Cannabislegalisierung – ein Patient auf Mission

Sein Name ist Günter Weiglein. Er ist 49 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Söhne. Vor seinem schweren, unverschuldeten Motoradunfall im Jahr 2002 war er Konstrukteur in der Automobilbaubranche. Seit seinem Unfall nimmt er das Leben selbstständig in die Hand, als Unternehmer von „Rent a Pizzeria“ und als Cannabisaktivist. Seine chronischen Schmerzen behandelt Günter seit 2006 mit natürlichem Cannabis. Seit 2009 ist er im Besitz einer Ausnahmegenehmigung zum legalen Bezug von Cannabisblüten aus der Apotheke.


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Eric Gatson, Tilo Clemeur und Günter Weiglein (von links nach rechts)

Sein Name ist Günter Weiglein. Er ist 49 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Söhne. Vor seinem schweren, unverschuldeten Motoradunfall im Jahr 2002 war er Konstrukteur in der Automobilbaubranche. Seit seinem Unfall nimmt er das Leben selbstständig in die Hand, als Unternehmer von „Rent a Pizzeria“ und als Cannabisaktivist. Seine chronischen Schmerzen behandelt Günter seit 2006 mit natürlichem Cannabis. Seit 2009 ist er im Besitz einer Ausnahmegenehmigung zum legalen Bezug von Cannabisblüten aus der Apotheke. Bereits ein halbes Jahr nach dem Erhalt dieser Lizenz hat er einen Antrag zum Eigenanbau von Cannabis gestellt, welchem bis heute nicht stattgegebenen wurde.

Die Mühlen mahlen langsam

Seit nunmehr über 4 Jahren kämpft Günter Weiglein um den Eigenanbau seiner Medizin Cannabis. Der endgültige Erfolg, die Befugnis dafür, selbst Cannabis anbauen zu dürfen steht immer noch aus, da das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) genau diese Lizenz nicht freigibt. Auch nicht nach einem positiven Richterspruch im Juli dieses Jahres in Köln.

Günter hatte es im Grunde nicht anders erwartet. Sein Anwalt teilte ihm vor wenigen Wochen mit, dass das BfArM am 27. August 2014 in Berufung gegangen war. Die Begründung dazu hätte innerhalb von 4 Wochen vorliegen müssen. Wie Sensi Seeds aber erfahren hat, wurde jetzt eine Abgabefristverlängerung für die Begründung bis 01. Dezember 2014 gefordert.

„Das Spiel auf Kosten meiner und der Gesundheit vieler anderer Menschen wird munter weiter betrieben.“, so Günter in einer ersten Reaktion.

Kurzer Rückblick auf das Kölner Urteil

Es sah ganz danach aus, dass der jahrelange Kampf von 3 Patienten um den Eigenanbau von Cannabis ein positives Ende nehmen sollte, denn am 22. Juli 2014 hatte das Kölner Verwaltungsgericht geurteilt, dass das BfArM verpflichtet ist, über die Anträge der Eigenversorgung mit der Medizin Cannabis erneut zu entscheiden. Der Richter Andreas Fleischfresser gab bereits während des Prozesses zu verstehen, dass der Staat chronisch kranken Menschen den Zugang zu Cannabis nicht generell verbieten darf, vor allem dann nicht, wenn die Pflanze deren einzige und wirksame Medizin ist. Der Richter räumte ein , dass die Zustände und Behandlungsmethoden, die den Patienten zugemutet werden menschenunwürdig seien.

Horrende Preise für die Medizin Cannabis

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Medizin Cannabis: Cannabis Flos von Bedrocan

Im Dezember 2009 erhielt Günter Weiglein die Lizenz für Cannabisblüten aus der Apotheke, die vom niederländischen Unternehmen Bedrocan geliefert werden. Die Jack Herer von Sensi Seeds ist eine der Hanfsamensorten, die Bedrocan für das Apotheken-Cannabis gebraucht. Jack Herer ist als Hybride dafür bekannt, das Zentrum des Indica-Sativa-Spektrums zum Ausdruck bringen, d.h. den Körper zu entspannen und dennoch den High-Effekt, der tagsüber im Alltag von Nöten ist zu liefern.

Sicher eine gute Sache, aber leider unbezahlbar, denn die deutschen Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine Behandlung mit Medizinalhanf-Blüten nicht. Eine kleine Dose mit 5 Gramm Cannabis Flos kostet Günter 72 Euro. Das macht 14,40 Euro pro Gramm. Sein Tagesbedarf liegt bei ca. 2 Gramm am Tag. Rechnet man das hoch, kommt man auf monatliche Ausgaben von rund 900 Euro.

900 Euro für ein Pflanze“, sagt Günter, „das kann nicht sein!“

Er und viele andere der rund 300 Cannabis-Patienten in Deutschland können sich ihre Medizin schlichtweg nicht leisten.

Medizin Cannabis aus dem Eigenanbau

Für Günter war bereits an dem Tag, an dem er die Lizenz für Cannabis aus der Apotheke bekam klar, dass er für seine Medizin jetzt und auch in der Zukunft nicht zahlen kann. Darum hat er bereits ein halbes Jahr später den Antrag auf Eigenanbau der Medizin Cannabis gestellt.

Dass er sein Cannabis sicher, entsprechend allen geforderten Vorschriften und ohne Zugang für Dritte anbauen kann, das konnte Günter vor Gericht beweisen, aber das BfArM bleibt uneinsichtig.
Wie mit jeder anderen Medizin ist es auch bei Cannabis so, dass der Körper sich an die Einnahme gewöhnt. Nach einer gewissen Zeit verlangt der Patient nach einer anderen Sorte oder einer anderen Dosierung. Im Falle von Günter ist es so, dass die 4 Sorten, die Bedrocan anbietet nicht stark genug sind. Er braucht einen anderen CBD- und THC-Gehalt im Cannabis. Es ist eine Frage des Probieren Könnens und Dürfens, möchte man die auf die eigene Situation zugeschnittene Medizin finden.

Zudem ist Günter im Gegensatz zu anderen Cannabispatienten körperlich in den Lage, selbst seine Medizin anzubauen. Das können viele der anderen deutschen Patienten nicht. Ihre physischen und/oder medizinischen Verfassungen lassen dies nicht zu.

Wie medizinisches Cannabis Günter hilft

DSC_0004Bevor Günter die Erlaubnis zum Bezug von Cannabisblüten aus der Apotheke bekam, hat er den klassischen schulmedizinischen Weg für seine Schmerzbekämpfung durchlaufen müssen. Er hat Medikamente geschluckt, die unter anderem Morphin und Opium enthalten.

Am einem Wochenende, in einer Runde mit Freunden, wurde ihm ein Joint angeboten. Jemand sagte ihm, er solle es gegen die Schmerzen probieren. Bereits nach zwei Zügen merkte Günter, wie sich sein komplettes Muskelsystem lockerte und die ständige Verspannung im Körper nachließ.

Cannabis nimmt den Schmerz im Körper nicht komplett weg, aber es gibt ihm eine Erleichterung. Er schätzt ein, dass mit der Einnahme der Medizin Cannabis nur noch 30-40% an Schmerz zu spüren sind. Das macht den Alltag ein ganzes Stück lebenswerter. Wegen des entspannenden Effekts bevorzugt Günter Indica Strains.

Sicher haben auch konventionelle Medikamente gute schmerzstillende Eigenschaften, aber nur zum Preis vieler ungewollter Nebenwirkungen, wie z.B. Magenschmerzen, Ein- und Durchschlafprobleme, Schweißausbrüche, um nur einige zu nennen. Cannabis ist nebenwirkungsfrei, es sei denn, er nimmt zu viel. Dann wird er müde, muss sich hinlegen und ausruhen.

Günter aber kann gut in sich hineinhorchen und weiß ganz genau, wie viel seiner Medizin Cannabis er braucht, um schmerz- und nebenwirkungsfrei durch den Alltag zu kommen. Mit Cannabis kann er das Leben gut angehen.

Cannabiskonsum hat immer einen medizinischen Hintergrund

Günter hat zum Cannabiskonsum eine ganz eigene, interessante Meinung:

Ich sage, alle, die Cannabis rauchen, tun dies aus medizinischen und nicht freizeitlichen Gründen. Die Menschen denken vielleicht, dass sie aus freizeitlichen Beweggründen rauchen, aber ich sage, das tun sie nicht“

Leuten, die dieser Aussage nicht zustimmen versucht er es zu erklären.

Der Manager, der nach einem langen schweren Tag im Büro zum Joint und nicht zum Glass greift, der möchte runter fahren und entspannen.

Niemand nimmt Cannabis zu sich, um krank davon zu werden. Diejenigen, denen es nicht gut bekommt lassen die Finger davon. Sie sind Nichtraucher. Sie brauchen es nicht. Diejenigen, die es rauchen versprechen sich einen Nutzen davon. Auch darum sollte die Pflanze legal sein.

„Wir sind das Trojanische Pferd für die Legalisierungsbewegung“

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Günter und Freunde @ Hash Marihuana & Hemp Museum

Legal Cannabis zu sich nehmen – das genau wird in weniger als 10 Jahren der Fall sein, denkt Günter. Er denkt aber auch, dass eine Cannabislegalisierung nur durch den Gang des medizinischen Wegs erreicht werden kann. Die Cannabispatienten, so findet er, sind das Trojanische Pferd der Legalisierungsbewegung.

Auch Günter schaut regelmäßig auf die andere Seite des Ozeans, wo Cannabis zunächst für medizinische Zwecke in 23 US-Bundesstaaten legalisiert wurde und in 2 Staaten sogar für den Genussmittelkonsum. Auch was in Uruguay passiert, bleibt hier in Europa nicht unbemerkt.

Deutschland, so schätzt er ein, wird im gesamten Legalisierungsprozess ganz hinten anstehen. Die Gesetze in Spanien, Portugal und auch den Niederlanden sind bereits viel liberaler.

Zukunftspläne

Ich möchte, dass Cannabis in Zukunft legal ist, als Betäubungsmittel, als Medizin, als Faser.“

Dafür setzt er sich ein. In der Zwischenzeit ist Günter ein bekanntes Gesicht im Streit um Cannabislegalisierung und –Regulierung geworden. Nicht nur Patienten wenden sich an ihn, auch vielen Medien hat er im Laufe der Zeit, vor allem nach dem Urteil in Köln im Juli dieses Jahres, Rede und Antwort gestanden.

Mit seinem Anwalt Matthias Schillow ist er dabei, eine Genossenschaft zu gründen, die Medizinalhanf Invest e.G., die das Ziel verfolgt, deutsche Cannabispatienten mit ihrer Medizin zu versorgen:

Für viele Patienten ist es unzumutbar und oft auch unmöglich, die für ihre Therapie verschriebenen und meist lebensnotwendigen Hanfblüten selbst anzubauen… Dem will die Genossenschaft abhelfen und die Patienten mit Medizinalhanf versorgen. Geplant sind der biologische Anbau von Hanfpflanzen, bei denen durch Einhaltung anbauwissenschaftlicher Standards die pharmakologisch bedeutsamen Wirkstoffe THC und CBD deklariert und garantiert werden können… Unser Ziel ist es, die heutigen Mondpreise der Pharmaindustrie zu unterlaufen und die uralte Volksmedizin Cannabis zu volkstümlichen Preisen auf den Markt zu bringen.“

Dabei sollte erwähnt werden, dass der frühere Richter und Anwalt Schillow eine Persönlichkeit im Kamp um Hanf-Regulierung ist. Dank ihm wird in Deutschland seit 1996 wieder legal industrieller Hanf angebaut.

Für jeden Moment dankbar

Günter ist glücklich und zufrieden, sagt er. Seit dem schweren Unfall sieht er viele Dinge anders, gelassener. Er ist dankbar dafür, noch auf dieser Erde zu sein, denn nur haarscharf ist er 2002 mit dem Leben davon gekommen.

„Ich gebe nicht auf, bis Cannabis legal ist“

Das Aktivistenherz in Günter hört allerdings nicht auf zu schlagen. Er wird keine Ruhe geben und weiter machen, bis die Pflanze Cannabis ihren ursprünglichen Stellenwert wieder erhalten hat.

…Es hätte anders ausgehen können. Ist es aber nicht. Und Sensi Seeds darf sich glücklich schätzen, diesen großartigen Cannabispatienten und Aktivisten in Amsterdam zu Besuch gehabt zu haben. Das Unternehmen wird ihn und andere Patienten weiter begleiten.

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