by Seshata on 07/01/2014 | Cannabis Aktuelles

Wie viele Tote gehen auf das Konto von Cannabis? Teil III

Die Schätzungen der Anzahl der Todesfälle, die auf Cannabis zurückzuführen sind, klaffen weit auseinander; sie reichen von der absurden Zahl 30.000 pro Jahr, wie 2003 in einem größtenteils entlarvten Brief ans British Medical Journal behauptet wurde, bis hin zu null Todesfällen. Hier werden wir die Behauptungen der Medien und die dahinter stehenden wissenschaftlichen Beweise - beziehungsweise deren Fehlen - näher untersuchen.


Die Schätzungen der Anzahl der Todesfälle, die auf Cannabis zurückzuführen sind, klaffen weit auseinander; sie reichen von der absurden Zahl 30.000 pro Jahr, wie 2003 in einem größtenteils entlarvten Brief ans British Medical Journal behauptet wurde, bis hin zu null Todesfällen. Hier werden wir die Behauptungen der Medien und die dahinter stehenden wissenschaftlichen Beweise – beziehungsweise deren Fehlen – näher untersuchen.

Wiederholte offizielle Weigerungen, Cannabis als sicher anzuerkennen

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Im Gegensatz zu Alkohol, der definitiv zu Leberzirrhose führen kann, verursacht Cannabis offenbar keine signifikanten Langzeitschäden (Ed Uthman)

Erst im August 2013 hat das National Institute on Drug Abuse (NIDA = Nationales Institut für Drogenmissbrauch) behauptet, Cannabis sei nicht weniger toxisch als Alkohol, und hat sich damit in den Augen vieler lächerlich gemacht. Diese Behauptung stand in einer E-Mail an Politifact (und wurde durch diese berichtet); eine bekannte Organisation, die sich der Überprüfung von Fakten verschrieben hat. Zu dieser Zeit untersuchte sie den Wahrheitsgehalt einer früheren Behauptung des Marijuana Policy Project (MPP = Projekt der Marihuanapolitik), mit dem Ergebnis, dass Cannabis weniger schädlich ist als Alkohol.

Die E-Mail stellte fest, dass “die Behauptung, Marihuana sei weniger toxisch als Alkohol, nicht bewiesen werden kann, da jede der Substanzen für jedes Individuum [sic] unterschiedliche Auswirkungen und Risiken mit sich bringt”. Doch obwohl Politifact über umfangreiche Beweise verfügte, die anzeigten, dass Alkohol tatsächlich schädlicher ist als Cannabis, bewertete sie die Behauptung von MMP letztlich als „überwiegend wahr“.

Cannabis ist sogar wesentlich sicherer als andere Drogen

Es ist erwiesen, dass starker Alkoholkonsum ein signifikant erhöhtes Sterberisiko mit sich bringt, und zwar sowohl direkt (Alkoholvergiftung) als auch indirekt (Leberzirrhose, Herz-Kreislauf-Erkrankung, Schlaganfall). Außerdem deuten diverse Studien darauf hin, dass starke Alkoholiker eine wesentlich geringere Lebenserwartung haben.

Überdosen von Kokain und Heroin können ebenfalls direkt zum Tod führen; ein langfristiger Konsum von Kokain kann zudem Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen, intrakraniale (im Schädelinneren auftretende) Blutungen sowie Schlaganfälle hervorrufen. Darüber hinaus wird der ungesicherte illegale Konsum von Kokain und Heroin mit verschiedenen anderen Gesundheitsrisiken in Verbindung gebracht, die oft mit dem Gebrauch von unsterilem Zubehör zusammenhängen.

Allein schon wegen dieser Hilfsmittel sind die oben erwähnten Substanzen weitaus tödlicher als Cannabis. Die Medien versuchen ständig, alle möglichen Fälle auszugraben, an denen man Cannabis eine Mitschuld geben könnte – und sei es auch nur ganz vage. Wenn die obigen drei Substanzen genauso penibel erforscht würden, dann wäre die Zahl der Todesfälle, die man irgendwie mit ihnen in Verbindung bringen könnte, erschütternd hoch – weit höher als die Handvoll Fälle, die mit Cannabis zusammenhängen.

Wahrscheinlich führt nicht einmal synthetischer Cannabis zum Tod

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Auch wenn die Risiken von Kokain oft übertrieben werden, kann es bei langfristigem Konsum schwere Herz-Kreislauf-Krankheiten verursachen (JLM Photography)

Als direkte Folge der Verbotspolitik und der unbefriedigten Nachfrage nach Cannabis haben synthetische Cannabinoid-Imitate den Markt vieler Länder überschwemmt, einschließlich Großbritanniens, Australiens und vieler US-Bundesstaaten.

Solche neu auf dem Markt erscheinenden Produkte sind zunächst oft legal, doch zahlreiche Länder haben umgehend reagiert und sie gesetzlich verboten. Doch dies hat zu einem Kreislauf immer neuer und immer weniger getesteter synthetischer Produkte geführt, die sogar schon ein paar Tage oder Stunden nach dem Verbot der früheren Produkte auf dem Markt erscheinen.

Mehrere dieser synthetischen Cannabinoide wurden mit dem Tod von Menschen in Verbindung gebracht. Die Produkte werden also – ebenso wie Cannabis selbst – bis zu einem gewissen Grad verteufelt, da viele Todesfälle keineswegs eindeutig sind und durchaus auch auf andere Faktoren zurückgeführt werden können.

Es gibt sicherlich genügend Belege für die Feststellung, dass bestimmte synthetische Cannabinoide toxische Reaktionen auslösen können, inklusive akute Myokardinfarkte. Doch Todesfälle, die direkt und unwiderlegbar durch synthetische Cannabinoide verursacht werden, kommen extrem selten oder überhaupt nicht vor.

Wie tödlich ist Cannabis?

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Selbst synthetischer Cannabis ist nachweislich nicht die einzige Ursache für Todesfälle bei Menschen (Wikimedia Commons)

Es ist unwahrscheinlich, dass Cannabiskonsum ein signifikant erhöhtes Sterberisiko mit sich bringt, nicht einmal indirekt. Beim Autofahren unter Drogeneinfluss kann das Unfallrisiko zwar steigen – je nach dem Grad der Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit -, aber diese These ist umstritten. In labilen, zu psychischen Krankheiten neigenden Personen löst Cannabiskonsum möglicherweise Selbstmordgedanken aus, doch der Verdacht, dass Cannabis die Zahl der vollendeten Selbstmorde signifikant erhöht, hat sich nicht bestätigt.

Damit ist Cannabis vom logischen Standpunkt aus offensichtlich rehabilitiert. Die Pflanze ist für keinen Todesfall direkt verantwortlich. Sie mag bei einigen Fällen eine Rolle gespielt haben, aber sie ist nie die alleinige Ursache. Vielleicht bringt die Zukunft neue Beweise in Bezug auf die Sterblichkeitsrate von Cannabis, denn der Konsum breitet sich immer weiter aus, und Langzeitstudien beobachten regelmäßige Konsumenten bis ins höhere Alter hinein. Dennoch ist es ausgesprochen unwahrscheinlich, dass das Risiko des Cannabiskonsums jemals mit dem von Alkohol, Tabak oder verschiedenen anderen populären Drogen vergleichbar sein wird.

Wenn wir eine von Natur aus abstinente Spezies wären, dann könnte man womöglich mit Recht argumentieren, dass jede Droge, die das Sterberisiko erhöhen könnte – wie verschwindend klein das Risiko auch sein mag – nur beschränkt zugänglich sein sollte. Aber das sind wir eindeutig nicht – schätzungsweise 90 % der Weltbevölkerung konsumiert regelmäßig Koffein in irgendeiner Form; rund 20 % konsumiert Tabak, und bis zu 50 % konsumiert regelmäßig Alkohol. Wir können also nur dann auf eine bessere Zukunft hoffen, wenn wir allen Menschen so sichere Rauschmittel wie möglich zur Verfügung stellen.

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.
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