Sieben Fakten über selbstblühendes Cannabis

Selbstblühende Cannabissorten haben in den letzten fünf Jahren stetig an Popularität gewonnen, da verbesserte Zuchtmethoden neue und bessere Sorten hervorgebracht haben. Heute ist es möglich, innerhalb von nur neun oder zehn Wochen (von der Keimung bis zur Ernte) üppige und äußerst potente Ernten einzufahren.

Selbstblühende Samen sind eine relativ neue Errungenschaft in der Welt des Cannabis-Anbaus. Selbstblühende Pflanzen stammen von der in Russland und Zentralasien heimischen Cannabis-ruderalis-Genetik ab und sind nicht auf Veränderungen im Lichtzyklus angewiesen, um die Blütephase einzuleiten, sondern sie nutzen andere Faktoren als Auslöser: ihr Alter und ihre Größe.

1. Was ist Cannabis ruderalis?

Cannabis ruderalis ist eine vermeintliche dritte Cannabis-Art (oder -Unterart) und kommt in nördlichen Breitengraden der nördlichen Hemisphäre vor, insbesondere in Russland. Cannabis ruderalis zeichnet sich durch seine kleine Statur, einen niedrigen Cannabinoidspiegel, hohe Widerstandsfähigkeit und Kältebeständigkeit aus – und natürlich durch die Gabe, unabhängig von den Lichtzyklen zu blühen, sobald ein bestimmtes Alter und eine bestimmte Größe erreicht sind.

Einige Botaniker klassifizieren es als eine eigene Art, andere als Unterart von Cannabis indica oder Cannabis sativa. 2003 zeigte die chemotaxische und genetische Analyse der Cannabinoidvariationen bei 157 Cannabissorten, dass Cannabis sativa und Cannabis indica vermutlich zwei unterschiedliche Arten sind und dass Cannabis ruderalis eine Unterart von Cannabis sativa ist. Jedoch ist auch das umstritten. 2005 ergab eine neue Analyse, dass Cannabis ruderalis tatsächlich eine eigenständige Spezies und eine „Schwester-Art“ von Cannabis indica und Cannabis sativa sein könnte.

Aufgrund des extremen Klimas und der kurzen Vegetationszeit in seinem natürlichen Lebensraums, hat sich Cannabis ruderalis zu einer Pflanze entwickelt, die innerhalb kürzester Zeit wächst, blüht und Samen bildet, indem sie nicht auf die Verkürzung der Tageslichtstunden am Ende des Sommers wartet, um die Blütephase einzuleiten. Denn zu diesem Zeitpunkt sinken die Temperaturen in seinem Ursprungsland bereits auf ein ungünstiges Niveau und der Frost setzt ein. Daher fängt die Pflanze an zu blühen, sobald sie vier oder fünf Zweige ausgebildet und eine Höhe von etwa 50 Zentimeter erreicht hat.

Zu den Eigenschaften von Cannabis ruderalis gehören:

  • Kurze Wachstums- und Blütephasen
  • Unabhängigkeit von Licht-/Tageszyklen bei der Einleitung der Blütephase
  • Kälte- sowie frostresistent
  • Wird 50 Grad nördlich des Äquators oder höher angetroffen

2. Was sind kommerzielle selbstblühende Pflanzen und die sogenannten „Super-Autos“?

In den letzten 10 oder 20 Jahren haben Züchter angefangen, die Genetik von Cannabis ruderalis mit gewünschten, cannabinoidreichen Sorten zu kreuzen, um kommerziell verwertbare, selbstblühende Hybride herzustellen. Es ist durchaus möglich, dass auch einige andere selbstblühende Landrassensorten bei der Entwicklung der ersten selbstblühenden Varietäten eine Rolle gespielt haben, wie beispielsweise eine Pflanze namens „Mexican Rudy“. Wie der Name schon sagt, handelte es sich um eine ruderalisartige Pflanze, die in Mexiko gefunden wurde. Sie wurde eingesetzt, um eine der ersten kommerziellen selbstblühenden Sorten auf dem Markt, die LowRyder, zu entwickeln.

Die erste Welle kommerzieller selbstblühender Sorten, einschließlich LowRyder, war typischerweise sehr klein (in der Regel erreichten sie eine maximale Höhe von 40 Zentimeter), wies einen niedrigen Cannabinoidgehalt auf, schmeckte etwas fad und war nicht besonders potent.

Jedoch führten die nachfolgenden Generationen durch Kreuzungen und Rückkreuzungen zur Entwicklung einer Reihe von Sorten mit höherer Potenz, die im Allgemeinen als Super-Autos bezeichnet werden. Super-Autos sind typischerweise viel größer und buschiger als die ursprünglichen selbstblühenden Sorten sowie deren Ruderalis-Vorfahren und können 90 bis 100 Zentimeter hoch werden.

3. Selbstblühende Pflanzen benötigen keine Dunkelheit

Es besteht zudem die Möglichkeit, dass bestimmte hormonelle und metabolische Prozesse tatsächlich im Dunkeln ablaufen und dass eine bessere Gesundheit sowie höhere Vitalität der Pflanzen erreicht wird, wenn man sie nachts „ruhen“ lässt. Dies beruht jedoch nur auf anekdotischen Berichten und es liegen keine empirischen Beweise dafür vor, zumindest nicht im Fall selbstblühender Cannabissorten.

4. Selbstblühende Pflanzen können das ganze Jahr über outdoor angebaut werden

Wer das Glück hat, in milden bis warmen Klimazonen zu leben, in denen der Outdoor-Anbau möglich ist, hat schier unbegrenzte Möglichkeiten beim Anbauen selbstblühender Sorten. Innerhalb von nur acht bis zehn Wochen von Saat bis Ernte ist es möglich, bei ganzjährig günstigen Bedingungen mindestens fünf Ernten pro Jahr einzufahren.

Außerdem sind selbstblühende Pflanzen dermaßen widerstandsfähig, dass sie so lange gut gedeihen wie die Temperaturen oberhalb des Gefrierpunktes liegen. Selbstblühende Sorten sind im Allgemeinen frostsicher, jedoch ist langanhaltender Frost selbst für die winterhärteste Pflanze nicht mehr zu verkraften.

Es ist jedoch zu beachten, dass selbstblühende Pflanzen nicht immer vollständig stabilisiert sind (indem man Saatgut nur bei seriösen Anbietern kauft, kann dieses Risiko reduziert werden) und wesentlich länger brauchen können als angegeben. Dennoch sind selbst die selbstblühenden Sorten, die outdoor die längste Zeit in Anspruch nehmen (die Obergrenze scheint bei 18 Wochen von Saat bis Ernte zu liegen), im Vergleich zu photoperiodischen Pflanzen in Bezug auf die gesamte Wachstumszeit wesentlich schneller.

5. Kann man selbstblühende Pflanzen klonen?

Das Klonen selbstblühender Sorten hat zu der allgemeinen Annahme geführt, dass selbstblühendes Cannabis nicht geklont werden kann, da Stecklinge gezwungen sind, dem „genetischen Zeitplan“ der Mutterpflanze zu folgen und je nach Alter zeitgleich mit ihr zu blühen. Dieser Logik zufolge können Auto-Stecklinge keine brauchbare Größe erreichen, womit die Ausbeute vernachlässigbar ausfällt.

Es gibt jedoch einige Grower, die das etwas anderes sehen und es geschafft haben, ihre selbstblühenden Pflanzen zu klonen. Sie haben es sogar fertiggebracht, die Wachstumsphase so lange zu verlängern, dass die Stecklinge beinahe die Größe ihre Mutterpflanze erreichen. Sobald sie ihre maximale Größe erreichen, fangen sie an zu blühen.

Die wichtigste Voraussetzung für den Versuch, selbstblühende Pflanzen zu klonen, ist, nur Stecklinge aus den unteren Zweigen zu entnehmen. Diese unteren Zweige scheinen hormonell stabiler zu sein als der neuere Wuchs an der Spitze der Pflanze. Der Hauptstamm, das sogenannte Apikalmeristem, ist der erste Teil der Pflanze, der das Signal empfängt, dass die Blütephase eingeleitet werden muss. Diese Information braucht eine gewisse Zeit, um nach unten zu gelangen und auch die unteren Zweige zum Blühen zu bringen.

So entsteht ein kurzes Zeitfenster zwischen dem ersten Auftreten von Geschlechtsmerkmalen (unter der Annahme, dass normale, nicht feminisierte selbstblühende Samen verwendet werden) und der Permeation von Blütenhormonen im Gewebe der Pflanze. Dieses Zeitfenster ist möglicherweise nur wenige Stunden geöffnet, weshalb es wichtig ist, die Pflanzen genau zu beobachten, sodass man die Voranzeichen der Blütephase sofort erkennt und die Stecklinge entnimmt, sobald sie auftreten.

Nach der Entnahme der Stecklinge sollten diese unter schwachem Licht und bei feuchten Bedingungen gehalten werden, bis sie Wurzeln gebildet haben. Nach der Wurzelbildung bleiben sie in der vegetativen Wachstumsphase, bis sie etwa 80 Prozent der Größe der Mutterpflanze erreicht haben. Letztendlich liefern sie dann vergleichbare Ernten.

6. Wann blühen selbstblühende Planzen?

Für die meisten Pflanzen, einschließlich der regulären Cannabissorten, gibt es ein Gen, das photoperiodische Abhängigkeiten und Reaktionen kontrolliert. Offensichtlich fehlt dieses Gen in selbstblühenden Pflanzen, was dazu führt, dass sie nicht als Reaktion auf Veränderungen des circadianen Rhythmus blühen.

Noch immer wissen die Wissenschaftler nicht genau, welches Gen für die Blüte bei selbstblühenden Sorten verantwortlich ist. Wir wissen jedoch, dass die Blüte in diesem Fall eher vom Alter als von Veränderungen im Licht ausgelöst wird. Die meisten selbstblühenden Pflanzen fangen sechs bis acht Wochen nach dem Einpflanzen an zu blühen.

7. Wie lange brauchen selbstblühende Pflanzen von der Aussaat bis zur Ernte?

Da selbstblühende Sorten in der Regel noch eine Neuheit in der Welt der Cannabis-Genetik sind, kann die Zeit zwischen Saat und Ernte sehr unterschiedlich ausfallen. Im Allgemeinen sollte eine gute selbstblühende Sorte innerhalb von zehn Wochen nach dem Einpflanzen erntereif sein. Allerdings ist dies nicht immer der Fall.

Es wurde berichtet, dass einige selbstblühende Pflanzen bis zu 18 Wochen zwischen Saat und Ernte benötigen. Dies kann auf eine Instabilität in der Genetik oder vielleicht auf ein unzuverlässiges Saatgut zurückzuführen sein, das bei einem unseriösen Händler gekauft wurde.

  • Disclaimer:
    Die Gesetze und Vorschriften zum Cannabisanbau sind von Land zu Land unterschiedlich. Sensi Seeds rät Ihnen daher dringend, Ihre lokalen Gesetze und Vorschriften zu befolgen. Handeln Sie nicht im Widerspruch zum Gesetz.

Comments

2 Kommentare zu „Sieben Fakten über selbstblühendes Cannabis“

  1. Ich hätte gerne mehr Informationen über den Lichtfaktor gelesen. Inwiefern ist dieser wichtig um den Ertrag zu beeinflussen?

    Bei Beginn der ersten Blütenstände von Autoflowering Pflanzen, sollte da die Lichtperiode auf 12 h reduziert werden oder bei 18 h gelassen werden?

    1. Stefanie - Sensi Seeds

      Hallo E.T.,
      Vielen Dank für den Kommentar bzw. die Fragen. Antworten darauf können Sie eventuell in unserem Forum http://forum.sensiseeds.com/ finden. Zudem geben folgende Links mehr Auskunft zu selbstblühenden Samen:
      https://sensiseeds.com/de/autoflowering
      https://sensiseeds.com/de/info/faq/was-sind-autoflowering-cannabissamen/
      https://sensiseeds.com/de/blog/5-fakten-ueber-autoflowering-samen-die-sie-kennen-sollten/
      https://sensiseeds.com/de/blog/alles-ueber-selbstbluehenden-cannabis/
      Viel Erfolg wünscht,
      Stefanie vom Sensi Seeds Team

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