by Micha on 25/04/2018 | Medizinisch

Zehn neue Studien zur Arzneipflanze des Jahres – Cannabis

Studien Cannabis In Österreich wurde Cannabis gerade zur Arzneipflanze des Jahres gekürt. Grund genug, wieder einmal einen Blick auf den aktuellsten Stand der Forschung zu werfen. Denn seit der Legalisierung von medizinischem Cannabis in zahlreichen Ländern verbessert sich die Studienlage zur einst komplett geächteten Pflanze schneller als jemals zuvor. Viele dieser Studien bestätigen, was Patienten aufgrund ihrer jahrelangen Selbsttherapie ohnehin schon wussten, einige räumen mit alten Mythen auf und andere wiederum überraschen selbst jene, die meinten, schon alles über Hanf zu wissen.


Vor einem Jahr haben wir über „Zehn Cannabis-Studien zum Staunen“ berichtet und uns jetzt aufgrund der rasanten Entwicklung entschieden, auch 2018 die allerneusten Cannabis-Studien und Zahlen unter die Lupe zu nehmen.

Dieser Artikel stellt eine kleine Auswahl der aktuellen Studienlage zu Cannabis dar. Denn so schlecht, wie oft behauptet wird, ist die Forschungslage gar nicht. Schon 2010 bezeichnete NORML-Direktor Paul Armentano Cannabis als eine der am besten erforschten Substanzen. Er verwies in diesem Zusammenhang auf über 20´000 Studien und wissenschaftliche Arbeiten zu Cannabis und Cannabinoiden.

Sativa und Indica – alles nur Fake?

Im September hatte Cannabinoid-Forscher Ethan Russo auf dem 9. IACM-Cannabinoid-Kongress in Köln die mittlerweile dritte Studie vorgestellt, welche die Einteilung von Cannabis in Sativa- und Indica-Sorten als wissenschaftlich nicht nachvollziehbar erklärt.

Der Erste, der die Einteilung bereits 2013 in Frage gestellt hatte, war Jeffrey Raber, seines Zeichens Inhaber eines Testlabors für medizinisches Cannabis in Kalifornien. Raber hatte nach der Auswertung von über 1000 Sorten behauptet, dass es keine wissenschaftliche Grundlage für die unterschiedlichen Effekte von Cannabis gäbe. Ein „OG Kush“ aus Hanfapotheke „X“ unterscheide sich grundlegend von einem „OG Kush“ aus Dispensary „Y“.

Die von Dr. Russo präsentierte Studie der Dalhousie University, die in Zusammenarbeit mit Bedrocan durchgeführt wurde, bestätigt die Ergebnisse Rabers und einer vorangegangenen Studie der Dalhousie University aus dem Jahr 2015.

Ein Foto mit Palmen, blauem Himmel und großen Anzeigetafeln mit der Aufschrift: CANNABIS JETZT LEGALISIEREN. KRANKENHAUS. WIR SPRECHEN SPANISCH. TÄGLICH GEÖFFNET.” Von der Umgebung her scheint es Kalifornien zu sein.

Die Forscher konnten auch in der aktuellen Studie keine genetischen Unterschiede zwischen Indica- und Sativa-Proben finden. Allerdings könne man anhand des in der Studie erstellten Terpenprofils Rückschlüsse auf die Herkunft einzelner Sorten ziehen. „Es ist wahrscheinlich, dass Sorten durch ihre verschiedenen Aromen klassifiziert werden und nicht anhand ihrer genetischen Herkunft“, heißt es in der Pressemitteilung zur Studie.

Berlin könnte fast 100 Millionen Euro an Cannabis-Steuern einnehmen

Das US-Unternehmen Seedo beauftragte eine Studie, um unter anderem anhand des durchschnittlichen Pro-Kopf-Konsums festzustellen, wie hoch bislang nicht erhobene Cannabis-Steuereinnahmen sein könnten.

Die Resultate? In Berlin könnte der Fiskus jährlich 92 Millionen Euro generieren, in Hamburg und München könnten 40 zusätzliche Millionen in die Stadtkasse gespült werden. Weltweiter Spitzenreiter dieser Statistik ist übrigens Kairo mit einem theoretisch möglichen Cannabis-Steueraufkommen von 307 Millionen Euro.

Cannabis könnte Tausende von Menschenleben retten

Amerika hat ein ernsthaftes Problem mit verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln. Täglich sterben rund 90 Menschen an einer Überdosis. Laut einer Studie, die von der American Medical Association veröffentlicht wurde, ist die Zahl der Opioid-Toten in US-Bundesstaaten mit einem medizinischen Cannabis-Programm drastisch zurückgegangen.

Die Studie stellt fest, dass die USA durch die Ausweitung dieser Programme den Missbrauch von stark süchtig machenden Schmerzmitteln reduzieren und dadurch ihre Opioid-Todesfälle reduzieren könnten.

Dazu passend berichtet eine von der Universität von Indiana veröffentlichte Studie aus dem Jahr 2017, dass medizinisches Cannabis landesweit jährlich 47´500 Leben retten könnte und bereits jetzt jedes Jahr 17´400 bis 38´500 vorzeitige Todesfälle verhindere.

CBD vermeidet Anfälle bei Lennox-Gastaut-Syn­drom

Etwa fünf Prozent aller von Epilepsie betroffenen Kinder sind am Lennox-Gastaut-Syndrom (LGS) erkrankt. Die Mehrheit der LGS-Patienten sind trotz der Behandlung mit zugelassenen Wirkstoffen wie Clonazepam, Felbamat, Lamotrigin, Rufinamid oder Topiramat nicht anfallsfrei.

Die Initiatoren einer aktuellen Studie vom Massachusetts General Hospital in Boston berichten, dass es bei der Einnahme von CBD zu einem Rückgang der Stürze um 44 Prozent gegenüber 22 Prozent in der Placebogruppe kam. Auch der Anteil der Patienten, bei denen die Zahl der Sturzunfälle um 50 Prozent oder mehr zurückging, wurde durch CBD positiv beeinflusst.

Die Gesamtanfallshäufigkeit wurde um 41 Prozent gegenüber 14 Prozent in der Placebogruppe gesenkt. Zudem stellten die Patienten oder ihre Betreuer häufig eine Besserung des Gesamtzustands fest.

Älteren Menschen hilft‘s am besten

Ein Foto von einem älteren Mann. Er trägt eine graue Strickjacke über einem grauen T-Shirt und hat einen Strohhut auf. In den Fingern hält er einen großen Joint. Er schaut in die Kamera und lächelt.

Eine US-amerikanische Umfrage zu Drogenkonsum und Gesundheit stellte fest, dass Cannabis unter Senioren immer beliebter wird. Ausgewertet wurden Daten von 2006 bis 2013.

Der relative Anstieg betrug bei Erwachsenen im Alter von 50-64 Jahren 58,4 %. Die relative Zunahme bei den über 65-Jährigen war mit 250 % die höchste aller Altersgruppen.

Jugendschutz funktioniert besser ohne Strafen

Anders als bei älteren Menschen scheint die Schaffung eines kontrollierten Cannabis-Markts bei Jugendlichen weder Neugierde noch Probierfreudigkeit zu wecken. In Colorado, wo die Auswirkungen der Legalisierung seit fünf Jahren sorgfältig dokumentiert werden, scheint sich eher das Gegenteil zu bestätigen.

Laut dem Gesundheitsministerium von Colorado ist die sogenannte 30-Tage-Prävalenz jugendlicher Cannabiskonsumenten 2016 im Vergleich zu 2011 leicht gesunken.

Mit 21,2 % konsumierten 2016 etwas weniger Jugendliche Cannabis als im Durchschnitt der Vereinigten Staaten, wo die 30-Tage-Prävalenz unter Jugendlichen im gleichen Jahr bei 22 % lag. Damit bestätigt Colorado diesen Trend bereits zum zweiten Jahr in Folge.

Neue Studie: Δ9-THCA hat starke neuroprotektive Eigenschaften

Laut einer im British Journal of Pharmacology veröffentlichten Studie verfügt Δ9-Tetrahydrocannabinol über neuroprotektive Eigenschaften. Es ist das am häufigsten vorkommende Cannabinoid in der Cannabis-Pflanze.

Die spanischen Studie des Instituto Maimónides de Investigación Biomedica de Córdoba sieht Δ9-THCA als mögliche Behandlungsoption für Menschen mit lähmenden und nervenzerstörenden Erkrankungen.

Cannabis wirkt sich positiv auf die Libido aus

In einer Studie der Universität Stanford, die im Journal of Sexual Medicine veröffentlicht wurde, werteten Forscher die Ergebnisse von 50´000 Männern und Frauen zwischen 25 und 45 Jahren aus, die am US-Gesundheits-Survey teilgenommen hatten.

Ungeachtet Alter, Geschlecht, Ethnie oder Lebenssituation zeigte sich, anhand ihrer Angaben zu Cannabis-Konsum und der Sex-Häufigkeit, Folgendes: Regelmäßige Cannabis-Konsumenten haben 20 Prozent mehr Sex als Nicht-Konsumenten.

Laut dem Forscherteam aus Stanford hatten kiffende Frauen im Laufe von vier Wochen 7,1 statt 6 Mal Sex, Männer 6,9 statt 5,6 Mal.

Cannabis hilft HIV-Patienten, kognitive Funktion zu erhalten

Die Michigan State University (MSU) veröffentlichte im November 2017 eine möglicherweise bahnbrechende Entdeckung: Cannabis könnte HIV-Patienten helfen, ihre kognitiven Fähigkeiten zu erhalten.

„Es wird angenommen, dass die kognitive Funktion bei vielen HIV-Infizierten aufgrund chronischer Entzündungen im Gehirn abnimmt. Dies geschieht, weil das Immunsystem ständig zur Abwehr von Krankheiten stimuliert wird“, so Norbert Kaminski, Hauptautor der MSU-Studie, im AIDS-Journal.

Im Vergleich zu Cannabis-Patienten, hatten Patienten, die kein Cannabis konsumierten, sehr viele entzündete Zellen. Diejenigen, die Cannabis verwendeten, hatten laut Studienleiter Kaminski einen Wert, der einem gesunden Menschen, der nicht mit HIV infiziert ist, ziemlich nahe kommt.

Legales Cannabis senkt die Kriminalitätsrate

In den US-amerikanischen Grenzstaaten zu Mexiko, die über ein Programm zur medizinischen Verwendung von Cannabis verfügen, ist die Zahl der Gewaltverbrechen einer Langzeitstudie zufolge rückläufig. Nach der Einführung entsprechender Gesetze sank die Zahl der Gewaltdelikte um durchschnittlich 13 %.

Der größte Teil des in den USA konsumierten Cannabis stammt aus Mexiko, wo sieben große Kartelle den illegalen Drogenhandel kontrollieren.

„Diese Gesetze (legaler Anbau von Cannabis in Kalifornien) erlauben Bauern vor Ort, Cannabis anzubauen, das dann an Medical Dispensaries verkauft werden kann, wo es legal gehandelt wird“, sagte Ökonomin Evelina Gavrilova, eine der Autorinnen der Studie, kürzlich im britischen Guardian. „Diese Züchter stehen in direkter Konkurrenz zu den mexikanischen Drogenkartellen, die Cannabis in die USA schmuggeln. So werden die Gewinne der Kartelle kleiner.“

Gavrilova wertete zusammen mit ihren Kollegen Daten des FBI von 1994 bis 2012 aus. Sie fanden heraus, dass die Gesetzesänderung ihre signifikanteste Auswirkung in Kalifornien hatte. Hier konnte ein Rückgang der Gewaltdelikte von 15 % nachgewiesen werden, während Arizona mit 7 % den geringsten Rückgang aller Staaten mit legalem Cannabis zu medizinischen Zwecken verzeichnete.

Am stärksten betroffenen waren Kapitalverbrechen. Die Quote der Raubüberfälle ging seit der Legalisierung von medizinischem Cannabis um 19 % zurück, während die Mordrate in den betroffenen Staaten durchschnittlich um 10 % sank. Hier wiederum stachen die mit Drogenhandel verbundenen Tötungsdelikte heraus, deren Quote um erstaunliche 41 % fiel.

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