by Seshata on 03/08/2015 | Medizinisch

Cannabis und die Menopause

Menopause Menopause ist der Fachbegriff für den Lebensabschnitt, in dem die Menstruation beim weiblichen Menschen aufhört und eine Frau die Fähigkeit verliert, Kinder zu bekommen. Genauer gesagt bezeichnet die Menopause den Zeitpunkt, zu dem eine Frau seit zwölf Monaten keine Menstruation mehr gehabt hat. Die Jahre der biologischen Veränderungen vor und nach diesem Zeitpunkt werden als "Perimenopause" bezeichnet.


Das Endocannabinoidsystem spielt eine fundamentale Rolle für alle Aspekte der weiblichen Fortpflanzung, vom Beginn der Fruchtbarkeit über die Einnistung des sich entwickelnden Embryos in das Endometrium bis zur Weitergabe von Endocannabinoiden über die Muttermilch. Und darüber hinaus kommt dem Endocannabinoidsystem auch eine wichtige Funktion bei der Beendigung des fruchtbaren Lebensabschnitts zu.

Was ist die Menopause?

Vor der Perimenopause und in einem Abschnitt, der als Prämenopause bezeichnet wird, beginnt eine Frau typischerweise, Unregelmäßigkeiten ihres Menstruationszyklus festzustellen, und ihr Hormonspiegel beginnt zu schwanken. Der Abschnitt der Prämenopause kann einige Jahre andauern, bevor dann die Perimenopause einsetzt, und er kann sich bei einzelnen Frauen schon ab einem Alter von fünfunddreißig Jahren auswirken.

In der Postmenopause (den Jahren nach der Menopause) haben Frauen dann einen insgesamt geringeren Spiegel an Fortpflanzungshormonen, der mit einer stärkeren Sensibilität für Infektionen des Harnwegtrakts, einer Gewichtszunahme und einigen anderen gesundheitlichen Problemen einhergeht.

Symptome der Perimenopause

In der Perimenopause, die typischerweise im Lebensalter von 45 bis 55 Jahren eintritt, treten einige unangenehme und manchmal auch die Gesundheit beeinträchtigende Symptome auf. Diese Symptome können grob in drei Gruppen unterteilt werden: Symptome in der Vagina/Gebärmutter; andere körperliche Symptome und psychische Symptome.

Die Menopause beginnt normalerweise im Alter von etwa 45 Jahren und endet mit Mitte 50
Die Menopause beginnt normalerweise im Alter von etwa 45 Jahren und endet mit Mitte 50

Zu den Symptomen in der Vagina und Gebärmutter gehören Vaginaltrockenheit, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und die atrophische Vaginitis (hierbei werden die Schleimhäute in der Vagina, der Vulva und in angrenzenden Geweberegionen dünner und weniger elastisch).

Weitere körperliche Symptome können Nachtschweiß, Herzrasen, Schwindel, Kopfschmerzen, Muskelsteifheit, Rücken- und Brustschmerzen, Harninkontinenz, Schlaflosigkeit und Hitzewallungen sein. Zu den psychischen Symptomen zählt man Angstzustände, Depressionen, fehlende Konzentration, Gedächtnisstörungen, Stimmungsschwankungen und Libidoverlust.

Die Menopause und das Endocannabinoidsystem

Wir verfügen über relativ viele Forschungsergebnisse zu den komplexen Funktionen, die das Endocannabinoidsystem bei der weiblichen Fruchtbarkeit im Allgemeinen übernimmt, auch beim Einsetzen der Menopause. Diese Forschungsergebnisse zeigen, dass in der Übergangsphase der Menopause mehrere fundamentale Veränderungen des Endocannabinoidsystems und der damit zusammenhängenden biologischen Systeme eintreten.

Die Menopause führt zu einem erhöhten Risiko für das Auftreten von Osteoporose, bei der man wiederum davon ausgeht, dass sie mit Veränderungen der vom Endocannabinoidsystem gesteuerten Funktionen des Knochensystems zusammenhängt. Eine 2011 durchgeführte Studie fand heraus, dass in den Osteoklasten (den Zellen, die für den Verzehr von Knochensubstanz verantwortlich sind) bei Frauen in der Postmenopause, bei denen Osteoporose  diagnostiziert wurde, ein Übermaß an CB2-Rezeptoren eine zu hohe Aktivität der Osteoklasten ausgelöst hatte, die dazu führte, dass die Knochensubstanz zu schnell aufgezehrt wurde.

Die Menopause reduziert auch die Aufnahmefähigkeit des Körpers für Insulin und ist dafür bekannt, bei einer großen Gruppe Frauen in der Postmenopause eine Insulinresistenz auszulösen (die wiederum zur Entwicklung einer Typ II-Diabetes führen kann). Außerdem hat eine 2013 in Kanada durchgeführte Studie ergeben, dass übergewichtige Frauen in der Postmenopause, die eine Insulinresistenz hatten, auch über eine erhöhte Konzentration des Endocannabinoids 2-AG im Blutkreislauf verfügten. Sie hatten außerdem einen geringeren Anandamidspiegel und eine erhöhte CB1-Rezeptoraktivität, verglichen mit Personen, die noch auf Insulin reagierten.

Die Beziehungen zwischen dem Endocannabinoidsystem, dem Übergang in die Menopause und der Gewichtszunahme bedürfen noch weiterer Forschungsarbeiten. Eine ältere Studie, die 2005 in Deutschland durchgeführt wurde, fand heraus, dass unter den Frauen in der Postmenopause die Gruppe der Übergewichtigen eine signifikant erhöhten Spiegel sowohl an Anandamid als auch an 2-AG zeigte, verglichen mit nicht übergewichtigen Personen. Bei übergewichtigen Frauen wurde außerdem eine korrespondierende Reduktion des Spiegels des endocannabinoid-abbauenden Enzyms FAAH beobachtet.

Wie genetische Varianten des Endocannabinoidsystems die Menopause beeinflussen

Es gibt außerdem genetische Elemente, die die Funktion des Endocannabinoidsystems an entscheidenden Stellen des weiblichen Fortpflanzungs-Lebenszyklus steuern. Die Forschung hat bewiesen, dass Personen, die über bestimmte Einzel-Nukleotid-Polymorphismen (SNPs) verfügen, abweichende körperliche Reaktionen in der Menopause zeigen, und zwar solche, die durch das Endocannabinoidsystem gesteuert werden.

Eine 2010 durchgeführte Studie an polnischen Frauen in der Postmenopause ergab, dass bei Personen, die im Besitz eines spezifischen SNPs (A3813G) des Gens waren, das die Kodierung für die Bildung von Typ-I-Cannabinoidrezeptoren enthält, eine größere Wahrscheinlichkeit für erhöhte androide (im Mittelbereich des Körpers angelegte) Fettdepots besteht.

Eine Studie aus dem Jahr 2011 derselben polnischen Forscher stellte fest, dass ein anderes SNP (RS2023239) des CNR1-Gens mit einem erhöhten „freien Androgen-Index“ bei Frauen in der Postmenopause zusammenhängen kann, die es besitzen. Höhere Konzentrationen freier Androgene (das sind männliche Fortpflanzungshormone wie z. B. Testosteron) können ihrerseits zu einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen.

Wie kann Cannabis Frauen in der Menopause helfen?

Osteoporose

Bei Osteoporose führt eine zu hohe Aktivität der CB-Rezeptoren in den Osteoklasten zum übermäßigen Verzehr von Knochensubstanz
Bei Osteoporose führt eine zu hohe Aktivität der CB-Rezeptoren in den Osteoklasten zum übermäßigen Verzehr von Knochensubstanz

Die CB2-Rezeptoren der Osteoklasten sind an der Entstehung der Osteoporose in entscheidender Weise beteiligt, und es wurde nachgewiesen, dass SNPs im CNR2-Gen, das die Entwicklung von CB2-Rezeptoren kodiert, einen entscheidenden Faktor für das Entstehen von Osteoporose bei Frauen in der Postmenopause darstellen.

Außerdem ist heute bekannt, dass auch die CB1-Rezeptoren eine Rolle bei der Entwicklung von Osteoporose spielen: Eine 2005 durchgeführte Studie wies bei Mäusen mit inaktivierten CB1-Rezeptoren eine erhöhte Knochenmasse nach, und die Tiere waren gegen einen ovariektomisch verursachten Verlust von Knochensubstanz geschützt. Mehrere Studien haben außerdem gezeigt, dass Antagonisten der CB2-Rezeptoren den Knochensubstanzverlust verringern. Daher scheint die Inaktivierung der CB-Rezeptoren der Schlüssel dafür zu sein, den übermäßigen Knochensubstanzverzehr zu vermeiden, der Osteoporose auslöst.

Gewichtszunahme

Auch wenn es einige Forschungsergebnisse zu Veränderungen des Endocannabinoidsystems bei übergewichtigen Frauen in der Postmenopause gibt, fehlen offensichtlich noch spezifische Studien zu der Fähigkeit von Cannabinoiden, eine Gewichtszunahme in solchen Fällen zu steuern oder umzukehren. Verallgemeinernd gesagt scheint es allerdings so zu sein, dass CB-Rezeptoren-Blocker auch hier der Schlüssel sind, dieses Symptom in den Griff zu bekommen.

Einige Studien haben nachgewiesen, dass Rimonabant als synthetisch hergestellter selektiver inverser Agonist des CB1-Rezeptors auch in der Lage ist, beim Menschen einen Gewichtsverlust zu bewirken. Dieses Arzneimittel wurde aber vom Markt genommen, da es mögliche schwere Nebenwirkungen psychischer Art hatte, bis hin zu Suizidgedanken.

Allerdings ist die Prävalenz von Übergewicht bei Cannabiskonsumenten viel geringer als im Bevölkerungsdurchschnitt, ein Umstand, der eventuell auf eine synergistische Wirkung von THC in Kombination mit CBD zurückzuführen ist. Daher könnte nicht-synthetisches medizinisches Cannabis ein gleich effektives oder sogar effektiveres Mittel als jedes synthetische Cannabinoid sein, das außerdem mit weit weniger möglichen Nebenwirkungen verbunden ist.

Schlaflosigkeit

Schlaflosigkeit ist ein verbreitetes Symptom in der Menopause, das durch Cannabis gelindert werden kann
Schlaflosigkeit ist ein verbreitetes Symptom in der Menopause, das durch Cannabis gelindert werden kann

Auch hier gibt es keine spezifischen Studien zur Fähigkeit von Cannabis, Schlafstörungen bei Frauen in der Menopause zu reduzieren. Aber es gibt durchaus einige Studien, die die Fähigkeit verschiedener Cannabinoide und synthetischer Cannabinoide (hierzu zählen Anandamid und das THC-analoge Marinol) belegen, die Einschlafdauer zu verkürzen, die Erholungsfunktion des Schlafs zu verbessern und die Wahrscheinlichkeit des Aufwachens mitten in der Nacht zu reduzieren, wie eine Auswertung aus dem Jahr 2007  aufgezeigt hat.

Insulinresistenz

Zu den Beziehungen zwischen dem Endocannabinoidsystem, der Insulinresistenz und der Entwicklung von Diabetes sind mehrere Studien durchgeführt worden. Es stellte sich heraus, dass CB-Rezeptor-Blocker der Schlüssel für ein Management der Insulinresistenz sind, da CB2-geblockte Mäuse eine reduzierte Insulinresistenz zeigen und für CB1-Rezeptor-Blocker wiederholt nachgewiesen wurde, dass sie eine lebensmittelbedingte Insulinresistenz abmildern.

Schmerzen

Über die Jahrzehnte hinweg wurden zahllose Studien zur Fähigkeit von Cannabis und Cannabinoiden veröffentlicht, Schmerzen zu bekämpfen. Dabei besteht offenbar allgemeiner Konsens darüber, dass CB-Rezeptor-Agonisten für die Bekämpfung von Schmerzen nützlicher sind als Blocker. Sowohl für CB1-Rezeptor-Agonisten wie Anandamid als auch für CB2-Rezeptor-Agonisten wie das synthetische AM1241 wurde nachgewiesen, dass sie bei chronischen Schmerzen eine antinozizeptive Wirkung besitzen.

Angstzustände

Die genaue Funktion des Endocannabinoidsystems bei der Linderung von Angstzuständen bleibt ein etwas kontroverses Thema, und es scheint dabei auf die Dosierung anzukommen. Eine geringe Dosierung von CB-Rezeptor-Agonisten scheint eine angstlösende Wirkung zu haben, während eine höhere Dosierung den gegenteiligen Effekt bewirkt. Außerdem scheint die Inaktivierung oder Zerstörung von CB1-Rezeptoren Angstzustände zu bewirken.

Libidoverlust

Für den CB1-Rezeptor-inversen Agonist AM251 wurde nachgewiesen, dass er bei weiblichen Ratten die sexuelle Motivation, Perzeptivität und Rezeptivität steigert, was eine mögliche Verwendung von CB1-Rezeptor-Blockern für die Behandlung des Libidoverlusts bei Frauen nahelegt.

Kann Cannabis auch Symptome der Menopause verschlimmern?

Trockenheit der Schleimhäute

Cannabis hat mit Sicherheit etwas mit Xerostomie (Mundtrockenheit) zu tun. In der Publikumspresse wurde es auch öfter in Zusammenhang mit der Vaginaltrockenheit gebracht, obwohl sich herausgestellt hat, dass dafür keine Tatsachengrundlage gegeben ist. Die Grundlage für diese Behauptung scheint eine 2009 durchgeführte Studie unter dem Titel „Cannabis und die sexuelle Gesundheit“ zu sein. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich aber, dass der Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und Vaginaltrockenheit in Wirklichkeit zu gering ist, um eine statistische Signifikanz zu erreichen. Außerdem unterscheidet sich der Mechanismus, auf dem die Vaginalbefeuchtung beruht, in fundamentaler Weise vom Speichelfluss.

Es gibt sogar Belege dafür, dass Cannabis die sexuelle Erregbarkeit steigern kann, was sicher eher eine vorteilhafte als eine nachteilige Wirkung auf den natürlichen Vorgang der Vaginalbefeuchtung hat.

Herzrasen

Auch wenn der Konsens hierüber noch nicht gesichert ist, scheint es so zu sein, dass Cannabis bei entsprechend prädisponierten Personen akute kardiovaskuläre Ereignisse auslösen kann. Offenbar sind vorrangig Agonisten wie THC für solche Ereignisse verantwortlich. Bei Personen, die zu Herzrasen neigen, kann es daher empfehlenswert sein, die Einnahme von THC zu vermeiden, insbesondere dann, wenn bereits weitere Risikofaktoren bestehen.

Verallgemeinernd gesagt ist es wohl so, dass CB-Rezeptor-Blocker einen größeren Nutzen für die Bekämpfung mit der Menopause zusammenhängender Störungen haben, beispielsweise bei der Bekämpfung von Osteoporose, von Gewichtszunahme und von Libidoverlust. Demgegenüber sind Agonisten wie THC in den Fällen nützlicher, in denen es um die Bekämpfung von Schmerzen, Angstzuständen und Schlaflosigkeit geht.

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ann

ein sehr guter informativer und wichtiger artikel für alle
vielen dank !

06/08/2015

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.
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