by Olivier on 24/01/2018 | Konsum

Cannabis-Überdosis: Wieviel Gras ist zu viel Gras?

Cannabis-Überdosis Auch wenn manche gerne das Gegenteil behaupten, an einer Cannabis-Überdosis ist noch niemand gestorben. Nicht einmal Snoop Dog könnte so viel auf einmal konsumieren, wie dazu nötig wäre. Wer bei Space Cakes allerdings schon einmal zu kräftig zugelangt hat, weiß, dass zu viel Cannabis sehr unangenehm sein kann.


In regelmäßigen Abständen erreichen uns Medienberichte von einer Cannabis-Überdosis. Jüngstes Beispiel ist ein Fall aus Colorado, wo ein 11-monatiger Junge an einem Herzversagen gestorben ist.

Myokarditis (Entzündung des Herzmuskels) soll laut den zuständigen Ärzten, Dr. Thomas Nappe und Dr. Christopher Hoyte, die Todesursache sein. In ihrem Autopsiebericht weisen sie darauf hin, dass im Blut des Jungens Cannabis gefunden wurde: „Das Einzige was wir gefunden haben, ist Marihuana. Eine hohe Marihuana-Konzentration in seinem Blut. Und das ist das Einzige, was wir gefunden haben“, so Dr. Hoyte.

Was danach passierte, ist kennzeichnend für unsere Zeit, in der sich Journalismus nicht über Inhalte, sondern über Klickzahlen definiert. AOL, New York Daily News, Dailymail und Fox News – sie alle berichteten vom „ersten Marihuana-Toten der Welt“. Diese Welle der Falschmitteilungen wiederum rufte Dr. Nappe auf den Plan, der sich von den schreierischen Schlagzeilen der Massenmedien klar distanziert: „Wir sagen absolut nicht, dass Marihuana dieses Kind getötet hat.“

Es ist schade, dass über Cannabis immer wieder Unwahrheiten verbreitet werden. Sie verhindern einen evidenzbasierten Umgang mit dem Thema und führen letztlich dazu, dass nicht offen über Risiken und Chancen des Konsums diskutiert wird.

Kann man an einer Überdosis Cannabis sterben?

Als Überdosis wird die Zufuhr einer größeren Menge an Wirkstoff bezeichnet, als zu medizinischen Zwecken (Medikamente) oder zur Berauschung (Drogen) notwendig ist. Im schlimmsten Fall führt eine Überdosis zum Tod. Kann man an einer Überdosis Cannabis sterben? Die kurze Antwortet lautet nein. Bis heute gibt es weltweit keinen einzigen Fall, bei dem ein Mensch an den direkten Folgen des Cannabiskonsums gestorben ist.

In den 80er Jahren hat die amerikanische Drogenbehörde DEA versucht, Labortiere mit Cannabis zu töten. Ohne Erfolg. Zum Vergleich: Laut den CDC (Centers for Disease Control and Prevention) sterben alleine in den USA sechs Menschen pro Tag an einer Alkoholvergiftung. Sechs pro Tag. Dazu kommen täglich noch einmal mehr als 100 Tote, die an den direkten Folgen des Alkoholkonsums sterben.

Führt man sich diese Zahlen vor Augen wird wieder einmal deutlich, wie absurd es ist Cannabis zu verbieten, während eine viel gefährlichere Substanz wie Alkohol frei verkauft wird.

Die Wirkungsweise von Cannabis

Der Grund, warum gewisse Substanzen tödlich sind und andere nicht, liegt an ihrer Wirkungsweise. Opioide wie Heroin oder Fentanyl werden durch Rezeptoren im Hirnstamm absorbiert und zwar genau dort, wo auch die Atmung gesteuert wird. Menschen, die an einer Heroin-Überdosis sterben, hören ganz einfach auf zu atmen.

Die Wirkstoffe von Cannabis auf der anderen Seite werden durch Cannabinoidrezeptoren absorbiert, die sich nicht im Hirnstamm befinden und damit auch keine wesentlichen Funktionen wie die Atmung beeinflussen.

Das macht Cannabis weniger gefährlich, aber nicht harmlos. Wie alle anderen Drogen beeinflusst THC – der psychoaktive Inhaltsstoff der Pflanze – das Urteilsvermögen und kann dazu führen, dass sich gerade unerfahrene Konsumenten in gefährliche Situationen begeben.

So viel ist zu viel

Rein theoretisch kann jede Substanz tödlich wirken. Wer zu viel Kokain konsumiert, kann genauso sterben wie jemand, der zu viele Karotten isst. Die Dosis macht das Gift.

David Schmader, Autor des Buches „Weed: The User‘s Guide“, hat ausgerechnet, wie viel Cannabis nötig ist, um jemanden zu töten. Das Ergebnis: 1’500 Pfund in 15 Minuten. Kein Mensch auf der Welt ist in der Lage so viel zu konsumieren, „nicht einmal Snoop Dogg“, so Schmader in seinem Buch.

Oder um es mit anderen Worten auszudrücken: Die tödliche Dosis (LD50) von Cannabis liegt mehr als tausendmal höher als die effektive Dosis (ED50). Ein Blick auf die untenstehende Tabelle reicht aus, um zu verstehen, warum gewisse Substanzen gefährlicher sind als andere.

Ein therapeutisches Diagramm – entlang der Y-Achse wird aufgelistet: Cannabis, LSD, Psilocybin, Lachgas, Ketamin, Rohypnol, Meskalin, Codein, MDMA, Kokain, Alkohol, GHB und Heroin. Entlang der X-Achse liegen drei gleichmäßig verteilte Zahlenpunkte: 0, 500 und 1000. Ein grüner Balken zeigt neben jeder Droge das Verhältnis zwischen der effektiven Dosis und der tödlichen Dosis an. Cannabis, LSD und Psilocybin haben dabei einen Wert von 1000 oder mehr.

Quelle: American Scientist

Das Verhältnis zwischen tödlicher und therapeutischer Dosis wird als therapeutischer Index bezeichnet. Er ist ein guter Gratmesser, wenn es darum geht, die Gefährlichkeit von Medikamenten und Drogen zu beurteilen. Generell gilt: Je tiefer der therapeutische Index, desto gefährlicher die Substanz. Demnach sind Heroin, GHB und Alkohol die gefährlichsten Freizeitdrogen. Am anderen Ende des Spektrums befindet sich Cannabis mit einem therapeutischen Index von mehr als 1000.

Neben der Wirkungsweise und Dosis ist die Art der Verabreichung maßgebend für die Gefährlichkeit einer Substanz. Gelangt diese schnell und ungefiltert in die Blutbahnen, etwa durch intravenösen Konsum, erhöht sich das Risiko für eine Überdosis.

Warum weniger oft mehr ist

Auch wenn es praktisch unmöglich ist an einer Cannabis-Überdosis zu sterben, treten bei einem übermäßigen Konsum schnell unerwünschte Effekte auf, die sehr unangenehm sein können. Dazu gehören Übelkeit, Zittern oder Angstzustände. Besondere Vorsicht ist bei Edibles geboten. Am besten testet man sich vorsichtig an die „richtige“ Dosis heran.

An dieser Stelle muss auch erwähnt werden, dass jeder Mensch anders auf Drogen reagiert. Was der eine als angenehm empfindet, kann für den anderen bereits zu viel sein. Ganz allgemein gilt: Wer bewusstseinsverändernde Substanzen zu sich nimmt, sollte sich gut fühlen und gut informieren.

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JÖRG Schroeder

Ich finde diesen Beitrag gut und wichtig, da man einen Einblick bekommt, wie sehr das System daran interessiert ist , die Menschen mit Falschmeldungen , aus welchen Gründen auch immer , in ihren Interessen zu manipulieren.

28/01/2018

woewe

Sehr guter Beitrag - ich gebe solche Informationen auch immer gern so weiter.

Eine Frage:
Woher stammen die Infos der Grafik zum Verhältnis zwischen tödlicher und therapeutischer Dosis?

Danke!

30/01/2018

michael krutisch

Während meiner alkohol entzugstehrapie hat mann mich wegen cannabis konsums frühzeitig rausgeworfen, ich war der einzige kiffer in meiner 20 köfigen gruppe . Ich bin aber auch der einzige von diesen 20 der seit 5 jahren immer noch trocken ist ,dies hab ich zum großen teil cannabis zu verdanken ! 2 von diesen 20 haben sich umgeracht .

zum nachdenken mfg.michael krutisch

17/02/2018

Uwe weidauer

Auch ich habe eine Alkohol Therapie Gemacht und kiffe seitdem
Das sind 18 Jahre her und ich bin immer noch trocken als einziger von ca 30 mitstreitern
Mittlerweile bekomme ich meine Blüten in der Apo und ich fange wieder an zu leben
Für mich gibt es bei meinem Krankheitsbild keine Alternative zu Cannabis
Und dabei bleibe ich auch .

02/05/2018

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.
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