Anbau längst dazu. Meist bestehen sie aus mehreren Lagen, die die Pflanzen über den ganzen Lebenszyklus hinweg stützen. Folgen Sie einfach unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Aufbau horizontaler Spaliere (funktioniert indoor und outdoor):

  1. Stellen Sie die vertikalen Stützpfähle außerhalb der Töpfe auf, und zwar etwas weiter entfernt als bei einem vertikalen Spalier (50 bis 60 cm von der Topfmitte sind perfekt). Wer auf Nummer sicher gehen will, nimmt am besten sechs statt vier Pfähle.
  2. Befestigen Sie Metallgitter oder Netze (aus Seil oder Kunststoff) an den Pfählen. Diese sollten parallel zum Boden verlaufen. Platzieren Sie die erste Lage rund 40 cm über dem Topfrand, die nächste jeweils etwa 40 cm darüber.
  3. Führen Sie die Triebe Ihrer Pflanzen während des Wachstums vorsichtig durch das Spalier. Topping und Fimming in den frühen Phasen fördern mehrere Haupttriebe, während Beschneiden und Entlauben dafür sorgen, dass Licht und Luft besser ins Innere gelangen. Mit Schnur, Seil oder Pflanzband können Sie Zweige und Stängel locker am Spalier fixieren.

Wie Sie die SCROG-Technik beim Cannabis-Anbau einsetzen

Mehr aus Ihren Pflanzen rausholen? SCROG macht’s möglich. Die Methode kombiniert horizontale Spaliere mit Training, damit ein flaches, gleichmäßiges Blätterdach wächst – in der Blüte dann voll mit dichten Colas. So klappt’s:

  1. Lassen Sie Ihre Cannabis-Samen keimen. Sobald die Pflanzen in ihren endgültigen Töpfen stehen und gut in der Wachstumsphase sind, beginnen Sie mit Topping und Fimming. Das regt die Bildung mehrerer Colas an. Gleichzeitig hilft LST, die neuen Triebe nach unten zu biegen und das Wachstum langsam in die Waagerechte zu bringen.
  2. Bringen Sie ein Netz über den Pflanzen an (je nach Sorte in einer Höhe von etwa 20 bis 60 cm über dem Topfrand) Achten Sie darauf, die Pflanzen nicht zu eng zu setzen (30 cm Abstand sind ein guter Richtwert).
  3. Wenn die Pflanzen dem Netz näherkommen, bleiben Sie dran: weiter toppen, fimmen und mit LST für kompaktes, buschiges Wachstum sorgen.
  4. Sobald einzelne Triebe durchs Netz schießen, einfach wieder darunter führen. Meist genügt eine sanfte Bewegung. Nur wenn sie sich sträuben, helfen Sie mit etwas Band oder Schnur nach.
  5. Ziel beim SCROG ist ein völlig flaches Blätterdach. Neues Wachstum sollte also über das Netz geführt werden (nicht darüber hinaus).
  6. Wenn das Blätterdach dichter wird, ist es Zeit zum Entlauben und Beschneiden. Blätter unterhalb des Netzes müssen entfernt werden.
  7. Jetzt kann die Blüte beginnen. Schon bald werden sich die Pflanzen ausdehnen, also führen Sie die Triebe weiter durch das Netz. Achten Sie darauf, dass nur die Blüten nach oben wachsen. Regelmäßiges Beschneiden während der Wachstumsphase und zu Beginn der Blüte hilft, die Blätter in Schach zu halten und die Lichtausbeute an den Blühstellen zu maximieren.

Lesen Sie unseren ausführlichen Artikel über SCROG und erfahren Sie, wie Sie diese effektive Trainingstechnik einsetzen.

Cannabis-Spaliere: Tipps & häufige Fehler

  • Installieren Sie das Spalier zum richtigen Zeitpunkt. Vertikale Varianten kommen am besten in der späten Wachstums- oder frühen Blütephase zum Einsatz. Horizontale Spaliere und SCROG-Netze dagegen schon früh in der Wachstumsphase.
  • Verwenden Sie stabile Materialien. Das Gestell sollte fest stehen, das Netz oder Gitter straff gespannt sein. Lose Seile oder schlaffe Netze geben den Zweigen keinen Halt. Spannung ist entscheidend, damit die Zweige und Stiele Ihrer Pflanzen aufrecht bleiben.
  • Wählen Sie die richtige Maschengröße. Sie hängt von Ihrem Anbaubereich, der Sorte und der Pflanzengröße ab. In der Praxis haben sich Gitter mit 8 bis 15 cm großen Quadraten bewährt.
  • Gehen Sie behutsam vor. Triebe lieber sanft einflechten, statt sie zu zwingen. Nutzen Sie Materialien, die nichts einklemmen (etwa Schnur, Pflanzenband oder Binder).
  • Denken Sie an die Zugänglichkeit. Beim Gießen, Düngen oder Pflegen darf das Spalier nicht im Weg sein.
  • Kombinieren Sie ruhig andere Methoden. Topping, LST, Lollipopping und Entlaubung können die Wirkung eines Spaliers noch verstärken.
  • Halten Sie die Luft in Bewegung. Dichte Blätterdächer speichern Feuchtigkeit und Wärme. Gute Belüftung beugt Problemen vor.
  • Und zuletzt: Gehen Sie beim Ernten mit Gefühl vor. Schneiden Sie Netz oder Spalier auf, statt reife Zweige hindurchzuziehen. So bleiben die Buds unversehrt.

Cannabis-Spaliere: Häufig gestellte Fragen

Wann sollte man Cannabis-Pflanzen stützen?

Vertikale Spaliere werden am besten in der späten Wachstums- oder frühen Blütephase aufgebaut. Horizontale Spaliere und SCROG-Netze dagegen schon früh während der Wachstumsphase.

Kann man Autoflowering-Sorten spalieren?

Ja, das geht, aber mit Fingerspitzengefühl. Da selbstblühende Sorten nur eine kurze Wachstumsphase haben, sollten Sie sie nur leicht stützen und auf intensivere Trainingsmethoden wie Topping oder LST verzichten (davon erholen sie sich selbstblühende Sorten meist nicht so gut).

Braucht man Spaliere beim Indoor-Anbau unbedingt?

Nein, zwingend notwendig sind sie nicht. Aber horizontale Spaliere oder ein SCROG-Setup können den Ertrag im Indoor-Grow deutlich steigern.

Kann man Spaliere mehrmals verwenden?

Kommt auf das Material an. Konstruktionen aus Holz, PVC oder Metall lassen sich problemlos wiederverwenden. Die Pflanzen werden einfach herausgeschnitten. Bei Netzen aus Kunststoff oder Seil ist es dagegen meist einfacher, sie am Ende der Ernte zu zerschneiden und zu ersetzen.

Nutzen Sie Cannabis-Spaliere im Freien oder im Grow-Zelt? Wir freuen uns, in den Kommentaren von Ihnen zu hören!

  • Disclaimer:
    Die Gesetze und Vorschriften zum Cannabisanbau sind von Land zu Land unterschiedlich. Sensi Seeds rät Ihnen daher dringend, Ihre lokalen Gesetze und Vorschriften zu befolgen. Handeln Sie nicht im Widerspruch zum Gesetz.

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    Steven Voser

    In der Schweiz geboren, in Australien aufgewachsen und nun in Südamerika unterwegs, ist Steven ein erfahrener Cannabis-Journalist. Ob er aus dem Hafen von Buenos Aires oder dem bolivianischen Altiplano schreibt, Stevens Arbeit beleuchtet die lange Geschichte und reiche Kultur der Cannabis-Pflanze sowie die undurchsichtige Gesetzeslandschaft, in der sie sich heute noch bewegt.
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