Cannabis in Bhutan – Gesetze, Konsum und Geschichte

Cannabis kommt in Bhutan so häufig vor, dass es oft eher als Unkraut und nicht als Nutzpflanze betrachtet wird. Das Gesetz verbietet den Konsum, Besitz und Verkauf von Cannabis, doch die Behörden drückten bisher ein Auge zu, wenn man es rauchte. Allerdings nehmen die Beschlagnahmungen von Cannabis zu und es scheint, als würde das Land den illegalen Cannabishandel allmählich ernster nehmen.

    • Hauptstadt
    • Thimphu
    • Einwohner
    • 835,000
    • CBD Produkte
    • Illegal
    • Cannabis für Freizeitkonsum
    • Illegal
    • Medizinisches Cannabis
    • Illegal

Cannabis-Gesetze in Bhutan

Darf man in Bhutan Cannabis besitzen und rauchen?

Die Pflanze wächst überall in Bhutan und wird seit Jahrhunderten für verschiedenste Zwecke genutzt – von der Fütterung von Schweinen bis zur Herstellung von Textilien.

Vor den 1970er-Jahren betrachtete die Regierung Bhutans Cannabis nicht einmal als Droge. Die erste Verhaftung im Zusammenhang mit Cannabis fand erst 1989 statt. Damals wurde ein Mann verurteilt, weil er es geraucht hatte.

Im Laufe der letzten Jahre mussten sich die Behörden den steigenden Drogenkonsum eingestehen (auch wenn der Anstieg verglichen mit Nachbarländern wie Indien gering ist). Dies führte dazu, dass Bhutan das Übereinkommens der Vereinten Nationen gegen den unerlaubten Verkehr mit Suchtstoffen und psychotropen Stoffen von 1988 unterzeichnete.

2002 gab einer der Direktoren des bhutanischen Gesundheitswesens, Dr. Rinchen Chopel, bekannt, dass die Regierung nicht nur der Niederbrennung von Cannabispflanzen Priorität einräumen wolle, sondern auch der Beratung junger Menschen, um sie vom Rauchen abzuhalten.

Im Jahr 2011 wurde Bhutans Strafgesetzbuch geändert. Früher wurde der Cannabiskonsum als „unbedeutendes Vergehen“ angesehen, doch inzwischen gilt es als „geringfügiges Vergehen“. Das bedeutet, dass man nun mit einer Haftstrafe von einem bis zwölf Monaten geahndet werden kann, wenn man mit geringen Mengen Cannabis für den Eigenbedarf erwischt wird. Wird man mit einer erheblichen Menge erwischt, sind es ein bis drei Jahre.

Wenn man sich allerdings bereiterklärt, zur Drogenberatungsstelle zu gehen, wird man nicht weiter strafrechtlich verfolgt.

Darf Cannabis in Bhutan verkauft werden?

Der Drogenschmuggel wird in Bhutan nicht als ernsthaftes Problem angesehen. Die Cannabisproduktion im Land findet nur in begrenztem Rahmen statt und die meisten damit verbundenen Straftaten sind nur geringfügig. Durch Bhutan führen jedoch viele Routen, die das Land mit Indien und Tibet verbinden und gelegentlich von Drogenschmugglern genutzt werden.

Cannabis ist nach bhutanischem Betäubungsmittelgesetz eine Droge der Klasse III und der Verkauf stellt (wenn die Menge mehr als 50 Gramm beträgt) eine „Straftat dritten Grades“ dar. Wird man beim Verkaufen von Cannabis erwischt, kann man zu einer Freiheitsstrafe von fünf bis neun Jahren verurteilt werden.

Darf Cannabis in Bhutan angebaut werden?

Technisch gesehen ist der Cannabisanbau in Bhutan illegal. Der Anbau der Pflanze gilt als „Straftat vierten Grades“ und wird mit drei bis fünf Jahren Haft sanktioniert.

Trotz der Bemühungen seitens der Regierung, Cannabis im Land auszumerzen, kann es nach wie vor häufig in freier Wildbahn angetroffen werden. Die meisten Bhutaner müssen es gar nicht erst anbauen, da es wahrscheinlich schon irgendwo unweit ihres Zuhauses wächst.

Ist CBD in Bhutan legal?

Das Gesetz unterscheidet nicht zwischen CBD und THC. Obwohl CBD nicht genug THC enthält, um ein „High“ zu bewirken, ist es in Bhutan illegal und darf dort nicht gekauft, konsumiert oder verkauft werden.

Können Cannabissamen ins Land gesendet werden?

Der Verkauf und der Besitz von Cannabissamen sind illegal. Das bedeutet, dass sie weder in Bhutan gekauft noch aus einem anderen Land per Post zugestellt werden dürfen.

Medizinisches Cannabis in Bhutan

In Bhutan gibt es kein medizinisches Cannabisprogramm. Jede Form von Cannabiskonsum gilt als illegal, unabhängig davon, ob die Person die Pflanze zur Selbstmedikation benutzt oder nicht. Gleiches gilt für den Cannabisanbau zu medizinischen Zwecken.

Industriehanf in Bhutan

Industriehanf wird in Bhutan nur selten genutzt. Einige der ländlichen Gemeinden stellen daraus Netze, Seile und Textilien her, aber große Hanfplantagen gibt es hierfür nicht.

Denn im Land gibt es diverse andere Pflanzen, die sich für die industrielle Nutzung eignen. So bevorzugen Bhutaner zum Beispiel die riesige Himalaya-Nessel (Girardinia diversifolia), um Fasern herzustellen. Papier wird in der Regel aus zwei einheimischen Baumarten hergestellt: De-nar und Mitsumata.

Obwohl Cannabis also nicht einmal aus praktischen Gründen besonders beliebt ist, erkennt die Regierung den Wert der Pflanze an. Sie wird in den Dokumenten der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen sogar zu den „Fasern von wirtschaftlicher Bedeutung“ gezählt.

Gut zu wissen

Wenn man nach Bhutan reist (oder dort wohnt), ist es sinnvoll, Folgendes zu wissen:

Die Geschichte von Cannabis in Bhutan

Seit Jahrhunderten wächst in Bhutan wildes Cannabis. Forscher glauben, dass es sich nach der letzten Eiszeit (vor rund 11.700 Jahren) im Land verbreitete.

Während der Eiszeit trieben die Eismassen selbst die hartnäckigsten Pflanzen aus den ehemals gemäßigten Zonen, die als Folge zunächst immer weiter Richtung Äquator wanderten. Als sich die Welt wieder erwärmte, breitete sich Cannabis wieder nach Norden aus und gelangte schließlich nach Bhutan.

Es wird angenommen, dass sich zu dieser Zeit drei Haupttypen von Cannabis durchsetzen konnten:

  • Der breitblättrige Hanf-Biotyp (heimisch in China und Russland)
  • Der breitblättrige Drogen-Biotyp (heimisch in zentralasiatischen Regionen wie Afghanistan)
  • Der schmalblättrige Drogen-Biotyp (heimisch im Himalaya)

Jahrhundertelang ignorierte die bhutanische Bevölkerung Cannabis weitestgehend. Es wird in keinem ihrer alten medizinischen Texte erwähnt und es gibt kaum Beweise dafür, dass es in den Augen der Bevölkerung mehr als Unkraut war – obwohl es zur Herstellung von Bögen zum Bogenschießen verwendet wurde. Für eine Kultur am Himalaya ist das sehr ungewöhnlich, so haben doch die meisten anderen nahegelegenen Nationen lange Zeit Cannabis intensiv genutzt.

Dies änderte sich allmählich im 21. Jahrhundert. Das Land öffnete sich den Einflüssen und Technologien aus dem Ausland wie etwa dem Fernseher. So erfuhren die Bhutaner, dass Cannabis, das bisher lediglich als Schweinefutter verwendet wurde, auch zu freizeitlichen Zwecken konsumiert werden kann.

Infolgedessen stieg der Cannabiskonsum unter jungen Menschen an.

Wie ist bhutanisches Cannabis?

Die bhutanischen Cannabissorten sind schmalblättrig und oft ziemlich potent. Sie ähneln vielen anderen südasiatischen Sativapflanzen. Botaniker behaupten jedoch, dass sie tatsächlich Subtypen von Cannabis sativa sp. indica sind, die ein sanftes, zerebrales High bewirken.

Thimphu, die berühmteste Sorte Bhutans, soll einen süß-sauren Geschmack mit einem erdigen Unterton haben. Die Pflanze kann bis zu drei Meter hoch werden. Nach Aussage der Einheimischen neigt es auch dazu, Konsumenten sehr hungrig zu machen, weshalb es die Bauern oft an ihre Schweine verfüttern, um sie besser mästen zu können.

Einige Länder (wie die Niederlande und die USA) bieten Thimphu kommerziell an.

Wo wird das Cannabis angebaut?

Die Pflanze gedeiht landesweit in freier Wildbahn, sogar in Städten und Dörfern. Man kann Cannabis oft an Straßenrändern, in der Einöde, in Gärten und sogar aus den Rissen in den Gehwegen wachsen sehen. Besonders stark wächst es im Thimphu-Distrikt im Westen Bhutans sowie im Bumthang-Distrikt.

Entwickelt sich Cannabis in Bhutan zu einem Problem?

Die bhutanische Regierung macht sich zunehmend Sorgen über den insbesondere unter jungen Menschen zunehmenden Cannabiskonsum. Bisher haben die Behörden einige Versuche unternommen, dieses Problem in den Griff zu kriegen – in erster Linie, indem sie versuchten, Cannabispflanzen landesweit zu vernichten. Sie wachsen jedoch überall, was die Ausrottung praktisch unmöglich macht.

2014 organisierte die bhutanische Drogenaufsichtsbehörde eine  Kampagne, an der Studenten, Beamte und Polizisten beteiligt waren. Studenten wie Kleinkinder werden in Programme einbezogen, um sie dazu zu bringen, in Zukunft kein Cannabis zu konsumieren.

Durch Bhutan führt zudem eine Schmuggelroute, weshalb illegale Schmuggelware ziemlich regelmäßig ins Land gelangt, insbesondere aus Phuntsholing (das neben der westbengalischen Stadt Jaigaon liegt).

Wird Cannabis künftig legalisiert?

Der Cannabiskonsum zu Freizeitzwecken ist in Bhutan noch ein relativ modernes Konzept, doch die Regierung ergreift bereits Gegenmaßnahmen. Es ist daher unwahrscheinlich, dass sich ihre Einstellung in naher Zukunft ändern wird.

Ebenso fand die Verwendung von Cannabis zu medizinischen Zwecken von keinem der Beamten des Landes Beachtung – es ist also auch zu bezweifeln, dass ein medizinisches Programm in naher Zukunft eingeführt wird.

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    Obwohl größte Sorgfalt bei der Gewährleistung der Richtigkeit dieses Artikels aufgewendet wurde, ist er weder als Rechtsberatung gedacht, noch sollte er als solche verstanden werden. Jede Situation wird von individuellen Faktoren beeinflusst und man sollte stets einen Experten oder Anwalt für eine Rechtsberatung konsultieren.

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Autor und Gutachter

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    Sensi Seeds

    Das Sensi Seeds Redaktionsteam besteht aus Botanikern, medizinischen und juristischen Experten sowie renommierten Aktivisten wie Dr. Lester Grinspoon, Micha Knodt, Robert Connell Clarke, Maurice Veldman, Sebastian Marincolo, James Burton und Seshata.
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  • Maurice_Veldman

    Maurice Veldman

    Maurice Veldman ist Mitglied der Niederländischen Vereinigung der Strafrechtsanwälte und einer der bemerkenswertesten Cannabis-Anwälte der Niederlande. Mit 25 Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet unterstützt sein strafrechtliches und Verwaltungsrecht die Cannabisverkäufer und Hanferzeuger dabei, die Ungleichheiten zwischen Individuum und Staat zu beseitigen.
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