by Seshata on 25/04/2013 | Medizinisch

Medizinisches Cannabis: die Situation in Großbritannien

Großbritannien ist im Vergleich zum Rest der Industrieländer ausgesprochen rückständig, wenn es darum geht, ein Konzept zur Cannabislegalisierung einzuführen. Doch die neusten Entwicklungen in den USA und anderswo haben Druck auf die britische Regierung ausgeübt, ihre derzeitige Politik zu überdenken.


Großbritannien ist im Vergleich zum Rest der Industrieländer ausgesprochen rückständig, wenn es darum geht, ein Konzept zur Cannabislegalisierung einzuführen. Doch die neusten Entwicklungen in den USA und anderswo haben Druck auf die britische Regierung ausgeübt, ihre derzeitige Politik zu überdenken.

Ministerin ordnet eine Überprüfung der Drogenpolitik an

Vergangene Woche hat die britische Innenministerin Theresa May eine Studie über die Politik der Länder angeordnet, die sich mit Erfolg für eine entspanntere Vorgehensweise in Bezug auf die Drogengesetzgebung entschieden haben. Wie zum Beispiel Portugal, das 2001 bekanntermaßen eine tolerante Politik in Bezug auf den privaten Konsum aller Drogen eingeführte, gleichzeitig aber weiterhin schwere Strafen für die illegale Produktion verhängt.

Bei der Überprüfung wird man sich auch mit den jüngsten Entscheidungen in Colorado, Washington und anderen amerikanischen Bundesstaaten befassen, die nun ihre eigenen Kampagnen zur Legalisierung des persönlichen Cannabiskonsums aufbauen. Darüber hinaus wird die Studie eine Vielzahl der Designerdrogen sowie die „legalen Highs“ untersuchen, die zurzeit den britischen Markt überschwemmen. Allmählich beginnt sich die realistische Erkenntnis durchzusetzen, dass solche Substanzen für die Gesellschaft weit gefährlicher sein dürften als legales, gesetzlich geregeltes Cannabis und verschiedene andere Drogen.

Allerdings hat May auch einen Aufruf des Sonderausschusses des Unterhauses für Innenpolitik zurückgewiesen, dass bis 2015 ein spezieller Bericht zur Drogenpolitik abgefasst werden soll; was die Frage aufwirft, wie die Regierung weiter vorgehen will und welche Reformen sie – wenn überhaupt – im Auge hat.

Medizinisches Cannabis in Großbritannien

1 - Currently, Sativex (from GW Pharmaceuticals) is the only legally-available cannabis medication in the UK
Zur Zeit ist Sativex (von GW Pharmaceuticals) das einzige legal erhältliche Cannabismedikament in Großbritannien

Die Industrie für medizinisches Cannabis hat in Großbritannien kaum Fortschritte gemacht, seitdem 2003 Sativex von GW Pharmaceuticals/Bayer zugelassen wurde. Der einzige Lizenznehmer, der bis heute medizinisches Cannabis in Großbritannien anbauen darf ist GW Pharmaceuticals. Das Unternehmen betreibt in der Nähe von Porton Down in Surrey einen Zuchtbetrieb.

Doch laut Clear UK, der Partei für eine Reform des Cannabisgesetzes in Großbritannien ist der Cannabisanbau für medizinische Züchter jetzt faktisch entkriminalisiert worden. Das Coroners and Justice Act (2009 = Gesetz zu den Rechten des Bürgers vor Gericht) legt fest, dass der nachgewiesene medizinische Züchter, aufgrund des eindeutigen Beweises der Wirksamkeit von Cannabis z. B. bei der Behandlung von Krankheiten wie Multipler Sklerose und Krebs  als mildernder Umstand angesehen werden kann.

Zwar ist dies schwerlich als Blankoscheck für den normalen Cannabiskonsumenten zu werten, doch wenn Konsumenten von medizinischem Cannabis bereit sind, sich an bestimmte Regeln zu halten, werden sie durchaus bemerken, dass ihr Fall eher zu ihren Gunsten beurteilt wird. Patienten, die unter einer diagnostizierten Krankheit leiden, müssen sich zuerst bei Ihrem Hausarzt um ein Rezept für Sativex bemühen. Solche Bitten werden aber häufig wegen der Kosten oder der Eignung des Patienten abgelehnt.

Wie mildernde Umstände dem vermeintlichen Züchter von medizinischem Cannabis helfen können

Der Patient muss auf jeden Fall verlangen, dass der Hausarzt die Anfrage nach einem Rezept für medizinisches Cannabis schriftlich festhält, und auch notiert, dass der Patient erklärt, Cannabis sicher und effektiv ohne schädliche Nebenwirkungen einnehmen zu können. Wenn der Patient vom Hausarzt in dessen Aufzeichnungen als Cannabiskonsument erfasst wird, muss er den Hausarzt unbedingt um eine deutliche Anmerkung bitten, dass keinerlei Missbrauch von Cannabis stattfindet.

2 - The indoor grow operation maintained by GW Pharmaceuticals, UK
Der Indoor-Zuchtbetrieb in Großbritannien, der von GW Pharmaceuticals geführt wird

Zweitens muss der Patient sich erkundigen, ob es möglich ist, ein Privatrezept zu erhalten. Noch einmal: die Kosten sind oft unerschwinglich hoch. Gesetzlich gültige Rezepte gibt es nicht. Drittens: Angenommen, die vorhergehenden Schritte sind fehlgeschlagen, dann muss der Patient beim Innenministerium schriftlich eine Genehmigung für den Import des medizinischen Cannabis Bedrocan aus den Niederlanden beantragen. Die letzten Anfragen dieser Art sind allerdings allesamt schriftlich abgelehnt worden.

Sobald der Patient diese Schritte nachweislich absolviert hat, ist der klare Beweis erbracht, dass alle möglichen Versuche, innerhalb des legalen Regelwerks sicheren Zugang zu medizinischem Cannabis zu erhalten, ausgeschöpft wurden. Dann kann sich der Patient zum Anbau einer kleinen Zahl von Pflanzen für den persönlichen Gebrauch entschließen: Gemäß den Verurteilungs-Richtlinien des Coroners and Justice Act  kann der Anbau von bis zu neun Pflanzen vom Freispruch bis hin zur Anordnung einer gemeinnützigen Arbeit mittleren Grades reichen. Und für den Anbau von 9-28 Pflanzen kann man laut der Richtlinie mit gemeinnütziger Arbeit auf niedriger Ebene oder sogar mit bis zu 26 Wochen Gefängnis bestraft werden.

An dieser Stelle muss darauf hingewiesen werden, dass es sich bei den hier erteilten Informationen streng genommen um die legale Ausnutzung einer Gesetzeslücke handelt, und dass der Cannabisanbau – ob für medizinische oder andere Zwecke – in Großbritannien nach wie vor illegal ist. Die Vorgehensweise ist alles andere als einfach, und ohne ein triftiges Argument werden jedem, der der Strafverfolgung durch die Befolgung dieser Schritte zu entgehen hofft, die oben genannten Strafen auferlegt, ohne dass mildernde Umstände für ein weniger strenges Urteil sorgen könnten.

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.
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