by Tasha Smith on 09/07/2018 | Legal & Politik

Kann Irlands Aufhebungskampagne den Weg für medizinisches Cannabis ebnen?

Irlands Aufhebungskampagne Am 25. Mai 2018 stimmten 66,4 Prozent des irischen Volkes für die Aufhebung des 8. Verfassungszusatzes, den Paragraphen, der schwangeren Frauen die Abtreibung verbietet. Ab diesem Tag war klar, dass Irland, ein Land, das zuvor für seine repressive Sozialpolitik bekannt war, in eine neue Ära der Toleranz und des Mitgefühls eingetreten war. Die Frage ist nun, wird diese neue Ära auch den steinigen Pfad für eine Regulierung und Entkriminalisierung von medizinischem Cannabis ebnen?


Wie wurde die Aufhebungskampagne gewonnen?

Neben der Aufhebung des Verbots, das irische Frauen zwang, für Abtreibungen ins Ausland zu reisen, war die Kampagne, die als Bewegung zur Aufhebung des achten Verfassungszusatzes bekannt wurde, Ausdruck einer neuen Art von zivilem Aktivismus in Irland, der sich mit dem Establishment anlegte und sich weigerte, die Ungerechtigkeiten einer veralteten Gesetzgebung weiterhin zu tolerieren.

Die Kampagne zeigte, dass die irische Bevölkerung, das richtige Anliegen vorausgesetzt, durchaus dazu in der Lage ist, mit einer gemeinsamen Stimme zu sprechen, die die Macht besitzt, die öffentliche Meinung, die Gesetzgebung und die Geschichte zu ändern.

Es gab eine Reihe von Schlüsselmomenten während der Kampagne, die die öffentliche Meinung zugunsten einer Aufhebung des Gesetzes umschlagen ließ. Der Tod von Savita Halappanavar war so ein Moment. Als die Frau 2012 im Galway University Hospital aufgenommen wurde, befand sie sich in der 17. Woche und bat aufgrund einer zu erwarteten Fehlgeburt um einen Abbruch, der aber abgelehnt wurde. Drei Tage später war Savita tot.

Die Nachricht von ihrem vermeidbaren Tod führte zu einem derart heftigen öffentlichen Aufschrei, dass Savita posthum zur tragischen Heldin der Aufhebungskampagne wurde und ihr Schwung verlieh.

Regulierung von medizinischem Cannabis in Irland – Sensi Seeds Blog

Als die Komikerin Tara Flynn im Jahr 2015 mit ihrer Abtreibungsgeschichte an die Öffentlichkeit ging, gefolgt von Róisín Ingle, Redakteurin der Irish Times, vertrauten sich plötzlich Tausende von irischen Frauen den irischen Medien an und begannen zu sprechen. Twitter-Accounts und Blogs boten eine Plattform für weitere, bisher ungehörte Abtreibungs-Horrorgeschichten.

In Radiosendungen, sozialen Netzwerken und durch Mundpropaganda tauschten die Menschen Geschichten über harte Entscheidungen der Gesundheitsbehörden aus. Um 2016 herum wurde klar, dass der Sturm der Entrüstung so schnell nicht abflauen würde.

Unter dem Druck, bald Fortschritte präsentieren zu müssen, kündigte die Regierung an, 2017 eine Bürgerversammlung abzuhalten, um verschiedene Themen zu prüfen. Als die Versammlung ihre Ergebnisse zugunsten einer Aufhebung des verfassungsmäßigen Abtreibungsverbots bekanntgab, konnte die Regierung das Unvermeidliche nicht länger hinauszögern.

Eine Menschenmenge versammelte sich am Tag der Bekanntgabe der Ergebnisse um das Dubliner Schloss und skandierte Savitas Namen. Wer muss für die Kampagne für medizinisches Cannabis sterben, damit diese den gleichen Rückhalt erhält?

Verzögerungen bei medizinischem Cannabis

Bisher wurden in Irland Lizenzen für medizinisches Cannabis für ganze sieben Patienten ausgestellt. Die bekannteste Patientin ist Ava, ein junges Mädchen mit einer seltenen Form von Epilepsie namens Dravet-Syndrom und Tochter von Vera Twomey, der Frau, die zweimal 260 Kilometer zu Fuß durch Irland ging, um die Aufmerksamkeit des Gesundheitsministers Simon Harris zu erregen.

Vera hatte zwar Erfolg und erhielt eine Lizenz für ihre Tochter, aber sie hat trotzdem nicht aufgehört zu kämpfen.

Als sie im April 2018 die Auszeichnung „Person des Jahres“ erhielt, nutzte sie die Aufmerksamkeit, um sich mit dem Taoiseach (Premierminister) Leo Varadkar anzulegen und Maßnahmen in Bezug auf die „offene Frage“ der „Gesetzgebung für medizinisches Cannabis in Irland“ zu fordern.

Veras Botschaft war einfach: „Wir wollen es jetzt, Sie sind der Mann, der es umsetzen kann, und wir wollen, dass Sie nicht mehr länger damit warten.“

Der einzige Gesetzesentwurf, der bisher vor der Regierung präsentiert wurde, trägt den Namen „Cannabis for Medicinal Use Regulation Bill“ und wurde 2016 von Gino Kenny von der unabhängigen Partei „People Before Profit“ vorgelegt wurde. „Das Gesetz ist das beste Beispiel für parteiübergreifende Zusammenarbeit in Irland seit Jahren“, sagt Thomas O’Connor, Leiter von NORML Irland.

Regulierung von medizinischem Cannabis in Irland – Sensi Seeds Blog

Nachdem die Regierung ursprünglich zugestimmt hatte, das Gesetz zu verabschieden, blockiert sie es nun und hat stattdessen ein Programm vorgeschlagen, das laut O’Connor „zu kompliziert ist und die Menschen zwingt, bestimmte Produkte von bestimmten Unternehmen zu verwenden“.

In den letzten Jahren hat die Sorge um Freunde und Familie, die ins Ausland reisen müssen, um Zugang zu medizinischem Cannabis zu erhalten, zugenommen. „Selbst wenn ein Patient eine Lizenz bekommt, muss er noch nach Holland oder Spanien gehen“, sagt Gino Kenny. „Und sie müssen das Gesetz brechen.“

„Die Menschen sollten nicht aus medizinischen Gründen reisen müssen“, sagte Gesundheitsminister Harris im Vorfeld des Referendums zur Abtreibung. Varadkar ging noch einen Schritt weiter und verlangte „kein Verständnis für Ärzte, die den Patienten sagen, dass man in ihrem eigenen Land nichts weiter für sie tun kann.“

Die Kampagnenführer sind bestrebt, die Politiker beim Wort zu nehmen, erkennen aber auch, dass die Regulierung von medizinischem Cannabis eine größere Herausforderung darstellt.

Über die medizinische Gemeinschaft gewinnen

„Die Aufhebungskampagne war ein in gewisser Weise dankbarer, weil es eine einfache Ja- oder Nein-Entscheidung war“, sagt Tom Curran, Direktor von Irish Patients for Safe Access (IPSA) und bekannter Kämpfer für Gesundheitsrechte in Irland.

„Wenn wir ein Referendum über medizinisches Cannabis hätten, würden die Leute mit ,ja‘ stimmen, aber nach welchem System sollen die Ärzte es dann verschreiben? Wir haben im Fall von medizinischem Cannabis die seltsame Situation, dass Patienten oft mehr wissen als Ärzte – und das muss sich ändern.“

Curran hat ein tiefes Verständnis für die Komplexität des therapeutischen Umgangs mit Cannabis, da er es zwei Jahrzehnte lang zur Behandlung seiner Frau Marie verwendete. „Es ist nicht dasselbe wie einen Joint zu rauchen“, erklärt er.

„Die richtige Dosis für Marie zu finden, dauerte drei oder vier Jahre. Es braucht ein paar Versuche, um die richtige Dosierung jedes Arzneimittels zu finden, und das gilt eben auch für Cannabis. Die richtige Dosis für den richtigen Krankheitszustand ist entscheidend. Und was für den einen funktioniert, könnte für den anderen nicht funktionieren. Ärzte können nicht verschreiben, was sie nicht verstehen.“

Currans aktuelles Ziel ist es, irische Ärzte über medizinisches Cannabis aufzuklären. Daher veranstaltet er zu diesem Zweck später im Jahr 2018 ein Seminar. Die Bedeutung der Unterstützung durch die medizinische Gemeinschaft ist nicht zu überschätzen. Als der bekannte irische Geburtshelfer Dr. Peter Boylan sich für Schwangerschaftsabbrüche aussprach, war dies ein wichtiger Impuls für die Kampagne, die es anderen Ärzten ermöglichte, seinem Beispiel zu folgen.

Von der Aufhebung zur Regulierung

Bevor Ärzte jedoch Cannabis verschreiben können, muss sich die Einstufung als Class-A- Substanz ohne jeden medizinischen Wert ändern. Niall Nelligan ist Rechtsanwalt, Akademiker und Gründer der Gruppe zur Reform der Drogenpolitik namens Fweed. Nelligan hat zusammen mit Senatorin Lynn Ruane die „Controlled Drugs and Harm Reduction Bill 2017“ ausgearbeitet. Er glaubt, dass die Regulierung von Cannabis der einzige Weg ist, das Problem zu lösen, und möchte, dass Irland einen ähnlichen Weg wie Colorado einschlägt.

Er wird der irischen Regierung im Juli 2018 ein Dokument zur politischen Reform vorlegen. „Die Dinge bewegen sich schneller, als die Leute denken“, sagt er, „aber wir müssen zuerst das Gesetz ändern, die Legalisierung nur für medizinische Zwecke wird nicht funktionieren. Was wir brauchen, ist eine flächendeckende Regulierung, um die Vergabe von Lizenzen an Hersteller und Verkäufer zu erleichtern. Alles andere als eine komplette Regulierung ist Zeitverschwendung.“

In Irland werden in den nächsten zwölf Monaten Parlamentswahlen stattfinden, die das Thema Cannabis ins Rampenlicht rücken werden. Nelligan ist zuversichtlich, dass die Regierung in den nächsten vier Jahren sowohl den medizinischen Bereich als auch den Freizeitgenuss regulieren wird.

„Die Repeal Campaign zeigte die bemerkenswerte Stärke der Menschen unserer jungen Generation“, sagt er. „Sie beschäftigen sich mit Cannabis und sind informiert. Sie haben gezeigt, dass sie ein ,nein‘ als Antwort nicht akzeptieren und ihre Unterstützung eine Wahl beeinflussen kann.“

Kommentar Abschnitt

Haben Sie eine Meinung dazu? Lassen Sie es uns mit einem Kommentar wissen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Bitte geben Sie einen Namen ein
Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.
Read More
Read More
Read More
Read More
Read More