by Seshata on 19/03/2015 | Konsum

Warum macht Cannabis manchmal schläfrig?

Viele regelmäßige Konsumenten werden irgendwann schon erlebt haben, dass sie sich nach dem Cannabiskonsum schläfrig und lethargisch fühlen. Dieser Effekt ist individuell unterschiedlich stark ausgeprägt; und er kann sich auch bei ein- und derselben Person je nach Stimmung, vorhandener Müdigkeit oder sogar Tageszeit immer wieder anders auswirken. Die Cannabissorte spielt hierbei ebenfalls eine große Rolle.


Wie sich Cannabis auf Schlafmuster auswirkt

Cannabiskonsumenten berichten, dass der Konsum zu einem erholsameren Schlaf führt (© Flood)
Cannabiskonsumenten berichten, dass der Konsum zu einem erholsameren Schlaf führt (© Flood)

Der Mechanismus, durch den Cannabis den menschlichen Schlaf beeinflusst, ist äußerst komplex und bei Weitem noch nicht vollständig verstanden worden, obwohl mehrere Forschungsarbeiten zu diesem Thema veröffentlicht wurden. Viele Jahrhunderte oder gar Jahrtausende lang haben Menschen Cannabis als Schlafmittel verwendet und berichtet, sie würden mit dessen Hilfe schneller einschlafen können und sich am Morgen ausgeruhter fühlen.  Doch Menschen, die Cannabis in dieser Weise anwenden, machen häufig die Erfahrung, dass dabei ein „Kater“-Effekt auftreten kann, der das Aufwachen erschwert und den Konsumenten noch eine Weile danach unter Benommenheit und mangelnder Aufmerksamkeit leiden lässt.

Der menschliche Schlaf findet in Zyklen statt; die Zyklen durchlaufen vier Phasen und beginnen dann wieder von Neuem. Die erste Phase ist ein Zustand zwischen Schlafen und Wachheit, in dem der Schlafende leicht geweckt werden kann; die zweite Phase ist durch einen leichten Schlaf gekennzeichnet, aus dem man schon nicht mehr so leicht aufgeweckt werden kann; die dritte Phase wird Tief- oder Delta-Wellen-Schlaf genannt, und die vierte bezeichnet man als REM (Rapid Eye Movement = Schnelle Augenbewegungen)-Schlaf. Die 3. Tiefschlafphase wurde früher in Phase 3 und 4 unterteilt, heute wird sie jedoch als eine eigenständige statt als zwei verschiedene Phasen betrachtet.

Cannabis, Tiefschlaf und REM

Schlafstudien haben gezeigt, dass die Verabreichung von THC eine Verminderung der Dauer und Intensität des REM-Schlafs bewirkt, während sie zugleich die Tiefschlafphase verlängert. Eine Studie aus dem Jahr 1975 über die Auswirkung von THC auf die Schlafmuster ergab, dass die Augenbewegungen während des REM-Schlafs deutlich vermindert wurden, wenn THC zwei Wochen lang in einer Dosis von 210 mg pro Tag verabreicht wurde. Zudem wurde die Zeit, die der Schlafende in der REM-Phase verbrachte, geringfügig verkürzt. Die Studie kam auch zu dem Schluss, dass die Tiefschlafphase nach Verabreichung von THC geringfügig verlängert wurde, doch dieser Effekt wurde als statistisch nicht signifikant eingestuft.

Darüber hinaus untersuchte die Studie den Effekt des Cannabis entzugs auf den Schlaf, wobei man herausfand, dass die Dauer des REM-Schlafs hierdurch ebenso zunahm wie die Intensität der Augenbewegungen.  Zudem war die Tiefschlafphase drastisch verkürzt, allerdings nur in der ersten Nacht des Entzugs.

Die Effekte von THC und CBD auf den Schlaf

Eine neuere Studie aus dem Jahr 2004 erforschte sowohl den Effekt verschiedener THC-Dosierungen auf die Schlafmuster als auch die Wirkung von THC in Verbindung mit CBD. Acht freiwilligen Probanden wurde entweder ein Placebo, 15 mg THC, 5 mg THC und 5 mg CBD, oder 15 mg THC und 15 mg CBD über ein Mundspray verabreicht. Dann wurden die Probanden mithilfe eines Elektroenzephalogramm (EEG)-Geräts überwacht. Die Studie kam zu dem Schluss, dass die 15 mg THC-Dosis ohne CBD keinen erkennbaren Effekt auf den nächtlichen Schlaf hatte, aber am nächsten Morgen klagten die Probanden über verstärkte Lethargie und Schläfrigkeit, Launenhaftigkeit und ein schlechteres Gedächtnis.

THC ohne CBD kann am nächsten Morgen eine Kater-Stimmung hervorrufen (© aerodesign.pl)
THC ohne CBD kann am nächsten Morgen eine Kater-Stimmung hervorrufen (© aerodesign.pl)

Die kombinierte Gabe von 5 mg THC und CBD führte zu einer Verkürzung des Schlafs der Phase 3, und die kombinierte 15 mg-Dosis bewirkte, dass sich die Probanden wacher und aufmerksamer fühlten.  Dies legt nahe, dass THC in der Tat einen beruhigenden Effekt hat, der jedoch durch CBD neutralisiert wird. Denn die Probanden, die die 15 mg THC/CBD-Dosis einnahmen, erlebten verstärkte Aktivitäten im Schlaf, und darüber hinaus keinen betäubenden THC-Effekt am Morgen danach.

Zwar stellte diese Studie keine verlängerte Tiefschlafphase und einen kürzeren REM-Schlaf nach der alleinigen Gabe von THC fest (ebenso wie die Studie von 1975), doch diverse andere Studien sind zu genau diesem Ergebnis gekommen. Außerdem trägt THC offenbar dazu bei, das Gefühl der Schläfrigkeit aufkommen zu lassen und das Einschlafen zu beschleunigen, allerdings ist noch nicht völlig geklärt, wie dieser Mechanismus funktioniert.

Wie läuft dieses Phänomen ab?

Der Prozess des Einschlafens wird ebenso wie der Ablauf der Phasen in einem Zyklus von komplexen Interaktionen zwischen den Neurotransmittern im Gehirn gesteuert. Beispielsweise hat der primär hemmende Neurotransmitter Gamma-Aminobuttersäure (Gamma-Aminobutyric Acid = GABA) wesentlichen Anteil am Schlafprozess; es ist erwiesen, dass die Aktivierung der GABA-Rezeptoren zur Herbeiführung des Schlafes beitragen können. Daher sind in vielen heutigen Schlafmitteln spezielle Wirkstoffe für diese Rezeptoren enthalten.

Man hat herausgefunden, dass das Endocannabinoidsystem grundlegend mit dem GABA-Übertragungssystem verbunden ist, und konnte zeigen, dass das Endocannabinoid 2-Arachidonylglycerol (2-AG) die GABA-Rezeptoren direkt aktiviert. Möglicherweise steckt dieser Mechanismus dahinter, wenn Cannabis einen Menschen schläfrig macht.

Cannabiskonsum und Träumen

Wenn der REM-Schlaf verkürzt wird, träumt man weniger oder gar nicht mehr (© RelaxingMusic)
Wenn der REM-Schlaf verkürzt wird, träumt man weniger oder gar nicht mehr (© RelaxingMusic)

Der REM-Schlaf ist die Phase, in der der Mensch träumt. Sie wird auch paradoxer Schlaf genannt, da in dieser Phase ein hohes Maß an neuronaler Aktivität stattfindet – das fast mit der Aktivität im Wachzustand vergleichbar ist -, zusammen mit einer drastisch reduzierten körperlichen Aktivität.  Tatsächlich ist die Mehrheit der Muskeln während des REM-Schlafs praktisch gelähmt. Dieses Phänomen hängt vermutlich mit der starren Unbeweglichkeit zusammen, die bei zahlreichen Beutetieren in Anwesenheit von bestimmten Raubtieren beobachtet wird. Diese starre Unbeweglichkeit kann Tiere leblos erscheinen lassen, weshalb Raubtiere, die nicht an Aas interessiert sind, das Interesse verlieren. Bei Menschen dient die Schlaflähmung womöglich einem ähnlichen Zweck – sie hält uns vom Schlafwandeln ab, bei dem wir aufgrund von intensiven oder lebhaften Träumen in potenziell gefährliche Situationen geraten können.

Weltweit berichten Cannabiskonsumenten, dass sich das subjektive Traumerlebnis bei regelmäßigem Konsum vermindert oder ganz verschwindet und dass man nach Beendigung des Cannabiskonsums wieder zu träumen anfängt, und zwar bemerkenswert intensiv. Anscheinend ist dieses Phänomen auf die Verkürzung des REM-Schlafs zurückzuführen, die durch THC verursacht wird. Wenn Sie also darauf achten, eine Cannabissorte zu wählen, die etwa gleich hohe Mengen von CBD und THC enthält, können Sie das Phänomen sicherlich weitgehend vermeiden.

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norbert werner

habe samen bestellt, bin ein Schmerzpatient UND WÜRDE GERN WISSEN wie ich das Produkt verarbeite und einnehme. bin Nichtraucher , bräuchte es gegen schmerzen und zum schlafen, da ich, durch schmerzen schlecht einschlafen kann. bitte um info , was für Möglichkeiten es gibt . danke, ach so mein alter ist 65 jahre

20/03/2015

Stefanie

Hallo Norbert,
vielen Dank für Deinen Kommentar. Zum Anbau der Pflanzen dürfen wir keine Hinweise geben. Du kannst Dich gern in unserem Forum informieren: http://forum.sensiseeds.com/.
Zum medizinischen Konsum möchte ich Dir folgende Seiten empfehlen:
https://sensiseeds.com/de/blog/uber-sensi-seeds/sensi-seeds-und-medizinisches-cannabis/wie-man-eine-medizinische-cannabissorte-auswahlt/
https://sensiseeds.com/de/blog/uber-sensi-seeds/sensi-seeds-und-medizinisches-cannabis/anwendungen-von-medizinischem-cannabis-auf-rezept/
https://sensiseeds.com/de/blog/uber-sensi-seeds/sensi-seeds-und-medizinisches-cannabis/was-ist-medizinisches-cannabis/
http://hashmuseum.com/de/verdampfen-von-cannabis
https://sensiseeds.com/de/blog/rauchen-versus-essen-von-cannabis/
https://sensiseeds.com/de/blog/verschiedene-moeglichkeiten-der-einnahme-von-medizinischem-cannabis/

Beste Grüße –
Steffi

03/04/2015

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.
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