Wie man eine Cannabispflanze klont

Ohne vegetative Vermehrung (das „Klonen“) wären verschiedene Kulturen wie Bananen, Äpfel, Trauben und Zuckerrohr niemals kommerziell nutzbar. In der Cannabisindustrie ist das Klonen von besonders großer Bedeutung, da es ein einheitliches Wachstum und einheitliche Charakteristika, einschließlich Geschmack und Wirkung, ermöglicht.

Das Klonen ist für jede Form der kommerziellen Landwirtschaft unerlässlich, ob es sich um Cannabis, Äpfel oder Bananen handelt. Für einige Pflanzen ist das Klonen wichtig, weil sie keinen lebensfähigen Samen produzieren – Salvia divinorum ist ein solches Beispiel. Im Fall von Cannabis erlaubt das Klonen den Züchtern, Pflanzen zu replizieren, die ideale Robustheit, Wirkung und Wachstumsmuster aufweisen.

Wenn es die Umstände erlauben sollten, ist die Einrichtung eines eigenen „Klon-Raums“ ein hervorragender Weg, um eine Genetik zu erhalten und zu verbessern. Wenn der Plan lautet, gesunde Klone auf regelmäßiger Basis zu produzieren, dann ist die Installation eines Klon-Raums geradezu unerlässlich.

Was bedeutet „klonen“?

Der Begriff „Klonen“ bezeichnet den Akt des Abtrennens eines Triebs (das Ende eines Zweigs mit einem Spross oder einem neuen Blattpaar an der Spitze) von einer sich im Wachstum befindenden Pflanze. Auf diese Art entsteht eine ganz neue Pflanze.

So wird sichergestellt, dass alle Stecklinge einer „Mutterpflanze“ identische Wachstumsmerkmale aufweisen, solange sie identischen Wachstumsbedingungen ausgesetzt sind. Denn es handelt sich schließlich um „Klone“ mit identischer DNA. Für Cannabispflanzen bedeutet dies, dass identischer Geschmack und Wirkung so gut wie garantiert sind – ein deutlich zuverlässigerer Weg als der Anbau aus Samen. Das gilt selbst für die stabilsten Sorten.

Der grundlegende Prozess ist für die meisten Pflanzen gleich, doch der Begriff „Klonen“ scheint cannabisspezifisch zu sein – wenn Sie also in Ihrem örtlichen Gartencenter nach Zubehör suchen, kann es je nach lokaler Gesetzgebung ratsam sein, Ihre Babys als „Stecklinge“ und nicht als „Klone“ zu bezeichnen!

Eine geeignete Mutterpflanze auswählen

Die Wahl der richtigen Mutterpflanze ist entscheidend für den Klon-Prozess. Es macht wenig Sinn, eine bestimmte Genetik sozusagen zu „verewigen“ (oder zumindest ihre natürliche Lebensdauer massiv zu verlängern), es sei denn, die Sorte hat kommerzielles Potenzial.

Grower und Breeder wählen die Mutterpflanzen typischerweise nach Produktivität, Größe, Wachstumsrate, Potenz, Blütezeit, Geschmack und Wirkung aus. Es können auch andere Merkmale gewählt werden, wie zum Beispiel ein hoher CBD-Gehalt (in der Medizin immer beliebter) oder etwa Kälteresistenz für den Anbau in nördlichen Regionen.

Beim Anbau von Pflanzen aus Samen ist es unmöglich zu wissen, wie sich eine potenzielle Mutter entwickeln wird, ohne sie zur Blüte gebracht zu haben. Daher sollten Stecklinge aus Samenpflanzen einige Wochen nach Beginn der vegetativen Periode entnommen werden. Die Stecklinge sollten dann umgehend bewurzelt und sofort einem 12/12-Beleuchtungszyklus unterworfen werden, um die Blüte einzuleiten. Dann können die Mutterpflanzen der vielversprechendsten Stecklinge dauerhaft im vegetativen Wachstum gehalten werden, sodass weitere Stecklinge geschnitten werden können.

Generelles Set-up

Man braucht nicht viel Platz, um einen Klonraum einzurichten. Wenn die Umstände es erfordern, können Sie sogar einen Kleiderschrank so ausstatten, um alle paar Wochen mehrere hundert Klone herzustellen. Zu bevorzugen ist jedoch mindestens ein großer begehbarer Schrank oder, noch besser,  ein kleiner Abstellraum von mindestens zwei bis drei Quadratmetern. Die Installation von Regalen ist der naheliegendste Weg, um den Platz zu maximieren, da Klone nur sehr wenig vertikalen Raum benötigen. Inklusive Traysund Leuchten reichen etwa 40 Zentimeter Freiraum in der Vertikalen vollkommen aus.

Ihr Klonraum sollte vor der Verwendung gründlich gesäubert und sterilisiert worden sein. Wenn möglich, streichen Sie die Wände mit abwaschbarer Farbe (weiß ist ideal) und achten Sie darauf, dass alle Oberflächen sauber sind und sich auch in Zukunft leicht reinigen lassen. Achten Sie darauf, dass sich nur die nötigsten Gegenstände im Raum befinden, damit die Reinigung zwischen den Grows so leicht wie möglich fällt.

Beleuchtung

Die Hauptsache, die man in puncto Beleuchtung beachten sollte, ist, dass diese nicht zu viel Wärme abstrahlen darf. Die typischen Hochtemperaturleuchten mit hoher Leistung, die typischerweise für das vegetative Wachstum sowie in der Blütephase verwendet werden, sind viel zu stark und heiß für die zarten Stecklinge, die gerade dabei sind, Wurzeln zu schlagen.

Verwenden Sie daher Kaltlicht-Leuchtstofflampen (CFL) oder Leuchtdioden-Lampen (LED) und achten Sie darauf, blau-weißes („kaltweißes“) Licht zu wählen. Im Frühjahr, wenn Pflanzen natürlicherweise wachsen, verschiebt sich das Tageslicht mehr in Richtung des blauen Endes des Spektrums. Im Spätsommer und Herbst verschiebt sich das Tageslicht mehr in Richtung des roten Endes des Spektrums. Aus diesem Grund sind die für die Blütezeit bestimmten Leuchten gelblich-rot und die Leuchten für das vegetative Wachstum bläulich. Für Klone ist die Stimulation des vegetativen Wachstums (das heißt des Wachstums von Blättern, Stängeln und Wurzeln) natürlich von größter Bedeutung.

Empfohlenes Zubehör

Speziell entwickelte Trays zum Klonen sind in den meisten Fachgeschäften erhältlich und nützlich, da jeder Steckling sein eigenes Plätzchen erhält. Auf diese Weise wird verhindert, dass sich die Wurzeln verschiedener Pflanzen beim Wachstum verheddern.

Es gibt natürlich auch hydroponische und aeroponische Komplett-Set-ups zum Klonen, die Licht, Trays, Belüftung und Bewässerung beinhalten. Vorgefertigte Set-ups können zwar recht teuer sein, aber es ist möglich, eigene Set-ups für deutlich weniger Geld selbst nachzubauen.

Es ist aber auch möglich, einfach billige Kunststoffschalen oder Kartons ohne individuellen Platz für jeden einzelnen Klon zu verwenden. Wenn sich die Wurzeln dann verheddern sollten, schadet es den Stecklingen nicht, wenn man sie mit der Schere trennt. Tatsächlich glauben einige Grower sogar, dass gerade diese etwas harsche Behandlung ein frisches Wurzelwachstum sowie eine stärkere Verzweigung fördere.

Die Stecklinge vorbereiten

  • Eine Mutterpflanze;
  • Garten- oder Haushaltsschere; eine scharfe, saubere Rasierklinge oder ein Skalpell;
  • Eine Schnittfläche, wie beispielsweise ein Silikon-Backblech oder eine Keramik-Unterlage;
  • Eine Tasse oder ein Glas, zu 2/3 mit lauwarmem Wasser gefüllt;
  • Ein Kultursubstrat wie etwa Steinwollwürfel;

Methoden, um Cannabis zu klonen

  1. Zuerst tränken Sie Ihre Substratwürfel  bis zu fünfzehn Minuten lang gründlich in Wasser, um sicherzustellen, dass sie gesättigt sind. Es wird empfohlen, den pH-Wert des Wassers vor dem Einweichen der Würfel auf etwa 6,0 bis 6,5 einzustellen.
  2. Während das Medium durchnässt wird, verwenden Sie beispielsweise eine Schere, um Stecklinge aus der Mutterpflanze zu entnehmen. Die Klone sollten aus den drei bis vier  äußeren Blattknoten eines Stamms oder Zweigs bestehen.
  3. Schneiden Sie mit der Rasierklinge oder dem Skalpell alle bis auf die obersten Blattknoten vom Steckling ab, und zwar so nah wie möglich am Stiel.
  4. Schneiden Sie den Hauptstamm in einem Winkel von 45 Grad ab. Einige Grower verwenden die Klinge außerdem, um die äußeren Rindenschichten abzuschaben und den inneren Stamm freizulegen, aus dem neue Wurzeln wachsen; andere wiederum halten diesen Schritt für unnötig.
  5. Tauchen Sie den Steckling in den Wurzelstimulator (in das Wurzel-Gel) und achten Sie darauf, den unteren Teil des Stiels (etwa einen Zentimeter) gründlich zu benetzen .
  6. Entfernen Sie die Substratwürfel aus dem Wasser und pressen Sie etwas Wasser heraus, sodass sie feucht bleiben, aber nicht tropfen.
  7. Stecken Sie die benetzte Stammspitze bis zu einer Tiefe von drei bis vier Zentimetern in den Substratwürfel. Platzieren Sie den Steckling dann in der Keimbox.
  8. Wenn die Bedingungen stimmen, sollten alle Stecklinge nach zwei bis drei Wochen sichtbare Wurzeln gebildet haben, die aus den Substratwürfeln herausragen, und damit bereit für das Umtopfen sein.

Cannabis-Stecklinge umsorgen

In der Regel sollten Ihre Stecklinge bei einer konstanten Temperatur zwischen 20° C und 26° C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 90 bis 100 Prozent gelagert werden. Die relative Luftfeuchtigkeit kann nach den ersten zwei oder drei Tagen etwas reduziert werden, sollte aber nie unter 60 bis 70 Prozent fallen.

Cannabispflanzen erfordern die Aufrechterhaltung spezifischer Bedingungen, wenn der Klonvorgang zum Erfolg werden soll. Darüber hinaus können die drei wichtigsten Subtypen von Cannabis, die als „sativa“, „indica“ und „ruderalis“ bekannt sind, in ihren Anforderungen teilweise variieren.

Da die meisten kommerziellen Sorten inzwischen stark hybridisiert sind und ihre genetische Herkunft unklar ist, kann ein Trial-and-Error-Verfahren tatsächlich der beste Weg sein, um die individuellen Bedürfnisse einer bestimmten Sorte zu ermitteln. Seien Sie also darauf vorbereitet, einige Klone zu verlieren. Bis Sie sich der Anforderungen einer Sorte ganz sicher sind, schneiden Sie lieber ein paar  Klone mehr, als Sie eigentlich benötigen.

Feuchtigkeit, Temperatur & Schimmel

Cannabis ist anfällig für Fäulnis und Schimmelpilze, insbesondere Mehltau und Botrytis (Grauschimmel). Daher muss sehr sorgfältig darauf geachtet werden, Schimmelpilze zu vermeiden, aber gleichzeitig einen ausreichenden Feuchtigkeitsgehalt aufrechtzuerhalten, damit das Pflanzengewebe ausreichend hydratisiert bleibt, um Wurzeln auszubilden.

Längerer direkter Kontakt mit Wasser selbst (beispielsweise in einem zu feuchten Nährboden) führt außerdem zu einer Zersetzung der Stämme. Stammfäule, die sich durch einen Pilz wie Botrytis oder durch direkte Einwirkung von Wasser festsetzt, führt in der Regel dazu, dass Klone entsorgt werden müssen.

Leider bietet die Aufrechterhaltung einer konstant hohen Luftfeuchtigkeit und einer konstant niedrigen bis mittleren Temperatur ideale Bedingungen für das Schimmelpilzwachstum. Die Aufrechterhaltung eines guten Luftstroms (normalerweise genügt ein kleiner Ventilator) hilft, dieses Problem zu lösen, indem er verbrauchte Luft wegträgt und für frische, saubere Luft sorgt .

Belüftung

Wenn Sie drauf und dran sind, einige Ihrer Cannabispflanzen zu klonen, dann gehen wir davon aus, dass Sie bereits ein fortgeschrittener Grower sind. Das bedeutet aber dennoch nicht, dass die Belüftung in diesem Artikel nicht erwähnenswert ist, da sie für die Gesundheit Ihrer Klone äußerst wichtig ist. Hier sind ein paar Dinge, die man unbedingt beachten sollte:

  •   – Klone sind wie kleine Setzlinge. Sie sind empfindlich. Übermäßige Luftfeuchtigkeit schafft die perfekten Bedingungen für Schädlinge wie Pilze und Schimmelpilze, die sich über die Luft ausbreiten. Ventilation kann die Luftfeuchtigkeit in Keimboxen auf einem guten Niveau halten.
  • Die „In-Flow“-Belüftung (HEPA-Filter werden empfohlen) ist wichtiger als die „Out-Flow“-Belüftung. Klone produzieren nicht viel Geruch, sodass es nicht notwendig ist, die Luft aus dem Raum zu filtern. Allerdings muss regelmäßig Frischluft eingebracht werden, um die Luft zu „recyceln“, sauber zu halten und die relative Luftfeuchtigkeit zu gewähren.
  • Auch wenn sich Ihre Klone in abgedeckten Schalen befinden, müssen sie atmen! Es ist wichtig, das Tray täglich für ein paar Minuten zu öffnen, damit die Luft im Inneren eine Chance zur Erfrischung hat. Dies ist auch eine Möglichkeit, die Klone auf frühzeitige Anzeichen von Krankheiten oder Schädlingen zu untersuchen.

Das erfolgreiche Klonen von Cannabispflanzen ist für Anfänger eine der kniffligsten Aspekte beim Anbau von Cannabis und selbst mit jahrelanger Erfahrung kann es ein heikler Vorgang bleiben. Die Befolgung der oben genannten Ratschläge führt in der Regel zu guten Ergebnissen, aber Trial-and-Error ist nichtsdestotrotz immer noch der beste Weg, um wirklich ein Händchen fürs Klonen zu entwickeln.

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