by Micha on 06/08/2018 | Medizinisch

Fallstudie identifiziert Cannabis als Überträger einer gefährlichen Pilzinfektion

Pilzinfektion In Kalifornien wurde Outdoor-Cannabis erstmals als Auslöser einer gefährlichen Krankheit identifiziert. Eine bislang wenig beachtete Studie belegt, dass eine Frau durch das Rauchen von kontaminiertem Cannabis ernsthaft erkrankt ist. Was ist genau passiert und wie können sich Kosumenten schützen?


Wie die Daily Mail bereits im Januar berichtete, beweist eine Fallstudie, dass pilzbefallenes Cannabis als Ursache einer Pilzinfektion bei einer kalifornischen Frau nachgewiesen wurde. Die Symptome und der Krankheitsverlauf des so genannten Valley Fever ähneln einer Hirnhautentzündung. Bei gesunden Menschen verläuft diese Krankheit jedoch im Normalfall nicht tödlich. Die Infektion rührt von dem Pilz Coccidioides Immitis, der über mit Mäusekot kontaminierten Staub oder ebenso kontaminierte Nahrung in den Körper gelangt.

Computergrafik auf der sich links die Röntgenaufnahme eines Menschen befindet. Rechts daneben sehen wir eine Vergrößerung seines Gehirns mit darin kugelförmigen Strukturen.

Das British Medical Journal veröffentlichte einen bis dato weitestgehend unbeachteten Artikel, der von einer 48-jährige Frau und Cannabispatientin berichtet, die täglich bis zu sechs Blunts (pures Cannabis in einem Tabakblatt) geraucht haben soll. Nach dem Auftreten der ersten grippeähnlichen Symptome wie Schwindel und Müdigkeit, benahm sich die Patientin aggressiv und konnte sich mit fortschreitender Krankheit nicht mehr an ihren Namen erinnern. Nach einigen Wochen diagnostizierten die Ärzte eine Kokzidioidomykose-Infektion als Ursache, wobei anfangs allerdings nicht nachvollziehbar war, wie sich die Patientin infiziert hatte. Die Patientin ist mittlerweile wieder genesen.

Pflanzen als Sporenträger

Der Pilz Coccidioides Immitis findet sich besonders in den vielen trockenen Regionen Kaliforniens im Boden. Er gilt als Auslöser von Kokzidioidomykose, allgemein bekannt als Cocci, Talfieber, kalifornisches Fieber oder Wüstenrheuma. Pflanzen, die in pilzbefallenen Böden wachsen, werden so unvermeidlich zum Sporenträger von Coccidioides Immitis.

Nachdem die Mediziner diesen Anfangsverdacht gehegt hatten, ließen sie Proben der Patientin aus der Hanfapotheke im kalifornischen Bakersfield testen. In allen Strains wurden Coccidioides Immitis- und die nicht minder gefährlichen Cryptococcus Neofarns-Sporen nachgewiesen. Ganz nebenbei wurde in 20 Sorten der Dispensary ein hoher Anteil Schimmelsporen gefunden, zudem musste das beauftragte Labor in über 90 % der Pflanzen eine erhöhte Pestizidbelastung feststellen.

Nach genauer Analyse des Falls sind sich die Mediziner nun einig, dass die Pilzsporen die hohen Temperaturen beim Verbrennen im Joint überleben und die Frau so infizieren konnten. Es ist nicht das erste Mal, dass kalifornisches Outdoor-Cannabis im Verdacht steht, den gefährlichen Pilz zu übertragen. Allerdings ging man bis zur Veröffentlichung dieser Fallstudie davon aus, dass lediglich Menschen mit einem geschädigten Immunsystem gefährdet sind, sich durch mit Pilzen kontaminiertes Cannabis anzustecken. Damit ist der Fall der 48-jährigen Frau der erste Fall bei dem bewiesen wurde, dass ein Mensch mit einem intakten Immunsystem durch das Inhalieren von pilzverseuchtem Cannabis mit dem Wüstenfieber infiziert werden kann.

Der leitende Arzt der Studie, Dr. Bryan Shapiro, empfiehlt Patienten, nur auf geprüfte Indoor-Ware zurückzugreifen: „Stellen Sie sicher, dass Sie wissen, woher Ihr Cannabis kommt. Ich empfehle, Indoor-Sorten zu kaufen. Für Leute mit einem schwachen Immunsystem wie HIV-Patienten oder bei anderen Infektionen würde ich empfehlen, das Inhalieren von Cannabis-Produkten zu vermeiden. Essbare Produkte hingegen sind wahrscheinlich sicherer.“

Sauberes Cannabis – wo gibt es das überhaupt?

In Europa werden bislang nur die Indoor-Sorten, die in Kanada und den Niederlanden zu medizinischen Zwecken angebaut werden, obligatorisch auf Schimmel und Pestizide getestet. Zudem bieten einige, wenige Coffeeshops in den Niederlanden und Cannabis Social Clubs in Spanien solche Testergebnisse für ihre Produkte an. Da Cannabis in beiden Länder allerdings nur geduldet wird, gibt es keine staatlichen Richtlinien wie in Colorado, Kalifornien oder British Columbia, sondern höchstens einige sehr engagierte Akteure innerhalb der Cannabisszene, die um Transparenz bemüht sind.

Kanada und die meisten US-Bundesstaaten fordern von den Produzenten Laboranalysen, bevor das Produkt verkauft werden darf. Dort, wo die Abgabe von Cannabisprodukten an Erwachsene legal und reguliert ist, sind die Analysen für Cannabis zum Freizeitgebrauch ebenso obligatorisch wie bei medizinischem Cannabis.

Nahaufnahme einer grün-rosafarbenen Pilzinfektion.

„Patienten, die bereits mit ernsthaften Erkrankungen zu kämpfen haben, brauchen keine zusätzlichen Probleme mit ihrer Medizin“, kommentiert die US-amerikanische Cannabinoid-Spezialistin Bonni Goldstein das Problem mit gestreckten oder anderweitig kontaminierten Blüten.

„Sie sollten sich keine Sorgen machen müssen, dass die Produkte, die sie verwenden, belastet oder giftig sind. Medical Dispensaries helfen den Patienten, die richtige Medikation zu finden. Es obliegt ihnen genauso, gefährliche Produkte zu identifizieren und nur geprüfte Waren anzubieten.“

Leider muss man in Übersee immer häufiger von belasteten Hanfblüten lesen oder hören, die ihren Weg in die Shops finden. Doch immerhin fliegt heute auch oft auf, was früher problemlos auf dem Schwarzmarkt verkauft wurde. In den Niederlanden und in Spanien ist das Problem mangels verpflichtender Kontrollen und der rechtlichen Grauzone, die Kontrollen nicht vorsieht, noch viel größer und heute aktueller denn je.

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oliver liermann

Guter professioneller Artikel. Es gibt leider zu viel unprofessionelles was mitunter die Gesundheit gefährdet. Zum Beispiel auch dies Butangasextraktoren die zur Benutzung von Feuerzeuggas (was mit allem möglichen verunreinigt sein kann),konzipiert sind. Das ist totaler Schrott. Nur weil Cannabis Illegal ist gibt es keine Kontrollen und keine verantwortlicher Umgang. Das ist das eigentliche kriminelle - eben der Unverantwortliche Umgang mit Lebensmitteln. Deswegen brauchen wir immer mehr Regeln, weil keiner sich selbst darum kümmert ordentlich zu arbeiten. Man sollte doch meinen das ein Mensch der mit Lebens- oder Gennussmitteln umgeht von selbst darauf achtet, das er niemandes Gesundheit durch seinen Pfusch oder seine Provitgier gefährdet. ich versteh solche Menschen nicht! Sind die dumm oder nur kriminell. Kollateralschäden beim Hanfanbau sozusagen.

Ich arbeite gerade an einem Prototypen einer Wasserdampfextraaktionsanlage. D.h. einer Anlage die mit einem Dampfüberhitzer und Wasserdampf mit über 200 Grad Celsius arbeitet. Also quasi die Cannabinoide verdampft und wieder Kondensiert. Der Vorteil dabei; der Dampf transportiert nur den Stoff, geht aber keine Lösung ein. D.h. Chlorophyll Dünger und alle Schadstoffe werden erst gar nicht mit extrahiert. Habt oder kenne ihr jemand mit dem ich mich da austauschen kann???????

Bin übrigens seit nun 35 Jahren Hanfaktivist und hatte mein erstes Saatgut damals von euch.
MfG Oliver Liermann, Architekt und Produktentwickler aus Berlin.

07/08/2018

Olivier

Hallo Herr Liermann, danke für Ihren Kommentar. Haben Sie es schon in unserem Forum probiert? Dort kann Ihnen bestimmt jemand weiterhelfen. Gruß aus Amsterdam Olivier

10/08/2018

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.
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