Cannabis in Thailand – Gesetze, Konsum und Geschichte

Thailand ist für seine strengen Drogengesetze bekannt. Der freizeitliche Cannabiskonsum ist illegal und kann mit Freiheitsstrafen oder erheblichen Geldstrafen geahndet werden. Auch CBD ist illegal. Die thailändischen Landrassen-Cannabissorten sind jedoch auf der ganzen Welt bekannt, ebenso wie „Thai-Sticks“. Kein Wunder, denn die Pflanze wird hier seit Jahrhunderten angebaut.

    • Hauptstadt
    • Krung Thep (Bangkok)
    • Einwohner
    • 69,411,000
    • CBD Produkte
    • Illegal
    • Cannabis für Freizeitkonsum
    • Illegal
    • Medizinisches Cannabis
    • Legal since 2018

Cannabis-Gesetze in Thailand

Darf man in Thailand Cannabis besitzen und konsumieren?

In Thailand ist es illegal, Cannabis zu besitzen oder zu rauchen. Es ist als ein Betäubungsmittel der Kategorie 5 (nach dem Betäubungsmittelgesetz) definiert und mit der Substanz erwischt zu werden kann schwerwiegende Konsequenzen haben. Wer mit Cannabis erwischt wird, das nachweislich an andere weitergegeben werden soll, kann man mit einer zwei- bis zehnjährigen Freiheitsstrafe oder einer Geldstrafe von 40.000 bis 200.000 Baht (umgerechnet etwa 1.200 bis 5.600 Euro) rechnen. Die Strafe wird auf 15 Jahre Haft oder 200.000 bis 1.500.000 Baht (circa 42.000 Euro) erhöht, wenn mehr als zehn Kilogramm Cannabis vorliegen.

Wenn das Cannabis nur für den Eigenbedarf bestimmt ist, ist die Freiheitsstrafe auf fünf Jahre oder weniger begrenzt. Die Geldbuße ist ebenfalls auf maximal 100.000 Baht (etwa 2.800 Euro) begrenzt. Wird man beim Rauchen oder anderweitigen Konsum von Cannabis erwischt, kann die Haftstrafe maximal ein Jahr und die Geldstrafe zwischen 100.000 und 1.000.000 Baht (circa 28.000 Euro) betragen.

Das Narcotics Control Board (NCB) ist für die Prävention und Bekämpfung des illegalen Cannabiskonsums in Thailand zuständig. Die Polizei hat das Recht, jedes Haus ohne Haftbefehl zu betreten und zu durchsuchen (wenn sie berechtigte Gründe hat, zu glauben, dass sich Drogen im Haus befinden). Sie können auch legal jede Person oder jedes Fahrzeug durchsuchen und jegliches Cannabis beschlagnahmen, das sie dabei finden.

Der Strafprozessordnung zufolge kann die Polizei auch Nachforschungen anstellen, wenn sie glaubt, dass man an Drogendelikten beteiligt ist, und die Verdächtigten zur weiteren Untersuchung zu jeder beliebigen Regierungsbehörde zitieren.

Darf Cannabis in Thailand verkauft werden?

Es ist auch verboten, Cannabis in Thailand zu verkaufen oder zu verteilen. Wie beim Besitz ist das Gesetz in puncto Bestrafung sehr streng. Wird man beim Produzieren, Importieren oder Exportieren von Cannabis gefasst, kann man zu zwei bis fünfzehn Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von 200.000 bis 1.500.000 Baht verurteilt werden.

Die Polizei hat das Recht, alle Geräte und Maschinen zu beschlagnahmen, die im Zusammenhang mit der Produktion oder dem Vertrieb von Cannabis verwendet werden. Sie können auch alle Erlöse aus dem Verkauf von Cannabis einziehen.

Man kann auch dann strafrechtlich verfolgt werden, wenn man selbst kein Thailänder ist.

Darf Cannabis in Thailand angebaut werden?

Thailand erteilt seit 2014 Sondergenehmigungen für die Hanfproduktion. Im Jahr 2016 wurden etwa Pläne für den großflächigen Hanfanbau genehmigt. Das Pilotprojekt war auf sechs Provinzen im Norden beschränkt und zielte darauf ab, den Nutzen von Cannabis für medizinische Zwecke weiter zu erforschen. Jegliches Cannabis, das produziert wird, darf nicht mehr als ein Prozent THC enthalten (die Komponente, die für das „High“ verantwortlich ist).

Es ist illegal, Cannabispflanzen daheim anzubauen, auch wenn die Pflanzen für den Eigenbedarf oder medizinischen Einsatz bestimmt sind. Bei strafrechtlicher Verfolgung können die Täter/-innen zu einer Freiheitsstrafe und einer hohen Geldstrafe verurteilt werden.

Ist CBD in Thailand legal?

Viele Länder auf der ganzen Welt haben einen nachsichtigen Umgang mit dem Verkauf und Konsum von CBD. Thailand hat eine härtere Haltung eingenommen. Bei der Klassifizierung wird CBD nicht von THC getrennt, womit Erwerb und Verkauf von CBD illegal sind.

Im Jahr 2018 wurde Cannabis jedoch für den medizinischen Gebrauch zugelassen. Das bedeutet, dass CBD ab April 2019 für bestimmte Erkrankungen verschrieben werden kann. Es kann auch in das Land gebracht werden, vorausgesetzt, der/die Betroffene hat eine Genehmigung der entsprechenden Behörde.

Dürfen Cannabis-Samen nach Thailand geschickt werden?

Gemäß dem Betäubungsmittelgesetz sind der Verkauf oder der Besitz von Cannabis-Saatgut illegal. Das bedeutet, dass es weder in Thailand gekauft noch aus einem anderen Land per Post eingeschickt werden darf.

Medizinisches Cannabis in Thailand

Im Dezember 2018 genehmigte die thailändische Regierung einstimmig den Einsatz von Cannabis für medizinische Zwecke. Damit ist Thailand das erste Land in Südostasien, das dies tut. 166 Regierungsmitglieder für die Gesetzesänderung, nur 13 Mitglieder enthielten sich. Niemand stimmte dagegen.

Obwohl der Gesetzentwurf inzwischen in der Regierung verabschiedet wurde, bedarf er noch der Zustimmung von König Maha Vajiralongkorn, um implementiert zu werden. Der mit an der Entwerfung des Gesetzes beteiligte Somchai Sawangkarn kommentierte, dass diese Gesetzesänderung „als Neujahrsgeschenk an die thailändische Bevölkerung betrachtet werden könne“.

Bisher hat die Regierung die Cannabisbehandlung bei drei Erkrankungen genehmigt: Übelkeit und Appetitlosigkeit bei Krebspatienten, Kinderepilepsie und Multiple Sklerose. Die thailändische Regierung wird eng mit der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) zusammenarbeiten, um seine cannabisbasierte Forschung zu regulieren. Das bedeutet auch, dass eine reelle Möglichkeit besteht, dass künftig einige von der FDA zugelassene Medikamente in Thailand erhältlich sein werden.

Ist es in Thailand möglich, Cannabis per Verschreibung zu erhalten?

Die neuen medizinischen Cannabis-Gesetze (die zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels noch der Absegnung des Königs bedürfen) sehen vor, dass Patienten medizinische Cannabisprodukte erhalten können, sofern sie ein Rezept oder ein anerkanntes Zertifikat besitzen.

Die Lizenzen für den Anbau, die Produktion und den Verkauf dieser Medikamente werden streng kontrolliert. Derzeit ist es schwer zu sagen, wie gut die Behandlung in die Praxis umgesetzt werden wird.

Industriehanf in Thailand

Für Industriehanf gibt es eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten, von der Herstellung von Geweben und Baumaterialien bis hin zu Medikamenten und Lebensmitteln. Im Jahr 2014 erteilte die thailändische Regierung einige Genehmigungen, die den Anbau von Hanf in bestimmten Landesteilen erlauben. 2016 wurde dann ein größeres Pilotprojekt gestartet, das den Hanfanbau in sechs nördlichen Provinzen ermöglichte.

Im Januar 2018 schuf das thailändische Gesundheitsministerium eine neue Regelung für die Produktion, den Vertrieb oder den Besitz von Hanf im gesamten Land. Die Verordnung erlaubt den Hanfanbau, jedoch erst, nachdem Landwirte eine Lizenz von den Behörden erhalten haben.

Um den Gesetzen zu entsprechen, darf der Hanf nicht mehr als ein Prozent THC enthalten. Er darf nur in dafür ausgewiesenen Gebieten angebaut werden und das Saatgut muss von Produzenten mit gültiger Hanf-Erntelizenz bezogen werden.

Sobald die Hanfbauern eine Lizenz besitzen, dürfen sie Hanf für folgende Zwecke anbauen, ernten oder verarbeiten:

  • Häuslicher Gebrauch
  • Kommerzieller Gebrauch
  • Forschung
  • Produktion/Vertrieb von Saatgut oder anderen Teilen der Pflanze (sofern zugelassen)
  • Anderen, von der Regierung benannten Gründen

Thailands politische Haltung gegenüber Cannabis

Seit der Verabschiedung des Betäubungsmittelgesetzes im Jahr 1979 ist Thailands politische Einstellung gegenüber Cannabis äußerst konservativ. Im Jahr 2003 fanden im Rahmen des „Krieges gegen Drogen“ der thailändischen Regierung 2.800 außergerichtliche Hinrichtungen statt, bei denen mutmaßliche Straftäter wegen „drogenbezogener Verbrechen“ exekutiert wurden. Später stellte sich heraus, dass über die Hälfte der Getöteten überhaupt keinen Bezug zu Drogen hatte. Darüber hinaus wurden Tausende von Menschen zu einem brutalen „Sucht-Behandlungsprogramm“ gezwungen.

Zwei Jahre später empfahl der UN-Menschenrechtsausschuss eine Reihe von Untersuchungen zur Drogenstrafverfolgung im Land. Als Antwort darauf erklärte die thailändische Regierung, dass jeder unnatürliche Tod gründlich und gesetzeskonform untersucht werden würde.

Trotz dieser strengen Gesetze nehmen die Politiker des Landes zunehmend eine nachsichtigere Haltung ein.

Im Jahr 2016 schlug Justizminister Paiboon Koomchaya vor, dass die Regierung Cannabis entkriminalisieren und regulieren solle. Er erklärte, dass seine Stellungnahme auf der Beobachtung basiere, dass die strengen Gesetze des Landes den Konsum der Substanz nicht eindämmen würden.

Historisch gesehen ist Thailand seit Langem von der Vorgehensweise der USA bei der Drogenkontrolle beeinflusst. Die Gesetze werden in den Staaten immer nachsichtiger und es scheint, dass auch Thailand einen ähnlichen Ansatz verfolgen könnte.

Gut zu wissen

Wenn man nach Thailand reist (oder dort wohnt), ist es sinnvoll, Folgendes zu wissen:

Die Geschichte von Cannabis in Thailand

Die Menschen in Thailand konsumieren seit Jahrhunderten Cannabis. Landwirte konsumierten es, um ihre Schmerzen nach einem Tag Arbeit auf den Feldern zu lindern, und Frauen nutzten es, um Wehen bei der Geburt zu lindern.

Das Betäubungsmittelgesetz (1979) und der Psychotropics Substances Act (1975) haben den Verkauf, den Besitz und den Anbau von Cannabis kriminalisiert. In den 1960er-Jahren, als US-Militärbasen im Land errichtet wurden, florierte jedoch die illegale Cannabisindustrie.

Amerikanische GIs berichteten, dass Cannabis in Thailand genauso weit verbreitet war wie Bier, obwohl es illegal war. In den 1970er- und 1980er-Jahren unterstützte der Handel mit der Droge einige der ärmsten Regionen des Landes.

In den 1980er-Jahren überzeugte die US-Regierung Thailand, sich ihnen im Krieg gegen Cannabis anzuschließen. Dies beinhaltete das Abfangen tonnenweise thailändischen Cannabis, das in die USA eingeschleust werden sollte. Die Zusammenarbeit mit den Staaten markierte eine neue Ära in der Geschichte des thailändischen Cannabis – eine strenge Anti-Drogen-Haltung, kombiniert mit harten Strafen für diejenigen, die gegen die Gesetze verstießen.

Die jüngste Entscheidung der Regierung, Cannabis für den medizinischen Gebrauch zu legalisieren, deutet auf eine weitere Gesinnungsänderung hin – vielleicht orientiert sich die Regierung sogar am 19. Jahrhundert, als der gesundheitliche Nutzen von Cannabis im thailändischen Volk allgemein anerkannt war.

Wie ist thailändisches Cannabis?

Für gewöhnlich eine reine Sativa-Landrasse, ist thailändisches Cannabis für sein schnelles, zerebrales High bekannt, das von seinem hohen THC-Gehalt und seinen relativ niedrigen CBD- und CBN-Werten herrührt. Es weist dünne Härchen auf, ähnlich wie beim Löwenzahn, und seine Blätter wachsen in Bündeln, die normalerweise grün und braun gefärbt sind. Weitere charakteristische Merkmale sind der Zitrusduft und das „High“, das oft als leichter empfunden wird als bei anderen Cannabissorten.

Thailändische Cannabispflanzen können zu unglaublichen Größen heranwachsen und beugen sich oft bis zum Boden, da die Blüten zu schwer für die Zweige werden. Tatsächlich können einige Sorten sogar Wurzelansätze entlang der Teile der Zweige entwickeln, die länger mit dem Boden in Kontakt bleiben – diese Neigung hat einige Züchter dazu angeregt, mit solchen „Reben“ zu experimentieren, wenn auch mit wenig Erfolg.

Einige thailändische Cannabissorten brauchen bis zu 20 Wochen bis zur Blüte, da es in Thailand zwischen den Jahreszeiten keine Temperatur- und Lichtschwankungen gibt. Dies ist ein Phänomen, das oft den Photoperiodismus bei Cannabis in äquatorialen Regionen beeinflusst.

Thailändische Landrassen sind oft anfällig für Hermaphroditismus, ein Merkmal, das eher genetisch als ökologisch bedingt ist. Einige glauben, dass die extrem hohen Temperaturen in Thailand das Phänomen verursachen, aber es tritt auch in kühleren Anbaugebieten auf, sodass ein genetischer Einfluss wahrscheinlicher erscheint.

Thai-Sticks

Thai-Sticks sind eine berühmte Form von Cannabis, die in den 1960er-Jahren in Thailand sehr beliebt waren. Dabei handelt es sich um Blütenbündel aus samenlosem Cannabis, die auf Stielen aufgespießt werden. Anschließend werden Fasern der Pflanze benutzt, um das Cannabis an seinem Platz zu fixieren.

Bekannt für ihre hohe Wirksamkeit (manchmal, weil sie auch in Opium getaucht wurden), waren sie bis Mitte der 1970er-Jahre äußerst beliebt. Als die US-Truppen aus dem Vietnamkrieg in ihre Heimat zurückkehrten, nahm die Popularität der Thai-Sticks ab.

Die moderne Einstellung gegenüber Cannabis

Cannabis wird von vielen in Thailand als traditionelle Medizin angesehen, was bedeutet, dass es nicht das gleiche Stigma wie andere Drogen trägt. Allerdings sind alle anderen Formen von Drogen in der Regel verpönt, und als solche sind die Strafen für alle drogenbezogenen Straftaten sehr streng.

Die Regierung erkennt an, dass ihr Ansatz keine Ergebnisse zeigt. Justizminister Paiboon Koomchaya stellte fest, dass der „Krieg gegen Drogen“ nicht erfolgreich und daher ein neuer Ansatz notwendig sei. 

Thailands Gefängnisse sind gemessen an der Bevölkerung die sechstgrößten der Welt, viele davon sind überfüllt. Ein hoher Prozentsatz der Häftlinge ist wegen Drogendelikten inhaftiert. Koomchaya schlug vor, dass Änderungen erforderlich seien, um dieses Problem anzugehen, und dass Cannabis daher entkriminalisiert werden sollte.

  • Disclaimer:
    Obwohl größte Sorgfalt bei der Gewährleistung der Richtigkeit dieses Artikels aufgewendet wurde, ist er weder als Rechtsberatung gedacht, noch sollte er als solche verstanden werden. Jede Situation wird von individuellen Faktoren beeinflusst und man sollte stets einen Experten oder Anwalt für eine Rechtsberatung konsultieren.

Comments

4 Kommentare zu „Cannabis in Thailand – Gesetze, Konsum und Geschichte“

  1. ihr artikel über den hanf finde ich super. ich bin ein 57 jähriger schweizer kunstmaler und malte oder male viele meiner werke auf hanfpapier, um zu zeigen, dass man den urwald nicht roden müsste um papier herzustellen. leider verstehen die meisten meine botschaft nicht oder falsch. für mich wäre es schon lange an der zeit den hanf endlich weltweit frei zu geben. mit freundlichen grüssen pesche

  2. Darf ich etwas klugscheißen? 😛
    Es ist ein klassischer False-Friend-Übersetzungsfehler, wenn man „Authority“ mit „Autoritäten“ übersetzt. Das KANN richtig sein, in der Regel meint das Wort aber „Behörden“…
    Gruß vom „Kein Wietpas!“-Team 🙂

  3. Markus Imboden

    Wo kann ich in Thailand (Chiang Mai) oder in Laos legale Produkte aus Hanf (-Fasern) kaufen? (Kleider, Nahrungsmittel etc.).

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    Das Sensi Seeds Redaktionsteam besteht aus Botanikern, medizinischen und juristischen Experten sowie renommierten Aktivisten wie Dr. Lester Grinspoon, Micha Knodt, Robert Connell Clarke, Maurice Veldman, Sebastian Marincolo, James Burton und Seshata.
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    Maurice Veldman

    Maurice Veldman ist Mitglied der Niederländischen Vereinigung der Strafrechtsanwälte und einer der bemerkenswertesten Cannabis-Anwälte der Niederlande. Mit 25 Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet unterstützt sein strafrechtliches und Verwaltungsrecht die Cannabisverkäufer und Hanferzeuger dabei, die Ungleichheiten zwischen Individuum und Staat zu beseitigen.
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