by G.B.I. on 03/08/2018 | Anbau

Grow-Report: Shiva Skunk – ein grüner Jungbrunnnen

Shiva Skunk Northern Lights #5 x Skunk #1 war der erste High-Times-Cup-Gewinner überhaupt in der Kategorie Indica. Später benannte Sensi Seeds diese Sorte in Shiva Skunk um. Für mich war es eine große Ehre, diese geschichtsträchtige Legende anlässlich des 30. Jahrestags ihres Sieges auf die Grow- und Geschmacksprobe zu stellen.


Wir schreiben das Jahr 1988. In Amsterdam findet der allererste High Times Cannabis Cup statt, damals nur im kleinen Kreis von US-Amerikanern und Holländern.

Unter den Gewinnern ist Northern Lights #5 x Skunk #1 von „The Seed Bank“ – eine Sorte, die 1987 auf den Markt kam. Die Jury kürte diese Sorte zum Sieger in der Kategorie Indica.

Shiva Skunk: aus gutem Grund  umbenannt

Der Sieg war eigentlich keine große Überraschung, denn beide Elternpflanzen erfreuten sich schon damals großer Beliebtheit und gewannen schon seit vielen Jahren Awards an der US-Westküste. In diesen frühen Jahren wurde der Begriff „Amsterdam genepool“ (Amsterdamer Genpool) geprägt, der die Strains Northern Lights #5, Skunk #1 und Haze umfasste.

Das waren (und sind) essentielle Strains, die als genetische Bausteine für unzählige andere Sorten dienten und somit eine entscheidende Rolle in der modernen Cannabis-Züchtung spiel(t)en. 1990 übernahm der Sensi Seed Club die Genetik von The Seed Bank und nannte sich fortan „The Sensi Seed Bank“.

Kurz darauf wurde der Cannabis-Cup-Champion „Northern Lights #5 x Skunk #1“ in „Shiva Skunk“ umbenannt – ein etwas umständlicher, technischer Arbeitstitel wurde so durch einen eingängigen Namen mit mythischem Reiz ersetzt. Und Sensi Seeds hat den Namen „Shiva“ natürlich aus gutem Grund gewählt:

Der Legende nach entdeckte der hinduistische Gott Shiva die bewusstseinserweiternden Eigenschaften von Cannabis, als er inmitten eines Ganja-Feldes meditierte. Unter den vielen Spitznamen von Shiva sind „Lord of Bhang“ („Lord des Bhang“, Bhang ist ein indisches Cannabisgetränk) und „The Destroyer“ („Der Zerstörer“) im Zusammenhang mit Cannabis natürlich besonders passend.

Nahaufnahme einer blühenden Spitze der Cannabissorte „Shiva Skunk“ vor schwarzem Hintergrund.

Während „Der Zerstörer“ im Falle von Shiva Skunk nicht wörtlich genommen werden sollte, ist es ein Hinweis darauf, wie potent und stark dieser Hybride mit 85-prozentiger Indica-Genetik wirklich ist.

Die Wirkung kann jedoch je nach Konsument variieren, was sowohl zu einem indicatypischen Couchlock, aber manchmal auch zu einem Zustand tiefer Kontemplation und Meditation führen kann. Aber auch von Lachflashs oder sogar energetisierenden und abenteuerlichen Rauscherlebnissen wurde schon berichtet.

„Du kannst beinahe die Schere wegwerfen.“

Shiva Skunk gelingt es, innerhalb einer schnellen Blütezeit von nur 45 bis 55 Tagen reichlich Buds zu produzieren. Die Keimlinge entwickeln sich zu kompakten Pflanzen mit fetten und stark harzigen Buds, ganz nach dem Vorbild des berüchtigten Harzmonsters Northern Lights #5.

Und die Buds sind besonders arm an Blättern, das heißt sehr „haarig“ – in früheren Sensi-Katalogen stand noch der Satz: „Man kann die Schere fast wegwerfen, da nur sehr wenig Maniküre nötig ist“.

Shiva Skunk liefert auch im Gewächshaus eine gute Performance ab und erreicht unter natürlichem Licht in der zweiten Oktoberhälfte die Reife. Das reiche Aroma zeichnet sich durch eine moschusartige Würze aus, der süße Zitrusnoten gegenüberstehen, die für Komplexität sorgen. Erfahrene Anwender beschreiben den dicken Qualm als „cremig“, während Anfänger ihn eher als „schwer“ und „ölig“ empfinden mögen.

Ein fast schon heiliges Gefühl

Obwohl ich kein praktizierender Hindu bin, fühlte es sich fast wie eine heilige Erfahrung an, diese geschichtsträchtige Sorte, den ersten High-Times-Cup-Sieger der Kategorie „Mostly Indica“ überhaupt, anlässlich des 30. Jahrestags auf die Probe stellen zu dürfen. Eine weitere epochale Strainlegende in meinem Growraum – das jagte mir einen angenehmen Schauer über den Rücken!

Aber würde Shiva Skunk nach einer halben Ewigkeit noch die gleichen herausragenden Eigenschaften haben, die es einst so populär gemacht haben? Nun, das wollte ich mir mal genauer ansehen… und so ließ ich zwei feminisierte Samen keimen. Die Keimlinge brauchten weniger als zweieinhalb Tage, um die Erdoberfläche zu durchbrechen und sich in Richtung des LED-Lichts zu recken.

Ich hielt sie drei Wochen lang in der vegetativen Phase. In dieser Zeit wuchsen sie auf 23 und 26 Zentimeter Höhe und zeigten sich insgesamt sehr robust und stabil.

Äußerlich unterschieden sich die beiden Pflanzen nicht: sechs Internodien, gedrungener, buschiger Wuchs mit früh einsetzender Seitenzweigentwicklung und dunkelgrüne Blätter, die sich zarter und dünner als erwartet entwickelten. So weit, so gut! Diese beiden Damen machten einen sehr kräftigen Eindruck. Eine wahre Freude sie wachsen und gedeihen zu sehen!

Die beiden Shiva Skunks treten aufs Gas

Nahaufnahme eines getrockneten Buds der Cannabissorte „Shiva Skunk“ vor schwarzem Hintergrund.

Zwei Wochen nach der Umstellung auf 12/12 (die Pflanzen waren innerhalb von zehn Tagen in die Blütephase gewechselt) wurde deutlich, dass eines der beiden Exemplare einen stärkeren Dehnungsdrang entwickelte, wohingegen das andere in der Höhe etwas  abfiel.

Die Blüte ging bei beiden trotzdem etwa gleich schnell voran, nach drei Wochen ragten zahlreiche weiße Härchen aus den jungen Blüten heraus. Eine Woche später legten meine beiden Shiva Skunks den Fuß aufs Gas und begannen wie verrückt zu blühen.

Sie blähten sich immer mehr auf und waren schon in diesem frühen Stadium sehr wohlgeformt. Eine so produktive Blüte nach nur vier Wochen weckte natürlich hohe Ertragserwartungen. Auch die Buds waren bereits mit vielen Harzdrüsen bestückt und rochen süß und würzig.

Nuff Respekt, die altehrwürdige Shiva-Skunk-Dame führt sich doch glatt wie ein rassiger und vor Fruchtbarkeit strotzender Hottie auf!

Ein prächtiger Lockenschopf und ein dickes Ertragswunder

Sechs Wochen der Blüte waren vergangen, als die größere Pflanze bereits wahnsinnig behaart war und an einen Lockenkopf erinnerte. Ein so extrem hohes Kelch-Blatt-Verhältnis habe ich in meiner Karriere als Grower bisher selten erlebt.

Sensi Seeds’ Spruch mit der Schere war in diesem Fall wirklich keine Übertreibung. Der prächtige, längliche, fette Top Bud ragte aus der Mitte empor, umgeben von zehn ebenfalls voluminösen Seitenbuds, alle mit attraktiven, klebrigen Trichomen geschmückt. Die kleinere Pflanze zeigte ein ähnliches Verhalten in der Blüte, mit großen, harzigen Buds und wenig Laub.

Der Unterschied bestand vor allem darin, dass die Triebe eine engere internodiale Staffelung aufwiesen, die die Pflanze regelrecht „fett“ aussehen ließ. Dicht und hart sind zwei weitere Attribute, die auf die Blüten beider Pflanzen zutrafen. Es handelt sich wahrlich um zwei regelrechte Bud-Fabriken! Der aromatische Duft wurde mit der Zeit ziemlich intensiv und ein schwerer Moschusgeruch lag in der Luft, der, wie beschrieben, noch durch einen Hauch von Zitrus aufgepeppt wurde. Köstlich!

Die Reife wurde gegen Ende des offiziell angegebenen Erntezeitfensters erreicht. Nach 54 Tagen war das höhere Exemplar voll ausgereift, zwei Tage später folgte dann „Fattie“. Die endgültigen Größen lagen bei 76 und 58 Zentimetern. Wie erwartet konnte ich die Buds im Handumdrehen maniküren, vor allem die des „Lockenkopfes“ – schnipp, schnapp, und fertig!

Für die größere Pflanze wies die Waage einen fabelhaften Trockenertrag von 104 Gramm auf, die kleinere brachte es auf 79 Gramm – ein ebenfalls hervorragendes Ergebnis, gerade für eine relativ niedrige Pflanze. Das Trocknen und Fermentieren der Buds führte zu einem feineren Aroma und intensivierte die Zitrusnoten, während die Moschusbasis etwas schwächer geworden war. Insgesamt aber eine sehr pikante, aromatische Mischung!

Shiva Skunk im Vaporizer: in Trance werden Erinnerungen wach!

In festlich-angeregter Stimmung nahm ich den ersten Zug Shiva Skunk aus meinem „Mighty“-Vaporizer. Sehr inspirierend war das Gefühl die gesamte 30-jährige Geschichte dieses Strains zu inhalieren. Ich wurde auf eine Reise in die Vergangenheit geschickt, was Erinnerungen an meine eigene lange Karriere weckte.

So war es nur passend, dass der intensive Geschmack ziemlich oldschool war, hauptsächlich süß beim Inhalieren und sehr würzig im Nachgeschmack. Mein Mund schmeckte nach Patschuli-Öl, erdig, holzig und moosig. Auf jeden Fall wunderbar organisch und ätherisch! Schon die erste Dampfwolke hatte mich in eine meditative Stimmung versetzt, die sich nach ein paar weiteren Zügen in eine Art Trance entwickelte.

Ich schloss meine Augen und schwelgte in einer bunten Welt aus Cannabis-Erinnerungen, die mir wie Blitze durch den Kopf schossen:

Zum Beispiel die jamaikanischen Ganja-Felder, die ich einmal besucht habe, meine eigenen riesigen Outdoor-Pflanzen aus den frühen 80er-Jahren, die Haschisch-Siebung mit einheimischen Bauern im marokkanischen Rif-Gebirge, bei der ich mithelfen durfte, meine Jagd nach vergessenen und exotischen Samen in Nepal, die Gesichter von alten, inzwischen verstorbenen Grow- und Rauchkameraden und die verrückten Cannabis-Abenteuer, die ich mit ihnen zusammen erlebte habe…

Das alles gab mir das glückliche Gefühl eines erfüllten Cannabislebens. Ja, ich spürte die zutiefst kontemplativen Wirkungen, die so typisch für Shiva Skunk sind. Nachdem ich mich etwa eine Stunde lang auf Zeitreise befunden hatte, bekam ich plötzlich die Munchies und plünderte meinen Kühlschrank. Die Wirkung hielt noch mehr als eine Stunde an und ließ mich in einem Zustand tiefer Entspannung und Glückseligkeit zurück.

Mein Fazit zu Shiva Skunk: so sehen Gewinner aus, damals wie heute! Diese Sorte ist ein zeitloser Cannabis-Jungbrunnen, einfach faszinierend, wie aromatisch und potent der Strain bis heute geblieben ist. Ich bin mir absolut sicher, dass Shiva Skunk auch in den nächsten 30 Jahren seinen festen Platz im Sortiment von Sensi Seeds haben wird!

Green Born Identity – G.B.I.

Grow-Schema:

GenetikShiva Skunk (Northern Lights #5 x Skunk #1)
WachstumszeitDrei Wochen (ab Keimung)
Blütezeit54 und 56 Tage / 45 bis 55 Tage im Allgemeinen
MediumPlagron Grow Mix, 11 Liter-Töpfe
pH6,2 bis 6,6
EC1,2 bis 1,8 mS
LichtBis zu 12 x SANlight S4W = 1680 Watt
Temperatur18 bis 28 Grad Celsius
Luftfeuchtigkeit40 bis 60 Prozent
BewässerungVon Hand
DüngerOrganic Bloom Liquid von Green Buzz Liquids
Zusätze/StimulanzienLiving Organics, More Roots, Humin Säure Plus, Big Fruits, Fast Buds und Clean Fruits von Green Buzz Liquids
Höhe58 und 76 Zentimeter
Ertrag79 und 104 Gramm

 

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.
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