by Seshata on 30/05/2013 | Konsum

Wissenschaft der Cannabinoide 101: Cannabidiol

Cannabinoide Cannabidiol (CBD) ist eines der bekannteren und ausführlich erforschten Phytocannabinoide. Es fungiert als Vermittler der Effekte von THC und wird deshalb im Allgemeinen von Natur aus als nicht psychotrop betrachtet. Doch Studien haben gezeigt, dass CBD eine beruhigende Wirkung hat, und das könnte teilweise erklären, warum Sorten mit hohem CBD-Gehalt für ihren “Stoned-” statt für ihren “High-” Effekt bekannt sind.


Cannabidiol (CBD) ist eines der bekannteren und ausführlich erforschten Phytocannabinoide. Es fungiert als Vermittler der Effekte von THC und wird deshalb im Allgemeinen von Natur aus als nicht psychotrop betrachtet. Doch Studien haben gezeigt, dass CBD eine beruhigende Wirkung hat, und das könnte teilweise erklären, warum Sorten mit hohem CBD-Gehalt für ihren “Stoned-” statt für ihren “High-” Effekt bekannt sind.

Und wenn Sie den neuesten Fortschritten in Nahrungsergänzungsmitteln für Gesundheit und Wohlergehen folgen, haben Sie ganz bestimmt schon von CBD-Produkten gehört, auch wenn Sie noch nie eine Cannabispflanze gesehen haben. Es gibt zunehmende und überzeugende Beweise dafür, dass die Zugabe von CBD zum Ernährungsplan potenziell vor verschiedene Krankheiten schützen oder sie verringern kann.

Chemische Struktur

CBD hat dieselbe chemische Formel und molare Masse wie THC (C21H30O2, 314,46 g/mol), allerdings eine geringfügig abweichende molekulare Struktur. Ebenso wie THC und die meisten anderen Lipide ist CBD hydrophob und lipophil, das bedeutet: Es ist nicht wasserlöslich oder emulgiert nicht ohne Weiteres mit Wasser, ist dafür aber fettlöslich (wie die meisten organischen Lösungsmittel, zum Beispiel Butan und Alkohol).

Unter sauren Bedingungen zyklisiert CBD (d. h. es bildet einen neuen Kohlenstoffring), und so entsteht THC. Unter alkalischen Bedingungen (bei Anwesenheit von Wasser) oxidiert CBD und wird zu Cannabidiol-Hydroxyquinone. Diese Substanz ist noch kaum untersucht worden, doch sie wirkt vermutlich hemmend auf die Leberenzyme, die für den Stoffwechsel der eingenommenen Drogen von wesentlicher Bedeutung sind.

Wie man sieht, sind die Moleküle THC und CBD einander extrem ähnlich
Wie man sieht, sind die Moleküle THC und CBD einander extrem ähnlich

Cannabidiol im EC-System

Zwar wird im Allgemeinen angenommen, dass CBD keine Affinität zu den Cannabinoid-Rezeptoren hat, aber in mindestens einer Studie wurde nachgewiesen, dass CBD als umgekehrter Agonist des CB2-Rezeptors fungiert. Ein umgekehrter Agonist ist ein Ligand, also eine Substanz, die sich an einen Rezeptor bindet und die einem Agonisten entgegengesetzte Reaktion hervorruft; während THC das Aktivitätsniveau des Rezeptors über das ihm immanente Niveau bei Abwesenheit eines Liganden erhöht, reduziert CBD das Aktivitätsniveau unter diese Grundlinie.  Demgegenüber bindet sich ein Antagonist an einen Rezeptor und bleibt inaktiv, indem er die Aktionen der nahegelegenen Agonisten blockiert.

Der spekulative neue Cannabinoid-Rezeptor, GPR55, wird wahrscheinlich durch die Aktion von CBD beeinflusst. Dieser Rezeptor reagiert nachweislich sowohl auf CBD als auch auf THC, ebenso wie auf die Endocannabinoide 2-AG, Anandamid und Noladin-Ether, und es wurde sogar angenommen, dass er selbst der CB3-Rezeptor sei.

Außerdem vermutet man, dass CBD zwar eine geringe direkte Affinität zu den Cannabinoidrezeptoren hat, jedoch verschiedene indirekte Effekte ausübt. Diese können aufgrund seiner Auswirkungen auf andere Endocannabinoide auftreten (wie zum Beispiel auf Anandamid – CBD hemmt nämlich die Degradation dieses Moleküls, wobei es dessen endogene Konzentrationen und Bioaktivität erhöht), oder auf Rezeptoren, die dem Endocannabinoid-System nicht angehören, aber mit diesem zusammenarbeiten.

Die Wirkung von CBD auf Nicht-EC-Rezeptoren

CBD ist ein vollständiger, aber schwacher Agonist des Transient Receptor Potential Vanilloid Typ 1 (TRPV1), der eine wichtige Rolle bei der Reaktion auf heiße und gesundheitsschädliche Substanzen spielt. TRPV1 ist ein Nozizeptor: Wenn der Rezeptor ausreichend stimuliert wird, werden Signale ans Gehirn gesendet. Hierdurch wird eine Reihe von automatischen Reaktionen ausgelöst, einschließlich einer Schmerzempfindung.

Verschiedene Cannabinoide, inklusive der Endocannabinoide Anandamid und N-Arachidonyl-Dopamin (ein Agonist des CB1-Rezeptors), beeinflussen den TRPV1-Rezeptor. Umgekehrt beeinflussen mehrere Vanilloide die Cannabinoid-Rezeptoren, unter anderem Olvanil und Pseudocapsaicin, jedoch nicht Capsaicin selbst. Die enge chemische Verwandtschaft zwischen vielen Vanilloiden und Cannabinoiden hat die Forscher zu der Schlussfolgerung veranlasst, dass die Erforschung von Vanilloid-Cannabimimetika  (Substanzen, die Cannabinoide nachahmen) ein großes therapeutisches Potenzial birgt.

Darüber hinaus ist erwiesen, dass CBD als ein Agonist des 5HT1?-Rezeptors wirkt. Dieser Rezeptor steuert die Expression von Serotonin (5HT) im zentralen Nervensystem, und das könnte viele der angst- und depressionslindernden Eigenschaften von CBD erklären. Zudem hat CBD eine regulierende Wirkung auf die Mu- und Delta-Opioidrezeptoren, die für die betäubende und euphorische Reaktion während des Cannabiskonsums mitverantwortlich sind, was diesen Effekt bei dem Konsumenten insgesamt wohl verstärkt.

In industriellem Hanf ist CBD das vorherrschende Cannabinoid
In industriellem Hanf ist CBD das vorherrschende Cannabinoid

Physiologische Eigenschaften

Gelegentlich wurde die These vertreten, die medizinische Bedeutung von CBD sei sogar noch größer als die von THC. Seine fehlende psychotrope Wirkung ist ein enormer Vorteil, da man es sicher anwenden kann, ohne befürchten zu müssen, hierdurch berauscht und arbeitsunfähig gemacht zu werden.  Außerdem ist es bekannt für seine zahllosen gesundheitsfördernden Eigenschaften, von denen viele zweifellos noch auf ihre Entdeckung warten.

So verfügt CBD über schmerzlindernde, antidepressive und angstlösende Eigenschaften, und es wird nun auch auf seine neuroprotektiven Fähigkeiten hin untersucht. Bei der Neuroprotektion werden die Strukturen des Gehirns und des Zentralnervensystems vor Schäden geschützt (einschließlich einer weiteren Schädigung, falls bereits degenerative Krankheiten wie Parkinson vorliegen). Es handelt sich um ein eminent wichtiges medizinisches Gebiet, dessen Bedeutung immer mehr wächst.

Cannabidiol und die Hemmung des Krebszellenwachstums

Doch wohl am aufregendsten ist die Entdeckung, dass CBD einen hemmenden Effekt auf das Wachstum von Krebszellen hat. Man nimmt an, dass die Wirkung von CBD auf die CB2- und TRPV1 -Rezeptoren, bei der oxidativer Stress erzeugt wird, hierbei eine Rolle spielt. Körpereigene biologische Funktionen produzieren reaktive Sauerstoffarten (ROS) wie zum Beispiel Peroxide, Sauerstoffionen und freie Radikale, die gewöhnlich entgiftet werden müssen, um Zellschäden zu mildern.

Wenn der Körper selbst nicht in der Lage ist, diese ROS wirksam zu entgiften, kann der oxidative Stress immer mehr zunehmen, bis die Apoptose (der Zelltod) einsetzt. Oxidativer Stress ist an der Entwicklung diverser fortschreitender Krankheiten beteiligt, wie zum Beispiel an Alzheimer, Parkinson, Fragiles-X-Syndrom und Krebs.

Normale Zellen benötigen niedrige ROS-Konzentrationen, um eine gesunde Übertragung der Zellsignale zu ermöglichen. Wenn die fraglichen Zellen von Krebs befallen sind, brauchen sie hohe ROS-Konzentrationen, um die höhere Geschwindigkeit des Stoffwechsels und die steigenden Teilungs- und Wachstumsraten aufrechtzuerhalten. Daher fördert oxidativer Stress für gewöhnlich das Wachstum der Krebszellen. Es konnte jedoch bewiesen werden, dass der durch CBD erzeugte oxidative Stress in bestimmten Krebszelltypen tatsächlich die Apoptose einleiten kann, insbesondere beim menschlichen Brustkrebs.

Sorten mit hohem CBD- und niedrigem THC-Gehalt wie die israelische "Avidekel" werden heute für medizinische Zwecke entwickelt
Sorten mit hohem CBD- und niedrigem THC-Gehalt wie die israelische „Avidekel“ werden heute für medizinische Zwecke entwickelt

Verfügbarkeit als Medikament

CBD unterliegt in den USA keiner gesetzlichen Beschränkung und ist somit legal rezeptfrei erhältlich. Das Unternehmen Dixie Botanicals hat sich auf Hanfsalben und Nahrungsergänzungsmittel spezialisiert, die in der Natur vorkommendes CBD enthalten. Seine und viele ähnliche Produkte werden in verschiedenen US-Staaten verkauft. In Kanada gilt CBD allerdings als eine Droge der Liste II und ist legal praktisch nur auf Rezept erhältlich, obwohl es – anders als bei THC – keine gesetzlichen Vorbehalte zur Begrenzung des erlaubten CBD-Anteils gibt.

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