by Seshata on 30/11/2015 | Anbau

Top 10 der verrücktesten Cannabis-Mutationen

16.11.2018 Hier unser aktualisierter Artikel

×

Cannabis-Mutationen Krankheiten, Schädlingsbefall, schlechte Umwelt und Nährstoffmängel können Cannabispflanzen etwas seltsam aussehen lassen. Aber dieser Artikel behandelt DNA-Mutationen, die zu noch merkwürdiger aussehenden Pflanzen führen können!


Alle genetischen Informationen, die für das Wachstum einer Pflanze benötigt werden, befinden sich in ihrer DNA. Die DNA ist ein spiralförmiges Molekül, das aus zwei Spiralsträngen besteht, die durch sogenannte Basenpaare verbunden sind. Ein einzelnes DNA-Molekül oder Chromosom enthält Hunderte von Einzelgenen, von denen jedes aus Tausenden von Basenpaaren besteht. Mutationen entstehen, wenn sich die DNA einer Pflanze verändert.

Es gibt zwei Arten von DNA-Mutationen – Genmutationen und Chromosomenmutationen. Bei einer Genmutation wird die Reihenfolge der Basen auf einem DNA-Strang verändert. Eine Chromosomenmutation kann mehrere Formen annehmen: die Reihenfolge der Gene auf dem Chromosom kann sich ändern, Gene können dupliziert oder gelöscht werden oder sie können sogar von einem Chromosom abbrechen und sich mit einem anderen verbinden. Bei dem Mutationstyp namens Polyploidie kann sich die Anzahl der Chromosome auch vermehren (siehe unten).

Gen- und Chromosomenmutationen sind etwas ganz Natürliches, kommen in der Regel aber nur in geringer Häufigkeit vor. Höhere Mutationsraten treten auf, wenn die DNA durch ein Mutagen beschädigt wird. Das können bestimmte Chemikalien wie beispielsweise Colchicin, Koffein oder Senfgas, aber auch UV-, Röntgen- oder Gammastrahlung sein.

Oft sind diese DNA-Veränderungen schädlich für die Pflanze und werden nicht an nachfolgende Generationen weitergegeben. Aber durch zufällige Mutationen können auch wünschenswerte oder zumindest neutrale Eigenschaften entstehen. Solche Merkmale können oft durch selektive Züchtung oder natürliche Selektion stabilisiert werden. Durch zufällige, vorteilhafte Mutationen können außergewöhnliche Strains entstehen.

Dieser Artikel behandelt sowohl einmalige Mutationen, die gelegentlich bei einer einzelnen Pflanze auftreten können, als auch Mutationen, die durch natürliche Selektion oder selektive Züchtung stabilisiert wurden.

Quirlblättrige Phyllotaxis

Phyllotaxis ist der botanische Begriff für die Anordnung der Blätter an einem Pflanzenstamm. Die Grundanordnung der Blätter ist wechselständig (auch als spiralförmig bekannt). Bei der gegenständigen Phyllotaxis sprießen zwei Blätter aus der gleichen Position am Stamm, während bei der wechselständigen Phyllotaxis jedes Blatt von einem eigenen Punkt am Stamm erwächst. Die quirlblättrige Phyllotaxis ist eine interessante Variante, bei der mehrere Blätter an der gleichen Stelle des Stängels entstehen. Junge Cannabispflanzen weisen eine wechselständige Phyllotaxis auf, wobei sich eine alternative Phyllotaxis zeigt, wenn sich die Pflanze der Geschlechtsreife nähert. Quirlblättrige Phyllotaxis ist eine relativ häufige Cannabismutation und bewirkt, dass, von jeder Nodie drei oder mehr Blätter wachsen – üblicherweise sind es zwei. Zusammen mit den zusätzlichen Blättern wird an jeder Nodie ein zusätzlicher Zweig erzeugt, was bedeutet, dass Pflanzen mit quirlblättriger Phyllotaxis oft besonders buschig wachsen!

Top 10 der verrücktesten Cannabis-Mutationen
Cannabis-Mutationen – Quirlblättrige Phyllotaxis

Die spiralförmige Phyllotaxis ist hübsch anzuschauen und kann zu etwas höheren Erträgen führen, wird aber allgemein als relativ nutzlos für Züchter angesehen, da das Merkmal normalerweise mit jedem Versuch, reinerbige Zuchtlinien zu entwickeln, verschwindet.

Schwimmhaut-Blätter oder „Ducksfoot“-Cannabis

„Ducksfoot“ ist eine Cannabisart, die sich durch extrem breite, vernetzte Blätter auszeichnet. Diese erinnern an die Häute zwischen den Zehen eines Entenfußes; daher der wunderbar anschauliche Name! Während der Vegetationsperiode hat die Ducksfoot (ebenso wie die vielen Kreuzungen, die sie hervorgebracht hat) praktisch keinerlei Ähnlichkeit mit einer Cannabispflanze, und selbst in voller Blüte können ihre äußere Erscheinung und ihr Geruch leicht über ihre wahre Natur hinwegtäuschen.

Top 10 der verrücktesten Cannabis-Mutationen
Cannabis-Mutationen – Ducksfoot

Die Vernetzung der Blätter wird als nützliche Mutation angesehen, da sie zur Entwicklung reinerbiger Sorten verwendet werden kann. Diese sind gerade für Grower vorteilhaft, die ihren Anbau tarnen möchten, ohne Abstriche bei der Potenz machen zu müssen.

Creeper

Der Phänotyp Creeper (Kriecher) ist eine seltsame Mutation, die man im Allgemeinen bei tropischen Sorten antrifft, die in sehr feuchten Klimazonen häufig extrem groß werden. Anstatt eine große zentrale Cola zu bilden, wachsen ihr so große und schwere untere Zweige, dass sich diese hinunterbeugen und sogar den Boden berühren können. Wenn sie an diesem Punkt angelangt sind, wachsen die Zweige am Boden entlang weiter. Wie auch andere Pflanzen mit solch einem Verhalten, kann der Creeper dort, wo die Unterseite der Zweige den Boden berührt, sogar neue Wurzeln bilden!

Top 10 der verrücktesten Cannabis-Mutationen
Cannabis-Mutationen – Creeper

Der Creeper-Phänotyp kann durchaus nützlich sein, da er die Pflanze etwas tarnt und dank seiner zusätzlichen Wurzeln der Pflanze auch mehr Vitalität verleihen kann. Dieser Phänotyp kommt allerdings selten vor und es ist kein Strain bekannt, die mit seiner Hilfe gezüchtet worden wäre.

Australischer Bastard-Cannabis (ABC)

Diese seltene und ungewöhnliche Mutation wurde – nach Meinung einschlägiger Internetforen – erstmals in den 1970er- oder 1980er-Jahren in einer ländlichen Gegend in der Nähe von Sydney in Australien vorgefunden. Das Wachstum dieser merkwürdigen Anomalie, die der regulären Cannabispflanze so unähnlich ist, wie ein Mutant überhaupt nur sein kann, ist eher mit dem eines Krauts als dem eines aufrechten Strauchs vergleichbar. Die Blätter sind nicht gezackt und zudem glatt und glänzend. Jedes Blatt wird höchstens fünf Zentimeter lang.

Top 10 der verrücktesten Cannabis-Mutationen
Cannabis-Mutationen – Australischer Bastard-Cannabis

Die ungewöhnliche Blattform weist auf eine verbesserte Widerstandsfähigkeit und Kälteverträglichkeit hin, sodass sich das Australian Bastard Cannabis gut an seine Heimat im Süden von New South Wales und Victoria, die beide zu den kühleren Teilen Australiens gehören, anpassen konnte.

Als die Pflanze in den 1990er-Jahren in den Rest der Welt gebracht wurde, nannte man sie Australian Bastard Cannabis, kurz ABC.

Das ursprüngliche ABC war hanfähnlich und besaß somit bloß einen geringen Cannabinoidgehalt. Doch manche Untergrund-Grower experimentierten mit der Sorte und es gelang ihnen, Pflanzen zu erzeugen, die wie ursprüngliches ABC aussahen, aber bedeutend höhere THC-Konzentrationen aufwiesen.

Das ABC verursachte in Growerkreisen beträchtliches Aufsehen, als es vor rund zehn eingeführt wurde, aber trotz anfänglich vielversprechender Zuchtprogramme konnten letztlich keine im Handel erhältlichen Sorten hergestellt werden.

Die Herausforderung für die Züchter besteht darin, dass das Merkmal der charakteristischen Blattform stark rezessiv ist und daher nur schwer an die Nachkommen weitergegeben werden kann. Die Widerstandsfähigkeit und Kälteverträglichkeit des ABC findet sich jedoch in seinen Kreuzungen wieder.

Weinähnlicher Cannabis

Bei dieser Mutation werden die Dinge etwas unübersichtlich. Mehrere der Untergrund-Grower, die mit dem Genmaterial des ABC experimentierten, berichteten über die Produktion von Kreuzungen, die tatsächlich weinähnliche Eigenschaften aufwiesen, einschließlich der Fähigkeit zur Bildung von Stielen, die sich spiralförmig umeinander schlingen.

Top 10 der verrücktesten Cannabis-Mutationen
Cannabis-Mutationen – Weinähnlicher Cannabis

Diese Mutation scheint äußerst selten vorzukommen und ist außerhalb der wenigen ungewöhnlichen Experimente offenbar noch nicht beobachtet worden. Doch abgesehen von dem seltenen Auftreten und der extrem ungewöhnlichen Erscheinung scheint das Merkmal der Weinreben nicht besonders nützlich zu sein; kommerzielle Sorten wurden nie entwickelt.

Blatt-Blüten

Normalerweise entstehen die Blüten von Cannabispflanzen an den Nodien – und zwar an derselben Stelle, an der sich die Petiolen (Blattstiele) bilden. Doch eine relativ häufige Mutation kann Blüten am anderen Ende der Petiole, also an der Basis der Blätter, hervorrufen. Diese Mutation wird manchmal auch Piggyback genannt.

Top 10 der verrücktesten Cannabis-Mutationen
Cannabis-Mutationen – Blatt-Blüten

Diese Mutation ist ungewöhnlich und interessant anzusehen. Viele Grower glauben, dass sie wegen der zusätzlichen Blüten vorteilhaft sei. Doch in Wahrheit ist es wahrscheinlich besser, diese Blätter zu entfernen, sobald sie entdeckt werden, da die an diesen Stellen entstandenen Blüten meist winzig klein sind und den eigentlichen Buds Nährstoffe entziehen, die diese für ihre Entwicklung benötigen.

Polyploidie

Polyploidie sind einzelne Organismen, die die doppelte Menge des normalen Chromosomensatzes der Spezies besitzen, zu der sie gehören. Gelegentlich kann diese Eigenschaft mithilfe von Zuchtprogrammen in einer Pflanzenart verankert werden – zum Beispiel ist Hartweizen (der zur Herstellung von Pasta verwendet wird) eine polyploide Weizenform, die durch eine Kreuzung von zwei Weizengräsern derselben Spezies mit dem typischen Chromosomensatz erzeugt wurde.

Cannabis ist eine diploide Pflanze mit zwei Chromosomen-Sets. Bei Cannabis kann in seltenen Fällen eine spontane Polyploidie auftreten, wenn der normale Zellteilungsprozess während der Entwicklung gestört wird. Sie kann auch bei Pflanzen hervorgerufen werden, die sich ansonsten normal entwickeln würden, indem sie mit einer starken Chemikalie namens Colchicin behandelt werden. Colchicin ist hochgiftig und sollte nur von absoluten Profis genutzt werden, die das Risiko einschätzen und dementsprechend kleinhalten können.

Polyploidie ist im Obst- und Gemüseanbau weitverbreitet und es wurden zwei mögliche Anwendungen des Polyploidie in Hinsicht auf Cannabis untersucht: Tetraploide für höhere Erträge und Potenz und Triploide für samenlose Buds.

Tetraploide Pflanzen (vier Chromosomensätze) haben das Potenzial, Ertrag und Potenz zu steigern. Dies wurde von Buddha Seeds untersucht und in den Foren des International Cannagraphic Magazins berichtet. Enttäuschenderweise wurden keine überzeugenden Vorteile der tetraploiden Pflanzen gegenüber den diploiden Versionen beobachtet. Dies ist nicht die einzige Studie, die infrage stellt, ob tetraploide Pflanzen tatsächlich vorteilhafter sind als Diploidie: eine Studie über Polyploidie bei Hanf ergab, dass Tetraploide sich durch mehr Protein, Stärke und Flavonoide als Diploide auszeichnen, aber weniger THC beinhalten.

Wenn eine tetraploide Pflanze mit einer diploiden Pflanze gekreuzt wird, sind die Nachkommen triploid (drei Chromosomensätze) und sollten unfruchtbar und kernlos sein, was die spannende Möglichkeit eröffnet, Sinsemilla in Mischfeldern von Männchen und Weibchen zu produzieren. Im Fall von Cannabis wiesen Triploide im Vergleich zu den Diploiden zwar geringere Mengen an Samen auf, blieben aber weit hinter der für die Sinsemilla-Produktion erforderlichen absoluten Samenlosigkeit zurück.

„Aufgereihtes“ Cannabis

An „aufgereihtem“ Cannabis wachsen die Blütenkelche statt in Clustern eher entlang der Äste. Solche Pflanzen bringen weniger Ertrag und können schwer zu ernten, aber auch sehr potent sein. Dr. Grinspoon, die nach Lester Grinspoon, dem Autor des bahnbrechenden Buches „Marihuana Reconsidered“ aus den 1970er-Jahren, benannte Sativa-Sorte, ist ein Beispiel für einen Strain, der üblicherweise aufgereihte Buds aufweist.

Die Tendenz zur Aufreihung scheint vor allem in intensiv gezüchteten Sativa-Linien südostasiatischer oder südamerikanischer Herkunft präsent zu sein. „Aufgereihte“ Sorten benötigen eine lange Blütezeit, weisen einen hohen Grad an Zwitterhaftigkeit auf und liefern nur sehr wenig Ertrag – aber durch ihr einzigartiges Aussehen, Aroma und ihre Wirkung haben sie dennoch viele Fans gewonnen.

Zwillingssämlinge

Eine weitere häufige Mutation bei Cannabis sind polyembryonische Samen. Polyembryonische Samen enthalten einen zusätzlichen Sämling, sodass Grower bei der Keimung von zwei Pfahlwurzeln anstatt einer überrascht werden.

Cannabis-Mutationen - Wahrscheinlich ein riesiger aufrechter Phänotyp
Cannabis-Mutationen – Zwillingssämlinge

Wenn man behutsam vorgeht, ist es möglich, die Samenhülle nach ein oder zwei Tagen zu entfernen und die beiden Sämlinge vorsichtig voneinander zu trennen. Nach der Trennung sollten die beiden Sämlinge problemlos zu zwei gesunden Pflanzen heranwachsen – interessanterweise ist die eine Pflanze ein normaler Nachkomme ihrer Eltern, während die andere ein Klon ihrer Mutter ist.

Zwei Sämlinge kommen häufiger vor, es sind jedoch auch schon einige polyembryonische Samen mit drei Sämlingen beobachtet worden. Es handelt sich hierbei um eine interessante Mutation, die dem Züchter allerdings keinen besonderen Vorteil bietet und daher scheint kein besonderer Aufwand betrieben worden zu sein, eine reinerbige polyembryonische Sorte zu entwickeln.

Albinismus & Vielfarbigkeit

Eine der wohl schönsten spontanen Mutationen bei einer Pflanze ist die Vielfarbigkeit. Sie tritt auf, wenn einige der Gene, die die Produktion des Chlorophylls (Blattgrün) und anderer Pigmente regeln, nicht korrekt wiedergegeben werden und auf diese Weise unterschiedliche Muster von pigmentierten und nicht pigmentierten Bereichen auf Blättern und Blüten verursachen.

Top 10 der verrücktesten Cannabis-Mutationen
Cannabis-Mutationen – Vielfarbigkeit

In manchen Extremfällen können alle Gene, die die Produktion des Chlorophylls regeln, ausgeschaltet werden, sodass die Pflanze zu einem vollkommenen Albino wird (also ganz weiß ist). Doch Pflanzen, die Photosynthese zum Leben benötigen, können als Albino nicht überleben und ausreifen, da das Chlorophyll für die Photosynthese erforderlich ist.

Vielfarbigkeit ist zwar hübsch, gilt aber im Allgemeinen als nutzlos oder sogar als schädlich, da sie die Fähigkeit der Pflanze zur Photosynthese einschränkt und damit ihre Möglichkeit beeinträchtigt, maximale Erträge bei optimaler Gesundheit zu erzielen.

Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass die bei der Hochleistungs-LED-Kultivierung häufig vorkommenden weißen Blütenspitzen durch genetische Mechanismen entstehen. Tests an diesen weißen Spitzen haben Berichten zufolge einen überdurchschnittlichen Cannabinoid- und Terpenspiegel im Vergleich zu normalen Teilen derselben Pflanze ergeben – weißes Pflanzengewebe muss also nicht zwangsläufig mangelhaft sein! Natürlich müssen noch mehr Studien und Tests durchgeführt werden, um die genaue Art der Beziehung zwischen hohem Lichtniveau, Genetik und Vielfarbigkeit festzustellen.

Wir hoffen, dass Ihnen diese Auswahl an ungewöhnlichen Cannabis-Mutationen gefallen hat – und wenn Sie selbst einmal auf eine dieser oder auf eine andere Mutationen stoßen, lassen Sie es uns doch bitte im Kommentarfeld unten wissen!

Dieser Artikel wurde mit der Hilfe des unabhängigen Wissenschaftlers Dr. Gavin Macfie ergänzt, um Genauigkeit und akademische Sorgfalt zu gewährleisten.

Kommentar Abschnitt

Senden Sie den Kommentar

AnnoNym

Mittlerweile scheint es käufliche Tarn-Phänozüchtungen zu geben

20/11/2017

Bernd Schürholz

warum gibt es nicht diese unauffällig ausehenden Sorten nicht zu kaufen,
sind die Mutationen nicht weiter vererbbar? also zufällige mutatinen, oder wie bei Feminisierten Sorten durch Silbernitrat Behandlung, oder die alte Methode mit colchicine. .....ok

15/07/2018

Melisande

"Creeper" bedeutet eher Monster oder Sonderling als Kriecher ;)

16/11/2018

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Bitte geben Sie einen Namen ein
Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.
Read More
Read More
Read More
Read More
Read More
Read More
Read More
Read More