by Micha on 20/03/2017 | Medizinisch

Zehn aktuelle Cannabis-Studien zum Staunen

Aktuell Die politische Diskussion über Cannabis dreht sich immer wieder um die Studienlage. Jetzt, da den Cannabis-Gegnern angesichts positiver Erfahrungen in vielen US-Bundesstaaten, Uruguay oder Kanada die Argumente langsam ausgehen, wird immer wieder auf die angeblich dürftige Studienlage zu Cannabis verwiesen. Bis jetzt…


Daran sind die Schuld, die solche Studien jahrelang nicht genehmigt haben und mit dieser Taktik unter anderem dafür gesorgt haben, dass Deutschlands größter Hersteller pflanzlicher Medikamente die Forschung zu medizinischem Cannabis nach Österreich ausgelagert hat. Die gleichen Kräfte, die sich heute gegen eine Regulierung von Cannabis aussprechen, haben jahrelang wirklich große und aussagekräftige Studien zu medizinischem und „recreational“ Cannabis verhindert. Das jüngste Beispiel hierfür ist der 2016 abgelehnte Coffeeshop-Modellversuch in Berlin oder die Weigerung des Bundesgesundheitsministeriums, Daten vieler hundert Cannabis-Patienten auszuwerten, wie sie es schon vor vielen Jahren angeboten haben. Ein Schelm, wer System dahinter vermutet. Einige der hier zitierten Studien findet man auch auf drugcom.de, der Aufklärungsseite der Bundesregierung.

So stammen die meisten der hier erwähnten, neusten Studien zu Cannabis auch nicht aus Deutschland, sondern den USA, Kanada oder Israel. In Deutschland dürfen sich Forscher derzeit eher Mini-Studien mit ziemlich speziellen Fragestellungen widmen. Ende 2015 veröffentlichte die Universität Düsseldorf die

„Bekifft Fahrrad fahren“-Studie“

und machte damit Anfang 2016 bundesweit Schlagzeilen. Studienleiter Dr. Benno Hartung und Wissenschaftler der Universität Düsseldorf hatten 14 Personen vor und nach dem Konsum von einem, zwei und dann drei Joints auf einen Fahrrad-Parcours geschickt, um so ihre Fahrtauglichkeit unter dem Einfluss von Cannabis zu testen. Bei allen 14 handelte es sich um regelmäßige Cannabis-Konsumenten, die angaben, zwischen einem Gramm pro Woche und einem Gramm pro Tag zu konsumieren. Die Teilnehmer rauchten im Laufe des Tests insgesamt 38 Bedrocan-Joints und mussten nach jedem Joint den Parcours erneut meistern. Die Auswertung durch die Wissenschaftler ergab keinerlei Unterschiede bei der Fahrweise. Der Parcours wurde auch nach ein, zwei oder drei Joints genauso gut durchfahren wie vor dem Konsum. Weil die Studie aufgrund der geringen Teilnehmerzahl nicht repräsentativ sei, warnt Studienleiter Hartung jedoch vor einer Überbewertung der Ergebnisse. Der Verkehrsexperte kritisiert, dass es in Deutschland viel zu schwer sei, Unterstützung für Studien zu den Auswirkungen von illegalen Substanzen im Straßenverkehr zu erhalten.

Legales Cannabis ist gut für den Jugendschutz

In Colorado ist die Zahl der High School Schüler, die innerhalb der letzten 30 Tage Cannabis konsumiert haben, laut einer Mitteilung des dortigen Gesundheitsministeriums rückläufig. Hatten 2011 noch 22 Prozent der Schüler im letzten Monat Cannabis-Erfahrung, lag die Zahl 2015, also zwei Jahre nach der Regulierung, nur noch bei 21,2 Prozent. Im Rest der Vereinigten Staaten ist die so genannte 30-Tage Prävalenz unter Jugendlichen hingegen leicht angestiegen und liegt nun bei 22 Prozent. „Die Erhebung zeigt, dass der Cannabisgebrauch seit der Legalisierung nicht angestiegen ist, denn vier von fünf Jugendlichen konsumieren nicht einmal gelegentlich“, kommentiert das Gesundheitsministerium die jüngsten Zahlen.

Gymnasiasten kiffen mehr als andere Altersgenossen

Beim gelegentlichen Griff zum Joint scheint auch die Schulform eine Rolle zu spielen. Das Hamburger Büro für Suchtprävention hatte 2016 eine Schüler- und Lehrerbefragung zum Umgang mit Suchtmitteln an Schulen, die in der Nähe der niederländischen Grenze liegen, durchgeführt. „Der Niederrhein ist für unsere Studie besonders interessant, weil im angrenzenden Nachbarland der Umgang mit Haschisch und Marihuana drogenpolitisch vergleichsweise liberal gehandhabt wird“, erklärte Projektleiter Baumgärtner. Doch Jugendliche in der Grenzregion zu den Niederlanden kiffen nicht mehr oder weniger als andere. Einen konsumfördernden Effekt könne man nicht bestätigen, heißt es in der Studie.  „Cannabis ist allgegenwärtig und hat mit dem Wohnstandort nichts zu tun.“ Allerdings stellt die Studie einen Zusammenhang zwischen Drogenkonsum und Schulform fest. „Wir wissen, dass von Gymnasiasten oft mehr Drogen konsumiert werden, als von Schülern anderer Schulformen“, so Baumgärtner. Das passe nicht ins allgemeine Bild, demzufolge in den unteren sozialen Schichten eher zu Drogen gegriffen werde.

Cannabis lässt das Gehirn nicht schrumpfen

Hierzu hatte ich bereits einen ausführlichen Blogbeitrag verfasst. Eine Studie hatte herausgefunden, dass es durch regelmäßigen Cannabiskonsum bei der Entwicklung des Gehirns männlicher Jugendlicher zu frühen Veränderungen kommen kann, die die kortikale Dicke der Hirnrinde beeinflussen. Die Autoren der neusten Studie , die Anfang August 2015 veröffentlicht wurde, bescheinigen „keinen Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum Jugendlicher und Psychosen, Krebs oder anderen Gesundheitsproblemen.“ Ob und in wie weit die Entwicklung der Hirnrinde mit der Entwicklung von  Schizophrenie in Zusammenhang steht, ist auch unter Wissenschaftlern umstritten. Selbst auf drugcom.de hat sich diese Erkenntnis 2016 durchgesetzt:

„Aktuellen Studien zufolge scheint Cannabis das Gehirn nicht grundsätzlich zu schädigen. Zumindest konnten bei einem Vergleich von eineiigen Zwillingen, von denen einer kifft und der andere nicht, keine Unterschiede zwischen den Gehirnen festgestellt werden. Eine weitere Studie hat jedoch aufzeigen können, dass Kiffen unter bestimmten Bedingungen Einfluss nimmt auf die Hirnentwicklung. Betroffen sind demnach nur Jungen, die eine genetische Veranlagung für Schizophrenie aufweisen. Ob diese Jungen ihr Risiko für Psychose tatsächlich durch Kiffen erhöhen, ist noch unklar. Fest steht aber, dass ein Einfluss auf die Gehirnentwicklung nicht auszuschließen ist“.

Jugendliche vertragen starkes Cannabis besser als Erwachsene

In Großbritannien wollte man erstmals testen, ob und inwieweit Cannabis bei Heranwachsenden zwischen 15-17 Jahren und Erwachsenen unterschiedlich wirkt. Das überraschende Ergebnis: Erwachsene wurden schneller stoned als die jugendlichen Probanden. Aber Heranwachsende neigen eher zu einem problematischen Konsummuster. Auch diese Studie bestätigt, dass die meisten Probleme aufgrund von Cannabiskonsum auftreten, wenn Jugendliche zu früh und zu viel konsumieren.

Cannabis ist ein gutes Substitutionsmittel und kann bei der Behandlung psychischer Erkrankungen helfen

Forscher der Universität von British Columbia dokumentierten das Potential von Cannabis als Ausstiegsdroge. „Die Studienergebnisse legen nahe, dass Cannabis als Ausstiegsdroge für Substanzen mit weitaus schädlicheren Folgen genutzt und den Konsum von Opioid-haltigen Schmerzmitteln reduzieren kann. Der Studienleiter und seine Kollegen schlussfolgern, das Substitutions-Patienten Cannabis zur Schadensminderung und aus Gründen der psychischen Stabilität konsumieren.

Cannabis macht schlank

US-Forscher haben einen Zusammenhang zwischen dem Bodymassindex (BMI) und regelmäßigem Cannabiskonsum festgestellt. Trotz sogenannter Fressflashs haben Cannabis-Konsumierende selten Gewichtsprobleme. Die Wissenschaftler vermuten, dass dieser Effekt mit den Blutzucker senkenden Eigenschaften von Cannabis zu tun hat. Die spielen auch bei der neusten Studie zu

Cannabis bei Insulin-resistenter Diabetes

eine Rolle. Durch die Aktivierung des Cannabinoid-Rezeptor 2 konnten Mäuse das ihnen verabreichte Insulin besser verwerten. Der CB2-Rezeptor ist für die Aufnahme und Wirkung körpereigener sowie von außen zugeführter Cannabinoide wie Δ9-Tetrahydrocannabinol verantwortlich. Die Forscher sehen den CB2-Rezeptor als ein vielversprechendes Ziel für die therapeutische Entwicklung gegenüber Insulinresistenz und Adipositas-bedingtem Diabetes. In einer älteren Studie aus dem Jahr 2013 konnten Forscher bei Cannabis Konsumierenden bessere Blutzuckerwerte feststellen als bei Nichtkonsumenten. Studienteilnehmer, die regelmäßig Marihuana rauchten, hatten einen um 16 Prozent niedrigeren Wert als Teilnehmer, die noch nie Marihuana konsumiert hatten. Zudem waren sie weniger gefährdet insulinresistent zu werden und hatten sie mehr „gutes“ HDL-Cholesterin im Blut.

Alkohol macht aggressiv, Cannabis friedfertig

Eine neue Studie, die die Wirkung von Alkohol- und Cannabiskonsum miteinander vergleicht, hat jetzt auch wissenschaftlich manifestiert, was den meisten ohnehin bekannt ist: Cannabis senkt das Aggressionspotential.

Von 61 Personen mit einem Altersdurchschnitt von 22 Jahren tranken 20 bis zu 50 Gläser alkoholische Getränke pro Woche. 20 Personen konsumierten regelmäßig Cannabis, während 21 abstinente Personen die Kontrollgruppe bildeten. Im Rahmen verschiedener Tests neigten die Personen der Alkoholgruppe stärker zu aggressiven Reaktionen, während sich bei den Cannabis Liebhabern das Aggressionspotential mit zunehmenden Konsum reduzierte.

Cannabis-Konsumenten feiern seltener krank

Die Studie „Die Auswirkung von Cannabis auf den Krankenstand“ offenbarte mithilfe einer repräsentativen Umfrage, dass die Zahl Krankschreibungen mit der Legalisierung von Medizinal-Hanfblüten gesunken ist.

Dieser Effekt ist in Staaten mit lockeren Regelungen medizinischen Marihuana bei männlichen Vollzeit-Angestellten mittleren Alters, die die größte Gruppe der Cannabis-Patienten stellt, am stärksten.

Schlusswort

Das ist nur eine kleine Auswahl der aktuellen Studien zu Cannabis. Auch in der Krebs-, Alzheimer– und Epilepsie-Forschung gibt es neue, viel versprechende Forschungsergebnisse. NORML-Direktor Paul sagte bereits 2010, dass Cannabis eine der am besten erforschten Substanzen sei und verwies in diesem Zusammenhang schon vor sieben Jahren auf über 20.000 Studien und wissenschaftliche Arbeiten zu Cannabis und Cannabinoiden.

Diese Aussage belegt auch ein gerade erschienenes Buch, das die weltweiten Forschungsergebnisse zu medizinischem Cannabis erstmals und übersichtlich zusammenfasst. „Der gesundheitliche Nutzen von Cannabis und Cannabinoiden“ wurde von den US-amerikanischen „National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine“ herausgegeben. Das Buch gibt es gebunden zu kaufen oder gratis zum .pfd-Download. Angesichts des neuen Gesetzes zu medizinischem Cannabis gehört das 440 Seiten umfassende Werk nicht nur in Deutschland in jede Arztpraxis.

 

Kommentar Abschnitt

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aXXL

Der durch das Verbot quasi selbst verschuldete Mangel an Cannabis-Studien wird mehr als kompensiert durch die mehrtausendjährige Historie ohne tödlich mit Cannabinoiden überdosierte Patienten oder Konsumenten.

21/03/2017

Peter Manterfeld

Danke für die vielfältigen Informationen! Dass das Establishment hinter der Unterdrückung von Studienergebnissen steckt, diese sogar Studien erschwert, ist eine Schande für die Bananenrepublik Deutschland, bzw. attestiert, dass wir in einer Bananenrepublik leben!

21/03/2017

Jack Herer Jr.

Könntet ihr bitte noch die Quellen angeben zu jedem Punkt.

22/03/2017

Stefanie

Hallo,
vielen Dank für Ihr Interesse an den Quellen. Jede Überschrift enthält einen weiterführenden Link. Einfach nur drauf klicken.

Herzliche Grüße,
Stefanie

23/03/2017

nuschel

ein mit alkohol überversorgtes volk
ist ein ruhiges volk,
ist ein einfaches volk und wohl auch ein dummes volk,
und das ist klaar zum vorteil für unsere staatsform und seine lenker.

ein im bewustsein erweitertes volk
ist wohl eher ein schwierigeres volk
welches aber viel mehr die dinge hinterfragt die schief laufen....

es wird der tag kommen an dem die krankhafte diskriminierung
"unter vortäuschen falscher tatsachen"
ein weiterer teil der weltgeschichte sein wird,
und dann muß jedes Mittelchen zur bewustseinserweiterung,
im fachhandel zu erwerben sein ...

solange es gerade in Deutschland allerdings eine so mächtige und skrupellose alkohollobby giebt,
wird es wohl noch den ein oder anderen kampf geben müssen...

lg nuschel

28/03/2017

Marykaba

Traurig, dass in diesem Land so viele leiden müssen, obwohl ihnen geholfen werden könnte. Dank Sensi Seeds und CBD-Öl kann ich meine Schmerzen aushalten.

LG Marykaba

17/04/2017

Roger

Seit 30 Jahren beobachte ich nun das Verhalten der Wirtschaft und Politik der Schweiz in Sachen Cannabis. Die Verteufelung dieser Heilspflanze und die Stigmatisierung der Konsumenten macht mich noch immer fassungslos. Meine Hoffnung auf eine schnelle Wende in der Schweiz ist daher nicht sehr gross.

17/04/2017

grünewelt

was zum neuen gesetz (legale abgabe an schmerzpatienten auf kasse) zu sagen is das es in deutschland leider kaum ein pillenverschreiber gibt der einem cannabis auf rezept verschreiben will mit den fadenscheinlichsten ausreden wie z.b. da könnt man ja damit dealen oder anderen unsinn machen.lieber überweisen sie einem zu einen anderen arzt.was mich glauben lässt das es in deutschland keinen patienten geben soll dem es trotz krankheit besser gehn soll.was ich aus eigener erfahrung sagen kann das ich nach 5 jahren morphium und co fast zum letzten mittel greifen wollte (suizid) hauptsache keine schmerzen mehr und leiden.durch nen freund kam ich an cannabis und nach 6 monaten war ich tabletten frei kein alkohol mehr und wieder am leben teil naehmen konnte und auch wollte.jetzt versuch ich seit 4 wochen nen arzt in heilbronn zu finden der mir cannabis verschreibt und ich bis dato keinen gefunden hab immer nur nenene das machen wir nicht zu hören bekomme. und da wird sich bestimmt auch nix ändern in den nächsten wochen monaten oder länger.einfach nur peinlich für deutschlands ärzte (pillenschubbser)

17/04/2017

Peter

Ich konsumiere seit 39 Jahren täglich. Mein Gehirn ist keineswegs geschrumpft, ich arbeite in einem sehr anspruchsvollem Beruf und meine Karriere ist außerordentlich erfolgreich

17/04/2017

getoba

Eine Pflanze die relativ einfach selbst anzubauen ist und dabei den finanziellen Interessen von Pharma-, Gesundheits-, Agrar- und Mineralölkonzernen im Weg steht, darf einfach nicht legal werden - wo kämen wir denn da hin ?

21/04/2017

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.
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