by Seshata on 06/11/2013 | Cannabis Aktuelles

Medizinische Pflanzen – Betelpfeffer

Nach Schätzungen kauen über 600 Millionen Menschen regelmäßig Betelprieme. Diese Praxis wird mittlerweile in vielen Kulturen, in denen sie weitverbreitet ist, als heilig angesehen. Wahrscheinlich stammt der Betelpfeffer ursprünglich von den Inselgruppen Südostasiens, von wo er über das Festland erst nach Vietnam und Thailand gelangte und einige Zeit später auch Indien erreichte.


Teil I—Merkmale & Gebrauch

Der Betelpfeffer (Piper betle) gehört zur Gattung der Pfeffer, worunter auch die beruhigende Pflanze Kava (Piper

Betelblatt mit der typisch herzförmigen Struktur (Thangaraj Kumaravel)
Betelblatt mit der typisch herzförmigen Struktur (Thangaraj Kumaravel)

methysticum) fällt. Das Blatt des Betelpfeffers wird sowohl wegen seiner anregenden Wirkung als auch seiner unterschiedlichen medizinischen Eigenschaften geschätzt; allerdings wird es normalerweise zusammen mit Arekanüssen gekaut, die erwiesenermaßen krebserregend sind.

Geschichte des Gebrauchs von Betelpfeffer

Nach Schätzungen kauen über 600 Millionen Menschen regelmäßig Betelprieme. Diese Praxis wird mittlerweile in vielen Kulturen, in denen sie weitverbreitet ist, als heilig angesehen. Wahrscheinlich stammt der Betelpfeffer ursprünglich von den Inselgruppen Südostasiens, von wo er über das Festland erst nach Vietnam und Thailand gelangte und einige Zeit später auch Indien erreichte.

Historische Funde deuten an, dass das Blatt des Betelpfeffers und Arekanüsse bereits seit Tausenden von Jahren zusammen gekaut werden. An Skeletten von 3000 v. u. Z., die in der Duyong-Höhle auf den Philippinen gefunden wurden,  konnte das Kauen des Betelpfeffers genauso bewiesen werden wie anhand indischer Schriften, die aus dem Jahr 504 v. u. Z. stammen.

Kultureller & traditioneller Gebrauch von Betelpfeffer

Betelpfefferblätter werden normalerweise als Teil eines Betelpriems konsumiert. Dieser besteht aus einem mundgerechten Happen einer zerhackten Arekanuss und gelöschtem Kalk (Calciumhydroxid), die wiederum möglicherweise mit Tabak, Gewürzen und weiteren zusätzlichen Zutaten angereichert und mit einem Betelblatt umwickelt werden. Die typische rote Speichelfärbung, die mit dem Betelpriemkauen einhergeht, ist auf den in der Arekanuss enthaltenen Stoff Arecolin zurückzuführen.

Päckchen mit allen erforderlichen Zutaten für einen Betelpriem (Giang)
Päckchen mit allen erforderlichen Zutaten für einen Betelpriem (Giang)

In Vietnam gehören Betelblätter und Arekanüsse zur traditionellen Hochzeitszeremonie sowie zu vielen anderen offiziellen Situationen. In Papua-Neuguinea, wo die Priemzubereitung als buai bekannt ist, wird Betelpfeffer vielfältig benutzt und gehört zum täglichen Straßenbild dazu. Der darin enthaltene Stoff wird wegen seiner Fähigkeit, Stress abzubauen, Hungerfühle zu vermindern und das Bewusstsein zu erhöhen geschätzt.

In Indien, wo die Prieme als paan bekannt sind, gehört das Kauen zum täglichen Leben und ist Bestandteil vieler sozialer Anlässe und Feste. Paan Läden bieten die unterschiedlichsten Zusammenstellungen an, wie tambuki paan mit Tabak und Gewürzen, und meethi paan, ein süßes Gemisch mit Kokosnüssen, konservierten Früchten, Rosenblütenblättern und diversen Gewürzen.

In der Volksmedizin wurden und werden Betelprieme gegen schlechten Atem, Darmparasiten, Kopfschmerzen und Hautinfektionen eingesetzt. Außerdem soll das Kauen die Kommunikationsaufnahme zu Göttern und Geistern erleichtern und soziale und sexuelle Beziehungen stärken.

Zubereitung von Betelpriemen & Verkauf

Betelblätter werden auf dem Bagan Nyaung Oo Markt in Myanmar angeboten (Tian Yake)
Betelblätter werden auf dem Bagan Nyaung Oo Markt in Myanmar angeboten (Tian Yake)

Die Herstellung und der Verkauf von Betelblättern hängt vom Standort ab. Auf Sri Lanka verkaufen Betelbauern ihren Vorrat normalerweise in Großhandelseinheiten von 1.000 Blättern für SL Rs. 200-400 (€ 1,13-€ 2,26). Der Preis hängt dabei von der Qualität und Verfügbarkeit ab. In Malaysia verkaufen die Bauern häufig direkt in Bündeln von 10 Blättern an den Verbraucher, wobei ein Blatt RM 0,30-0,50 (€ 0,07 – €0,11) kostet.

In Taiwan werden  Betelblattpräparate von „Betelnuss-Schönheiten“ in Straßenbuden verkauft, was im Rest der betelkauenden Welt ungekannt ist. Besagte Schönheiten sind junge Frauen, häufig aus verarmten Familien, die typischerweise recht freizügig gekleidet sind. Dieses Phänomen hat einige Diskussionen angefacht und passt nicht zu den eher traditionellen Bräuchen, die in anderen Ländern üblich sind.

In vielen Ländern, wo Betelkauen üblich ist, wird Betelpfeffer als fertiger Priem gekauft. Häufig können diese ordentlich eingewickelten Prieme nur von erfahrenen,  hochqualifizierten Personen hergestellt werden. In Indien kann ein Wickler von Betelpriemen je nach Standort als  paanwala, panwari oder panwadi bekannt sein.

Merkmale, Verbreitung & Lebensraum des Betelpfeffers

Als Kletterpflanze benötigt der Betelpfeffer zum Wachsen einen Baum oder eine ähnliche Konstruktion als Rankhilfe. Es handelt sich um eine immergrüne, mehrjährige Pflanze mit herz- oder eiförmigen Blättern und steifen weißen Kätzchen (eine Art von Blüte ohne Blätter, bei der die Blüten ganz dicht um den zentralen Stiel angeordnet sind).

Der Betelpfeffer gedeiht in Süd- und Südostasien und wird außerdem auf Madagaskar und in einigen Teilen der Karibik angebaut. Betelpfeffer gedeiht in fruchtbaren, gut entwässerten, sandhaltigen Ton- oder Lehmböden mit einem pH-Wert zwischen 5,6-8,2 und wird normalerweise in höheren Regionen angetroffen. Betelpfeffer kann in salzigem oder stark alkalischem Boden nicht gedeihen und bevorzugt ein leicht tropisches Klima (15-40 °C) mit relativ hoher Luftfeuchtigkeit (40-80 %) und regelmäßigem Niederschlag (2250-4750 mm pro Jahr).  

Obwohl die meisten Pflanzen, die eine Kätzchenbildung aufweisen, einhäusig sind, ist der Betelpfeffer zweihäusig. Die Blätter der männlichen Pflanzen sind normalerweise eiförmig, während die der weiblichen herzförmig sind.

Wie Betelpfeffer angebaut wird

Der Betelpfeffer wird weitgehend auf Flächen angebaut, die barouj genannt werden. Zunächst werden dafür die Begleitpflanzen – häufig der Turibaum (Sesbania grandiflora) – angepflanzt und auf einer Höhe von ca. 4 Metern gekürzt. Dann werden die Beete für die Kletterpflanzen angelegt, die ungefähr 180 cm breit sind und in denen die Pflanzen in einem Abstand von circa 45 cm angepflanzt werden.

Betelpfeffer pflanzt sich vegetativ fort. Dabei werden eher Stecklinge als Samen verwendet, die aus den Stängelenden gewonnen werden und normalerweise 30-45 cm lang sind. Für den Anbau eines Hektars mit Betelpfeffer benötigt man 100.000 Stecklinge.

Sobald die Stecklinge angegangen sind und zu wachsen beginnen, lernen sie, an den Rankbäumen hochzuwachsen – normalerweise wird die Kletterpflanze mit Bananenfasern am Stamm der Rankhilfe festgebunden. Dieses Verfahren wird über drei Monate ungefähr alle 15 bis 20 Tage durchgeführt, dann kann die Ernte beginnen.

Einige Sorten und Techniken erfordern eventuell eine längere Wachstumszeit, beispielsweise von sechs Monaten bis zu einem Jahr. Die Ernte wird normalerweise erst durchgeführt, wenn die Kletterpflanzen eine Höhe von 150 cm erreicht haben. Einige Sorten können in einem Jahr Höhen von 300 cm und darüber erreichen.

Der Betelpfeffer wird normalerweise zu Beginn des Monsuns gepflanzt und zwischen November und Februar geerntet. Betelblätter werden in südasiatischen Einheiten namens lakh geerntet, was 100.000 Blättern entspricht. Ein Hektar sollte einen Ertrag von 75 bis 100 lakh (7,5 bis 10 Mio.) an Betelblättern hervorbringen.

Im zweiten Teil der Ausführungen werden wir näher auf die Pharmakologie und die Wirkung von Betelpfeffer eingehen. 

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