by Micha on 03/11/2014 | Uncategorized

Die 10 gängigsten Gerüchte über Gras

Weil Hanf seit fast einhundert Jahren mehr oder weniger verboten ist, ranken sich mittlerweile eine Menge Gerüchte rund um die illegalisierte Pflanze. Einige davon betreffen den Anbau, einige die Weiterverarbeitung, viele davon den Konsum. Cannabis ist zwar aufgrund der seit Jahrzehnten anhaltenden Diskussion relativ gut erforscht, doch besonders der verborgene Teil des Marktes, also Dealer und Konsumenten, können sich nicht auf staatliche Zertifikate oder gar Verträge verlassen, hier zählt das gesprochene Wort. Doch das führt, ganz im Stile der Stillen Post aus Kindertagen, auch dazu, dass so mach Hirngespinst in Kiffer-Kreisen für bare Münze genommen wird. Einige schon seit Jahren oder gar Dekaden, andere sind erst im Laufe der letzten Zeit hinzugekommen.


„Mit Opium gestreckter, gentechnisch manipulierter Zero-Zero mit einem THC-Gehalt von 120%“

Weil Hanf seit fast einhundert Jahren mehr oder weniger verboten ist, ranken sich mittlerweile eine Menge Gerüchte rund um die illegalisierte Pflanze. Einige davon betreffen den Anbau, einige die Weiterverarbeitung, viele davon den Konsum. Cannabis ist zwar aufgrund der seit Jahrzehnten anhaltenden Diskussion relativ gut erforscht, doch besonders der verborgene Teil des Marktes, also Dealer und Konsumenten, können sich nicht auf staatliche Zertifikate oder gar Verträge verlassen, hier zählt das gesprochene Wort. Doch das führt, ganz im Stile der Stillen Post aus Kindertagen, auch dazu, dass so mach Hirngespinst in Kiffer-Kreisen für bare Münze genommen wird. Einige schon seit Jahren oder gar Dekaden, andere sind erst im Laufe der letzten Zeit hinzugekommen. Mir läuft es jedes Mal beim Hören solch hanebüchener Storys eiskalt den Rücken runter, Stichwort Fremdschäm-Faktor. Die meisten Geschichten aus dem cannabinoiden Reich der Phantasie haben eine kurze Halbwertzeit, einige aber halten sich hartnäckig bis zum heutigen Tage. Diesen Ammenmärchen sind die folgenden Zeilen gewidmet, auf dass sie endgültig aus den Köpfen einiger Cannaseure verschwinden.

1. Das Gen-Gras

GMO sensi seeds blogIn den letzten Jahren taucht immer das Gerücht auf, neue Grassorten seien genmanipuliert. Damit weckt man besonders in den traditionell „Gen“-kritischen Kreisen, zu denen sich viele Hanfkonsumierende zählen, natürlich Skepsis. Politik und Strafverfolger haben dieses Gerücht gezielt gestreut, um vorhandene Ängste vor genetisch manipulierten Lebensmittel eins zu eins auf Hanf zu projizieren. Ein Gerücht entsteht meist nicht völlig grundlos, also habe ich nach dessen Ursprung gesucht:

Unter Genmanipulation versteht man die künstliche Veränderung des Erbgutes. Dieses besteht aus vier Basen, den Bausteinen der DNS. Diese Basen werden bei der Genmanipulation – vereinfacht gesagt – untereinander „ausgetauscht“ und ein Lebewesen mit neuen Eigenschaften entsteht. Tito Schiva und Saverio Alberti haben als einzige bislang solche Experimente mit einem überraschendem Ergebnis durchgeführt: ist Hanf sogar gegen Genmanipulationen resistent“, so die „Sonntagszeit“ Nr. 7 vom 17. Februar 2002 im Artikel „Das Leuchten der Blumen“:

[…] Ziel der Studien war ursprünglich die Herstellung von handelsüblichem Hanf, der von unerlaubten Rauschmittelsorten zuverlässig unterschieden werden sollte. Doch erwies sich ausgerechnet Hanf gegen eine Genmanipulation resistent.“

Sabine Bätzing, ehemalige Drogenbeauftragte der Bundesregierung, hatte 2009 auf Anfrage selbst eingeräumt, dass die deutschen Ermittlungsbehörden keine Erkenntnisse zu genmanipuliertem Gras hätten. Doch wer ist dann Schuld an dem Gerede über Gen-Gras?

Die Schuldige ist eine giftige Zierpflanzenknolle, die das Akaloid Colchizin enthält: Die Herbstzeitlose. Das als Spindelgift bekannte, hochgiftige und krebserregende Alkaloid, lindert in niedriger Dosierung Gicht-Symptome. Colchizin ruft aber auch Mutationen bei Pflanzen hervor, wenn man deren Saatgut damit behandelt. Der deutsche Kultautor Roland Rippchen hat in den 1980er Jahren über die Versuche einiger Freaks berichtet, die Hanfsamen mit Colchizin behandelten. Die Überlebensquote von Hanfsamen, die mit Colchizin behandelt wurden, beträgt zehn Prozent. Einige der überlebenden Pflanzen sollen ertragreicher gewesen sein. Allerdings ist eine Mutation keine Genmanipulation, die Erbanlagen werden vereinfacht ausgedrückt verdoppelt, nicht verändert. Es handelt sich um eine Mutation, also eine spontan auftretende oder herbeigeführte Veränderung des Erbgutes, die auch ständig in der Natur vorkommt (eine der bekanntesten Mutationen ist die blonde Haarfarbe von Nordeuropäern). Die Pflanze ist jetzt polyploid, das heißt, sie hat nun mindestens drei vollständige Chromosomensätze, deren DNS-Folge, im Gegensatz zur Gen-manipulierten Pflanze, jedoch unverändert ist. Durch die Behandlung mit Colchizin wurde schon vor 60 Jahren eine neue Getreidesorte geschaffen: Triticale ist eine Kreuzung aus Weizen und Roggen, die schon Jahrzehnte als Viehfutter und als Rohstoff für Backwaren, Bier und Fertigbreie in Europa kultiviert wird. Die Anwendung von Colchizin gilt seit ihrer Entdeckung 1934 in Botaniker-Kreisen als gängigste Methode, Polyploide herzustellen und wird seit den 1950er Jahren schon bei fast allen bekannten Kulturpflanzen angewendet. So wie bei Rüben, diversen Futterpflanzen oder auch bei Stiefmütterchen.

Die niedrige Überlebensquote der Hanfsamen, die aufgrund von Giftrückständen auftretende Ungenießbarkeit der ersten beiden Generationen, mangelnde Stabilität der Folgegenerationen und vor allem die nicht zu unterschätzende Gesundheitsgefährdung beim Hantieren mit der Substanz, verhinderten jedoch eine großflächige Verbreitung dieser Methode im botanischen Untergrund. Doch leider haben ein paar wenige Veröffentlichungen gereicht, um ein Gerücht entstehen zu lassen, dass heute oft gegen die Legalisierungsbemühungen ins Feld geführt wird. Der relativ hohe THC-Gehalt einiger Sorten lässt sich allerdings ausschließlich mit natürlicher Auslese begründen.

2. Der Schimmel Afghane

Mould The Cannabis College AmsterdamSeit zurückkehrende Hippies in den 1970er Jahren über eine angebliche Spezialität Afghanischer Hanfbauern berichtet hatten, gilt der so genannte „Schimmel-Afghane“ besonders unter älteren Semestern heute noch als ein besonderes Leckerchen, das selten zu haben ist. In Afghanistan selbst lässt jedoch kein Mensch sein Piece absichtlich verschimmeln. Wahrscheinlich handelt es sich bei dem „Schimmel-Afghanen“ um schlecht gelagertes, feuchtes Haschisch, das ahnungslosen Handelsreisenden angedreht wurde. Fakt ist, dass Schimmelpilze nicht geraucht werden sollten.

3. Die Nackternte

Bereits seit den 1970er Jahren hält sich das Gerücht hartnäckig, in einigen Ländern würde man Haschisch ernten, indem die Bauern nackt über ihr Feld flitzen, um sich im Anschluss das Harz von der Haut zu schaben. Trotz angeblicher Augenzeugenberichte aus Nepal oder Kasachstan gibt es hierfür keinerlei fotografische oder filmische Belege. Die Methode wäre zudem ein wenig haarig und nicht sehr effektiv, da das meiste Harz einfach an der Pflanze bliebe. Indisches Charras wird zwar mit der Hand von der Blüte gerieben, der Rest vom Körper bleibt bei dieser Arbeit allerdings bedeckt.

4. Opium, Heroin oder Crystal Meth als Streckmittel

Ebenfalls seit den 1970er Jahren tauchen immer wieder Berichte über Gras oder Haschisch auf, das mit Opium, Heroin oder neuerdings mit Crystal Meth gestreckt sein soll. Erstens gibt es auch hierfür keinerlei Belege in Form von Laboranalysen, zweitens lohnt es sich aus wirtschaftlichen Gründen nicht, Gras mit Substanzen zu strecken, die teurer sind als Gras an sich. Drittens würden die meisten Konsumenten sofort die Bezugsquelle wechseln, was sicher nicht im Sinne des illegalisierten Hanf-Fachverkäufers ist. Es schadet seinem Profit.

5. THC Gehalt ist seit den 1970er Jahren immens angestiegen

THC sensi seeds blogHeutzutage hört man immer wieder, der THC-Gehalt sei in den letzten Jahren immens gestiegen. Meist handelt es sich jedoch um „Spitzenwerte“ aus den offiziellen Statistiken, bezogen auf die Gesamtmenge an beschlagnahmten Cannabis wurden nie signifikante Steigerungen festgestellt. Wie auch, wurde doch in Europa bis in die frühen 1990er Jahre fast ausschließlich importiertes Haschisch geraucht? Haschisch ist ein Konzentrat und mindestens genauso stark wie das heutige Indoor-Gras. BKA und die europäische Drogenbeobachtungsstelle der EU gehen davon aus, dass es in den letzten Jahren zwar Funde mit hohem THC-Gehalt gab, aber kein allgemeiner Anstieg zu verzeichnen ist. Soviel zu der Behauptung der einiger „Altkiffer“, „ihr Joint sei ja viel ungefährlicher gewesen“. Für Deutschland ist es sogar statistisch nachweisbar, dass der THC-Gehalt seit 1997 gesunken ist. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung hat 2012 bestätigt, dass

  • der Wirkstoffgehalt seit 1997 insgesamt gefallen und nicht angestiegen ist,
  • keine Zahlen vorliegen, die älter als 30 Jahre sind und mit den aktuellen verglichen werden können,
  • nur eine kurzfristige Steigerung Ende der 1990er Jahre festgestellt werden konnte.

Doch selbst wenn Gras viel THC enthält, ist es bei richtiger Dosierung nicht gefährlicher als nicht allzu potentes Gras, wobei wir bei der nächsten Gras-Legende angekommen wären.

6. Ein hoher THC-Gehalt ist gefährlich

In Ländern, in denen Cannabisblüten zu medizinischen Zwecken legal sind, bevorzugen viele Patienten Sorten mit relativ hohem Wirkstoffgehalt. Die Gefahr der Überdosierung entfällt, da der THC-Gehalt genau angegeben ist. Deshalb müssen Patienten weniger Pflanzenmaterial rauchen, essen oder vaporisieren, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Der Wirkstoffgehalt hat nichts mit der Entwicklung problematischer Konsummuster zu tun, deren Ausbildung von ganz anderen Faktoren wie dem Elternhaus, der Schule und der Persönlichkeitsentwicklung abhängt. Opiat- oder Opioid-Patienten erhöhen im Verlaufe einer Behandlung die Dosis schneller und öfter als Cannabispatienten, die ihre Schmerzen mit hochpotenten Sorten lindern.

Wein macht auch nicht schneller abhängig als Bier, es kommt wie bei allen Substanzen auf die konsumierte Gesamtmenge an. Bei einem sicheren Cannabiskonsum kommt es auf die Überprüfbarkeit des Wirkstoffgehalts an, was auf einem unkontrollierten Schwarzmarkt unmöglich ist.

7. Zero-Zero

Marokko Hasch Sensi Seeds Blog
Marokko Hasch, Quelle: coffeeshopdirect.info

In Marokko wird Haschisch gesiebt, wobei die Qualität in der Anzahl der Siebungen angegeben wird. Die erste Siebung ist die beste, je nach Bauer und Qualität der Rohware werden die Hanfbündel bis zu sechs Mal ausgesiebt. Dabei nimmt der Harz-Anteil ab, während der Pflanzenanteil steigt. Bei der letzten Siebung klebt das Haschisch meist nur noch mithilfe von viel Druck und Wärme. Das ist die in Europa bestens bekannte „Standard-Platte“, die man erst erhitzen muss, bis man sie klein bekommt.

Zero ist die nullte Siebung, also das, was der Bauer abklopft, bevor das Hanfpflanzen-Bündel gesiebt wird. Dazu klopft er das Bündel ein- oder zweimal kurz auf den Rand einer Schüssel. Die Ausbeute bei dieser Methode ist so gering, dass es meist nur für den Eigenbedarf oder bestenfalls für ein paar Freunde oder Bekannte reicht. Zero-Zero ist gar die 00te Siebung, also das was abfällt, wenn man die Pflanze einmal kurz schüttelt, ohne sie auf den Schüsselrand zu klopfen. Da kommt dann noch weniger raus. Es gibt Bauern, die auch ihr bestes, ohne Sieb gewonnenes Hasch verkaufen, aber die produzierten Mengen reichen mit Sicherheit nicht annährend für die Mengen an Zero-Zero, die allein in niederländischen Coffeeshops unterwegs sind. Bei den wirklich guten Sorten im Coffeeshop handelt es sich meist um die erste, zweite oder dritte Siebung. Denn selbst die dritte ist um Längen besser als das meiste in Europa verkaufte Haschisch.

8. Hortensien kann man rauchen

Besonders deutsche Medien berichten immer wieder über angebliche Hortensiendiebe, die mangels Hanfblüten die Vorgärten leer räumen, um ein Ersatz-High zu bekommen. Hortensien haben allerdings gar keinen psychoaktiven Effekt, man kann im schlimmsten Fall eine Blausäurevergiftung bekommen, high wird man nicht. Auch wurde noch nie ein Hanfliebhaber auf frischer Tat ertappt, die zahlreichen Meldungen beruhen allesamt auf Vermutungen. Das Gerücht wurde von einer pharmazeutischen Zeitschrift in die Welt gesetzt, die ihren Fehler bis heute nicht verbessert hat. Bei den Hortensiendieben handelt es sich übrigens meist um Eichhörnchen.

9. Die Verfassung der USA wurde auf Hanfpapier geschrieben

american constitution sensi seeds blogWeder Verfassung noch die Unabhängigkeitserklärung und auch nicht „Bill of Rights“ wurden auf Hanfpapier geschrieben. Die Entwürfe für diese drei historischen Dokumente wurden zwar auf dem damals weit verbreiteten Hanfpapier geschrieben, die eigentlichen Urkunden allerdings nicht. Diese wurde auf Vellum, einer feinen Pergamentart (lat. levior membrana) aus Haut von Kälbern und Kälberföten, niedergeschrieben. Übrigens war auch die erste Jeans der Firma Levis nicht aus Hanf, sondern aus Baumwolle. Der italienische Denim-Stoff, aus dem die ersten Jeans waren, wurde aus Baumwolle hergestellt. Denim kann zwar auch aus Hanf herstellt werden, aber Strauß nutze damals Baumwolle aus Genua.

10. Der Flashback

Immer wieder liest man, dass man high werden kann, ohne zuvor Cannabis geraucht zu haben. Angeblich lagere sich einmal konsumiertes, nicht verbrauchtes THC in Fettzellen ein, dass dann beim Schwitzen oder beim Abnehmen wieder in die Blutbahn gelange. Allerdings wird bei körperlicher Anstrengung neben körpereigenen Opiaten auch das Cannabinoid Anandamid ausgeschüttet, was zum so genannten „Läufer-High“ beiträgt.

Neben diesen 10 „Top-Gerüchten“ gibt es noch viel mehr Un- sowie Halbwissen über die illegalisierte Pflanze: Es gab auch noch nie Lucky Strike oder Marlboros mit Cannabis und Bruce Lee ist auch nicht am Graskonsum gestorben.

Ich würde mich freuen, unter geruechte@mknodt.de Euer ganz persönliches Highlight vorgestellt zu bekommen. Vielleicht finden wir dann gemeinsam raus, was dran ist.

Kommentar Abschnitt

Senden Sie den Kommentar

Fabian Smail

Micha ich bin ein großer fan von dir bin . Diese Gerüchte Küche stinkt mir ! Zum Glück gibt es Personen wie dich die unabhängig von Geld,macht oder ansehen ihre Richtigen aufschlüssigen und Lehrreiche inhalte der Welt über Cannabis eröffentlichen danke das menschen wie dich gibt!! Schreib mir bitte mal und wenn nicht ist es auch nicht schlimm vlt. Sieht man sich am 1.August in Amsterdam werde schonmal nach einen Menschen mit rastalocken ausschau halten :)

25/02/2015

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Bitte geben Sie einen Namen ein
Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.