by Seshata on 21/10/2015 | Medizinisch

Wird Mukoviszidose durch ein gestörtes Endocannabinoidsystem verursacht?

Zystische Fibrose Die Zystische Fibrose (CF), auch Mukoviszidose genannt, ist eine genetische Störung, die die Lungen und diverse andere Organe befällt. Die Symptome umfassen unter anderem Atembeschwerden und Aushusten von Sputum (Auswurf) als Folge einer Lungeninfektion. Man nimmt heute an, dass die Ursache dieser Krankheit in einer Störung des Endocannabinoidsystems zu suchen ist.


cystic fibrosis - Sensi Seeds blog

Die Zystische Fibrose (CF), auch Mukoviszidose genannt, ist eine genetische Störung, die die Lungen und diverse andere Organe befällt. Die Symptome umfassen unter anderem Atembeschwerden und Aushusten von Sputum (Auswurf) als Folge einer Lungeninfektion. Man nimmt heute an, dass die Ursache dieser Krankheit in einer Störung des Endocannabinoidsystems zu suchen ist.

Fettschwund, Mukoviszidose & das EC-System

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Die Lungenfunktion von CF-Patienten ist beeinträchtigt, was zu einer übermäßigen Schleimproduktion führt (© Liverpoolhls)

Zystische Fibrose (CF) wird mit einem anormalen Fettstoffwechsel assoziiert, daher ist die Erkrankung häufig durch einen fortschreitenden Fettschwund gekennzeichnet. CF befällt hauptsächlich die Lungen und die Pankreas (Bauchspeicheldrüse), was zur fortschreitenden Schädigung der Lunge und zur Pankreasinsuffizienz führt.

Aufgrund dieses Krankheitsverlaufs benötigen CF-Patienten eine erheblich höhere Kalorienmenge, als für andere Menschen empfehlenswert wäre. Die Ernährung der CF-Patienten sollte so reichhaltig sein, dass ihr Wachstum und ihre Entwicklung normal verlaufen, und sobald ihr genetisches Potenzial ausgeschöpft ist, sollten sie danach streben, diesen guten Ernährungszustand lebenslang aufrechtzuerhalten. Studien haben gezeigt, dass die Lungenfunktion bei CF eng mit dem Ernährungszustand zusammenhängt und dass dieser eine zuverlässige Vorhersage über das Überleben ermöglicht, unabhängig von anderen Faktoren.

Die Ernährung der meisten CF-Patienten ist also besonders kalorienreich, um einen normalen Wachstums- und Entwicklungsprozess zu fördern und eine gute Lungenfunktion aufrechtzuerhalten. Eine unzureichende Kalorienzufuhr kann bei CF zu Unterernährung und infolgedessen zu Fettschwund führen. Wenn bei CF Unter- oder Mangelernährung vorliegt, sind eine sorgfältige interdisziplinäre Erforschung der Krankheitsgeschichte, eine gründliche körperliche Untersuchung sowie eine umfassende Begutachtung des Patienten und seiner Familie erforderlich. Nur wenn die tatsächliche Ursache der Unterernährung festgestellt wird, können geeignete und sichere Therapien zu ihrer Behandlung angewendet werden.

Obwohl appetitanregende Mittel bei einer durch Mukoviszidose bedingten Unterernährung effektiv Abhilfe schaffen, sollten sie nur dann verschrieben werden, wenn die Unterernährung hauptsächlich auf verminderte Nahrungsaufnahme aufgrund von Appetitlosigkeit zurückzuführen ist und wenn alle anderen Ursachen geprüft, ausgeschlossen oder behandelt wurden. Falls nachweislich Appetitlosigkeit vorliegt, könnte eine Therapie mit THC eine ideale Option darstellen, da THC sowohl den Appetit anregen als auch dazu beitragen kann, viele der anderen Symptome der Mukoviszidose unter Kontrolle zu bekommen.

Prä-/postnatale EC-Störung und Mukoviszidose

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Konventionelle Medikamente können die Symptome der CF nur geringfügig verbessern (© Frankieleon)

Eine Fehlfunktion des EC-Systems in der frühen Kindheit könnte viele Symptome der CF erklären; zwar ist die Krankheit ihrem Wesen nach genetisch bedingt, doch die betreffenden Gene sind offenbar an der Funktion des EC-Systems beteiligt. Allerdings ist noch viel Forschungsarbeit erforderlich, bis diese Zusammenhänge vollständig geklärt sind.

Neue Forschungsergebnisse legen nahe, dass die Endocannabinoide und ihre Cannabinoidrezeptoren einen wesentlichen Einfluss auf die prä- und postnatale (vor- und nachgeburtliche) Entwicklung ausüben. Erstens enthalten sowohl der Embryo vor der Implantation als auch der Uterus (Gebärmutter) hohe Konzentrationen des Endocannabinoids Anandamid und der Endocannabinoidrezeptoren; doch für die Implantation des Embryos ist eine zeitweilige Verminderung der Anandamidkonzentration unbedingt erforderlich.

Bei Frauen wurde ein umgekehrter Zusammenhang zwischen der Fettsäuren-Amidohydrolase (ein Anandamid abbauendes Enzym) in menschlichen Lymphozyten und Fehlgeburten festgestellt.

Zweitens sind in den Regionen der weißen Materie des prä- und postnatalen Nervensystems vorübergehend CB1-Rezeptoren enthalten, was darauf schließen lässt, dass die CB1-Rezeptoren an der Entwicklung des Gehirns beteiligt sind.

Drittens sind Endocannabinoide in der Muttermilch entdeckt worden. Die Aktivierung der CB1-Rezeptoren hat sich für säugende, neugeborene Mäuse als äußerst wichtig erwiesen, da sie offensichtlich die Bewegungsmuskeln des Mundes aktivieren.

Viertens verfügt Anandamid über neuroprotektive Eigenschaften im sich entwickelnden postnatalen Gehirn. Und nicht zuletzt beeinflusst die pränatale Anwendung des aktiven Bestandteils von Marihuana (Δ9-Tetrahydrocannabinol) oder von Anandamid die Funktionen des präfrontalen Kortex, des Gedächtnisses, des motorischen und des Suchtverhaltens, was darauf hindeutet, dass das Endocannabinoid-CB1-Rezeptor-System in den Gehirnstrukturen, die diese Funktionen steuern, eine wichtige Rolle spielt.

Weitere Beobachtungen lassen den Schluss zu, dass Kinder für die psychoaktiven Nebenwirkungen von Δ9-Tetrahydrocannabinol oder von Endocannabinoiden wahrscheinlich weniger anfällig sind als Erwachsene. Die medizinischen Konsequenzen dieser neuen Entwicklungen sind weitreichend, denn sie lassen vermuten, dass Cannabinoide in der Kinderheilkunde eine vielversprechende Zukunft haben, zum Beispiel bei Krankheiten wie der „nicht-organischen Entwicklungsstörung“ und eben der zystischen Fibrose.

Wie die Gabe von THC das Risiko der Entstehung von Mukoviszidose bei gefährdeten Kindern vermindern kann

Hinsichtlich der molekularen Basis der Entstehung einer Mukoviszidose ist bereits eine beträchtliche Datenmenge gesammelt worden, während der Einfluss biochemischer Schädigungen auf Gehirnprozesse noch weitgehend unerforscht geblieben ist.

Eine kürzlich durchgeführte Studie untersuchte einige Verhaltensparameter – wie zum Beispiel die motorische Aktivität und den Grad der Angst – bei der Mäuse-Variante der CF, wobei man davon ausging, dass die Funktion des Endocannabinoidsystems bei CF beeinträchtigt sein könnte (Endocannabinoide sind Derivate von Fettsäuren, und der Mangel an Fettsäuren wird als bedeutender Faktor bei der Entstehung von CF angesehen).

Man nahm an, dass eine Dauerbehandlung mit Cannabinoidrezeptoragonisten während der Kindheit die Cannabinoidkonzentration ausgleichen und durch CF bedingte Verhaltensänderungen verhindern würde. Hierbei wurden die motorische Aktivität und der Grad der Angst bei „naiven“ erwachsenen Mäusen (Mäuse, denen das CFTR-Gen fehlte) studiert, die an CF erkrankt waren. Diese wurden mit genetisch unveränderten Mäusen und mit CF-Mäusen verglichen, die in der frühen Kindheit (vom 7. bis zum 28. Tag nach der Geburt) dauerhaft mit Δ9-Tetrahydrocannabinol (Δ9-THC; ein Endocannabinoidrezeptoragonist) behandelt wurden.

Einen Monat nach Beendigung der Behandlung prüfte man die motorische Aktivität anhand eines Tetrade-Tests, und der Grad der Angst wurde in einem besonders großen Labyrinth untersucht. „Naive“ erwachsene CF-Mäuse wiesen im Vergleich zu genetisch unveränderten Mäusen eine verminderte motorische Aktivität sowie stärker ausgeprägte Ängste auf. Dagegen zeigten CF-Mäuse, die in der Kindheit mit THC behandelt worden waren, als Erwachsene normale motorische Aktivitäten und normal ausgeprägte Ängste.

Die Änderung der motorischen Funktion und die stärkeren Ängste bei CF können durch das Fehlen des CFTR-Kanals in Neuronen und durch eine gestörte Aktivität verschiedener Gehirnregionen ausgelöst werden; sie können aber auch als Nebeneffekt eines Mangel an Fettsäuren und veränderter Konzentrationen an Endocannabinoiden und deren Rezeptoren auftreten. Hieraus kann geschlossen werden, dass die Funktion der Endocannabinoide mithilfe einer Dauerbehandlung in der Kindheit wiederhergestellt und somit Verhaltensabweichungen verhindert werden können.

Cannabiskonsum von bereits an Mukoviszidose erkrankten Personen

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CF-Patienten produzieren schlechte Messwerte in Bezug auf den exspiratorischen (die Ausatmung betreffenden) Spitzenfluss

Zwar konsumieren CF-Patienten weniger Drogen als die allgemeine Bevölkerung, doch Cannabis wird auch in dieser Gruppe relativ häufig verwendet. Einige Paper stellten bei CF-Patienten sogar einen Konsum von bis zu 60 % fest (was tatsächlich weit über den Konsum in der allgemeinen Bevölkerung hinausgeht, allerdings ist diese Zahl wahrscheinlich reichlich übertrieben).

Eine Analyse aus dem Jahr 2001 ergab, dass es „keine langfristigen Studien in Bezug auf

den Cannabiskonsum bei CF-Patienten gibt; mehrere Paper haben jedoch

über ein beunruhigend hohes Ausmaß des Konsums von bis zu 60 % berichtet. Manche Patienten machen wohl die Erfahrung, dass ihre Bronchien durch das Rauchen von Cannabis erweitert würden (sic!), aber dieser positive Effekt ist

nur von kurzer Dauer. Die Patienten sollten sich bewusst machen, dass sowohl Tabakbestandteile als auch Stoffwechselprodukte von Cannabis langfristig Gesundheitsschäden hervorrufen.“ Eine ältere Studie fand heraus, dass Cannabis „chronische Lungensymptome oft verschlimmerte, auch wenn manche Patienten über eine vorübergehende Verbesserung während des Konsums berichteten.“

Natürlich geht diese Analyse davon aus, dass Cannabis zusätzlich zu Tabak geraucht wird, und befasst sich speziell mit den Gefahren des Rauchens von Cannabis, nicht mit anderen Formen des Konsums. Darüber hinaus kamen neuere Studien zu dem Schluss, dass das Rauchen von Cannabis zu weit geringeren Gesundheitsschäden führt als das Rauchen von Tabak. Es lässt sich noch nicht sagen, ob sich alleine das Rauchen von Cannabis für CF-Patienten als ebenso befreiend für die Atemwege erweisen könnte, wie zahllose Asthma-Patienten berichten; doch für heutige Patienten wäre es sicherlich ratsam, eine Konsummethode zu wählen, die ein geringeres Potenzial für die Reizung des Lungengewebes besitzt.

Folgen für das Gesundheitswesen

Dieses Gebiet muss noch viel gründlicher erforscht werden, bis wir die Komplexität des Endocannabinoidsystems, seine Bedeutung für die menschliche Entwicklung sowie seinen Zusammenhang mit vielen bisher mysteriösen Krankheiten wie der zystischen Fibrose vollständig verstanden haben. Doch erste Studien über die Bedeutung der Cannabinoidrezeptoragonisten wie THC erbrachten sehr vielversprechende Ergebnisse und werden zweifellos die Grundlage dafür liefern, dass uns in Zukunft gezielte Therapien zur Verfügung stehen.

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.
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