Cannabis in Nevada – Gesetze, Konsum und Geschichte

Nevada hat den Freizeitkonsum von Cannabis 2017 legalisiert. Erwachsene über 21 Jahren können jetzt legal bis zu einer Unze (28 g) Cannabis von einem lizenzierten Händler kaufen oder, falls kein Händler in der Nähe ist, bis zu sechs Pflanzen zuhause anbauen. Aber es gibt Vorschriften. Der öffentliche Konsum ist z.B. verboten und mit einem Bußgeld belegt.

Cannabisgesetze in Nevada

Die USA unterliegen den Gesetzen des Bundes und der Bundesstaaten. Dieser Artikel befasst sich mit den Cannabisgesetzen im Bundesstaat Nevada. Für die Bundesgesetze lesen Sie bitte unseren anderen Artikel.

Darf man in Nevada Cannabis besitzen und konsumieren?

Der Freizeitkonsum von Cannabis wurde 2017 in Nevada legalisiert. Vorher wurden diejenigen, die mit bis zu einer Unze erwischt wurden, mit einem Bußgeld belegt, galten aber nicht als vorbestraft, sofern sie nicht zwei weitere Male bei demselben Delikt erwischt wurden.

Interessanterweise war Nevada vor 2001 der einzige Bundesstaat der USA, in dem Cannabisbesitz (egal in welcher Menge) als Kapitalverbrechen betrachtet wurde.

Jetzt gestattet das Staatsgesetz von Nevada den Besitz von bis zu einer Unze Cannabis (oder 1/8 Unze konzentriertes Cannabis wie z. B. Harz). Die Person muss mindestens 21 Jahre alt sein, darf das Cannabis aber an keinem öffentlichen Ort konsumieren. Dies bedeutet, dass der Konsum nur in einem privaten Haushalt legal ist, und wenn man in einem gemieteten Haus wohnt, muss man zuerst die Erlaubnis des Eigentümers einholen.

Wer beim Cannabiskonsum an einem öffentlichen Ort (oder sogar in einem lizenzierten Ladengeschäft) erwischt wird, kann mit einem Bußgeld von bis zu 600 $ belegt werden.

Autofahren und Cannabiskonsum

Nevadas Staatsgesetz legt fest, dass Cannabis nicht in einem fahrenden Kraftfahrzeug konsumiert werden darf. Dies gilt sowohl für die Passagiere als auch für die Fahrer.

Wenn ein Autofahrer dabei erwischt wird, wie er mit 2 Nanogramm aktivem THC im Blutkreislauf ein Fahrzeug führt, wird dies als Fahren unter Drogeneinfluss betrachtet. Der Täter bekommt die gleichen Strafen wie ein Fahrer unter Alkoholeinfluss – und Schätzungen zufolge kostet eine Anzeige wegen Autofahren unter Drogeneinfluss die Betroffenen ungefähr 10.000 $ (einschließlich aller Anwaltsgebühren usw.).

Legaler Kauf von Cannabis

Die einzige Möglichkeit, Cannabis in Nevada legal zu erwerben, ist der Kauf in einem Ladengeschäft oder einer Apotheke mit staatlicher Lizenz. Der Erwerb von einer anderen Quelle ist illegal. Außerdem müssen die Kunden ihr Alter mit einem Ausweis nachweisen.

Arbeitgeber und Cannabis

Das Gesetz gibt den Menschen nicht das Recht, Cannabis unter allen Umständen zu konsumieren. Wenn zum Beispiel ein Arbeitgeber der Ansicht ist, dass die Leistung eines Angestelltendurch den Cannabiskonsum beeinträchtigt wird, hat er das Recht, Drogentests durchzuführen. Er kann auch Arbeitsplatzrichtlinien bezüglich des Konsums einführen; er kann zum Beispiel den Cannabiskonsum verbieten, wenn die Nachwirkungen möglicherweise die Produktivität beeinträchtigen. Dies ist unter dem Gesetz zur Regulierung und Besteuerung von Marihuana erlaubt.

Darf man in Nevada Cannabis verkaufen?

Händler können Cannabis in Nevada verkaufen, sofern sie über eine staatliche Lizenz verfügen. Der Cannabisverkauf begann im Juli 2017, wobei 61 Apotheken von Cannabisverkäufen für den Freizeitkonsum im Wert von fast 425 Mio. $ berichten.

Diese Zahl stieg 2018 weiter an. In der zweiten Jahreshälfte berichteten die Apotheken von Verkäufen im Wert von 884 Mio. $, was ein Steueraufkommen von fast 72 Mio. $ für den Staat generierte.

Allerdings verlief der Lizenzierungsprozess nicht ohne Kontroversen.

2019 verklagten mehrere Unternehmen die staatliche Finanzbehörde. Sie behaupteten, dass Nevadas Zulassung von mehreren Händlern verfassungswidrig gewesen sei und dass um die Kriterien für die Lizenzierung ein unnötig großes Geheimnis gemacht würde.

Gov. Steve Sisolak verstand „den Frust von vielen Bewerbern für Cannabislizenzen über das aktuelle Lizenzierungsverfahren“ und betonte, dass das kommende Gesetz „die verwendete Methodologie erhellen würde … bei der Lizenzvergabe“.

Darf man Cannabis in Nevada anbauen?

Der Bundesstaat gestattet es Erwachsenen, Cannabispflanzen zuhause anzubauen. Allerdings gelten dafür bestimmte Regeln:

  • Erwachsene müssen mindestens 21 Jahre alt sein.
  • Die Pflanzen dürfen nur für den persönlichen Konsum bestimmt sein.
  • Sie dürfen nur angebaut werden, wenn es im Umkreis von 25 Meilen keinen lizenzierten Händler gibt.
  • Pro Person dürfen nur sechs Pflanzen gezüchtet werden.
  • Es dürfen nicht mehr als 12 Pflanzen pro Haushalt angebaut werden.
  • Die Pflanzen müssen in einem abgegrenzten, verschließbaren Bereich, wie zum Beispiel einem Schrank, einem Gewächshaus oder einem anderen Raum stehen.
  • Das Cannabis darf nicht für die Öffentlichkeit sichtbar sein.
  • Der Grower muss der Hauseigentümer sein. Falls nicht, muss er über die Erlaubnis des rechtmäßigen Hauseigentümers verfügen, das Cannabis anzubauen.

Ist CBD in Nevada legal?

CBD ist in Nevada legal, sofern es vom Hanf stammt (der wenig THC enthält) und nicht vom Cannabis. 2018 wurde das Bundesgesetz geändert, sodass CBD jetzt in Klasse V des amerikanischen Betäubungsmittelgesetzes eingeordnet wird, statt wie bisher in Klasse I (die Kategorie ist den gefährlichsten Drogen vorbehalten).

Dies bedeutet, dass CBD in Nevada gekauft, konsumiert und verkauft werden darf.

Darf man Cannabissamen nach Nevada senden?

Da der Konsum und Anbau von Cannabis im Bundesstaat legal ist, bedeutet das, dass auch Cannabissamen legal sind. Sie können hier gekauft, konsumiert und verkauft werden. Sie über eine Staatsgrenze zu transportieren ist allerdings eine andere Sache. Jeder Bundesstaat hat andere Cannabisgesetze, weshalb die Samen in Nevada bleiben müssen.

Sie per Post zu verschicken, ist deshalb eine Grauzone. Einzelne Berichte deuten darauf hin, dass die Samen manchmal vom Zoll abgefangen werden, wenn man sie an den Bundesstaat schickt.

Medizinisches Cannabis in Nevada

Cannabis wurde im Jahr 2000 für medizinische Zwecke legalisiert. Folgende Krankheiten können mit der Droge behandelt werden:

  • HIV/AIDS
  • Krebs
  • Glaukom
  • Muskelkrämpfe/Anfälle
  • Anorexie oder Kachexie
  • Starke Übelkeit
  • Chronische oder starke Schmerzen
  • Posttraumatische Belastungsstörung
  • Angststörungen
  • Autismus-Spektrum-Störungen
  • Opiatabhängigkeit
  • Neuropathische Krankheiten, egal, ob sie zu Anfällen führen oder nicht
  • Andere Erkrankungen (vorbehaltlich der Genehmigung)

Patienten dürfen bis zu 2,5 Unzen Cannabis besitzen, plus/oder die maximal erlaubte Menge essbarer Cannabisprodukte oder Cannabis enthaltender Produkte. Sie dürfen auch bis zu 12 Pflanzen zuhause anbauen, wenn es in einem Umkreis von 25 Meilen (40 km) keine Apotheke gibt. Wenn sie eine bestimmte Cannabissorte benötigen, die ihre lokale Apotheke nicht anbietet, dürfen sie diese ebenfalls kultivieren – ungeachtet dessen, wie weit die Apotheke von ihrem Zuhause entfernt ist.

Für den Zugang zu medizinischen Cannabisprodukten ist eine Ausweiskarte für medizinisches Marihuana erforderlich. Diese wird nur nach einer Evaluierung ausgestellt, die von einem Arzt durchgeführt wird.

Die gesetzlichen Änderungen bezüglich des Freizeitkonsums von Cannabis haben sich auch auf das Programm für medizinisches Cannabis ausgewirkt. Beispielsweise kann das staatliche Antragsverfahren jetzt komplett online abgewickelt werden, wodurch es für Patienten leichter wird, an ihre Medikation heranzukommen.

Industriehanf in Nevada

Nachdem das Agrargesetz 2018 in Kraft getreten war (und den Anbau von Industriehanf im ganzen Land legalisiert hatte), fingen viele Bundesstaaten damit an, Hanfprogramme einzuführen, um lokale Grower zu unterstützen.

Das Ziel von Nevadas Industriehanfprogramm ist es, die Vorteile des Hanfanbaus hervorzuheben und sicherzustellen, dass alle, die ihn anbauen, sich im Rahmen des Gesetzes bewegen. Der gesamte in Nevada angebaute Hanf muss der im Bundesgesetz festgelegten Definition entsprechen, nämlich: „die Pflanze Cannabis sativa L. und jeglicher Teil einer solchen Pflanze (…) mit einer [THC-]Konzentration von nicht mehr als 0,3 Prozent auf Trockengewichtsbasis.“

Joe Frey, der Besitzer von Western State Hemp, betont das Potenzial, das Hanf den Growern im Bundesstaat bietet. „Ich würde sagen, wir haben viel weniger Ware anzubieten als der Markt derzeit nachfragt“, kommentiert er.

Gut zu wissen

Wenn Sie nach Nevada reisen (oder gegenwärtig dort leben), könnten folgende Informationen interessant für Sie sein:

  • Der Cannabishandel boomt in Nevada. Bevor Geschäfte anfingen, Cannabis für den Freizeitkonsum zu verkaufen, sagte der Bundesstaat einen jährlichen Umsatz von 265 Mio. $ voraus. Der tatsächliche Betrag war ungefähr 60 % höher.
  • Die Anzahl der Schüler, die wegen Drogenbesitzes vorübergehend oder ganz der Schule verwiesen wurden, sank im Schuljahr 2016/17, nachdem der Freizeitkonsum von Cannabis legalisiert wurde. Möglicherweise besteht ein Zusammenhang zwischen diesen beiden Tatsachen.
  • Aktuelle Berichte gehen davon aus, dass Nevada in den ersten sieben Jahren mehr als 1 Mrd. $ durch den Verkauf von Cannabis für den Freizeitkonsum einnehmen könnte.

Die Geschichte von Cannabis

Vor den 1920er-Jahren hatte Nevada (so wie die meisten anderen US-Bundesstaaten) ein gutes Verhältnis zu Cannabis und Hanf. Der Anbau war weit verbreitet, und die Pflanze wurde für vielfältige Zwecke genutzt, einschließlich Seilen und Faserherstellung. Allerdings bedeutete die Einführung des Marihuana-Steuergesetzes im Jahr 1937, dass Cannabis im gesamten Land verboten wurde, und Nevada war da keine Ausnahme. Tatsächlich hatte der Staat es bereits 1923 verboten.

Bis 1998 hatte sich die soziale Akzeptanz allerdings komplett geändert. Nevadas Einwohner stimmten dem Gesetz für medizinisches Cannabis in Nevada zu, das Cannabis zu medizinischen Zwecken legalisierte. Für die Gesetzesänderung waren zwei aufeinanderfolgende Zustimmungen erforderlich, weshalb die medizinischen Produkte erst nach der zweiten Abstimmung im Jahre 2000 völlig legal wurden.

Sechzehn Jahre später stimmte Nevadas Bevölkerung erneut ab – diesmal über die Legalisierung des Freizeitkonsums. Er gehört jetzt zu den wenigen US-Bundesstaaten, die dies getan haben; allerdings steigt ihre Anzahl.

Soziale Akzeptanz von Cannabis

Wie das Gesetz so deutlich zeigt, ist die Einstellung gegenüber Cannabis in Nevada in weiten Teilen positiv. Prominente wie zum Beispiel Gov. Sisolak sind in der Vergangenheit öffentlich an der Seite von Cannabisbefürwortern aufgetreten und haben die Vorteile der Droge hervorgehoben.

Sisolak kommentierte kürzlich: „Die Wahrheit ist, dies ist die Zukunft. Wir sollten uns ihrer nicht schämen.“

Nevadas Tourismusbranche

Während die Gesetze zum Freizeitkonsum von Cannabis in Nevada zweifellos progressiv sind, führen sie doch zu Problemen im Hinblick auf den „Cannabis-Tourismus“. Beispielsweise können Menschen, die nach Las Vegas reisen, die Droge legal bei einem Händler kaufen. Das einzige Problem dabei ist, dass sie sie nirgendwo konsumieren dürfen, da sie sich laut Gesetz dafür in einem privaten Haushalt befinden müssen.

Außerdem ist der Konsum und Verkauf von Cannabis laut Bundesgesetz immer noch illegal. Einrichtungen wie die Kasinos in Las Vegas werden in starkem Maße von der Bundesregierung reguliert, was zu Problemen führen könnte.

Allerdings soll sich dies ändern. Der Stadtrat von Las Vegas hat dafür gestimmt, dass bestehende Apotheken „Cannabis-Lounges“ eröffnen dürfen, wo die Menschen die Droge legal konsumieren können. Dies hat zu Unruhe unter den Unternehmen der Stadt geführt.

Tick Segerblom, Bevollmächtigter des Clark County und ehemaliger Staatssenator, kommentierte: „Wir sind das neue Amsterdam. Sie [die Glücksspielunternehmen] sind besorgt darüber, dass die [Lounges] außerhalb der Hotels Geld verdienen. Sie haben Angst, dass sie sich umso mehr etablieren, je länger dies außerhalb der Hotels so weitergeht. Als Geschäftsinhaber wäre ich da auch besorgt.“

  • Disclaimer:
    Obwohl größte Sorgfalt bei der Gewährleistung der Richtigkeit dieses Artikels aufgewendet wurde, ist er weder als Rechtsberatung gedacht, noch sollte er als solche verstanden werden. Jede Situation wird von individuellen Faktoren beeinflusst und man sollte stets einen Experten oder Anwalt für eine Rechtsberatung konsultieren.

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    Sensi Seeds

    Das Sensi Seeds Redaktionsteam besteht aus Botanikern, medizinischen und juristischen Experten sowie renommierten Aktivisten wie Dr. Lester Grinspoon, Micha Knodt, Robert Connell Clarke, Maurice Veldman, Sebastian Marincolo, James Burton und Seshata.
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    Maurice Veldman

    Maurice Veldman ist Mitglied der Niederländischen Vereinigung der Strafrechtsanwälte und einer der bemerkenswertesten Cannabis-Anwälte der Niederlande. Mit 25 Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet unterstützt sein strafrechtliches und Verwaltungsrecht die Cannabisverkäufer und Hanferzeuger dabei, die Ungleichheiten zwischen Individuum und Staat zu beseitigen.
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