Cannabis-Patienten-Geschichten: Medizinische Cannabis-Geschichten aus dem Leben

Menschen, die Cannabis aus medizinischen Gründen konsumieren oder konsumieren möchten, müssen oft gegen Vorurteile kämpfen. Sensi Seeds möchte hier zeigen, dass medizinische Cannabiskonsumenten ganz normale Menschen sind. Heute stellen wir acht Cannabispatienten vor: Acht unterschiedliche Schicksale und eine Pflanze, die hilft. Hier ihre Geschichten!

Der Konsum von Cannabis – ob für Freizeit- oder medizinische Zwecke – und sein rechtlicher Status sind Gegenstand heftiger Diskussionen weltweit. Die Rechtsreform zur Unterstützung von medizinischem Cannabis findet weltweit statt. Medizinisches Cannabis ist heute in vielen Teilen Europas, den USA, Südamerika und Australien erhältlich. Die Legalisierung gibt chronisch und schwerkranken Menschen Zugang zu einem Medikament, das ihnen bisher nicht zur Verfügung stand.

In diesem Artikel teilen wir die realen Begegnungen von acht verschiedenen Menschen, deren Leben durch medizinisches Cannabis dramatisch verbessert wurde. Mit diesen Geschichten hofft Sensi Seeds, einige der Vorurteile und Stigmata abzubauen, die mit dem medizinischen Cannabiskonsum verbunden sind, um medizinisches Cannabis weiter in das moderne Paradigma zu integrieren.

Chris Vrzak

Der 36-jährige in Hockenheim lebende ADHS-Patient hat zwei Motorradunfälle überlebt, die ihn mit chronischen Schmerzen in Knie, unterer Wirbelsäule und Schulter belasten.

Er konsumiert Cannabis seit 1994. Chris wurde 2009 erstmals darauf aufmerksam, dass es möglich war, Cannabis in Deutschland mit einer Ausnahmegenehmigung zu kaufen. Allerdings hätte er nie gedacht, dass er eines Tages einer der offiziellen deutschen Cannabispatienten sein würde. Wenn er gegenüber Ärzten erwähnte, dass die Pflanze ihm half und ihm erlaubte, keine Medikamente mit schweren Nebenwirkungen wie Diclofenac, Tilidin und andere Opiate einzunehmen, wurde er als Drogenabhängiger gekennzeichnet und als solcher behandelt.

Die Geschichte von Chris begann lange vor seinen Motorradunfällen. Nach der Diagnose von ADHS als Kind wurde er entweder gar nicht oder falsch behandelt. Ihm wurden Tropfen und Tabletten verschrieben, die ein Arzt dem damals 13-Jährigen verschrieb, und er meinte, dass sich alles von selbst bessern würde, wenn er in die Pubertät käme. Die Folgen: Unfähigkeit zur Aufmerksamkeit, überreizter Geist, Reizbarkeit, Aggression und Konzentrationsschwäche.

Kurz darauf versuchte Chris zum ersten Mal Cannabis und bemerkte, dass er sich konzentrieren und damit seine Sekundarschulausbildung abschließen konnte. Sein Arzt diagnostizierte bei ihm anschließend eine Drogenmissbrauchsstörung – speziell im Zusammenhang mit Cannabis – und verschrieb Chris Diazepam, ein Beruhigungsmittel.

Danach absolvierte Chris endlose Psychologenbesuche und Drogenberatungen und unterbrach damit seine Ausbildung. Nach 13 Jahren Heroin- und Kokainabhängigkeit, zwei Unfällen und einem extremen Burnout im Jahr 2012 gelang es Chris, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Die Dinge begannen sich zu bessern, als er seinen Arzt wechselte, die richtige Diagnose erhielt und Ersatz angeboten bekam.

Im Jahr 2013 begann er mit der Beantragung eines Freistellungszertifikats des BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte). Mit Hilfe des renommierten deutschen Privatarztes Dr. Franjo Grotenhermen – Vorsitzender der Arbeitsgruppe Cannabis als Medizin (ACM) und Geschäftsführer der International Association for Cannabinoid Medicines (IACM) – stellte Chris seinen Antrag auf Zugang zu medizinischem Cannabis. Ohne die Unterstützung von Dr. Grotenhermen, sagt Chris, wäre es völlig unmöglich gewesen. Trotz der Tatsache, dass Ärzte eine Verbesserung des Zustandes von Chris nach Cannabiskonsum beobachteten, wurde der Konsum von Cannabis immer als Suchtverhalten eingestuft.

Es dauerte nur sieben Tage von der Einreichung der Unterlagen bis zur Erteilung der Genehmigung. Seit Oktober 2013 darf er offiziell Cannabis konsumieren. Bislang wurde kein anderer Patientenantrag so schnell bearbeitet. Chris glaubt, dass dies daran liegt, dass er zuvor mit dem Institut in Verbindung stand und Cannabis-Ersatzstoffe wie L-Polamidon und Subutex verschrieben bekam.

Chris hat einen proaktiven Ansatz, um sein Leben zu leben. Er arbeitet auf Unabhängigkeit hin, mit dem Schwerpunkt auf der Unterstützung von Cannabispatienten. Derzeit baut er eine Informationsplattform auf, auf der sich die Besucher über gesunde Ernährung, nachhaltigen Lebensstil und medizinisches Cannabis informieren können.

Er interessiert sich dafür, wie die Wirkstoffe von Cannabis und anderen Kräutern und Ölen optimal aufgenommen werden können. Seine eigenen persönlichen Erfahrungen und seine Experimentierfreude haben ihn dazu veranlasst, einen neuen Verdampfer zu bauen, dessen Prototyp fast fertig ist. Chris möchte diese Botschaft an die Leser von Sensi Seeds und insbesondere an die Patienten richten:

„Bleiben Sie sich selbst treu! Der Weg ist die Belohnung! Finden Sie einen Arzt, dem Sie vertrauen und beantragen Sie eine Genehmigung. Nur durch die Medizin wird Cannabis in Deutschland legal!“

Tilo Clemeur

Bei Tilo wurde mit 18 Jahren Epilepsie diagnostiziert. Herkömmliche Medikamente waren wirkungslos, so dass er schwere Nebenerscheinungen hatte. Die 44-Jährige suchte daher nach einer alternativen Therapie. Im Jahr 2000 fand er heraus, dass Cannabis diese Alternative bieten könnte. Als er seinem Neurologen davon erzählte, wurde ihm geraten, sich nicht zum Narren halten zu lassen, denn Cannabis hätte keine medizinischen Vorteile.

Tilo ließ sich nicht aufhalten und probierte Cannabis trotzdem aus. Er nahm es, sobald er sich unwohl fühlte. Nach einem Jahr war er frei von Anfällen wagte den Schritt und hörte auf, die letzten seiner konventionellen Medikamente einzunehmen. Seitdem hat er seit acht Jahren keinen einzigen Anfall mehr erlitten.

Seit 2012 hat er von seiner Apotheke ein Zertifikat für medizinische Cannabisblüten. Der Duisburger war der erste Epilepsiepatient in Deutschland, dem eine Ausnahmegenehmigung des BfArM erteilt wurde, um Cannabisblüten aus seiner Apotheke zu beziehen.

Anderthalb Jahre hat Tilo als Redakteur für die Zeitschrift Grow! gearbeitet, für die er Patienten interviewt und ihre Geschichten erzählt hat. Er sensibilisiert auch durch Vorträge bei Veranstaltungen wie der Cultiva Hanfmesse in Wien und der „Dampfarade” in Köln. Er kritisiert das medizinische System, das es Ärzten erlaubt, Opiate frei zu verschreiben, aber es ihnen nicht erlaubt, medizinisches Cannabis ohne vorherige Genehmigung des Bundesopiumamtes zu verschreiben. Außerdem haben viele Ärzte einfach Angst, sich mit Cannabis als Medizin zu befassen, geschweige denn es zu verschreiben, weil sie nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten wollen.

In seinen Vorträgen ging es auch um die enorm hohen Kosten für den Bezug von Cannabis aus der Apotheke: 74,00 € für 5 Gramm, während selbstgemachtes Cannabis 2,20 € pro Gramm (für die erste Ernte und die damit verbundene Anfangsinvestition) und danach 0,35 € pro Gramm kosten würde! Er will den Lesern von Sensi Seeds Folgendes sagen:

 „Kämpfen Sie für Ihr Recht, egal ob Sie ein Patient oder ein Freizeitnutzer sind. Wir wissen, dass das Verbot nichts als Schaden anrichtet. Viele Menschen verlieren ihren Führerschein, nur weil sie drei Tage zuvor einen Joint mitgenommen haben. Den Patienten wird die Möglichkeit verwehrt, selbst zu growen, obwohl es ständige Schwierigkeiten bei der Versorgung über Wochen gibt und die Patienten gezwungen sind, sich woanders umzusehen. Verschaffen Sie sich Gehör und machen Sie deutlich, dass wir alle ein Recht auf Cannabis haben.“

Claudia Russo

Die 42-jährige Claudia Russo aus Berlin ist Witwe mit einer erwachsenen Tochter. Sie hat eine lange Liste von Beschwerden: Hepatozytenhepatitis, unregelmäßiger Herzschlag, Krebs, chronisches Asthma, posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), Osteochondrose, poly-direktionale Bandscheibenprotrusion mit Vakuumphänomen, Wirbelsäulenfrakturen, Wirbelsäulensyndrom, Spondylarthrose, Schlafstörungen durch Schmerzen, Depressionen, chronisches Schmerzsyndrom und Unterleibskrebs.

Claudia wurde im März 2014 offizielle Cannabispatientin, obwohl sie die Pflanze schon vorher kannte. Sie hatte seit Jahren Cannabis konsumiert, weil es sie in vielen Bereichen unterstützte und ihren Geist beruhigte. Es dauerte etwa sechs Monate, bis sie eine offizielle Erlaubnis zum Konsum von Cannabis erhielt. „Das Warten, das Leiden und die endlosen Verzögerungen bei den Briefen ließen diese Zeit wie eine Ewigkeit erscheinen“, sagt Claudia.

Als bei ihr Krebs diagnostiziert wurde, erhielt sie eine Behandlung zur Rekonstruktion von Stammzellen, die sie fast umbrachte. Danach versuchte sie es mit der Naturheilkunde als letztes Mittel. An einem bestimmten Punkt stieß sie auf ein Video über das Rick Simpson Öl. Sie untersuchte es und fing an, ihre eigenen Öle herzustellen. Die Ergebnisse waren erstaunlich, aber sie fand die Substanz ungenießbar, also begann sie, sie weiterzuentwickeln und Öle für eine breite Palette von Anwendungen herzustellen.

Claudia hat viel zu sagen – zu den Ärzten, zu den Krankenkassen und zu ihren Mitmenschen. Trotz ihrer Arbeitsunfähigkeit bleibt sie ehrenamtlich tätig. Die Arbeit hält sie am Leben und lenkt sie vom Schmerz ab. Claudia bietet akzeptanzorientierte Drogenarbeit an, berät Kranke, ältere Menschen, Süchtige und besorgte Eltern und hat einen kleinen Laden, in dem sie ihr selbst gestaltetes Design verkauft. Sie ist sehr aktiv in der Drogenpolitik und hilft anderen bei der Beantragung der Erlaubnis zur Verwendung von medizinischen Cannabisblüten. Ihre Botschaft:

 „Hanf ist Hoffnung…. Nicht nur Dope.“

Alexander Jähn

Alexander ist seit 2002 ein Cannabispatient aufgrund von Schmerzen, Lähmungen und spastischen Krämpfen, die durch einen schweren Verkehrsunfall entstanden sind. Vor dem Unfall war Alexander Einzelhandelskaufmann, aber er ist jetzt arbeitsunfähig. Alexander ist verheiratet und hat ein Kind.

Bevor ihm offiziell erlaubt wurde, Cannabis als Medizin zu verwenden, versuchten die Ärzte, seine Schmerzen mit Tilidin, Morphium, Tramadol, Fentanyl und anderen Medikamenten zu kontrollieren. Nach der Einreichung seines Antrags musste Alexander drei Monate warten, bis er die Erlaubnis zur Verwendung von medizinischem Cannabis erhielt.

Er war von Jugend an mit Cannabis vertraut, aber erst nachdem er krank wurde, wurde ihm klar, wie sehr es ihm hilft. Seine Botschaft an die Leser von Sensi Seeds lautet:

„Das Kraut bedeutet Heilung!”

Ralf Herrmann

Der 40-Jährige aus Heidelberg ist alleinerziehender Vater mit einer kleinen Tochter. Ralf nimmt Cannabis für ADHS, einen Bandscheibenvorfall und Arthritis in der Schulter.

Ralf wurden konventionelle Medikamente wie Ritalin, Vioxx, Opiate und Antidepressiva verschrieben. Er lehnte sie alle ab. Er fand diesen Medikamentencocktail zu gefährlich. Er rauchte stattdessen Cannabis und wurde als Süchtiger bezeichnet. Warum hat er das getan? Ganz einfach: Cannabis war es, was ihn wieder gesund machte und ihm dabei half, die körperlichen Schmerzen unter Kontrolle zu halten.

Seit 2001 darf Ralf Dronabinol einnehmen. Sein damaliger Hausarzt verschrieb es ihm, wenn andere Medikamente ihm nicht wirksam halfen. Am wichtigsten war, dass es für Ralf keine Nebenwirkungen hatte.

Im Sommer 2010 wurde er über die International Association for Cannabis as Medicine auf die Verfügbarkeit von medizinischen Cannabisblüten in der Apotheke aufmerksam. Nachdem er einen Arzt gefunden hatte, der bereit war, seinen Antrag auf Befreiung zu unterstützen, machte er den ersten Schritt. Nach endlosen Telefonaten dauerte es zwei Monate, bis Ralf die BfArM-Freistellungsbescheinigung erhielt, mit der er in Deutschland Cannabis aus der Apotheke beziehen konnte.

Es dauerte jedoch mehrere Jahre, bis ihm der Konsum von Cannabis gestattet wurde. Er erhielt seine Genehmigung für medizinische Cannabisblüten im Dezember 2010 und ist froh, den Weg des Cannabis gegangen zu sein. Als ihm seine Freistellungsbescheinigung erteilt wurde, fühlte Ralf, dass er endlich von der Gesellschaft anerkannt worden war.

Im Dezember 2010 gab es etwa 60 Patienten, die als unheilbar galten und Cannabis von ihrem Apotheker beziehen durften. Heute gibt es knapp 300 solcher Patienten. Leider decken keine deutschen Krankenkassen medizinisches Cannabis ab, so dass die Patienten verpflichtet sind, ihr eigenes medizinisches Cannabis zu finanzieren.

Ralf war einer der Patienten, die Mitte 2014 vor dem Verwaltungsgericht Köln erschienen sind, um für das Recht zu kämpfen, sein eigenes Cannabis anzubauen. Leider gehörte er zu denen, deren Anspruch, sein eigenes Cannabis anzubauen, abgelehnt wurde. Aber Ralf ließ es nicht dabei beruhen – er legte Berufung ein. Sein Motto:

„Legalisiert es weltweit.“

Christian Schulzki

Der 34-Jährige aus Berlin leidet nach 4 Bandscheibenoperationen unter chronischen Schmerzen. Seine Symptome beeeinträchtigen seine Familie und sein soziales Leben und erlauben es ihm manchmal nicht, überhaupt daran teilzunehmen. Auch das Einkaufen von Lebensmitteln ist schwierig und mit Angst verbunden.

Darüber hinaus leidet der gelernte Metzger, der heute im Saarland lebt, an Clusterkopfschmerzen, auch bekannt als Bing-Horton-Neuralgie. Diese Krankheit ist einseitig und löst extreme Kopfschmerzattacken aus, die von 15 bis 180 Minuten dauern können. „Ich würde sie niemandem wünschen.“ – Christians kurzer, prägnanter Kommentar darüber spricht Bände.

Als seine Beschwerden anfingen, konnte er noch als Kommissionierer in einem Pharmaunternehmen arbeiten. Danach versuchte er, als Call-Center-Mitarbeiter zu arbeiten, aber seine Krankheit führte unweigerlich zu verlängertem Krankenstand, woraufhin er schließlich entlassen wurde.

Seit zwei Jahren ist Christian zu Hause und versucht, den Weg zurück ins (Arbeits-)Leben zu finden: „Ich akzeptiere weder meine Krankheiten noch diesen Rückschlag, der sie zu verschlimmern scheint„. Er sollte an den Ruhestand denken, aber er weigert sich einfach, dies zu tun. Mit Rehabilitationskursen und medizinischen Dienstleistungen rund um die Arbeitsvermittlungsstelle versucht er, wieder Fuß zu fassen.

Standard-Medikamente mit schwerwiegenden Nebenwirkungen

Christians Medikamentenliste ist lang – sehr lang. Christian nimmt Targin morgens und abends, Capros Akut dazwischen. Ihm wurden auch Novalgin-Tropfen, Omeprazol am Morgen und in der Nacht, Verapamil und Sauerstoff während eines Kopfschmerzanfalls verschrieben. Ende 2012, als er Triptane noch für seine Cluster-Kopfschmerzen benutzte, musste Christian für 14 Tage zur Entgiftung ins Krankenhaus.

Andere Standardmedikamente waren Morphium, Opiate, Anästhetika, Tillidin, Gabapentin, Lyrica, Katadolon und andere. Beim Cannabis wird seine Medikamenteneinnahme um 75% reduziert und er konnte sie manchmal ganz weggelassen.

Christian versuchte als Teenager zum ersten Mal Cannabis. Als Medikament kam es für ihn sicherlich nie in Frage, da die Pflanze illegal ist. Im März 2014 wurde Christian auf das Potenzial von Cannabis als Medikament aufmerksam. Er suchte nach Informationen durch Medienberichte und das Internet und begann viel Zeit in die Cannabisforschung zu investieren.

Im September 2014 sprach er nach dreiwöchiger Behandlung vergeblich mit seinem Schmerztherapeuten. Die Reaktion des Spezialisten war distanziert und ablehnend: „Ich weiß es nicht, ich werde es nicht tun.“ Der Hausarzt von Christian reagierte viel offener, und im November 2014 wurde der Antrag auf medizinische Hanfblüten aus der Apotheke gestellt. Er hat seinen Antrag am 1. Dezember 2014 an das BfArM geschickt und wurde bereits am 8. Januar 2015 telefonisch darüber informiert, dass seinem Antrag stattgegeben wurde. Seit dem 30. Januar liegt die schriftliche Genehmigung vor, doch die Versorgungsengpässe bei Bedrocan verhindern, dass er sein Medikament regelmäßig einnehmen kann. Seine Botschaft an die Leser von Sensi Seeds lautet:

„Jeder Patient, der Cannabis geraucht oder in anderer Form eingenommen hat und davon profitiert hat, sollte einen Antrag beim BfArM stellen. Wenn ein Arzt nein sagt und die erste, zweite oder sogar die dritte Apotheke nicht mitmacht: Probieren Sie es weiter. Betreten Sie die Foren und informieren Sie sich. Überzeugen Sie Ihren Arzt. Lassen Sie sich nicht ENTMUTIGEN! Im Sinne von…. legalisieren Sie es!“

Peggy S.

Das ist Peggy aus Thüringen. Sie ist erst 30 Jahre alt und zu 90% behindert. Ihre Mobilität ist völlig eingeschränkt und sie benötigt eine Begleitung für den öffentlichen Verkehr. Peggy ist seit 2010 arbeitsunfähig. Sie liebt es, Zeit mit ihren Maine Coon Katzen zu verbringen. Peggy benutzt hauptsächlich Cannabis, um mit den Schmerzen umzugehen, die mit ihrem Zustand verbunden sind.

Peggys komplexe Diagnose

Peggy leidet unter Rheuma, Muskel- und Gelenkschmerzen und Polyneuropathie, Erkrankungen des peripheren Nervensystems. Darüber hinaus leidet Peggy an Bindegewebserkrankungen (eine unspezifische Autoimmunerkrankung, die jedes Organ betreffen kann), Vaskulitis, Sjogren-Syndrom, Raynaud-Syndrom und exokrine Pankreasinsuffizienz begleiten Peggys Autoimmunerkrankung und Polyneuropathie.

Bei Peggy wurde auch eine Trigeminusneuralgie diagnostiziert, eine Form von Gesichtsschmerzen und Gesichtslähmung auf der rechten Seite (Bells Lähmung). Sie erfährt auch unwillkürliche Muskelkrämpfe auf der rechten Seite ihres Gesichts. Aus diesem Grund leidet Peggy auch an einer postherpetischen Neuralgie (extrem starke Nervenschmerzen).

Sie leidet auch an auch Gastritis, Osteoporose, Endometriose, Zöliakie, Laktose und Fruktoseintoleranz sowie Asthma und Allergien. Leider endet ihre Liste der Beschwerden nicht hier.

Weniger Medikamente durch Cannabis

Bevor sie Cannabis als Therapie ausprobierte, versuchte Peggy alle verfügbaren Opiate, verschiedene Antiepileptika, Antidepressiva und Schlafmittel. Außerdem wurden ihr Kortison und wichtige Rheumamittel wie MTX, AZA, Quensyl und Immunglobulin verschrieben.

Besonders für ihre Gesichtsneuralgie hilft Cannabis Peggy viel besser als die Antiepileptika. Jetzt benutzt sie Cannabis und nimmt nur noch Kortison als Opiat sowie Oxycodon, und sie konnte die Dosis von letzterem bereits reduzieren.

Unterstützung durch den Spezialisten für Schmerzbehandlung

Peggys Spezialist für Schmerzbehandlung verschrieb ihr Dronabinol-Tropfen, nachdem alles andere gescheitert war. Seit 2014 besitzt sie eine Ausnahmegenehmigung für medizinische Hanfblüten, sie freut sich sehr, dass ihr Spezialist nicht nur für die Behandlung mit Cannabis offen war, sondern sie sogar während des Anwendungsprozesses unterstützt hat.

„Ohne CBD-reiches Cannabis wären die Schmerzen, insbesondere die Gesichtsnervenschmerzen, kaum erträglich.”

Die Nichtlieferung von Bedica und Bediol macht es nicht einfach

In den letzten Monaten waren Peggys Cannabisrezepte (Bedica und Bediol) schwer zu bekommen. Peggy sagt, dass sie jeder Tag ohne Bediol und Bedica zurückwirft. Sie verspürt sofort eine Zunahme der Gesichtsschmerzen. Ihre Rheumaanfälle treten dann auch schnell wieder auf. Das wiederum bedeutet, dass sie ihre Kortison- und Schmerzmitteleinnahme erhöhen muss.

 „Leider zahlt die Krankenkasse nicht für Cannabis, und es ist ein immer wiederkehrender monatlicher Kampf, zwischen 245,00 und 500,00 Euro zu finden, wenn man nur ein Grundeinkommen erhält. Ich wünsche mir, dass Cannabis für Kranke endlich von der Krankenkasse erstattet wird und dass sich seine schlechte Verfügbarkeit endlich auch verbessert, denn es macht keinen Spaß, sich Gedanken darüber zu machen, ob die eigenen Medikamente immer wieder verfügbar sind.”

Die 30-Jährige kocht gerne mit Hanf und Cannabis. Aufgrund ihrer vielen Unverträglichkeiten ist sie gezwungen, jeden Tag zu kochen und frisch zu backen. Ihre Allergien haben ihr so geholfen, ein neues Hobby zu finden, das sie sehr genießt. Peggy verwendet Hanfmehl & Samen und Cannabis aus der Apotheke.

Sie kümmert sich liebevoll selbst um ihre Katzen und Fische.

Michael Autrum

Michael stammt aus Weißwasser und lebt mit seiner Bulldogge Tyson in der Nähe von Starnberg.

Michael leidet an einem chronischen Schmerzsyndrom, im dritten Stadium nach Gerbershagen. Für ihn ist der Schmerz nicht mit einer bestimmten Erkrankung verbunden. Er bildet insgesamt eine eigenständige Krankheit. Im dritten Stadium reduzieren selbst multidisziplinäre Behandlungen die Symptome bei nur 30% der Patienten. Michael gehört nicht zu diesen 30%.

Er leidet unter chronischen Schmerzen, allergischem Asthma, chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD), Arthritis, Omarthrose (Gelenkverschleiß in der Schulter) und Barrett-Ösophagus (ösophageale Refluxerkrankung). Er hat auch seinen dritten Herzschrittmacher einsetzen lassen. Der gelernte Koch erhält im Alter von 38 Jahren eine Invalidenrente.

Michaels tägliche Medikamente umfassten Opiate, Lyrica, Asthmaspray, Fortecortin und Prednisolon.

Er benötigt alle 15 Stunden 2 Liter Sauerstoff zur Behandlung von COPD. Nachts ist er an ein Schlafapnoegerät angeschlossen. Er griff zu Schlaftabletten, um auch nur minimalen Schlaf zu bekommen, manchmal nur 4-5 Stunden pro Nacht.

Dank Cannabis konnte er seine Medikamenteneinnahme um die Hälfte reduzieren und hat einige davon sogar ganz weggelassen. Zum Beispiel hat er seine tägliche Opiataufnahme von 96 mg auf 12 mg reduziert. Seit seiner Cannabistherapie braucht er keine Schlaftabletten, kein Asthmaspray oder Fortecortin mehr.

Michael besitzt seit September 2014 eine Ausnahmegenehmigung für medizinische Hanfblüten. Über die Medien und das Internet kam er mit anderen Cannabispatienten wie Claudia Russo in Kontakt, die bereits in diesem Artikel vorgestellt wurde. Dr. Grotenhermen, der in Deutschland bekannt ist, lud Michael Mitte August 2014 in seine Praxis ein, und Ende des Monats hielt der Patient das Genehmigungsformular in den Händen. Unterstützt wurde er auch von seinem Pulmonologen. Innerhalb von zehn Tagen nach der Antragstellung erhielt Michael die Erlaubnis, medizinisches Cannabis zu beziehen.

Michael ist gerade dabei, einen Film zu drehen, „Lebe dein Leben wie Michael“. In diesem Film ermutigt Michael behinderte Menschen, nicht aufzugeben. Er teilt seine persönliche Reise mit Krankheit, Behinderung und medizinischem Cannabis.

Michael weigert sich, sich von Zwängen und seinem Rollstuhl unterwerfen zu lassen: Er spielt Rollstuhlbasketball an der USC München. Er liebt Basketball, Mannschaftssport im Allgemeinen und Aktivitäten im Team. Er lässt sich von seiner Behinderung nicht darauf beschränken, zwischen vier Wänden zu leben. Sein Motivations-Slogan:

„Resignation ist der Anfang vom Ende!“

Cannabis hat ein enormes Potenzial, die Lebensqualität vieler Menschen zu verbessern. Das Einzige, was zwischen vielen Menschen und medizinischem Cannabis steht, ist das Gesetz. Je weiter die Cannabisbewegung voranschreitet, desto deutlicher wird, dass medizinisches Cannabis für Bedürftige zugänglich sein sollte, insbesondere für diejenigen, deren Leben dadurch so dramatisch verbessert werden kann.

  • Disclaimer:
    Dieser Artikel stellt keinen Ersatz für eine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung dar. Wenden Sie sich immer an Ihren Arzt oder eine andere zugelassene medizinische Fachkraft. Sie sollten wegen etwas, das Sie auf dieser Website gelesen haben, weder zögern, Ihren Arzt aufzusuchen, noch deswegen eine medizinische Beratung missachten.

Comments

6 Kommentare zu „Cannabis-Patienten-Geschichten: Medizinische Cannabis-Geschichten aus dem Leben“

  1. Hey liebe Leute. Ich habe seit 2009 Starke Rücken Probleme mit 4. Ops anschließend immer Reha und sehr starke Medikamente. 2014 sagte ich mir es reicht und ging zum Arzt meines Vertrauens. Nach dem mein Schmerztherapeut gleich ablehnend reagierte. Jetzt habe ich mit meinem Arzt den Antrag an die Bfarm geschickt und Donnerstag mal angerufen.
    Er ist genehmigt und Der rest Kommt. Meine Geschichte ist weitaus komplexer aber zu lang für hier. Wer aus dem Raum Saarland kommt und vllr. Unterstützung braucht, kann sich gerne an mich wenden.
    Lg Chris

    1. Stefanie - Sensi Seeds

      Hallo Chris,
      vielen Dank für Deinen Kommentar. Wenn Du Deine Geschichte mit anderen Lesern teilen möchtest, würde ich Dich gern anschreiben. Ich plane nämlich einen zweiten (vielleicht sogar 3.) Teil zu diesem Artikel. Wir haben bisher sehr viel positives Feedback bekommen. Ich melde mich per Email.
      Beste Grüße –
      Steffi

  2. Ich bin auch Patient mit Ausnahmegenehmigung , vorher 1 Jahr Dronabinol und diverse Opiate. Ich bin dankbar dafür, dass es tatsächlich etwas gibt, was mir helfen kann.
    Es ist allerdings eine Schande, dass meine Krankenkasse es (noch) nicht zahlen muss.

    Eine Frage am Rande, bedrocan ist ja bekanntlich Jack Herer, wobei handelt es sich bei der Sorte Bedica ?
    Auch sensi seed gengut?

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Autor und Gutachter

  • Profile-image

    Sensi Seeds

    Das Sensi Seeds Redaktionsteam besteht aus Botanikern, medizinischen und juristischen Experten sowie renommierten Aktivisten wie Dr. Lester Grinspoon, Micha Knodt, Robert Connell Clarke, Maurice Veldman, Sebastian Marincolo, James Burton und Seshata.
    Weiterlesen
  • Sanjai_Sinha

    Sanjai Sinha

    Dr. Sanjai Sinha ist Mitglied der akademischen Fakultät des Weill Cornell Medicine Colleges in New York. Er verbringt seine Zeit damit, Patienten zu begleiten, Bewohner und Medizinstudenten zu unterrichten und im Gesundheitswesen zu forschen. Er genießt die Ausbildung von Patienten und die Ausübung evidenzbasierter Medizin. Sein starkes Interesse an medizinischer Überprüfung kommt von diesen Leidenschaften.
    Weiterlesen
Scroll to Top