by Seshata on 18/06/2015 | Medizinisch

Cannabis zur Behandlung von Wunden und Verletzungen

Wunden Cannabis ist jahrtausendelang zur Behandlung von Hautverletzungen wie zum Beispiel Schnittwunden und Verbrennungen verwendet worden. Heute sucht die moderne Forschung nach einer wissenschaftlichen Erklärung für die Fähigkeit von Cannabis, äußere Verletzungen zu behandeln, und ist gerade dabei zu entdecken, welch enorm große Rolle das Endocannabinoidsystem spielt, wenn es um die Gesunderhaltung der Haut und die Wundheilung geht.


Cannabis und die Geschichte der Wundheilung

Das Endocannabinoidsystem spielt bei der Wundheilung eine bedeutende Rolle
Das Endocannabinoidsystem spielt bei der Wundheilung eine bedeutende Rolle

Historische medizinische Texte der unterschiedlichsten Kulturen erwähnen den Gebrauch von Cannabis zur topischen Herstellung von Präparaten, um Schnitt- und Schürfwunden sowie Brandverletzungen zu behandeln.  Schon altägyptische Papyri schildern den Gebrauch antiseptischer Präparate zur äußerlichen Anwendung, die vermutlich aus mit Fett vermischtem Cannabis hergestellt wurden; und griechische Schriftsteller aus dem 1. Jahrhunderts v. Chr. berichten, dass Cannabis zur Behandlung von Pferden verwendet wurde, die unter Wunden und Verletzungen litten, und ebenso zur Behandlung von Menschen mit Nasenbluten.

Außerdem notierte der mittelalterliche französische Kräuterheiler Ruellius 1536 in seiner Abhandlung De Natura Stirpium, dass Cannabisextrakt zur Behandlung von Wunden und Geschwüren verwendet werden könne; einige Jahrzehnte später empfahl der berühmte deutsche Botaniker Tabernaemontanus, eine Mischung aus Butter und Cannabisblättern auf Verbrennungen aufzulegen.

Im Jahr 1649 berichtete der bedeutende britische Kräuterkenner Nicholas Culpeper, dass Cannabis aufgrund seiner antiseptischen Eigenschaften zur Behandlung von Verbrennungen und Blutungen eingesetzt werden könne. Und 1751 schrieb der britische Kräuterkenner Thomas Short in seiner Medicina Britannica,dass sich Verbrennungen, Wunden, Insektenbisse und Geschwüre mit einem Cannabispräparat behandeln ließen.

Moderne Studien über Wundheilung & Cannabis

In unserer Zeit haben sich die Forscher eingehend mit der Frage beschäftigt, ob Cannabis und Cannabispräparate in der Lage sind, Schmerzen, Schwellungen und Blutungen in Zusammenhang mit Schnitt- und Brandwunden zu lindern sowie die Heilung des (Ober-) Hautgewebes zu unterstützen.

Die bis heute vorliegenden Studien liefern eine Fülle von Beweisen, dass Cannabis einen starken schmerzlindernden, entzündungshemmenden und antiseptischen Effekt besitzt. Tatsächlich sieht es ganz danach aus, als ob das Endocannabinoidsystem eine wesentliche Rolle beim Heilungsprozess selbst spielt und auch einen entscheidenden Beitrag zur Bildung des Narbengewebes leistet.

Wundheilung & das Endocannabinoidsystem

Das Endocannabinoidsystem hat eine wichtige Funktion beim gesamten Wundheilungsprozess. Wenn der Mensch verletzt wird, steigt sofort der Anandamid gehalt im betroffenen Gewebe und sorgt für einen schmerzstillenden Effekt, indem er auf die CB1-Rezeptoren einwirkt, die in den peripheren Nerven anwesend sind.

Bei einer Studie aus dem Jahr 2010, die an der University of California durchgeführt wurde, verabreichte man Ratten und Mäuse mit peripheren Verletzungen einen synthetischen Stoff namens URB937. Daraufhin erhöhten sich die Anandamidkonzentrationen, was zu einer Verstärkung des schmerzlindernden Effekts führte. Der Effekt von URB937 kommt folgendermaßen zustande: Der Stoff hemmt das Enzym Fatty Acid Amide Hydrolase (FAAH), das für den Abbau von Anandamid verantwortlich ist.

Verschiedene traditionelle Kulturen nutzen Cannabispräparate zur Behandlung von Wunden und Verletzungen
Verschiedene traditionelle Kulturen nutzen Cannabispräparate zur Behandlung von Wunden und Verletzungen

Und eine andere Studie aus dem Jahr 2010, die an der China Medical University stattfand, fand heraus, dass bei Mäusen, denen Schnittwunden zugefügt wurden, die Zahl der Zellen mit CB1-Rezeptoren an der verletzten Stelle zunahm. Der Anstieg der Zellen, die CB1-Rezeptoren ausbildeten, begann sechs Stunden nach dem Auftreten der Verletzung. Fünf Tage nach der Verletzung erreichte er seinen Höhepunkt, und vierzehn Tage nach der Verletzung sanken die Zellen wieder auf die ursprüngliche Anzahl ab.

Zuerst handelte es sich bei der Mehrheit der neuen CB1-ausbildenden Zellen an der verletzten Stelle um mononukleäre Zellen (wie zum Beispiel rote Blutkörperchen und spezialisierte Immunzellen, die Monozyten genannt werden), die bekanntlich Entzündungen und die Immunreaktion auslösen; nach mehreren Tagen begannen fibroblastische Zellen (die für die Wundheilung und Narbenbildung unverzichtbar sind) zu dominieren. Es ist zwar noch nicht geklärt, welche Mechanismen hierbei genau am Werk sind, doch fest steht, dass Anandamid und die CB1-Rezeptoren an diesem Prozess beteiligt sind.

Cannabis & die Wundheilung in den inneren Organen

Doch das Endocannabinoidsystem beeinflusst nicht nur Wunden der Epidermis (oberste Hautschicht) und des Hautgewebes, sondern spielt auch bei der Heilung von Verletzungen der inneren Organe eine wichtige Rolle, insbesondere des Epithels (der glatten Zellschicht, die die Oberfläche der Organe und anderer Körperstrukturen bedeckt).

Im menschlichen Dickdarmbildet das Epithelgewebe sowohl CB1- als auch CB2-Rezeptoren aus. In normalem Gewebe werden häufiger CB1-Rezeptoren ausgebildet, und unter anormalen Bedingungen (wie zum Beispiel bei Menschen mit entzündlichen Darmerkrankungen) beginnt die Anzahl der CB2-Rezeptoren zu überwiegen. Die CB1-Rezeptoren sind regelmäßig am Verschluss von Wunden des Kolonepithels beteiligt; wenn es sich um eine chronische Verletzung handelt, sorgen vor allem die CB2-Rezeptoren dafür, dass keine exzessive Narbenbildung auftritt.

In den Korneae (Hornhäute der Augen) führt eine Verletzung des Epithelgewebes zur örtlichen Freisetzung der endogenen Cannabinoid- und Vanilloid-Rezeptoragonisten, die den Wundheilungsprozess vermutlich unterstützen. In einer Studie aus dem Jahr 2010 behandelten die Forscher menschliche Hornhautepithelzellen in Vitro mit WIN55,212-2 und Capsaicin — einem CB1-Rezeptor und einem Vanilloid-Rezeptoragonisten —, um herauszufinden, welche Funktion die einzelnen Rezeptoren innehatten. Sie stellten fest, dass die Aktivierung der beiden Rezeptoren die Transaktivierung des epidermalen Wachstumsfaktorrezeptors auslöste, der für die Regeneration des verletzten epidermalen sowie des Epithelgewebes von entscheidender Bedeutung ist.

Auch im periodontalen (Zahnfleisch-) Gewebe wurde direkt nach einer Verletzung eine Zunahme der Zellen beobachtet, die CB-Rezeptoren ausbilden. Darüber hinaus registrierte man bei Patienten, die kurz zuvor am Zahnfleisch operiert worden waren, einen Anstieg der Anandamidkonzentration. Zudem beobachtete man, dass die Gabe von AM251 und AM630, der synthetischen selektiven Antagonisten der CB1- bzw. CB2-Rezeptoren, zu signifikanten Abnahmen der Zahl der Fibroblasten führte — was darauf hindeutet, dass die Agonisten der CB-Rezeptoren das Überleben der Fibroblasten begünstigen und somit die Wundheilung beschleunigen.

Cannabinoide & Leberzirrhose

Cannabinoide fördern auch die Wundheilung im Epithel, das die inneren Organe bedeckt
Cannabinoide fördern auch die Wundheilung im Epithel, das die inneren Organe bedeckt

In der Leber fördern chronische Gewebsschädigungen und Entzündungen (die zum Beispiel durch Alkoholismus oder Hepatitis verursacht werden) die Wundheilung, indem die fibroblastischen Zellen zur geschädigten Stelle wandern und mit dem Fibrose-Prozess (Narbenbildung) beginnen. Nach einiger Zeit führt die Überproduktion des fibrösen Bindegewebes zur Zirrhose und hemmt dadurch die Fähigkeit der Leber, normal zu funktionieren.

In diesem Fall kann die Anwesenheit von hohen Anandamidkonzentrationen das Ausmaß der Fibrose und damit die Schwere der Zirrhose verstärken. Anandamid ist ein Agonist des CB-Rezeptors; umgekehrt kann die Anwesenheit eines Antagonisten wie Cannabidiol den Effekt behindern und die Geschwindigkeit der Fibrose verlangsamen.

Eine Studie aus dem Jahr 2006 an Mäusen, die in Nature Medicine veröffentlicht wurde, bewies, dass die Verabreichung eines synthetischen CB1-Rezeptorantagonisten, SR141716A, die Wundheilung als Reaktion auf eine akute Leberverletzung hemmt und das Fortschreiten der Zirrhose bei drei Typen chronischer Schädigungen bremst—, was die Vermutung bestätigt, dass CBD und ähnliche Antagonisten die Behandlung der Zirrhose unterstützen können.

Der CB2-Rezeptor & die Wundheilung der Leber

Interessanterweise kommt dem CB2-Rezeptor als solchem eine einzigartige Funktion bei der Entstehung und Weiterentwicklung der Fibrose in der Leber zu. Zwar ist er für gewöhnlich in geringeren Konzentrationen vorhanden als der CB1-Rezeptor, doch während einer Fibrogenese (Produktion eines fibrösen Gewebes) nach einer Verletzung findet ein drastischer Anstieg dieser Rezeptoren statt.

Eine Studie aus dem Jahr 2007 an Mäusen wies nach, dass sich die Fibrose bei Mäusen, die aufgrund einer genetischen Veränderung keine CB2-Rezeptoren mehr hatten, signifikant verschlimmerte —, und das zeigt, dass die Fibrogenese durch die Anwesenheit von CB2-Rezeptoren in genetisch unveränderten Mäusen gehemmt wird. Man nimmt an, dass dieser Effekt der CB2-Rezeptoren durch die Auslösung der Apoptose (programmierter Zelltod) der Fibroblasten zustandekommt; wenn nur eine begrenzte Zahl oder gar keine CB2-Rezeptoren vorhanden sind, können sich die Fibroblasten anhäufen und somit viel schneller fibröses Gewebe aufbauen.

Hanfsamenöl für die Wundheilung

Obwohl Hanfsamenöl keine Cannabinoide enthält (außer Überresten aus dem Produktionsverfahren), kann es bei der Behandlung von Verbrennungen, Schnittwunden und anderen äußeren Wunden hilfreich sein, da es die essenziellen Fettsäuren Omega-3 und Omega-6 in einem einmalig ausgewogenen Verhältnis enthält, also in einer für die menschliche Gesundheit optimalen Konzentration.

Zwar gibt es kaum Studien über die eigene Fähigkeit der Hanfsamen, Hautverletzungen zu heilen, doch etliche Abhandlungen bestätigen, dass essenzielle Fettsäuren allgemein in der Lage sind, die Wundheilung zu unterstützen. Außerdem wurde eine klinische Studie über die Anwendungsmöglichkeiten von äußerlich aufgetragenem Hanfsamenöl durchgeführt. Und diese kam zu dem Schluss, dass das Öl Schleimhautverletzungen nach Augen-, Nasen- und Halsoperationen gut heilen kann.

Demzufolge können Schnitt- und Platzwunden sowie Verbrennungen und andere ähnliche Verletzungen sowohl mit Hanfsamenöl als auch mit cannabinoidreichen Cannabispräparaten behandelt werden. Diejenigen, die nach einer sicheren Anwendungsmethode von CBD suchen kann Sensi Seeds verschiedene CBD-Produkte anbieten. Eines davon ist das CBD-Öl: ein Nahrungsergänzungsmittel, das verschiedene Phytocannabinoide enthält. Die bekanntesten davon sind CBD, CBC (Cannabichromen), CBG (Cannabigerol) und CBN (Cannabinol).

Auch bei Verletzungen von innerem Gewebe oder von Organen kommt den Cannabinoiden eine große Bedeutung zu, aber dieses Gebiet muss noch genauer erforscht werden, damit gezielte Therapien entwickelt werden können. Denn angesichts eines so komplexen und präzise abgestimmten Systems kann es durchaus sein, dass inkorrekte Dosierungen oder Cannabinoidanteile das Gegenteil dessen bewirken, was eigentlich beabsichtigt war.

 

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.
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