Cannabis in Tibet – Gesetze, Konsum und Geschichte

In der Vergangenheit nutzte das tibetische Volk Cannabis für vielerlei Zwecke, zum Beispiel als Zutat für seinen berühmten Buttertee. Doch heute gilt das chinesische Recht im Land. Was nicht nur bedeutet, dass Cannabiskonsum illegal ist – sondern auch, dass Menschen, die die Droge kaufen oder verkaufen, harte Strafen drohen, inklusive der Todesstrafe.

    • Hauptstadt
    • Beijing
    • Einwohner
    • 1,424,548,000
    • CBD Produkte
    • Illegal
    • Cannabis für Freizeitkonsum
    • Illegal
    • Medizinisches Cannabis
    • Illegal

Cannabisgesetze in Tibet

Darf man in Tibet Cannabis besitzen und konsumieren?

Tibet wird von der Volksrepublik China beherrscht und ist daher an deren Gesetze gebunden. In China ist selbst geringer persönlicher Cannabiskonsum verboten und kann dem Täter eine Gefängnisstrafe einbringen. Dasselbe gilt für das Volk von Tibet.

In Chinas Antidrogengesetz werden Drogen als „Plage“ und als „Gefahr für die Öffentlichkeit“ bezeichnet.

Darf man in Tibet Cannabis verkaufen?

Verkauf oder Lieferung von Cannabis sind in Tibet illegal. Das chinesische Strafrecht legt fest, dass Personen, die „mit Betäubungsmitteln handeln, diese schmuggeln, transportieren oder herstellen … mit einer auf 15 Jahre befristeten oder lebenslänglichen Gefängnisstrafe oder mit dem Tod bestraft werden. Zudem wird ihr Eigentum beschlagnahmt.”

Nach dem chinesischen Gesetz droht den Tätern also die Todesstrafe, und bestimmten Berichten zufolge finden Hinrichtungen in China regelmäßig statt – somit gilt für Tibet wahrscheinlich dasselbe. Genaue Zahlen über die Hinrichtungen gibt es jedoch nicht.

Auch wenn einige Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens (wie zum Beispiel US-Präsident Donald Trump) Chinas „Nulltoleranz“-Politik in Bezug auf den Drogenhandel gelobt haben, wiesen andere darauf hin, dass sie gescheitert ist. So kommentiert der Brookings- Bericht: „…ungeachtet der gnadenlosen und drakonischen Gegenmaßnahmen scheint Chinas Drogenproblem nicht wirklich geringer geworden zu sein.”

Tibet ist eines der am stärksten kontrollierten und überwachten Länder der Erde. Im Zuge der Einführung eines Sicherheitskonzepts wurden 2011 Hunderte von Polizeistationen im ganzen Land eingerichtet. Dies ermöglichte die intensive Überwachung der Städte.

Daher ist es unwahrscheinlich, dass viele Menschen im Land den Verkauf von Cannabis in der Öffentlichkeit riskieren würden. Gelegentlichen Berichten zufolge (die aus den 1960er- und 70er-Jahren stammen) haben westliche Besucher tibetische „Tempel-Bälle“ konsumiert. Doch seit der Gründung der Autonomen Region Tibet 1951 ist die Ein- und Ausreise nur noch eingeschränkt möglich, sodass es kaum Berichte hierüber gibt.

Darf man in Tibet Cannabis anbauen?

Der Anbau von Cannabis verstößt in Tibet gegen das Gesetz. Das chinesische Strafrecht schreibt vor, dass jede Person, die diese Pflanze illegal anbaut, „gezwungen wird, sie herauszureißen“, und dass sie zu einer fünfjährigen Gefängnisstrafe, zu einem Strafarrest oder zu öffentlicher Überwachung verurteilt wird. Auch eine Geldbuße ist möglich.

Ist CBD in Tibet legal?

Nach dem chinesischen Gesetz ist der Konsum von CBD in Tibet legal, vorausgesetzt, dass es einen ausreichend niedrigen THC-Gehalt besitzt (die psychoaktive Substanz, die für das „High“ verantwortlich ist). Allerdings ist es aufgrund der Unzugänglichkeit des Landes schwer zu sagen, ob CBD-Produkte dort erhältlich sind oder nicht.

Medizinisches Cannabis in Tibet

Es gibt viele Hinweise darauf, dass Cannabis in Tibet früher für medizinische Zwecke genutzt wurde. Ehedem hat sich die tibetische Medizin stark an der ayurvedischen Lehre Indiens orientiert, die für den Gebrauch von Cannabis bekannt ist. Historische Texte dokumentieren den Einsatz von Cannabis bei der Behandlung von Erkrankungen der Haut und des lymphatischen Systems.

Doch obwohl Cannabis in der Vergangenheit weitverbreitet war, untersteht das Land heute dem chinesischen Recht – und das bedeutet, dass der Gebrauch von Cannabis illegal ist, auch für medizinische Zwecke.

Industriehanf in Tibet

Das chinesische Gesetz erlaubt den Anbau von Industriehanf. Somit ist der Hanfanbau auch in Tibet gestattet.

In der Vergangenheit war Hanf für das tibetische Volk eine bedeutende Pflanze. Hanf hat bis heute eine wichtige Funktion, gilt allerdings nicht als Hauptprodukt. Die Pflanze wird für eine Vielzahl unterschiedlicher Zwecke verwendet,

Auf dem Markt in Lhasa wird häufig Hanfkleidung in leuchtenden Farben sowie aus Hanffasern hergestellte Accessoires verkauft. Die traditionelle Bekleidung der tibetischen Landbevölkerung bestand aus langen Umhängen aus grobem Hanf, die sich als haltbar und strapazierfähig erwiesen. Sie dienten auch als Tragetaschen, wenn sie um den Körper gewickelt wurden – ein noch heute angewendeter Brauch.

Gut zu wissen

Wenn Sie nach Tibet reisen (oder gegenwärtig dort leben), könnten folgende Informationen interessant für Sie sein:

  • Den Berichten einiger Reisender zufolge wird Cannabis in Tibet öffentlich konsumiert, wobei es in Bongs geraucht wird. Cannabis ist auf Märkten auf dem Land vermutlich leicht erhältlich.
  • Die Geschichte des Cannabiskonsums in Tibet reicht weit in die Vergangenheit zurück. Besonders geschätzt war es wegen seiner wichtigen Rolle in den tantrisch-buddhistischen Ritualen.
  • Die politisch angespannte Lage zwischen China und Tibet führte zu Unruhen und Protesten. Menschenrechtsaktivisten haben aufgezeigt, wie das tibetische Volk unter der chinesischen Herrschaft behandelt wird. Hierbei sind folgende Verletzungen der Menschenrechte nachgewiesen worden: Todesstrafe, Folter und ungerechte Haftstrafen.

Die Geschichte von Cannabis

Die meisten Experten glauben, dass Cannabis ursprünglich aus Zentralasien stammt. Doch nach Meinung einiger Forscher könnte die eigentliche Heimat der Pflanze die Taklamakan-Wüste gewesen sein, die nördlich von Tibet in China gelegen ist.

Heute wird angenommen, dass Cannabis in seiner ursprünglichsten Form tatsächlich aus Tibet stammt, aus einem Gebiet, das als Tibetisches Hochland bezeichnet wird, und vor 27,8 bis 19,9 Millionen Jahren entstanden ist.

Cannabis und Hanf sind jahrhundertelang in Tibet angebaut und genutzt worden. Im Altertum haben die Bewohner des Landes beispielsweise die Stärke des Hanfpapiers so sehr geschätzt, dass die meisten ihrer klösterlichen Texte hierauf geschrieben wurden.

Im tantrischen Buddhismus (der in der tibetischen Himalaya-Region praktiziert wurde), spielte Cannabis bei der Meditation eine bedeutende Rolle, wozu wahrscheinlich auch der Geschlechtsverkehr gehörte. Dabei wurden vermutlich große Mengen Cannabis konsumiert, um das Bewusstsein während der Zeremonie zu erweitern.

Tatsächlich galt die Pflanze in Tibet lange als heilig. Mahayana-Buddhisten glaubten, dass Buddha in den sechs Jahren vor seiner Erleuchtung nur von einem Hanfsamen pro Tag lebte. Er wird manchmal sogar mit „Soma“ oder Cannabisblättern in seiner Bettelschale gezeigt.

Allerdings ist zu beachten, dass die meisten modernen Buddhisten im Allgemeinen gegen den Drogenkonsum sind, da dies ihrer Meinung nach den Geist schwächt. Im Februar hat der Dalai Lama (der den Einsatz von medizinischem Cannabis befürwortet) erklärt, dass er persönlich die Droge nicht konsumiert hat und dass sie als „Gift gilt“, außer wenn sie von einem Arzt als Medikament verabreicht wurde.

Cannabis ist jahrhundertelang im ganzen Land angebaut worden. Als F. Kingdon Ward 1913 durch Tibet reiste, berichtete er über die großen Hanffelder, die sich für gewöhnlich in der Nähe von Dörfern befanden.

Akzeptanz von Cannabis

Cannabis war für die Kultur des buddhistischen tibetischen Volkes immer von großer Bedeutung. Zwar ist nicht genau bekannt, in welchem Ausmaß es in religiösen Ritualen verwendet wurde, doch aufgrund von Hinweisen aus anderen buddhistischen Ländern ist anzunehmen, dass Cannabis hierbei eine gewisse Rolle spielte.

Heutzutage sind die meisten Buddhisten jedoch gegen den Cannabiskonsum. Es liegen keine Zahlen über die Verbreitung des Konsums in Tibet vor, aber es dürfte nicht viele Einwohner geben, die Cannabis zu Freizeitzwecken konsumieren. Angesichts des harten chinesischen Gesetzes und seiner strikten Ablehnung von Cannabis ist das eine naheliegende Schlussfolgerung.

Cannabisanbau in Tibet

Wo Cannabis auch beheimatet sein mag, sicher ist, dass es sich rasch über ganz Asien ausbreitete. In Bezug auf Tibet wird angenommen, dass der ursprüngliche lokale Biotyp hanfähnlich war und dass er robuste Fasern und einen geringen THC-Gehalt besaß. Diese Theorie ist einleuchtend, da das wild im Land wachsende Cannabis noch immer dieser Beschreibung entspricht, auch wenn manche Pflanzen einen höheren Cannabinoidgehalt haben.

Heute wird Cannabis bekanntlich im Kyi Chu-Flusstal angebaut.

Produktion von Haschisch

Die tibetischen Methoden der Haschischherstellung ähneln denen anderer Länder der Region, zum Beispiel in Nepal, Nordindien und Bhutan. Manchen Erfahrungsberichten zufolge war tibetisches Haschisch für seine überragende Qualität berühmt und sehr begehrt, sogar in Ländern wie Nepal, die selbst Haschisch produzierten.

Die tibetischen Bauern stellen Haschisch her, indem sie die entsprechenden Teile der Cannabispflanze in ihren Händen zerreiben. Die Wärme und der Druck ihrer Handflächen führt zur Decarboxylierung, wodurch die Cannabinoidsäuren in Cannabinoide umgewandelt werden. Dann wird das Haschisch zu einem großen Ball aufgerollt. Diese ansehnlichen Bälle werden als „Tempel-Bälle“ bezeichnet, da sie traditionell vor Tempeleingängen aufgestapelt und von Mönchen verkauft werden, um Geld für den Unterhalt des Tempels und die alltäglichen Bedarfsartikel aufzutreiben.

Die meisten Berichte stimmen darin überein, dass hochwertiges tibetisches Haschisch ausgesprochen dunkel und weich ist. Sein Äußeres ist beinahe schwarz, ohne das grünliche Innere anderer pakistanischer und indischer Exemplare. Der Effekt des Haschischs ist geistiger Natur, ohne Benommenheit auszulösen.

Wird Cannabis in Zukunft legalisiert?

Dass sich die Situation von Cannabis in Tibet ändert, solange das Land dem chinesischen Gesetz untersteht, ist unwahrscheinlich. Die harten Strafen, einschließlich der Todesstrafe, wirken in einem Land, das den Cannabiskonsum ohnedies nicht befürwortet, abschreckend.

Doch angesichts der Tatsache, dass der „grüne Rausch“ zurzeit weltweit Furore macht, könnte China das gewinnbringende Potenzial Tibets in Bezug auf den Anbau von medizinischem Cannabis und Industriehanf zu schätzen beginnen.

  • Disclaimer:
    Obwohl größte Sorgfalt bei der Gewährleistung der Richtigkeit dieses Artikels aufgewendet wurde, ist er weder als Rechtsberatung gedacht, noch sollte er als solche verstanden werden. Jede Situation wird von individuellen Faktoren beeinflusst und man sollte stets einen Experten oder Anwalt für eine Rechtsberatung konsultieren.

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Autor und Gutachter

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    Sensi Seeds

    Das Sensi Seeds Redaktionsteam besteht aus Botanikern, medizinischen und juristischen Experten sowie renommierten Aktivisten wie Dr. Lester Grinspoon, Micha Knodt, Robert Connell Clarke, Maurice Veldman, Sebastian Marincolo, James Burton und Seshata.
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  • Maurice_Veldman

    Maurice Veldman

    Maurice Veldman ist Mitglied der Niederländischen Vereinigung der Strafrechtsanwälte und einer der bemerkenswertesten Cannabis-Anwälte der Niederlande. Mit 25 Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet unterstützt sein strafrechtliches und Verwaltungsrecht die Cannabisverkäufer und Hanferzeuger dabei, die Ungleichheiten zwischen Individuum und Staat zu beseitigen.
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