30 Jahre Sensi Seeds – ein Interview mit Ravi Spaarenberg

Interview Im Anschluss an unsere Interviews mit Ben und Alan Dronkers wenden wir uns nun einem der Menschen zu, die sowohl in Amsterdam als auch im Ausland die größte Verantwortung für den Unternehmenserfolg tragen! Lernen Sie eines der bekanntesten Gesichter des Unternehmens Sensi Seeds kennen: Ravi Spaarenberg!

Ravi Spaarenberg

Ravi Spaarenberg übernahm 2015 gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Che die Geschäfte von Sensi Seed


Ravi Spaarenberg hat während verschiedener Perioden in seinem Leben bei Sensi Seeds gearbeitet. Nachdem er eine Weile in Indonesien gelebt hat, ist er dem Unternehmen 2015 erneut beigetreten. Dieses Mal am Ruder, zusammen mit seinem Bruder Che.


Ravi-Spaarenberg-4k

Im Anschluss an unsere Interviews mit Ben und Alan Dronkers wenden wir uns nun einem der Menschen zu, die sowohl in Amsterdam als auch im Ausland die größte Verantwortung für den Unternehmenserfolg tragen! Lernen Sie eines der bekanntesten Gesichter des Unternehmens Sensi Seeds kennen: Ravi Spaarenberg!

Hi Ravi! Vielen Dank, dass Sie du dir Zeit für ein Gespräch mit uns nimmst. Erste Frage: Erinnerst du dich an deine allererste Erfahrung mit Cannabis und an dein erstes High?

Ich erinnere mich, dass Cannabispflanzen auf unserem Balkon wuchsen, als ich noch klein war. Aber erst viel später habe ich zum ersten Mal Cannabis geraucht, nämlich mit 15. Witzigerweise glaubten alle Leute, dass ich schon alles über das Grasrauchen wissen müsste, weil sie wussten, dass mein Vater hinter Sensi Smile und Sensi Seeds steckte.

Als ich meinen ersten Joint geraucht habe, war es eine Mutprobe, denn einer meiner Schulkameraden hat mich aufgefordert, einen Joint zu drehen. Also musste ich einen Joint drehen und ihn nach der Schule mit den Jungs rauchen.

Ich weiß noch, dass ich ziemlich nervös war. Ich fühlte mich ganz schön unter Druck gesetzt und schämte mich, weil ich keine Ahnung hatte, wie ich es machen musste. Deshalb zitterte ich, aber schaffte es dann doch, den Joint zu drehen, und wir pafften ein bisschen, bevor ich wegging. Aber ich habe überhaupt nichts dabei gefühlt, habe keine Wirkung gespürt.

Von da an ging es ziemlich schnell. Ich erinnere mich, wie ich meine erste Wasserpfeife gebastelt habe, na du weißt ja, wie das läuft …

Wie hat sich deine Faszination für die Pflanze entwickelt?

Als Kind bin ich immer in Gewächshäusern herumgerannt, aber mein Interesse ist viel später erwacht, beim High Life Cup in Rotterdam. Ich dürfte damals etwa 18 gewesen sein und arbeitete dort zum ersten Mal für unser Unternehmen. Und ich weiß noch, dass ich aufgetakelt war wie ein Lakai! Cypress Hill machte Musik, wir hatten einen großen Stand und Unmengen von riesigen Blüten wurden herumgereicht. Das war meine erste echte Berufserfahrung mit Gras, und da erkannte ich, wie bedeutend und großartig es war. Ich fand es einfach toll, zu dieser Branche zu gehören.

 Als ich 19 war, kam ich kurz vor meinem Schulabschluss nach Amsterdam und hatte dort wahnsinnig viel Spaß. Ich hatte also wirklich keine Zweifel mehr in Bezug auf meinen Job, als ich meine Examen in Rotterdam abgeschlossen hatte. Ich fuhr nach Amsterdam, zog über dem Coffeeshop von Sensi Seeds ein und begann sofort, dort und in der Samenbank zu arbeiten! Das war echt eine super Zeit!

Ravi Spaarenberg @ High Times Cannabis Cup 2003
Ravi Spaarenberg @ High Times Cannabis Cup 2003

Wie erging es dir in diesen ersten Jahren?

Mein Vater erklärte mir, dass ich meinen Job von der Pike auf lernen und mich selbst nach oben arbeiten müsste; also begann ich in der Samenbank zu arbeiten, wie jeder andere auch. Damals war die Arbeit ganz anders als heute – richtig relaxed. Zu dieser Zeit leitete Alan das Unternehmen.

Später renovierten wir das Museum und die Samenbank, und als der Samenbank-Manager das Unternehmen verließ, übernahm ich seine Position.

Wir expandierten und brachten nun auch Kataloge in weiteren Fremdsprachen heraus, zum Beispiel auf Japanisch, und schließlich planten wir die Eröffnung eines zusätzlichen Geschäfts auf dem Nieuwendijk in Amsterdam.

Du warst beim Ausbau von Sensi Seeds zu einem internationalen Unternehmen federführend. Kannst du uns mehr darüber erzählen, wie dies zustande kam und wie sich die Branche seit ihrer Pionierzeit entwickelt hat?

Ja, wir haben uns in den letzten 30 Jahren definitiv weiterentwickelt: Aus einem Team von begeisterten Cannabisfans wurden leidenschaftliche, engagierte Profis … Wir haben zahlreiche Werbe- und Marketingkampagnen durchgeführt und den Firmennamen auf diese Weise international bekannt gemacht. Vor allem der spanische Markt wurde ständig größer, und ich habe eine Menge Energie in den Aufbau unserer dortigen Großhandelsabteilung investiert.

Heute ist Cannabis für den Durchschnittsbürger akzeptabler geworden, und daher konnten wir den Markt in bestimmten Ländern erschließen. Man kann richtig dabei zusehen, wie der Einfluss des Marktes und somit auch die Profitgier immer stärker zunehmen. Sogar große Konzerne wie Microsoft und Apple investieren heute in Cannabisprojekte. Jeder möchte sich ein Stück vom Kuchen sichern.

Leider stelle ich immer wieder fest, dass es viele Initiativen gibt, die überhaupt keine emotionale Bindung zu ihrer Arbeit haben – sie interessieren sich nicht wirklich für die Cannabispflanze. Vermutlich ist das nur eine logische Entwicklung, aber ich bin froh, dass zumindest das Personal von Sensi Seeds durch seine gemeinsame Liebe zur Pflanze und sein Engagement für ständige Verbesserungen verbunden ist, obwohl wir inzwischen zu einer der größten Samenbanken der Welt geworden sind.

Ravi Spaarenberg @ Hash Marihuana Cáñamo & Hemp Museum Barcelona
Ravi Spaarenberg @ Hash Marihuana Cáñamo & Hemp Museum Barcelona

Bis zu welchem Grad wird Cannabis deiner Meinung nach international akzeptiert?

Ich habe ja alle Messen mitgemacht. Ursprünglich war das Unternehmen immer durch Ben und Alan auf den Messen vertreten, aber irgendwann bin ich auf diesen Veranstaltungen ebenfalls zum Aushängeschild von Sensi Seeds geworden und saß daher stets in der ersten Reihe. Was mir wirklich auffiel, waren die fortwährenden Gesetzesänderungen in den Ländern, die die Messen veranstalteten.

Beispielsweise wurden Messen in Deutschland für gewöhnlich toleriert und es gab keine Probleme, bis man die Gesetze änderte und ernsthaft beschloss, hart gegen Cannabis vorzugehen. Ich erinnere mich an eine Handelsmesse, wo die Sicherheitsvorschriften so streng waren, dass wir nicht einmal Joints rauchen durften. Mein Vater, Alan und ich beschlossen dann, lediglich Schokoladen-Joints hervorzuholen, aber die Polizei wollte selbst das nicht dulden!

Die gleiche Geschichte wiederholte sich in der Schweiz und in Großbritannien, wirklich überall. Die Industrie wuchs zwar, aber die gesetzlichen Bedingungen änderten sich immer mehr zu unseren Ungunsten. In dem einen Jahr konnte man große Stände sehen und beobachten, wie Leute während der Messe ihre Joints genossen, und im nächsten Jahr gab es kaum Besucher, und es war nicht mal erlaubt, Gras bei sich zu tragen. Seit 30 Jahren geht das nun schon so, und solche Sachen passieren immer noch. Jedermann raucht, und nach wie vor werden überall Messen abgehalten, aber Leute, die Cannabis bei sich haben, werden weiterhin verhaftet. Wirklich grotesk.

Und gleichzeitig wächst der Markt unaufhaltsam. Dieses Jahr verzeichnete die Messe Spannabis in Spanien an einem einzigen Wochenende über 20.000 Besucher! Unsere Konkurrenten wachsen natürlich auch, aber wie sich herausgestellt hat, haben wir im Endeffekt vom Wachstum profitiert. Je größer der Markt wird, desto mehr scheinen die Leute die Qualität unserer Produkte zu würdigen. Unsere Strategie ist also genau richtig!

Wie steht es mit dem rechtlichen Status der Pflanze?

Schwer zu sagen. Über die Jahre hinweg habe ich gelernt, mit Vorhersagen vorsichtig zu sein.

Ein gutes Beispiel ist das Jahr meiner Geburt, 1976. In diesem Jahr wurde Cannabis in den Niederlanden entkriminalisiert, und auch viele Staaten der USA tolerierten es noch. Doch einige Jahre später haben die USA Krieg gegen die Pflanze geführt. Heute ist es umgekehrt: Die USA machen Fortschritte, aber dafür nehmen jetzt die Repressionen in den Niederlanden zu! Das ist das Problem. Unabhängig davon, was eine Regierung beschließt – ehe man sich’s versieht, kann die nächste alles wieder rückgängig machen.

Dazu kommt, dass man die geltenden Gesetze in den meisten Ländern nicht genau kennt, das gilt sowohl für die Polizei als auch für Politiker, Raucher oder für die Bevölkerung. Das führt wiederum zu zahlreichen Fehlinterpretationen dieser Gesetze, und die Ignoranz hat teilweise verheerende Folgen: Menschen landen im Gefängnis und Familien werden zerstört. Welch große Diskrepanz zwischen dem Gesetz und seiner Anwendung herrscht, zeigt das Beispiel des persönlichen Besitzes. In bestimmten Staaten der USA kann man problemlos eine Unze (28 Gramm) Gras mit sich herumtragen. In den Niederlanden dagegen, wo man so tolerant eingestellt ist, dass man 30 Gramm mit sich führen darf, wird die Polizei dir das Gras trotzdem wegnehmen, wenn sie es findet.

Niemand scheint zu wissen, worüber er eigentlich spricht, und aus diesem Grund bleibe ich in Bezug auf neue Entwicklungen sehr vorsichtig.

“Cannabis ist mehr oder weniger salonfähig geworden, und wir haben die Anwendungsmöglichkeiten der Pflanze wiederentdeckt.“
“Cannabis ist mehr oder weniger salonfähig geworden, und wir haben die Anwendungsmöglichkeiten der Pflanze wiederentdeckt.“

Wie sieht die Zukunft von Cannabis deiner Meinung nach aus?

Ungeachtet der gesetzlichen Schizophrenie glaube ich an eine fantastische Zukunft! Man braucht sich doch nur die Entdeckungen auf medizinischem und industriellem Gebiet anzuschauen – unglaublich. Cannabis nimmt im Bewusstsein der Menschen einen immer größeren Raum ein, und auch die Akzeptanz der Pflanze und ihrer Vorzüge hat stetig zugenommen. Wer weiß? In einigen Jahren brauchen wir diese Probleme vielleicht gar nicht mehr zu erörtern. Dann wird man womöglich allgemein akzeptiert haben, dass Cannabis ganz selbstverständlich zu unserem Alltag gehört.

Cannabis ist mehr oder weniger salonfähig geworden, und wir haben die Anwendungsmöglichkeiten der Pflanze wiederentdeckt. Wieder einmal. Denn das ist in der Vergangenheit ja schon öfter passiert. Wenn du also die Zukunft vorhersagen willst, musst du zuerst in die Vergangenheit zurückblicken!

Wie wird sich Sensi Seeds in Zukunft weiterentwickeln?

Ich möchte noch mal betonen, dass ich die Sensi Seed Bank vertrete. Das Genmaterial, das wir hier beherbergen – und nach wie vor kommt neues Material hinzu – ist sehr wertvoll und muss erhalten und aufbewahrt werden. Daher mache ich mir über die Zukunft der Sensi Seed Bank keine Sorgen. Die Frage ist nur, in welcher Form sie weiterbestehen wird. Die Forschung ist lange Zeit verboten worden. Und nun gibt es ein unglaublich vielfältiges Genmaterial zu sehen und zu studieren… Das Forschungspotenzial ist wirklich erstaunlich!

Okay, jetzt zu einer persönlicheren Frage: Welche ist deine Lieblingssorte von Sensi Seeds?

Am liebsten rauche ich die Sorte Northern Lights # 5 x Haze. Und als Patient rauche ich natürlich immer wieder die Jack Herer.

Ich schaue mich auch noch in den Coffeeshops um, wenn ich in Amsterdam bin, aber bis jetzt habe ich nichts so Gutes gefunden wie die NL#5 x Haze. Was die Sache besonders erschwert, ist die Tatsache, dass Coffeeshops manchmal die Namen ändern. Daher bleibt einem nichts anderes übrig, als seine Nase in die Töpfe zu stecken, um zu erkennen, was einem angeboten wird. Das mag man zwar in den Shops nicht, aber es ist nun einmal die beste Methode.

Letzte Frage: Was beschäftigt dich derzeit?

Nun, zurzeit fühle ich mich hin- und hergerissen zwischen zwei Ländern. Ich vermisse zwar die Niederlande, aber ich liebe auch Asien.

Zudem beobachte ich die Entwicklung der Branche und stelle fest, dass es da noch viel zu tun gibt! Ich möchte auf jeden Fall daran mitwirken, weiß jedoch noch nicht genau, wie. Beispielsweise könnte ich im Bereich des medizinischen oder industriellen Gebrauchs von Cannabis arbeiten… Ich weiß es einfach nicht. Noch nicht.

Vielen Dank für das Gespräch, Ravi!

Gerne geschehen. Wir sehen uns nächste Woche in Amsterdam!

Stellen Sie sich auf jeden Fall schon mal auf unser bevorstehendes Interview ein, das wir nächste Woche mit dem derzeitigen Direktor von Sensi Seeds, Gio Dronkers, führen. Und sollten Sie etwas verpasst haben, dann finden Sie hier Links zu unseren früheren Interviews mit niemand anderem als dem Gründer von Sensi Seeds, Ben Dronkers, sowie mit dem Chef-Züchter unserer Lieblingssorten, Alan Dronkers.

#growonsensi

Kommentar Abschnitt

Haben Sie eine Meinung dazu? Lassen Sie es uns mit einem Kommentar wissen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Bitte geben Sie einen Namen ein
Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.

Ravi Spaarenberg

Ravi Spaarenberg übernahm 2015 gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Che die Geschäfte von Sensi Seed


Ravi Spaarenberg hat während verschiedener Perioden in seinem Leben bei Sensi Seeds gearbeitet. Nachdem er eine Weile in Indonesien gelebt hat, ist er dem Unternehmen 2015 erneut beigetreten. Dieses Mal am Ruder, zusammen mit seinem Bruder Che.

Read More
Read More