Kann man Husten und Erkältungen mit Cannabis behandeln?

Die meisten Menschen werden im Winter von Husten und Erkältungen geplagt. Obwohl die simplen, allgegenwärtigen Viren, die diese Krankheiten verursachen, recht hartnäckig sind, gibt es einige Möglichkeiten, Cannabis zur Linderung ihrer Symptome einzusetzen. In diesem Artikel geht es darum, wie man Erkältungen mit Cannabis vorbeugen und behandeln kann.

Die Erkältung ist eine virale, hochansteckende Krankheit, die Menschen eher in den Wintermonaten trifft. Verantwortlich für eine Reihe von Symptomen wie Keuch- oder Reizhusten, laufende oder verstopfte Nase, Halsschmerzen, Fieber und Müdigkeit, wird die Erkältung nicht von nur einem Virus verursacht, sondern mit bis zu 200 verschiedenen Viren in Verbindung gebracht.

Eine speziell mit der Erkältung in Zusammenhang stehende Virusart ist das Rhinovirus („rhino“ bedeutet „Nase“, also wortwörtlich „Nasenvirus“), das für bis zu 40 Prozent der Erkältungen verantwortlich ist. Es gibt drei Hauptarten des Rhinovirus und mindestens 99 verschiedene Serotypen (Variationen innerhalb von Subspezies von Bakterien oder Viren). Neben dem Rhinovirus wird die Erkältung auch mit verschiedenen Stämmen der Coronaviren, Adenoviren, Enteroviren und Influenzaviren in Verbindung gebracht.

Wie lösen Viren Symptome aus?

Erkältungsviren werden von Mensch zu Mensch durch Hand-zu-Hand- und Hand-zu-Oberflächen-Kontakt sowie durch die Verbreitung von Viruspartikeln in der Luft übertragen. Daher ist es wichtig, beim Husten oder Niesen den Mund oder die Nase zu bedecken und die Hände regelmäßig zu waschen!

Sobald ein Erkältungsvirus einen menschlichen Wirt infiziert hat, macht es sich an die Arbeit – es infiltriert die Schleimhäute von Nase, Mund und Rachen und vermehrt sich rasant. Erkältungsviren wie das Rhinovirus verursachen in den meisten Fällen keine besonderen Schäden am Körper – sie verursachen lediglich eine Immunantwort, da der Körper unerwünschte Eindringlinge erkennt, die seine Ressourcen ausbeuten wollen.

Aber für immungeschwächte Menschen oder Personen, die an Asthma oder COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) leiden, kann eine Erkältung durchaus schwere Folgen haben.

Viele Rhinovirus-Serotypen binden an ein Immunprotein an, das als interzelluläres Zelladhäsionsmolekül 1 (ICAM-1) bekannt ist. Dieses Protein befindet sich auf der äußeren Zellmembran bestimmter Epithelzellen (die die obere Schicht der Schleimhäute bilden). Das Rhinovirus kapert das interzellulare Zelladhäsionsmolekül und verschafft sich so Zugang zum Inneren der Zelle. Sobald dies glückt, kann es die Kontrolle über die Zelle und ihr Fortpflanzungssystem übernehmen, um sich selbst zu reproduzieren. (Igitt!)

Im Normalfall hilft ICAM-1 den Zellen , sich aneinander zu binden, insbesondere nach Verletzungen oder Stress. Aber wenn das Molekül vom Rhinovirus eingenommen wird, löst dieser eine Freisetzung von entzündungsfördernden Zytokinen (Zellsignalproteine) aus, was zu einer Entzündung der Hals- und Nasenschleimhaut führt.

Diese entzündliche Reaktion ist der Schlüssel zu dem verstopften und wunden Gefühl, das mit einer Erkältung verbunden ist. Für die meisten Menschen ist das dann auch schon so ziemlich das Schlimmste. Bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem, Asthma oder Atemwegserkrankungen kann eine Erkältung jedoch zu schwerwiegenden Komplikationen führen, einschließlich einer Lungenentzündung.

Cannabinoide und ICAM-1

Man weiß inzwischen über das Endocannabinoid-System, dass es eng mit dem Immunsystem verknüpft ist, und es wurde wiederholt nachgewiesen, dass Cannabinoide komplexe immunologische Auswirkungen haben. Aber wenn es um ICAM-1 geht, sind nur wenige Forschungsergebnisse verfügbar, und offenbar gibt es keine Erkenntnisse über den direkten Zusammenhang zwischen Cannabinoiden, ICAM-1 und dem Rhinovirus.

Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass Cannabinoide in bestimmten Situationen den ICAM-1-Expressionsgrad beeinflussen können. Eine Studie zeigt, dass sowohl CBD als auch THC eine erhöhte Expression von ICAM-1 auf bestimmten Lungenkrebszellen verursachen können, was zu einer erhöhten Rate der „Lyse“ führt (Zelltod durch Zerfall der Membran).

Das mögen gute Nachrichten für die Krebsforschung sein, aber eine erhöhte Expression von ICAM-1 ist sicherlich nicht das, was man braucht, wenn man versucht zu verhindern, dass sich Rhinoviren breitmachen. Tatsächlich gibt es Hinweise darauf, dass das Rhinovirus die Expression von ICAM-1 erhöhen kann, um sich selbst mehr Möglichkeiten der Kaperung zu bieten! Die Entdeckung, dass bestimmte Cannabinoide die Expression von ICAM-1 in manchen Situationen reduzieren können, ist womöglich nützlicher.

So kann beispielsweise das synthetische Cannabinoid R(+)WIN 55,212-2 indirekt die Expression von ICAM-1 blockieren, indem es die Aktivität von Interleukin-1, einem weiteren wichtigen immunologischen Protein, blockiert. Diese spezielle Studie befasste sich mit Multipler Sklerose und damit, wie das synthetische Cannabinoid dabei helfen könnte, ihr Fortschreiten zu verlangsamen – und faszinierenderweise gibt es immer mehr Hinweise darauf, dass das Rhinovirus für die Pathogenese (die Entstehung und Entwicklung einer Krankheit) der Multiplen Sklerose von ausschlaggebender Bedeutung sein könnte.

Offensichtlich gibt es also noch viel über die Übertragung und Pathologie des Rhinovirus und anderer Arten von Erkältungsviren zu lernen – und auch darüber, wie das alles mit chronischen Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose zusammenhängt. Aber es ist klar, dass das Endocannabinoid-System grundlegend involviert ist. Es ist durchaus möglich, dass bestimmte Cannabinoide dazu beitragen, die Übertragung von Rhinoviren in bestimmten Situationen zu verhindern, indem sie die Expression von ICAM-1 reduzieren.

Wie können also Cannabinoide zur Behandlung von Husten und Erkältungen eingesetzt werden?

Trotz aller Bemühungen und unabhängig davon, wie gesund wir sind, ist es unvermeidbar, dass eine dieser 200 Viren die Abwehrsysteme unseres Körpers früher oder später überwinden und Erkältungen oder Husten verursachen wird. Wenn das passiert, kann man nicht viel tun, um die Krankheit tatsächlich zu heilen – Erkältungsviren sind so zahlreich und mutieren so schnell, dass die Entwicklung wirksamer anti-viraler Mittel und Impfstoffe praktisch unmöglich ist.

Wenn man sich also erkältet, ist es eigentlich unvermeidlich, dass man das Virus seinen Lauf nehmen lassen muss und dass man sich für mehrere Tage äußerst unwohl fühlt. Es gibt aber mehrere Möglichkeiten, die Symptome von Erkältungen und Husten zu lindern. Zum Beispiel: 

  • Honig
  • Salzwasser gurgeln
  • Salzlösungs-Infusion
  • Ibuprofen
  • Paracetamol

Wahrscheinlich ist das bereits den Leserinnen und Lesern allgemein bekannt…  doch was ist mit Cannabis? Es gibt viele Hinweise darauf, dass verschiedene Inhaltsstoffe von Cannabis entzündungshemmende und schmerzlindernde Eigenschaften haben. THC, CBD, CBC und CBG sind alle dafür bekannt, dass sie unterschiedlich stark entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken. Es gibt auch viele in Cannabis enthaltene Terpene und Terpenoide mit ähnlichen Eigenschaften wie Eukalyptol, Linalool (mit lokalanästhetischer Wirkung) und Limonen (mit anxiolytischer Wirkung).

Verschiedene Cannabinoide und Terpenoide sind sogar für ihre angstlösende oder beruhigende Wirkung bekannt. Im Krankheitsfall können solche Eigenschaften sehr nützlich sein, um das subjektive Wohlbefinden zu erhöhen. Erkältungen können bei einigen Menschen zudem zu Appetitlosigkeit führen. Hier hat vor allem THC seine appetitanregenden Eigenschaften mehrfach unter Beweis gestellt.

Cannabis bei Erkältungen richtig einsetzen

Wenn man sich erkältet, wird es wahrscheinlich zu einer Verstopfung der Nase, Nebenhöhlenschmerzen, Halsschmerzen, Keuch- oder Reizhusten und gereizten, tränenden Augen kommen – keines dieser Symptome wird durch das Rauchen jedweder Substanz gelindert. Sogar Vapen oder Dabben werden alle Wahrscheinlichkeit nach die Halsschmerzen und den Husten verschlimmern – auch wenn diese Methoden in der Regel nicht so heiß oder so hart sind wie das Rauchen selbst.

Aus diesem Grund ist es am besten, sich an Edibles, topische Produkte und alles andere zu halten, was keine Reizung von Hals und Lunge verursacht. Hartbonbons, die mit CBD oder THC angereichert sind, können helfen, Halsentzündungen und Schmerzen zu lindern. Mindestens eine US-amerikanische Firma, Jolly Meds, bietet mit Menthol- und Eukalyptusölen angereicherte THC-CBD-Lutschpastillen an, die durch diese Kombination eine verstärkte beruhigende und abschwellende Wirkung haben.

Eine andere Methode, von der viele Menschen berichten, dass sie eine subjektive Linderung bietet, ist Cannabistee. Tees und Kräuteraufgüsse können beruhigende, wärmende und wohltuende Linderung bei Erkältungs- und Hustensymptomen bieten. Wenn Cannabisextrakte hinzugefügt werden, können sie zusätzliche Hilfe bei der Bekämpfung von Entzündungen und Schmerzen leisten.

Es gibt viele Möglichkeiten, Cannabistee herzustellen. Die allgemeine Idee dabei ist, sicherzustellen, dass zumindest etwas Fett oder Öl verwendet wird. Dies ermöglicht den Cannabinoiden, sich zu lösen und die Mischung anzureichern. Heißes Wasser allein löst die Cannabinoide nicht. Daher führt die Beigabe von Cannabutter oder mit Cannabis versetzter Milch zu einem Heißwasseraufguss zu besseren Ergebnissen.

Neben den Cannabinoiden selbst können auch diverse andere Pflanzenstoffe von Nutzen sein, wenn sie in Tee eingegossen werden. So enthält beispielsweise Tee (insbesondere grüner Tee) Catechine, die sich als wirksam gegen Erkältungs- und Grippeviren erwiesen haben.

Echinacea, Endocannabinoide und Rhinoviren

Interessanterweise stammen wertvolle Erkenntnisse über die Reaktion des Endocannabinoidsystems auf das Rhinovirus aus der Forschung an einer Pflanze, die nicht einmal Cannabis ist – Echinacea (Sonnenhut). Diese Pflanze enthält Verbindungen, die als Alkylamide bekannt sind und sowohl an CB1- als auch an CB2-Rezeptoren andocken. Es gibt sogar einige Hinweise darauf, dass diese natürlichen „cannabimimetischen“ Verbindungen eine direkte anti-virale Wirkung entfalten und die Dauer der Symptome um bis zu vier Tage verkürzen.

In klinischen Studien wurde gezeigt, dass Echinacea die Intensität und Dauer von Erkältungskrankheiten deutlich reduziert. In der Pflanze sind verschiedene Verbindungen vorhanden, darunter Cichorsäure (ein natürliches Antioxidans), verschiedene Polysaccharide und Alkylamide, die dabei vermutlich eine Rolle spielen.

Die biologische Aktivität des Sonnenhuts ist komplex und noch nicht vollständig verstanden. Es hat sich gezeigt, dass die darin enthaltenen Wirkstoffe auf eine Weise wirken, die entweder von CB-Rezeptoren abhängig oder unabhängig sein kann. Sicher ist aber, dass das Endocannabinoid-System grundsätzlich eine Rolle spielt.

In einer Studie aus dem Jahr 2009 konnten Echinacea-Extrakte mit hohem Alkylamidanteil eine Reduktion des proinflammatorischen Zytokins Tumornekrosefaktor-α (TNF-α) bewirken. Außerdem erhöhte es das entzündungshemmende Zytokin Interleukin-10 durch Aktivierung der CB2-Rezeptoren.

Gibt es weitere Erkenntnisse von Bedeutung? Diese Studie vermutete auch, dass Wurzel- und Blattextrakte, die unterschiedliche Alkylamidprofile enthielten, in Kombination wirksamer waren als bei einer Einzelanwendung. Dies deutet darauf hin, dass Echinacea über eine dem „Entourage-Effekt“ ähnliche Wirkung verfügt.

Daher kann die Verwendung von Cannabis- und Sonnenhut-Extrakten Menschen, die an Husten und Erkältungen leiden, auf vielfältige Weise zugutekommen, obwohl sie noch vollständig erforscht werden muss.

Die Erkältung stellt im Allgemeinen kein ernsthaftes Gesundheitsrisiko dar, ist aber dennoch für bis zu 40 Prozent der krankheitsbedingten Fehlzeiten von Mitarbeitern in den USA (und weltweit) verantwortlich. Milliarden von Dollar werden jedes Jahr für Heilmittel ausgegeben, die kaum oder gar keine Wirkung zeigen. Was das Zusammenwirken dieser komplexen biologischen Mechanismen und die Entfaltung ihrer Wirkung angeht, haben wir noch viel zu lernen. Aber es wird immer deutlicher, dass wir die Pflanzenmedizin völlig überdenken und ihren potenziellen Beitrag zur menschlichen Gesundheit grundlegend neu beurteilen müssen.

  • Disclaimer:
    Dieser Artikel stellt keinen Ersatz für eine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung dar. Wenden Sie sich immer an Ihren Arzt oder eine andere zugelassene medizinische Fachkraft. Sie sollten wegen etwas, das Sie auf dieser Website gelesen haben, weder zögern, Ihren Arzt aufzusuchen, noch deswegen eine medizinische Beratung missachten.

Comments

2 Kommentare zu „Kann man Husten und Erkältungen mit Cannabis behandeln?“

    1. Ich bezweifle stark, dass die Produkte, die THC enthalten legal sind und eigentlich ein verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz sind. Aber du könntest dir, selber aus Gras das THC mit Öl beim erhitzen extrahieren, dabei gibt es aber einiges zu beachten, lies dich da am besten schlau.

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    Dr. Sanjai Sinha ist Mitglied der akademischen Fakultät des Weill Cornell Medicine Colleges in New York. Er verbringt seine Zeit damit, Patienten zu begleiten, Bewohner und Medizinstudenten zu unterrichten und im Gesundheitswesen zu forschen. Er genießt die Ausbildung von Patienten und die Ausübung evidenzbasierter Medizin. Sein starkes Interesse an medizinischer Überprüfung kommt von diesen Leidenschaften.
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